Kapitel 1

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Ich lege den Lippenstift zurück in die abgewetzte Schminktasche und räume die anderen Utensilien hinein. Betrachte mich ein letztes Mal im Spiegel.

Die schwarze Wimperntusche bildet ein Kontrast zu mein platinblondes Haar und zusätzlich ließ es meine lavendenfarbene Augen tiefer erscheinen. Zartorangener Lippenstift und heller Rouge bringen Farbe in das helle, fast schon blasse, Gesicht. Weich fiel mein Haar über die linke Schulter. Schnell richte ich mein Pony zurecht und beginne mich umzuziehen.

„ Lea!", schallt die Stimme meines besten und einzigen Freundes Ronny hinauf zu mir.

„ Bin gleich fertig !",rufe ich zurück. Schnappe mir den weißen, niedlichen Rucksack mit den Rüsschen, die wir extra gekauft haben .

Extra für eine Reise oder ein Abenteuer, die ich seit fünf Jahren aufschiebe. Ehrlich, ich kann immer noch nicht sagen, was gleich beginnt. Es könnte genauso gut eine Flucht sein. Rasch überprüfe ich ob alles eingepackt worden ist, atme tief durch und laufe die Treppen nach unten.

Ronny unterhält sich mit meiner Mutter. Wie immer duftet sie nach Bergamotte und Mandarine, die von Lilie abgelöst wird.

„ Ey Laub", begrüßt mich Ronny

„ Als ob du den noch kennst"

In der dritten Klasse hat irgendwer zu mir gesagt mein Haar sehe wie helles Laub aus, dass von Frost überzogen ist und im Mondlicht schimmert. Fast ein halbes Jahr wurden wir beide geshippt und nichts konnte davon abwenden.

Mama lächelt mich an, doch es erreicht ihre Augen nichts. Seit... ich hab sie selten ehrlich Lächeln sehen. Manchmal vergesse ich wie sich die Grübchen in ihre Wangen graben und ihre braunen Augen doller strahlen als jeder Stern.

Kurz sieht sie mich an, doch etwas sagt mir, dass sie mich nicht wahrnimmt. Dass sie wieder nicht versteht, was schon bald beginnen wird. Dass sie alleine sein wird und ihr Kind wegziehen wird.

Sie blinzelt, öffnet den Mund, schließt ihn wieder. Sieht sich rasch um. Starrt Ronny an. Blickt mich an. Ohne Nachzudenken greife ich nach ihre Hand. Sie ist trocken.

„ Mama", wispere ich. Für mehr fehlt mir die Kraft. Ich unterdrücke das Zittern und verdränge die Tränen. Beiße die Zähne zusammen und zähle bis drei und sie dann wieder rufe. Energischer. Ängstlicher.

Sie blinzelt wieder. Noch einmal. Ronny tritt neben mir.

„ Lea?"

„ Ich bin hier"

Ihre Augen ruhen auf mir, dann blickt sie auf die Uhr. „ Du bist spät dran, mein Schatz"

Ich zucke mit den Schultern, und blicke hilfesuchend zu Ronny. „ Meine Mutter wird für sie da sein „

Für sie da sein. Ich lasse wirklich meine Mutter zurück. Meine Mutter, die ihr eigentliches Kind und ihren Ehemann und große Liebe verloren hat. Jetzt ziehe ich weg. Lasse sie im Stich.

Ein Teil von mir, will herausschreien, dass ich doch bleibe und ein Teil von mir will es durchziehen. Dieser Teil will was beweisen.

Schnell umarme ich sie und sie drückt mich an ihre Brust. Ihr Parfüm mit der feinen Note Kokos-Mandel von ihrem Lieblingshampoo steigt mir in die Nase. „ Pass auf dich auf, Lea"

Ich sage nichts. Nicke nicht mal. Nicht weil es mir egal ist, sondern weil ein Versprechen auf ihren Wunsch suspekt ist. Egal wie sehr du auf dich aufpasst, wird es immer Momente geben, die über dich hinein krachen wie ein Tsunami.

