Kapitel 1

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Das Klacken meiner High Heels hallte über den Parkplatz, gleichmäßig, kontrolliert.
Zumindest versuchte ich, es so wirken zu lassen.
Mein Herz schlug so laut, dass ich mir fast sicher war, man müsse es hören können. Dumpf, unruhig, schneller als meine Schritte. Jeder Atemzug fühlte sich zu flach an, als hätte die Nacht plötzlich zu wenig Luft für mich übrig.
Ich zog meinen Mantel enger um mich, obwohl es nicht einmal kalt war.
Das Auto stand am Rand, der Motor aus, die Scheinwerfer dunkel. Trotzdem erkannte ich sofort, dass er da war. Ich wusste es, ohne hinzusehen. Dieses Gefühl hatte ich nie ganz verloren.
Als ich näherkam, öffnete sich die Beifahrertür von innen.
Ein stummer Moment.
Dann setzte ich mich, der Geruch von Leder und seinem Parfum hüllte mich ein wie eine Erinnerung, die ich nie losgelassen hatte. Die Tür fiel ins Schloss, leise, endgültig.
Er drehte den Kopf zu mir. Sein Blick blieb bei meinem stehen.
„Du siehst wunderschön aus", sagte er ruhig.
Ich lächelte sanft.
„Danke", murmelte ich und strich mein Kleid glatt, obwohl es keine einzige Falte hatte.
Er startete den Motor. Für einen Moment fuhren wir schweigend los, die Stadt zog an uns vorbei, Lichter verschwammen zu warmen Streifen. Fünf Jahre. Und doch fühlte es sich an, als hätten wir uns erst gestern gesehen.
„Wie war dein Tag?", fragte er schließlich.
„Lang", antwortete ich ehrlich. „Und deiner?"
„Auch."
Ein leises Lachen verließ unsere Lippen. Ein normales Gespräch. Unauffällig. So, wie es sein sollte.
Im Restaurant saßen wir uns gegenüber, tranken Wein, redeten über Arbeit, über Alltägliches, über Dinge, die nichts bedeuteten und doch alles. Unsere Knie berührten sich unter dem Tisch ganz zufällig, doch keiner von uns beiden zog sie zurück.
Sein Lächeln war dasselbe wie früher. Dieses halbe, wissende Lächeln, das mehr sagte als Worte. Und ich merkte, wie schwer es mir fiel, ihn anzusehen, ohne an all das zu denken, was zwischen und gelegen hatte. Und an das, was nie ganz verschwunden war.
„Es ist schön, dich wieder so lachen zu sehen", sagte er irgendwann.
Ich hielt kurz inne und sah ihn dann an.
„Ja", sagte ich leise. „Ist es."
Als wir später wieder im Auto saß, die Stadt hinter uns, die Nacht stiller als zuvor, legte ich kurz den Kopf gegen die Scheibe. Mein Spiegelbild sah mir entgegen ruhig, beherrscht, fast fremd.
„Alles okay?", fragte er. Ich nickte „Ja."
Der Weg führte uns hinaus aus der Stadt. Die Straßen wurden schmaler, dunkler, vertrauter.
Ich sagte nichts, aber als ich die Kurve erkannte, spürte ich, wie sich etwas in mir zusammenzog.
...
Er stellte den Motor ab. Das Geräusch des Sees war leise. Kein Wind. Kein Mensch. Nur Wasser, das ruhig gegen das Ufer schlug, genauso wie früher.
Er stieg aus, umrundete das Auto und öffnete mir die Tür. Seine Hand streckte sich mir entgegen, selbstverständlich, als hätte es nie eine Pause gegeben. Ich nahm sie.
Wir traten nebeneinander an den See. Sahen hinaus auf das dunkle Wasser, in dem sich die Lichter des Mondes spiegelten. Minuten vergingen, ohne dass einer von uns sprach. Es war kein unangenehmes Schweigen. Es war schwer. Voll.
„Weißt du noch", begann er schließlich, „wie wir hier saßen und uns eingeredet haben, dass das alles nichts bedeutet?"
Ich schluckte, denn ich wusste genau was er damit meinte.
„Wir waren gut im Lügen", sagte ich, während ich auf den See starrte.
„Vor allem zu uns selbst." fügte ich hinzu.
Er drehte sich zu mir. Sah mich an mit diesem Blick, der mich immer entwaffnet hatte.
Dann zog er mich zu sich und küsste mich leidenschaftlich.
Der Kuss kam nicht hastig. Nicht gierig.
Er war vertraut. Zu vertraut für etwas, das eigentlich längst vorbei sein sollte.
Meine Hand krallte sich in seinen Mantel.
„Das ist falsch", flüsterte ich gegen seine Lippen.
Er hielt kurz inne. „Und trotzdem bist du hier."
Ich antwortete nicht, denn das musste ich auch nicht. Er hatte recht und wir beide wussten das.
Er nahm meine Hand und führte mich wieder zu seinem Auto, er öffnete die hintere Tür und wir beide stiegen ein. Er zog mich auf seinen Schoß meine Arme umschlungen seinen Nacken, dieses mal war ich es, die ihn ansah mit diesem Blick, bei dem ich wusste, das er inne halten muss.
Meine Hände wanderten vor zu seinem Nacken und ich zog ihn in einen Kuss, den er ohne zu zögern erwiderte. Wir wurden leidenschaftlicher, meine Hüften bewegten sich zum Rhythmus unserer Küsse auf seinem Schoß.
Minuten später saß ich immer noch auf seinem Schoß, ausgezogen, beschlagene Fenster, flacher Atem und seine Stirn lehnte an meiner Schulter.
Als wir uns wieder angezogen hatten, fuhr er mich nach Hause. Er hielt vor meinem Hause und unsere Blicke trafen sich.
„Grüß Lamia von mir." sagte er lächelnd als ich aus seinem Auto ausstieg, ich er wiederte es
„Mach ich." und schloss die Tür hinter mir und lief zum Haus ohne mich nochmal umzudrehen.
Als ich die Wohnungstür hinter mir schloss, fiel mein Blick direkt den Flur entlang zum Wohnzimmer in dem noch Licht brannte.
Langsam zog ich ich mir meine Schuhe aus und stellte sie ordentlich nebeneinander als müsste ich mir selbst beweisen das alles ganz normal war und zog danach meinen Mantel aus den ich gleich in die Garderobe hing, erst dann ging ich weiter ins Wohnzimmer, in dem mein Verlobter auf dem Sofa saß, das Handy in der Hand und der Fernseher lief stumm im Hintergrund. Er sah auf und lächelte als ich das Zimmer betrat. Er stand auf, trat zu mir und gab mir einen Kuss auf die Wange, so vertraut, beiläufig genauso wie es immer war. „Hey na, wie war das Essen mit deiner Freundin?" ich erwiderte sein Lächeln, welches ich seit Jahren übte. „Schön" sagte ich „Wie immer." ergänzte ich.
Er nickte zufrieden und wandte sich dann wieder dem Sofa zu. Und ich stand noch einen Moment mitten im Raum, während mein Herz immer noch viel zu laut schlug. Denn da draußen am See hatte ich jemanden geküsst der nie wirklich aus meinem Leben war und hier drinnen spielte ich weiter ein Rolle, die ich mir selbst ausgesucht hatte...

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⏰ Last updated: Jan 26 ⏰

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