Ein Tropfen nach dem anderen findet den Weg auf die Windschutzscheibe. Als wir endlich vor dem Haus halten und eilig die Taschen und Tüten ausladen, regnet es schon aus allen Kübeln. Sam schnappt sich mehrere Tüten aus dem Kofferraum und ich ebenfalls. Dann rennen wir zur Haustür und es scheint fast, als ob genau in diesem Moment alle Schleusentore im Himmel geöffnet würden, nur um uns ordentlich nass zu machen.
Wir fallen schon fast mit der Tür ins Haus und stehen dann tropfend und triefend nass in der großen Halle. Erleichtert aufseufzend schält sich Sam aus seiner pitschnassen Jacke. Wasserpfützen verfärben den Marmorboden dunkel. Düster ist auch das gesamte Haus und Sam drückt hastig auf den Lichtschalter. Die Beleuchtung der Eingangshalle flammt auf und vertreibt die unheimlichen Schatten.
Klitschnass stehe ich da und fange an zu zittern. Bibbernd schlinge ich die Arme um mich und schlüpfe aus den ebenfalls vollkommen durchnässten Sportschuhen. Sam hat ein paar Handtücher herbeigezaubert und rubbelt sich die Haare trocken. Als er sieht, dass ich zitternd und nass ganz verloren da stehe, mit nackten Füßen und am Körper klebendem Kleid, nimmt er sich ein Handtuch und fängt an mich trocken zu rubbeln.
„Brrr, lass das! Ich kann das auch alleine!" versuche ich mich zu wehren, doch Sam macht sich einen Spaß daraus. „Ich tu's aber!" Zum Schluss schlingt er noch ein großes Handtuch um meinen Körper und nickt zufrieden.
„Und jetzt ab unter die Dusche!" scheucht er mich sofort die Treppe hinauf ins Bad. Dann stehe ich alleine da. Seufzend lasse ich das mittlerweile klamme Handtuch zu Boden gleiten und schäle mich aus den nassen Klamotten.
Als ich das Wasser in der überdimensionalen Duschkabine aufdrehe, springe ich mit einem spitzen Schrei zurück. Es ist eiskalt und kommt aus zahlreichen Düsen von allen Seiten. Ganz schnell habe ich mich um entschieden und lasse Wasser in die Badewanne einlaufen. Was für ein Luxus, denke ich bei mir, als ich in das Schaumbad gleite.
Die Wärme des Wassers lockert meine Muskeln und gleichzeitig meinen Geist, während der Geruch des Badeschaumes wie eine schützende Glocke über mir schwebt. Fast wäre ich eingeschlafen. doch der Gedanke, Sam könne herein kommen oder auch endlich duschen wollen, lässt mich unruhig werden, sodass ich mich etwas später schon abtrockne. Dann flitze mit einem Handtuch um die Körpermitte in mein Zimmer und bleibe abrupt sehr verdutzt stehen.
Alle Tüten und Taschen von unserem heutigen Einkaufsbummel stehen feinsäuberlich in der Mitte des Zimmers. Sam hat sich die Arbeit gemacht, sie in mein Zimmer zu tragen. Zum Glück sind sie soweit trocken geblieben. Dankbar halte ich einige Minuten inne. Draußen ist die Dämmerung schon weit fortgeschritten, es ist schon fast stockduster und der Baum neben meinem Fenster wirkt wie eine drohende Gestalt.
Außerdem regnet es immer noch. Mit flinken Fingern fische ich mir einen gemütlichen Pullover, eine Hose, trockene Unterwäsche und Socken aus den vielen Tüten und schlüpfe hinein. Die Sachen riechen zwar noch neu, aber spätestens wenn ich sie gewaschen habe, riechen sie nach Sams Waschmittel. Mit immer noch nassen Haaren husche ich zurück ins Bad und föhne mir die Haare, die mir schon nach zwei Minuten wie eine Löwenmähne vom Kopf abstehen.
Kurz darauf mache ich mich an die Arbeit, die Einkaufstaschen zu leeren und die Klamotten zu falten. Aus dem Kämmerchen am Ende des Ganges, in dem auch der Staubsauger steht, habe ich eine Schere genommen und entferne jetzt in mühsamer Feinarbeit alle Preisschilder, Zettelchen und die feinen Schnüre zum Aufhängen.
Eine ganze Weile höre ich das prasselnde Wasser der Dusche über den Flur, da Sam nach mir das Bad für sich beschlagnahmt hat. Dann ist es ganz plötzlich wieder still. Ich bin so in meine Arbeit vertieft, dass mich das Fehlen von Geräuschen bis auf das des Regens nicht weiter stört.
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Nur ein Atemzug
Teen FictionVerbogen. Gebrochen. Verkauft. Das passiert mit allen Mädchen auf der Welt. Man entreißt sie ihrer Familie, steckt sie in Erziehungsanstalten, zwingt sie in Persönlichkeiten und verkauft sie dann an den Höchstbietenden wie Kühe auf dem Markt. Diese...
