Prolog

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                                                                                              Prolog                                                                                           


Seit Anbeginn der Zeit existierten zwei Reiche.
So beginnt jede Geschichte.
Lucis – mein Zuhause.
Ein Königreich, das im Schutz des Kristalls stand, behütet von alten Königen und ihrem Vermächtnis. Magie floss hier nicht frei, sie wurde getragen. Von Blut. Von Verantwortung.
Und dann war da Niflheim.
Ein Imperium aus Stahl und Ehrgeiz. Wo keine Magie wuchs, schufen sie Maschinen. Wo Lucis vertraute, nahm Niflheim sich, was es wollte. Seit Jahrhunderten standen sich diese beiden Reiche gegenüber.
Nicht immer mit Schwertern. Nicht immer offen.
Aber immer mit Misstrauen.
Ein endloser Krieg, geführt aus Angst vor dem, was der andere besaß. Lucis hatte den Kristall.
Niflheim wollte ihn. Mein Vater sagte einmal, Kriege würden nicht aus Hass entstehen – sondern aus Neid. Ich war noch ein Kind, als er das sagte. Ich verstand es erst viel später. Um sein Volk zu schützen, zog sich König Regis in die Mauern von Insomnia zurück. Er errichtete die Barriere. Ein Schild aus königlicher Magie, gespeist von seinem Leben.
Die Welt nannte es Frieden.
Ich nannte es ein Versprechen, das zu viel kostete. Während die Jahre vergingen, wuchs die Stadt – und mit ihr die Illusion, dass diese Mauern ewig halten würden. Dass der Kristall genug sei. Dass Opfer irgendwann aufhörten.
Ich glaubte das auch.
Ich wollte es glauben.
Doch selbst Magie kann nicht ewig gegen den Lauf der Zeit bestehen.
Wir waren in Tenebrae, als alles begann.
Eine Lichtung, umgeben von alten Bäumen, deren Blätter im Wind flüsterten. Der Himmel war klar, fast zu schön für das, was kommen sollte. Lunafreya stand neben mir, ruhig, gefasst – so, wie sie es immer war.
Noctis saß im Rollstuhl ein Stück entfernt. Er war still, beobachtete alles mit diesem ernsten Blick, den er schon damals hatte. Zu jung, um zu verstehen. Zu klug, um es nicht zu fühlen.
Mein Vater sprach mit der Königin von Tenebrea: Königin Sylva Nox Fleuret.
Ich erinnere mich an seine Haltung. Aufrecht. Unnachgiebig.
Wie ein Mann, der wusste, dass dies kein Gespräch war – sondern ein Abschied. Dann kam der Angriff.
Maschinen brachen aus dem Wald hervor, Stahl gegen Erde, Feuer gegen Licht. Schreie zerrissen die Stille. Ich griff instinktiv nach Noctis Hand, während mein Herz gegen meine Rippen schlug. „Luana! Noctis!" rief mein Vater.
Ich drehte mich um – und sah es in seinem Blick.
Entscheidung.
Er war plötzlich bei uns, schneller als ich es je gesehen hatte. Die Magie des Königs flackerte um ihn, als er sich vor uns stellte. „Ich bringe euch fort", sagte er hart. „Jetzt." „Vater—" begann ich.
„Kein Wort." Der Boden bebte. Der Wald brannte. Er griff nach mir. Nach Noctis.
Nicht als König.
Als Vater.
Die Magie riss uns fort. Das Letzte, was ich sah, war Tenebrae – in Flammen.
Das Letzte, was ich fühlte, war Schuld. Man sagt, der Krieg begann an diesem Tag.
Aber das stimmt nicht.
Der Krieg begann, als mein Vater entschied, seine Kinder zu retten...
und die Welt dafür bezahlen zu lassen.
Und irgendwo, tief in mir, wusste ich:
Nichts würde je wieder so sein wie zuvor.

