Aufgeregt ging ich hin und her, während Zion und Phil mich beobachteten.
„Jetzt beruhig dich doch Kind?", versuchte es Phil, doch ich funkelte ihn nur an.
„Beruhigen? Noel ist weg!", erinnerte ich ihn wütend, ehe ich weiter lief und nun auch noch an meinen Fingernägeln begann zu knappern.
Wo blieb Nathan?
Seit er angerufen hatte, um zu sagen, dass Noel verschwund war, waren gefühlte Stunden für mich vergangen.
Als die Tür endlich aufging und er hereingestürmt kam, konnte ich mich gerade so beherrschen ihn nicht zu schütteln, um die Erklärung zu bekommen.
Trotzdem schaute ich ihn erwartungsvoll an.
„Was ist passiert Nathan?"
"Ich hab keine Ahnung! Wir haben uns kurz getrennt und wollten uns in zwanzig Minuten wieder treffen. Als ich wieder kam ging er gerade mit einem Mann weg. Ich bin hinterher, aber sie sind spurlos verschwunden. Wie in Luft aufgelöst.", begann er auch schon zu erzählen.
„Und wer kann dieser Mann gewesen sein?", versuchte ich weiterhin ruhig zu bleiben, auch wenn ich lieber geschrien hätte.
"Ich weiß es nicht. Aber es sah nicht so aus, als ginge Noel freiwillig mit."
„Dann müssen wir ihn finden.", stellte ich fest, „Wie finden wir ihn?"
Ich schaute alle der Reihe nach an. Einer von ihnen musste doch eine Idee haben. Selber konnte ich gerade nur versuchen mich selber zusammen zu halten.
"Ich weiß es nicht.", wiederholte Nathan erneut und fuhr sich ein wenig verzweifelt durch die Haare.
„Okay aber irgendeiner von euch muss doch eine Idee haben.", schrie ich, während nun Tränen aus meinen Augen quollen.
Warum war die Welt so ungerecht? Wir waren doch endlich einmal glücklich gewesen. Warum musste immer jemand es zerstören?
"Das Handy! Wir orten sein Handy!", rief Zion plötzlich und sah uns der Reihe nach an.
„Worauf wartest du dann noch?", wollte ich wissen und er sprang regelrecht vom Sofa, um zu seinem Laptop zu kommen.
Währendessen begann ich erneut nervös an meinen Fingernägeln zu knappern, während ich das Zittern, welches meinen Körper erfasst hatte, versuchte zu ignorieren.
„Wer könnte es sein Nathan?", fragte ich erneut um irgendwie mein Gehirn zu beschäftigen, „Mit wem würde er mitgehen?"
"Ich hab wirklich keine Ahnung. Mit niemanden eigentlich. Zumindest nicht freiwillig, oder? Du kennst ihn besser, würde er ohne ein Wort verschwinden?", entgegnete er.
Ich schüttelte den Kopf. Nein er würde nicht einfach so verschwinden, besonders da er wusste wie sehr mich der Gedanke, nicht zu wissen, ob es ihm gut ging, verschreckte.
„Wer könnte ihn aber dazu zwingen? Ein Dämon? Eva vielleicht?", bohrte ich weiter.
"Es war ein Mann. Und mit Eva würde er nicht mitgehen. Eher würde sie durch das ganze Kaufhaus fliegen."
„Nathan nur weil sie eine Frau war, heißt das nicht, dass sie als Dämon nicht auch einmal einen männlichen Körper besetzt.", erinnerte ich ihn, „Aber du hast Recht, mit ihr würde er nicht mitgehen."
"Ich hab ihn. Aber irgendwie kann das nicht sein... Er ist zwei Stunden entfernt. Wie kam er dort so schnell hin?", meldete sich Zion zu Wort.
„War der Typ vielleicht ein Engel? Ich mein, Sirael kann sich teleportieren oder? Aber was will ein Engel von Noel?", platze es aus mir heraus.
"Vielleicht wegen dem Siegel?", überlegte Zion.
„Eigentlich ist mir ziemlich egal wegen was. Wir fahren dahin und zwar jetzt!", bestimmte ich sofort.
Noel hätte angerufen, wenn es nichts ernstes wäre. Da er sich aber immer noch nicht gemeldet hatte, konnte etwas einfach nicht stimmen.
