Das Fenster

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Seit Tagen versuchte ich etwas zu finden, das an den Geschmack dieses Essens heranreichen würde. Ich stand in der Küche. Traubensaft in der Hand. In der Pfanne brutzelte Ente. Ich hatte noch nie selbst Ente gemacht. Ich wusste, sie würde grausam werden.

Im Hintergrund lief leise Musik über meinen kleinen Lautsprecher. Coldplay. Eines meiner Lieblingslieder.

Ich sang selten. Wenn, dann nur für mich. Irgendjemand hatte einmal zu mir gesagt, ich könnte gut singen. Doch ich glaubte nie daran. War nervös vor anderen. Ich sang nur für mich. Von draußen wehte ein sanfter Wind. Das Küchenfenster war offen. Ich sang trotzdem. Ließ mich treiben.

Ich wusste nicht, dass meine Stimme auf die Straße hinaus reichte. Dass man mich draußen hören konnte.

Vor meinem Fenster hatte ich ein kleines Beet und etwas Rasen. Die Blumen blühten bereits in diesem warmen Frühling.

Da stand er. An dem kleinen Zaun vor dem Rasen. Aufgehalten von meiner Stimme. Ich bemerkte ihn noch nicht. War nur bei mir. Er stand einfach da und genoss, was er hörte. Lächelte, als ihm der Geruch der Ente in die Nase stieg.

Mein Blick wanderte unbewusst zum Fenster. In der Spiegelung der Scheibe sah ich jemanden vor meinem Garten stehen. Ich hörte sofort auf zu singen. Unsicherheit machte sich in mir breit. Ich trat etwas zur Seite – so, dass ich sehen konnte, wer dort stand, ohne dass er mich sehen konnte.

Er schaute direkt zum Fenster. Er musste meine Umrisse gesehen haben.

Da erkannte ich ihn. Das Klavier. Das Restaurant. Mein Garten.

Die Unsicherheit wich der Verwirrung. Mir wurde warm. Ich blieb im Schatten. Sein Kopf lag leicht schief. Wartend. Hoffend, dass ich weitersingen würde.

Ich bewegte mich nicht mehr.

Sekunden vergingen. Oder waren es Minuten? Er ging weiter. Zögernd. Erst dann merkte ich, dass ich aufgehört hatte zu atmen, und rang nach Luft.

Ich verließ meine Küche. Der Herd war aus, die Ente lag noch verbrannt an derselben Stelle. Meine Füße trugen mich, wie selbstverständlich, zurück in diese Seitenstraße. Zurück zum Klavier. Als ich vor der Tür des Restaurants stand, hörte ich nichts. Kein Klavier. Keine leisen Töne, die Wärme in mir auslösten.

Ich ging trotzdem hinein.

Es war noch sehr leer. Gerade halb fünf an einem Donnerstag. Der Kellner erkannte mich. Lächelte, gab mir denselben Tisch. Brachte mir dasselbe Essen. Traubensaft. Ohne dass ich fragen musste. Kein Eukalyptus diesmal.

Die Tür ging hinter mir auf. Ein Windhauch. Schritte. Ein Geruch, den ich noch nicht kannte. Warm. Einladend. Trotzdem vertraut. Jemand blieb neben mir stehen. Nicht aufdringlich. „Es schmeckt Ihnen also." Eine tiefe, angenehme Stimme. Ich blickte auf. Da stand er. Ohne Klavier. Lächelnd. Nicht mehr vor meinem Garten.

Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte. Warum ich überhaupt hier war. Ich nickte und lächelte. Überfordert. Etwas beschämt. Sein Kopf wieder leicht schief. Dann ging er. Ohne ein weiteres Wort. Ließ mich zurück. Verwirrt.

Ich sah ihn nicht wieder. Bezahlte diesmal selbst. Bereit zu gehen. Satt und zufrieden, aber noch immer verwirrt.

Das Klavier. Ich stand schon an der Tür, die Hand auf dem Griff. Dann hörte ich es. Hörte ihn. Ich schloss die Augen. Lächelte. Voller Wärme.

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