Prolog

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Der erste Tag

Zwei Jahre zuvor

Noah Bennett hatte in seinem Leben schon einige Dinge verloren.

Freunde, die nach einem Streit plötzlich keine Freunde mehr gewesen waren. Ein Fahrrad, das irgendwann einfach nicht mehr aufzufinden gewesen war. Und einmal einen ziemlich teuren Kopfhörer, den er bis heute verdächtigte, von seinem Bruder gestohlen worden zu sein.

Aber sein Zuhause zu verlieren, fühlte sich anders an.

Er stand vor dem neuen Haus und sah zu den Fenstern im ersten Stock hinauf.

„Du starrst es an, als würdest du versuchen, es einzuschätzen", sagte Liam neben ihm.

Noah verschränkte die Arme.

„Vielleicht mache ich das."

„Und?"

„Noch unentschieden."

Liam grinste.

„Du hast es dir nicht einmal von innen angesehen."

„Ich kenne es."

„Du warst zweimal hier."

„Eben."

Liam schüttelte den Kopf.

Noah wusste, dass sein Bruder die ganze Sache wesentlich entspannter sah.

Liam war fünfzehn. Zwei Jahre älter als Noah und offensichtlich der Meinung, dass ein Umzug zwar nervig, aber kein Weltuntergang war.

Noah sah das anders.

Seine Mutter hatte geheiratet.

Sie war mit ihm und Liam nach Falkenried gezogen.

Und plötzlich hatte Noah nicht nur ein neues Haus, sondern auch eine neue Schule, eine neue Stadt und eine neue Familie.

Zumindest auf dem Papier.

„Ihr wollt doch nicht den ganzen Morgen hier draußen stehen."

Mara kam aus der Haustür und blieb vor ihnen stehen.

Sie trug bereits ihre Schuluniform – oder zumindest das, was an ihrer Schule als halbwegs angemessene Kleidung für einen normalen Schultag durchging – und hatte ihren Rucksack über eine Schulter gehängt.

Noah musste lächeln.

„Guten Morgen."

„Guten Morgen, Stiefbruder Nummer eins."

Sie deutete auf Liam.

„Und Stiefbruder Nummer zwei."

Noah zeigte auf Liam.

„Der ist älter."

„Das macht ihn nicht automatisch zu Nummer eins."

„Doch."

„Nein."

Mara grinste.

„Ihr seid beide gleich schlimm."

Seit der Hochzeit ihrer Eltern hatte Mara angefangen, sie tatsächlich Stiefbrüder zu nennen.

Am Anfang hatte es sich für Noah seltsam angehört.

Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt.

Sie waren nicht miteinander verwandt.

Aber ihre Eltern waren jetzt verheiratet, sie wohnten unter einem Dach und Mara war längst nicht mehr nur das Mädchen, das Noah von Familienfeiern kannte.

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