“Ich weiß jetzt, was wir tun müssen. Kannst du vorbeikommen?” Gesendet 18:23. Gelesen 18:35.
“Okay. Bin auf dem Weg. Bist du allein?” Gesendet 18:36. Gelesen 18:36. Keine Antwort.
“Hallo? Geht's dir gut? Ich mache mir langsam Sorgen.” Gesendet 18:38. Gelesen 18:38. Keine Antwort.
“Sie weiß es.” Gesendet 18:40. Gelesen 18:41.
“Komm zur Ruine, wenn du dich traust.” Gesendet 18:41. Gelesen 18:41. Keine Antwort.
Er irrte durch den Wald, sein Kopf schien wie vernebelt und aller paar Minuten stolperte er über einen Ast. Zumindest hoffte er, dass es sich dabei nur um Äste handelte, und nicht etwa um … Knochen.
Letzten Sommer war er bereits ein paar Mal bei der Ruine gewesen. Mit ihm.
Damals, als er noch nicht so krank war, dass es ihm den Kopf vernebelte und jedes kleine Geräusch ihn zusammenzucken ließ. Als er noch nicht auf einen Rollstuhl und Lichtschutz angewiesen war und für mehrere Stunden allein das Haus verlassen konnte, ohne danach tagelang mit Schmerzen im Bett liegen zu müssen. Eigentlich hätte er heute Nacht auch gar nicht hier sein dürfen, schon gar nicht allein. Aber was blieb ihm für eine andere Wahl? Die Polizei hatte nie auf sie gehört, also würde sie es auch jetzt nicht tun und außer ihm gab es niemanden mehr, der die Wahrheit kannte und auch daran glaubte. Naja, da gab es noch ihn, aber bevor der sich hier blicken lassen würde, wäre es schon der nächste Morgen und alles wäre vorbei. Da war er sich sicher.
Seine Beine wollten schon wieder unter ihm nachgeben, aber er kämpfte dagegen an und schob sich weiter, während er sich an einem der Bäume abstützte. Es waren nur noch wenige Meter bis zur Ruine, zumindest glaubte er, sich durch den Nebel in seinem Kopf daran zu erinnern. Dann könnte er sich endlich ausruhen. Dann war es endlich vorbei. Denn sie würde ihn nicht am Leben lassen, so viel stand fest. Das hatte er auch schon gewusst, als er losgefahren war und auch als er noch im Bett gelegen hatte und die seltsamen Nachrichten las. Trotzdem hatte er den mühsamen Weg ganz allein auf sich genommen - denn was hatte er denn noch zu verlieren? Sein Leben? Das war in den letzten Monaten sowieso den Bach runtergegangen und würde von nun an auch nicht mehr besser werden. Seine Freunde? Die Hälfte von ihnen war bereits tot und die andere … Nun ja. Die einzige Person, die ihm somit noch blieb, war er, was nicht viel war. Eigentlich war es so gut wie gar nichts.
“Da bist du ja endlich. Was hat das so lang gedauert, hm?”, ertönte eine Stimme irgendwo vor ihm und er schaffte es gerade so seinen Blick zu heben. “Ehrlich gesagt dachte ich, du kommst nicht mehr, aber so einer bist du normalerweise nicht.”
Die Person trat aus den Schatten direkt vor ihn und bat ihm ihre Hand an. Er starrte sie nur weiterhin an und versuchte einen ordentlichen Satz zu bilden, was mit jeder Minute schwieriger wurde. Seine Ohren bestanden jetzt nur noch aus einem seltsamen Rauschen, so als würde er bald das Bewusstsein verlieren und er nahm nicht mehr richtig wahr, was die andere Person zu ihm sagte. Plötzlich landete ein Schlag in seiner Magengrube und er ging in die Knie. Selbst wenn er es versucht hätte, wäre er nicht mehr allein hochgekommen.
“Tja, wir waren es. Sind es immer noch. Aber das wusstet ihr. Sag mir, wann habt ihr es rausgefunden? Was hat uns verraten?” Ihre Stimme klang gehässig, nicht sanft wie sonst. So als hätte jemand anderes ihren Körper übernommen und würde durch sie sprechen, auch wenn das völliger Schwachsinn war. Obwohl… war es das?
“Antworte mir, Idiot!” Sie kickte ihn ein weiteres Mal und noch bevor er irgendwie reagieren konnte, schoss ein Schmerz durch sein Handgelenk.
“V-vor ein paar Wochen.”, murmelte er und schmeckte dabei Blut auf seinen Lippen, vermutlich hatte er sich versehentlich gebissen. Oder war sie es gewesen? Er schloss die Augen und sackte gegen eine Wand der Ruine. Oder gegen sie? Vielleicht auch gegen einen Baum. Alles verschwamm seltsam, als er die Augen wieder öffnete und er konnte ihre Stimme mittlerweile nur noch erahnen. Sein Herz schlug viel zu schnell, aber nicht, weil er Angst hatte. Irgendetwas war falsch. Falsch, falsch, falsch.
Etwas knackt hinter ihm.
Sie waren nicht allein. Was?
Jemandes Arme legten sich um ihn und eigentlich wollte er sich wehren, aber sie fühlten sich so warm und weich und sicher an, dass er sich stattdessen dagegen lehnte.
“Ich glaub mir geht's nicht so gut.”, flüsterte er, dann wurde alles schwarz.
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Still Monster
ActionEine Kleinstadt. Fünf Morde. Vier Freunde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Mörder zu finden. Alessa wollte endlich ihr Studium in einer neuen Stadt anfangen und mit Amelie zusammenziehen, da passiert auch schon der erste Mord. Die Verdäch...
