Das ist der zweite Teil, meine Freunde, den ersten gibt's bei Anna. (are-you-satisfied) ((opfer<3))
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Tim starrte ihn einen Moment ungläubig an. "Und du glaubst das auch selber?"
Stegi nickte. Seine blassen Lippen verzogen sich zu einem vorsichtigen Lächeln.
"Du... woran erkennt man bei dir, dass du besessen bist?" Tim setzte sich gerade hin und beobachtete Stegi aufmerksam.
"Sie sagen mir Dinge, die ich tun soll." Stegi lachte leise. "Und das tu ich dann auch!"
Tim zog die Augenbrauen zusammen und dachte nach. Seine Augen wanderten über Stegis schmales Gesicht. Auf ihn wirkte er absolut nicht besessen, aber vielleicht würde sich seine Meinung mit der Zeit noch ändern. "Was tust du denn?", fragte er, auch wenn er sich nicht sicher war, ob er die Antwort hören wollte.
Stegis Augen wurden trüb. "Das weiß ich nicht. Immer, wenn ich es getan hab, vergesse ich alles wieder."
Tim war sich nicht sicher, was er davon halten sollte. Er wusste, von Dämonen besessen zu sein, war unmöglich, es gab natürlich keine Dämonen. Trotzdem merkte er, dass mit Stegi irgendwas nicht stimmte. Und Tim war fest entschlossen, es heraus zu finden.
Tim verbrachte die nächsten Wochen viel Zeit mit Stegi. Er erzählte ihm von sich, um Stegis Vertrauen zu wecken, was auch klappte, denn auch Tim erfuhr viel von Stegi.
Seine Familie hatte ihn nach einigen Vorfällen, an die Stegi sich immer noch nicht erinnern konnte, einweisen lassen. Sie liebten ihn, sagte er und sie wollten nur das beste für ihn.
Tim war sich da nicht so sicher, Stegi hatte in den ganzen Wochen kein einziges Mal Besuch von irgendwem bekommen.
Es war ein Dienstag und Tim saß auf einem Sessel, ein Stück von Stegis Bett entfernt. Dieser schlief noch ruhig, seine hellen Haare lagen um seinen kleinen Kopf verteilt auf dem blendend weißen Kissen.
Tim machte sich Notizen, wie jeden Tag, an dem er Stegis Verhalten schon beobachtete.
Es gab ein paar seltsame Vorfälle. Stegi sagte oft verwirrende Dinge und wenn man ihn ein paar Minuten später danach fragte, wusste er nicht, wovon man sprach. Doch für Tim war das keine Besessenheit sondern nur ein Fall von frühzeitiger Amnesie. Das würde auch erklären, warum Stegi sich nicht an seine angeblichen Taten erinnerte.
Tim hatte vor, ihn noch ein paar weitere Wochen zu beobachten, um sich ganz sicher zu sein, und dann versuchen ihn aus dieser Anstalt raus zu holen, denn für ihn gab es keinen Grund, Stegi hier noch weiter fest zu halten.
Tim schreckte aus seinen Gedanken, als Stegi sich bewegte und seinen müden Blick auf Tim richtete.
"Guten Morgen." Tim stand auf, legte sein Notizbuch zur Seite und zog Stegi die Decke weg.
Stegi jammerte rum, dass er weiter schlafen wolle, aber Tim lachte nur fröhlich. "Es gibt Frühstück."
Er beobachtete den kleinen blonden Jungen, der mühsam aufstand und sich Tim gegenüber an den Tisch setzte. Stegi durfte nicht im Gemeinschaftsraum frühstücken, die Psychatrie hielt ihn für zu gefährlich. Tim verstand diese Meinung nicht, er hatte bis jetzt noch keine bösartigen Handlungen von Stegi erlebt.
Stegi aß gemütlich, während Tim ihm frische Klamotten holte. Stegi war zwar eigentlich längst alt genug, aber Tim fühlte sich trotzdem verpflichtet, sich um ihn zu kümmern.
"Ich hab' eine Überraschung für dich.", sagte Tim, als Stegi fertig angezogen vor ihm stand.
"Und was?" Stegi schaute zu Tim hoch.
Tim lächelte und zog ein Haar aus Stegis langen Wimpern, das sich darin verfangen hatte. "Wir gehen raus."
"Raus? Du meinst jetzt... wirklich raus?" Stegi starrte ihn ungläubig an.
Tim nickte. "Wir haben eine Stunde Zeit bekommen."