Die Jahre nach Tenebrae verliefen nicht still. Insomnia wuchs – nicht aus Stolz, sondern aus Not.
Flüchtlinge aus ganz Eos strömten durch die Tore der Stadt. Menschen, die alles verloren hatten: Heimat, Familie, Hoffnung. Mein Vater ließ sie ein.
Nicht aus Großmut.
Sondern weil er wusste, dass der Krieg längst begonnen hatte. Die Barriere schützte uns, aber sie schloss die Welt aus. Und außerhalb der Mauern wurde Eos langsam dunkler. Niflheim dehnte sich aus. Städte fielen. Gerüchte wurden zu Gewissheiten.
In dieser Zeit rief König Regis die Kingsglaive ins Leben.
Keine Ritterorden. Keine Heldenlegenden.
Sondern Männer und Frauen, die bereit waren, einen Teil ihrer Seele an die Magie des Königs zu binden.
Nicht jeder konnte sie tragen.
Aus den Reihen der Geflüchteten wurden die Besten gewählt – jene, die die Magie nicht zurückstieß, jene, deren Körper sie ertrug. Viele scheiterten. Manche überlebten es nicht.
Ich sah es.
Ich war alt genug, um zu verstehen, was es bedeutete.
Noctis war in Insomnia. Behütet. Umsorgt.
Mein Vater wollte ihm die Welt noch nicht zeigen, wie sie wirklich war.
Mir zeigte er sie.
Ich sah, wie die Glaiven trainierten. Wie sie fielen, sich wieder erhoben, lachten, obwohl sie wussten, dass ihre Leben an die Magie eines sterbenden Königs gebunden waren.
Sie nannten mich Prinzessin.
Doch zwischen ihnen lernte ich, dass ein Titel nichts bedeutet, wenn man nicht bereit ist, zu tragen, was er kostet.
Die Glaiven trainierten jeden Tag. Nicht auf offenen Plätzen, nicht für Ruhm oder Anerkennung – sondern hinter den inneren Mauern Insomnias, dort, wo der Stein vom vielen Fallen dunkler war als anderswo. Staub lag in der Luft, vermischt mit Schweiß und dem leisen Knistern der Magie des Königs. Ich beobachtete sie oft.
Anfangs aus der Ferne, begleitet von Wachen, die vorgaben, mich im Blick zu behalten, während sie selbst zusahen. Männer und Frauen, kaum älter als ich, übten mit Waffen, die nicht ihnen gehörten. Klingen aus Stahl, aus Licht, aus etwas, das sich falsch anfühlte, wenn man zu lange hinsah. Magie flackerte auf. Unruhig. Launisch. Nicht jeder hielt ihr stand.
Manche sanken einfach zu Boden, als hätte der Körper entschieden, nicht weiterzumachen. Andere schrien, wenn die Kraft sich gegen sie wandte. Es gab Tage, an denen jemand nicht wieder aufstand.
Niemand sprach darüber. Am nächsten Morgen standen die Übrigen wieder dort.
Ich sah, wie sie lernten, sich gegenseitig zu halten. Wie einer den anderen hochzog, ohne Fragen zu stellen. Wie Lachen über Schmerzen gelegt wurde, nicht um sie zu verbergen – sondern um sie erträglich zu machen.
Und irgendwann fiel mir einer auf.
Nicht, weil er der Stärkste war. Nicht, weil er sich in den Vordergrund drängte.
Sondern weil er blieb, wenn andere fielen.
Er sprach wenig. Bewegte sich ruhig. Wenn die Magie aufflackerte, hielt er stand – nicht durch Trotz, sondern durch Kontrolle. Und wenn jemand zu Boden ging, war er oft der Erste, der dort war. Eine Hand, eine Schulter, ein kurzes Wort. Er sah nicht zu mir.
Und vielleicht bemerkte ich ihn gerade deshalb.
Mit den Jahren durfte ich näher heran. Ich hörte Stimmen, Namen, Geschichten. Die Glaiven wussten, wer ich war – aber zwischen Staub, Schweiß und Licht war ich keine Prinzessin.
Ich war nur Luana.
Und irgendwo zwischen all dem lernte ich, dass Loyalität nicht geschworen wird.
Sie zeigt sich.

Im Schatten des Kristals - Final Fantasy XVStories to obsess over. Discover now