Es war immer derselbe Traum. Ein Fragment aus einer anderen Welt, das sich wie Öl auf die Wirklichkeit legte.
Er begann nicht mit Bildern, sondern mit einer Empfindung. Einem dumpfen, rhythmischen Schlagen, das Izabelle in ihrem Innersten erschütterte. Erst nach und nach formte sich das Geräusch zu Regen – ein unaufhörliches Peitschen gegen Glas, so laut, dass es jedes Wort im Inneren des Raumes zu verschlingen drohte.
Izabelle wusste, dass sie träumte, doch die Sinneseindrücke waren von einer grausamen Schärfe. Der plötzliche Geruch von erlöschendem Kaminfeuer mischte sich mit dem schweren, fast betäubenden Duft von Rosen und kühlem Metall. Alles war verschwommen, als blickte sie durch dicken, wallenden Nebel.
Schemen bewegten sich im Dämmerlicht.
Da war eine Gestalt, schmal und unbeweglich wie eine Statue aus blassem Marmor. Ihr Haar schimmerte wie flüssiges Silber im fahlen Glanz der Glut. Gegenüber von ihr stand eine dunkle Silhouette, die beinahe mit den Schatten der Wände verschmolz. Von dieser Gestalt ging eine Kälte aus, die nichts mit dem Wetter draußen zu tun hatte – es war die frostige Aura von purer, nackter Panik.
„Er sucht...", wehte ein Wortfetzen zu Izabelle herüber, leise und scharf wie eine Rasierklinge. „...die Prophezeiung... nicht sicher."
Izabelle sah, wie die dunkle Gestalt ein kleines Bündel gegen ihre Brust presste. Die Bewegungen waren hektisch, fahrig, als liefe der Schatten gegen eine unsichtbare Uhr an. Es war das Verhalten von jemandem, der bereits alles verloren hatte und nun versuchte, den letzten Rest vor dem Feuer zu retten.
„Ein Leben auf der Flucht... ist kein Leben", flüsterte die dunkle Frau. Ihre Stimme klang wie zerbrochenes Glas, das über Stein geschleift wurde. „Hier... hier werden sie nicht suchen. Niemals in den eigenen Reihen. Niemand vermutet ein Licht im Herzen der Finsternis."
Die silberne Gestalt regte sich nicht. Ein unterdrücktes, scharfes Einatmen war die einzige Antwort. „Er wird fragen. Er wird alles hinterfragen."
„Bitte, Cissy!" Der Name war kaum mehr als ein gequältes Keuchen, ein Flehen, das Izabelle im Schlaf die Brust zuschnürte. „Versteck es. Lass es im Gold und im Hochmut verschwinden. Gib ihm einen Namen, der wie ein Schild wirkt."
Dann geschah etwas, das Izabelle jedes Mal erzittern ließ. Die Arme der panischen Frau öffneten sich. Das Bündel wurde weitergereicht. Ein Moment der Schwerelosigkeit, ein kurzes Aufblitzen von nackter Angst, bis neue Hände danach griffen. Diese Hände waren ruhig, beringt und rochen nach teurer Seide, doch sie fühlten sich fremd an – distanziert, wie ein geschäftlicher Pakt.
„Zwillinge", hauchte die silberne Frau, mit nun zwei Kindern auf dem Arm. Die Worte waren nun fest, fast kriegerisch.
Ein letzter Blick wechselte zwischen den Schatten. Izabelle glaubte, für den Bruchteil einer Sekunde zwei dunkle, fiebrige Augen im Nebel zu erkennen, die vor Schmerz und Hoffnung zugleich brannten. Dann drehte sich der dunkle Schemen um. Das Geräusch von schwerem Stoff, das ferne Echo einer zufallenden Tür – und dann war da nur noch das endlose Trommeln des Regens.
Izabelle schreckte hoch.
CZYTASZ
Ein Name zu viel
FanfictionManchmal fühlt sich Hogwarts nicht wie ein Zuhause an - sondern wie ein Ort, der dich längst kennt, bevor du dich selbst verstehst. Izy hat nie wirklich irgendwo dazugehört. Aufgewachsen in einem Waisenhaus, hineingeworfen in eine Welt voller Magie...