Stegi fiel Tim um den Hals, eine Reaktion, die er nicht unbedingt erwartet hätte. Er lachte leise. "Komm, sonst ist die Stunde um, bevor wir überhaupt draußen waren."
Tim und Stegi verließen das Psychatrie-Gebäude.
"Was würdest du gern machen?", fragte Tim und ließ seinen Blick durch die Gegend schweifen.
"Hier in der Nähe ist doch so ein Teich. Da sind... nicht viele Leute, würdest du dort mit mir hingehen?" Stegi biss sich auf die trockene Unterlippe.
Tim dachte kurz nach, er hatte eine Ahnung, welchen Teich Stegi meinte. Er sah sich um, um den Weg zu suchen.
"Hier komm, eine Abkürzung." Tim schob einen tief hängenden Ast zur Seite und zeigte auf einen schmalen Trampelpfad.
Stegi ging an ihm vorbei und lief vor ihm den Weg entlang. Er hatte die Hände in den Jackentaschen vergraben und seine Schritte waren klein. Tim beobachtete ihn von hinten. Ihm gefiel Stegis Rückenansicht, auch wenn seine Schulterblätter stark herausstachen. Tim war so auf Stegi konzentriert, dass er nicht merkte, dass dieser stehen blieb und Tim fast in ihn rein lief.
"Das ist er!" Stegi drehte sich zu Tim um und lächelte ihn an. "Das ist der See!"
Tim nickte, er bewunderte Stegis strahlendes Lächeln.
Es waren tatsächlich kaum Menschen da, nur ein paar Leute saßen einige hundert Meter von der Bank entfernt, auf die Tim und Stegi sich setzten.
Tim lehnte sich zurück und schloss die Augen in der angenehmen Sonne.
"Weißt du... was schön ist?" Stegis Stimme war leise und Tim konnte einen unsicheren Ton heraus hören.
"Nein." Tim öffnete ein Auge und beobachtete aufmerksam jede Bewegung von Stegi.
Stegi holte Luft. "Du." Seine dünnen Finger griffen nach Tims warmer Hand.
Tim öffnete auch das andere Auge und lehnte sich nach vorne. Er verstärkte Stegis Griff und zog ihre Hände auf seinen Oberschenkel.
"Das kann ich nur zurück geben." Tims tiefe Stimme war nur ein Hauchen. Er lächelte Stegi an und rutschte ein kleines Stück näher.
Stegi sah zu ihm auf und kam ihm näher. Sein Blick wanderte zwischen Tims Augen und Lippen hin und her, als könne er sich nicht entscheiden, wohin er schauen wollte.
Tim legte eine Hand in Stegis Nacken und zog ihn noch näher. Seine Lippen waren nur noch ein paar Millimeter von Stegis entfernt.
Stegi schloss mutig die letzte Lücke und legte damit seine blassen Lippen auf Tims.
Tim erwiderte den sanften Druck sofort, er hatte das Gefühl schon ewig darauf zu warten, auch wenn der Kuss ein seltsam schmerzendes Ziehen in seinem Brustkorb auslöste.
Stegis Mund schmeckte nach den Erdbeeren von seinem Frühstück, bis sich ein metallischer Geschmack darunter mischte. Er breitete sich in Tims kompletten Mund aus und betäubte den Rest seiner Geschmacksnerven.
Hustend löste er sich von Stegi, der ihn seltsam angrinste. Tim spuckte auf den Boden, sein Speichel bestand zu 90% aus Blut.
"Was...?", krächzte er, wurde aber von einem weiteren blutigen Hustenanfall unterbrochen.
"Sie sagen mir Dinge...", begann Stegi hysterisch grinsend.
Tims Blick wanderte an sich herunter.
"Sie sagten, ich soll dein Vertrauen wecken."
Tim erstarrte und blickte die rot gefärbte Messerklinge in Stegis Hand an.
Stegi lächelte und strich über Tims blasse Wange, wobei er eine rote Blutspur hinterließ. "Und sie sagten, dann soll ich dich umbringen."
BINABASA MO ANG
Maybe Real Love | Jandre
FanfictionTRIGGER WARNING Manchmal denken Menschen, sie würden dich kennen. Deine ganzen Geheimnisse, alles über dich. Doch ist ihnen oft nicht bewusst, dass sie von vielen Dingen vielleicht einfach keine Ahnung haben. Sie können die unwichtigsten Dinge von d...
