Geheimakte Laszlo

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Liebes Tagebuch...

Manchmal überrasche ich die Menschen um mich herum mit Wissen, zu dem sie Zeit ihres Lebens selbst wahrscheinlich nie gekommen wären. Man könnte das auf meine überlegene Intellegenz zurückführen, ich halte es, demütig, wie ich bin, lediglich für das Resultat meiner katzenhaften Neugier und Aufmerksamkeit. Miau!

Beispiel gefällig? Wenn man sich das Video zum Lied Lutka der bei mir und Leuten, welche die Eleganz haben, mir ein bisschen zu ähneln, beliebten serbischen Band S.A.R.S. anschaut, sieht man im Hintergrund einer Szene, mitten im sonnigen Belgrad, ausrangierte, gelbe Trams der Baselland Transport AG rumfahren.

Verrückte Sache, oder? Aber bei weitem nicht so verrückt, wie das, was jetzt kommt.

In den letzten Tagen war der unrühmliche Star aller Medien die ungarische Kamerafrau Petra Laszlo. Mit der Wucht eines Flächenbrandes haben sich Aufnahmen im Internet verbreitet, auf denen sie beim Filmen der Flüchtlingsströme an der serbisch-ungarischen Grenze einem Mann, der mit seinem Kind unter dem Arm vor der Polizei davonrennt, ein Bein stellt und ihn so zu Fall bringt. Auf einer anderen Aufnahme wieder schlägt sie mit der Eleganz einer verängstigten Stute mit dem Bein erst nach einem jungen Mann, dann nach einem Mädchen aus. Vorläufiges Ende der Geschichte: Die blonde Mittdreissigerin hat ihren Job verloren, wird von einem gewaltigen Fäkaliensturm überrollt und hat sich für ihren Patzer entschuldigt.

Was aber kaum jemand weiss: Die trittfreudige Blondine war, ehe sie die verschlungenen Pfade des Lebens zurück in ihre ungarische Heimat führten, in Deutschland beschäftigt, und zwar beim dsf, dem Deutschen Sportfernsehen. Deren Sendermotto lautete: Mittendrin statt nur dabei.

Badumm tschsch!


Die Tagebücher des WahnsinnsWhere stories live. Discover now