Zwischen zwei Atemzügen

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Always take a big bite,

it's such a gorgeous sight,

to see you eat in the middle of the night


Seine Träume handeln immer von ihr. Ganz egal, in welchem Bett er nachts schläft, oder wie glücklich er tagsüber ist. Dann wacht er mitten in der Nacht auf, schlägt in der Geräuschkulisse des strömenden Regens, der von draußen gegen die dünne Fensterscheibe klopft, die Decke zurück und ignoriert das Gestrüpp weicher Locken, die sich auf dem Kopfkissen neben ihm kräuseln.

Er findet sich im Dunkeln zurecht. Ein markanter Duft von angebrannter Milch und das Surren des Kühlschranks locken ihn in die Küche. Hände streifen über die rauen Wände, tasten nach einem Lichtschalter, geben auf.

Das Licht bleibt aus. Er starrt lange in den Kühlschrank, der Inhalt lässt ihn die Lust auf einen Mitternachtsnack vergehen. Stattdessen hält er ein Glas unter den Hahn, lässt Wasser hineinlaufen und trinkt es gierig aus. Keuchend beugt er sich über die Spüle, als jemand das Licht anknipst.

„Kannst du nicht schlafen?"

Gelassen lehnt er gegen den Türrahmen. Zerraufte schwarze Locken, langes Schlabbershirt und luftige Schlafhosen, die schief auf seiner knochigen Hüfte sitzen. John denkt viel darüber nach. Und auch über den intimen Klang seiner Stimme mitten in der Nacht. Es ist kaum mehr als tiefe Vokale, die aus seiner Kehle rumpeln.

Sherlock gähnt, geht an den Kühlschrank, starrt hinein, greift den Orangensaft und trinkt direkt aus der Packung. Er keucht und wischt sich mit dem nackten Unterarm über die feuchten Lippen.

John brummt. Es ist eine verspätete Antwort auf Sherlocks Frage. „Ich habe wieder von ihr geträumt." Überfordert massiert er sich die Augen.

Sherlock schließt den Kühlschrank und stellt sich neben John an die Spüle. Schulter an Schulter stehen sie nebeneinander und schweigen. Sein schwerer, ruhiger Atem hat etwas so Reales, dass John einen Moment die Augen davor schließen muss. „Es ist immer derselbe Traum."

Sherlock atmet tief durch die Nase ein und aus. Es ist längst zur Routine geworden. Die Mitternachtssnack, das nächtliche Schweigen gelegentlich unterbrochen durch Fetzen aus Johns Träumen. Jede Nacht ein bisschen mehr.

„Sie ist glücklich in meinem Traum. Wir sind in Dublin. Sie läuft barfuß durchs Meer, sie lacht und strahlt. Es ist so unbeschwert", sinniert John heiser und vor sich hinstarrend. Sherlock folgt seinem Blick, doch kann dort nichts sehen, außer dem Tresen und das Mikroskop mit den Erdproben aus Norwood.

„Aber weißt du, was das Verrückte ist? Ich war nie mit ihr in Dublin! Es war Jeanette, mit der ich in Dublin war!"

Sherlock seufzt und geht abrupt an den Kühlschrank. Er greift die Schale mit dem Hummus, eine halbe Aubergine, was er eben so finden kann. „Was? Was machst du da?"

„Setz dich", knurrt Sherlock. John setzt sich zögerlich. Er wackelt nervös mit den Knien unter dem Tisch und obwohl er barfuß ist und nicht mehr trägt als T-Shirt und Boxershorts, ist ihm kaum kalt. Sherlock bemüht sich leise zu sein, um Rosie nicht zu wecken, als er die Aubergine in Scheiben schneidet und in der Pfanne anbrät. Er schneidet Kürbiskernbrötchen auf und bestreicht sie mit dem lachsfarbenen Hummus. „Hier", befielt er sanft und setzt sich zu John an den Tisch. John starrt ungläubig auf den Teller. Es duftet herrlich leicht wie die Sonne und das Meer.

„Was, woher...", fragt er. Sherlock lächelt ihn sanft an, irgendwo tickt eine Uhr.

„Iss einfach." John beißt zögerlich in das Brötchen. Der leicht würzige Geschmack von gebratener Aubergine, Hummus und Kürbiskernen entfaltet sich auf seiner Zunge wie der Zauber eines Italienurlaubs.

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