"Wenn es sich um einen Engel handelt sollten wir vielleicht Sirael rufen?", schlug Nathan ein wenig unsicher vor.
Ich schaute zu Phil, der unser Gespräch die ganze Zeit schweigend betrachtet hatte.
„Könntest du deinen gefiederten Freund rufen? Ich hab es wirklich eilig."
Kurz schien Phil zu überlegen, doch dann nickte er. "Sirael? Es wär nett wenn du mal vorbeischauen könntest."
Ohne Noel an meiner Seite fühlte ich mich irgendwie wieder schwächer, weswegen ich schnell nach Nathans Fingern griff. Er drückte sofort zurück, während wir darauf warteten, dass der Engel endlich auftauchte.
Es waren wahrscheinlich nur ein paar Sekunden aber es fühlte sich viel länger an, doch der blonde Engel tauchte auf.
„Was ist denn jetzt schon wieder?", beschwerte er sich seufzend, jedoch ignorierte ich es.
„Hat einer von euch Noel?", fragte ich mit zittriger Stimme.
Ein wenig überrascht sah er mich an.
"Noel? Den Dämon? Nun, ich hab ihn nicht. Aber was die anderen tun, darüber hab ich keinen Überblick.", antwortete er.
„Dann finde es heraus! Einer von euch muss ihn mitgenommen haben und er hat sich bis jetzt nicht gemeldet. Da stimmt etwas nicht. Jedoch ist er zwei Autostunden von hier entfernt, obwohl er solange noch nicht weg ist."
Nun runzelte Sirael die Stirn.
"Das ist merkwürdig. Aber ihr wisst wo er ist?"
„Wir wissen wo sein Handy ist und ich hoffe einfach mal, dass er das immer noch in seiner Tasche hat.", erklärte ich.
"Zeigt mir den Ort, ich werde nachsehen.", bot er nun an.
„Ich will mit.", verlangte ich, was Sirael zu mir blicken ließ, „Entschuldige aber Engel hin oder her, ich vertrau dir nicht unbedingt."
Er jedoch reagierte gar nicht darauf, sondern war in der nächsten Sekunde einfach verschwunden.
„Okay... ich mag ihn nicht.", stellte ich fest.
"Ihr könnt nicht gehen.", ertönte seine Stimme da auch schon wieder und als ich mich umdrehte, blickte ich in ein beinahe verängstigtes Gesicht.
„Bitte was?", brachte ich nur hervor, „Ist Noel dort?"
„Ja ist er.", bestätigte er.
„Dann fahren wir hin.", beschloss ich, „Also sag uns wer dort ist. Das würde helfen."
„Lucifer."
Einen Moment konnte ich ihn nur anstarren, ehe mir klar wurde, was er da sagte.
„Lucifer. Lucifer alias Satan, der Teufel.", brauchte ich noch einmal die Bestätigung.
"Er will nicht, dass das Siegel gebrochen wird. Ihr könnt nicht gehen, damit tut ihr ihm nur einen Gefallen."
„Ach ja? Nun dumm für dich, dass wir ihn nicht im Stich lassen. Also entweder hilfst du uns oder wir gehen dann jetzt.", gab ich nicht nach und auch Nathan machte einen entschlossenen Schritt nach vorne, um mir beizustehen.
Einen Moment schaute er mich wieder an ehe er seufzte.
„Menschen.", murmelte Sirael leise, griff dann aber nach meinen Arm und mit dem anderen nach Zions.
Verwirrt blickte ich in seine blauen Augen, als sich die Welt sich plötzlich um uns veränderte und wir vor einen alten Haus im nirgendwo landeten.
Mir war ein wenig schlecht, doch alles im allen ging es mir gut, weswegen ich auch zu dem Engel aufschaute.
„Ich nehm das mal als ein, du hilfst uns."
YOU ARE READING
Jenseits der Schatten - Teil 1
FanfictionAmelie kann nichts erschüttern. In einer Welt voller Dämonen, Vampire und Werwölfen aufgewachsen, weiß sie zu kämpfen und sich zu verteidigen. Dann taucht aber der mysteriöse Noel in ihrem Leben auf. Auch ein Jäger, ist er doch völlig anders, als ih...