Sie fährt mir durch das Haar, lässt mich los. Ihr linkes Auge zuckt. „ Ich passe auf mich auf" Die Worte klingen wie eine leere Lüge.

Mama gibt uns beide noch Dosen. „ Ich hab euch was gebacken". Wir bedanken uns, verabschieden uns, eine  letzte Umarmung.

Die Umgebung vor meiner Haustür ist nicht anders. Dennoch fühlt es sich an, als hätte man was verändert. Ein kleines, aber subtiles Detail.

„ Bei Arceus, wie es duftet!"

Seine Dose ist geöffnet und draus strömt ein warmer Geruch nach Zimt und Zuckerglasur. Zimtschnecken mit einer dicken Schicht klebrigen Zucker-Zitronen-Masse.

„ Heb sie dir auf", warne ich lachend, obwohl mir selbst der süßliche Geruch fast das Wasser im Mund laufen lässt.

Die Mitarbeiter reden miteinander. Eine Maschine surrt. Ronny isst. Ich lege das Gebäck zurück ohne ein Bissen genommen haben. Auf einen Tisch liegen zwei Pokebälle, die unsere Partner verbergen. Kein Professor weit und breit.

„ Wo ist Professor Eich?", spricht Ronny meine Gedanken aus. Er leckt sich die Zuckerglasur und Krümel von den Fingern. Ich schmunzle, doch der Knoten im Bauch wird größer. Was wenn was geschieht ? Was wenn dieser Moment der letzte sein wird? Was wenn ich meinen besten Freund in Gefahr bringe wie...

„ Ich suche nach ihm!", rufe ich und renne hinaus. Mit einem Knall fällt die Tür in die Angel und ich zucke zusammen. Sehe über die Schultern zurück. Marschiere eilig zum Haus des Professors.

Paar Schritte weiter ertönen die Rufe ein Schwarm Taubsi. Ich stocke und horche, ja, da sind einige Taubsi!

Hinter dem kleinen , aber angesehensten Labor in Kanto entdecke ich Professor Eich. Gerade sagt er was zu vier, fünf der Flugpokemons, die vor ihn flattern. „ Taubsi!" ruft eines, dann fliegen sie dahin.

Professorin Eich dreht sich um und sofort zeichnet Überraschung sein Gesicht.. Seit ich im Labor bin ,habe ich so viel von Professor Eich gelernt. So einiges auch über ihn. So zum Beispiel, dass er Überraschung und Wut, wenn man sich unfair verhält, nicht verbergen kann.

Er blickt auf seine Uhr. „ Ich hab wohl die Zeit auf den Augen gelassen. Nun komm, wir wollen dich und Ronny nicht weiter auf die Folter spannen"

„ Evo! Evoli"

Wir wirbeln beide herum. Das Gras raschelt. Ein brauner Fleck wird sichtbarer und größer. Er bleibt vor uns stehen. Zwei lilabraune Augen mustern und. „ Voi!"

„ So eines hab ich hier noch nie gesehen"

Es ist etwas größer als seine Artgenossen. Das weiche Fell ist heller, fast schon wie die Schale einer Haselnuss. Das Fell um der Brust ist ebenfalls heller und dichter. Selbst der Ton seiner Pupillen weicht minimal ab.

Dieses Evoli ist zu hell für ein reguläres Evoli. Zu dunkel für die weissbeige Shiny-Variante. Zu ähnlich für eine unbekannte Regionalform.

Was war es? Und von wo kam es?

„ Evoli". Die Stimme des Pokemons ist fest und herausfordernd.

„ Du solltest es versuchen zu fangen"

Ich starre den Professor an. Nehme rasch den Pokeball, denn er mir hinhält. Werfe es auf dieses ungewöhnliche Pokémon. Der rot-weiße Ball wackelt einmal. Es klickt. Kleine Sterne und Funken sprühen aus dem Ring in der Mitte und ein farbiger Ring stöbt um den Pokeball herum, bis sich alles auflöst.

„ Ein sauberer Wurf"

Mein erstes Pokémon

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⏰ Última actualización: Jul 10 ⏰

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