Der nächste Tag verging mal wieder viel zu schnell. Louis und Taylor kamen und wir gingen zusammen ins Freibad, da es einfach viel zu warm für alles andere war. Louis unterhielt uns auf seine witzige Art die ganze Zeit mit verrückten Ideen oder lustigen Geschichten. Ich genoss es einfach in Jaydens Armen zu liegen und mit den Jungs zu lachen. Abends schaute ich kurz bei Dad vorbei. Gerade als er irgendein Thema anschneiden wollte, das ihm ziemlich wichtig zu sein schien, kamen Louis und Tay rein um sich wieder zu verabschieden. Ich begleitete sie noch raus zum Tor und lief dann wieder zu Jayden. Im Bett sahen wir uns noch ein Film an und irgendwann nebenbei schlief ich ein.
Am nächsten Morgen wurde ich viel zu früh von einem klingeln geweckt. Ich sprang aus dem Bett, zog mich in Rekordzeit um und rannte zur Tür. Jayden und mein Dad.
„Warum weckt ihr mich so früh?" Beschwerte ich mich.
„Ich hab vergessen die Tür offen zu lassen und mein Schlüssel vergessen." Erklärte Jay logisch, doch ich schnaubte nur etwas genervt und sah meinen Dad an.
„Ich muss mit euch reden ... also eigentlich nur mit dir, Blue." Meinte er und die beiden traten ein.
„Der Hof macht fast 1.000€ minus im Monat." Platzte Dad heraus als wir am Küchentisch saßen.
„Momentan ist das noch kein Problem, aber auf längere Zeit gesehen funktioniert das nicht." Probierte er zu erklären.
„Ok. Wir brauchen also mehr Einsteller." Schlussfolgerte ich.
„Naja das Problem ist eigentlich, dass zu wenig Leute den Hof kennen." Warf Jay ein und ich nickte.
„Wir bräuchten Werbung, aber Plakate und so ein Kram ist zu teuer." Stellte ich fest.
„Lass uns Louis fragen. Der hat immer ein Haufen Ideen." Schlug Jay vor und ich stimmte zu. Kein halbe Stunde später hatten wir eine Telefonkonferenz mit Tay und Louis gestartet und ihnen die Situation geschildert.
„Tja das ist Mist." Stellte Taylor fest und wir stimmten zu.
„Zufällig ... habe ich da vielleicht eine Idee." Warf Louis ein.
„Darauf hatten wir gehofft." Lachte Jayden.
„Ich habe heute Morgen ein Plakat gesehen, der ein Springwettkampf, zwei Orte weiter ankündigt. Blue du könntest dort mit Rebell teilnehmen."
„An sich keine schlechte Idee, aber du weißt doch das Rebell keine bunten Stangen springt." Warf ich ein.
„Das ist ja das Gute. Das ganze ist zwar aufgebaut wie ein Springwettkampf, aber mit Geländehindernissen. Es ist eine Strecke mit Hindernissen, ich glaube zwei Kilometer lang oder so, und es sind alles Natürliche. Allerdings sind halt so Sachen wie Gräben und so ein Kram dabei."
„Ok und wie schwer ist es?" Fragte Tay.
„Keine Ahnung. Auf dem Plakat war ein großes M, falls dir das was hilft." Meinte Louis und ich konnte mir bildlich vorstellen wie er mit den Schultern zuckte.
„M kann Rebell schaffen." Brachte Tay aufgeregt hervor.
„Naja. Ich bin einige Zeit nicht mehr mit ihr gesprungen und ich weiß auch nicht ob sie das so einfach mal eben macht. Wann ist denn der Wettkampf?" Meine ich ein wenig zweifelnd.
„Übermorgen Nachmittag. Es geht 14:00 Uhr los." Tay und ich zogen scharf die Luft ein.
„Was haltet ihr davon wenn Taylor und ich morgen vorbei kommen und du, Blue, und Tay ihr trainiert ein bisschen mit dem Pferd und dann könnt ihr immer noch ja oder nein sagen." Schlug Louis vor.
„Eigentlich braucht das Pferd mindestens ein Tag Ruhe vor dem Wettkampf." Zweifelte Taylor, doch nach einer kurzen Diskussion stimmten wir alle zu, es wenigstens mal zu probieren. Nach dem Telefonat ging ich sofort raus zu Rebell und baute ein paar Hindernisse im Hof auf. Ich schaffte es bis zu 1,27m mit Rebell zu springen, danach machte ich Schluss. Für ein M-Springen bräuchte ich zwar bis zu 1,30m, aber immerhin war morgen auch noch ein Tag. Und ich war ja auch nicht gezwungen dort mit zu machen.
„Louis, leg noch etwas höher." Ordnete Taylor an. „Und Blue. Nimm sie vor dem Sprung noch ein klein wenig zurück. Wenn sie etwas eher springt, schafft sie noch ein paar Zentimeter."
Seit über vier Stunden, mit nur einer kurzen Pause, trainierten wir nun schon und Taylor war wirklich streng, aber es funktionierte. Da Rebell nur eine Westernausrüstung besaß, benutzten wir Coffes englischer Trense und Sattel, der erstaunlich gut passte. Wir hatten es geschafft bis zu 1,32m mit Ballett zu springen und das war hoch genug für das M-Springen was uns bevor stand. Außerdem waren Taylor und ich verschiedenste Kombinationen und Hindernisse durchgegangen, sodass Rebell und ich an diesem einen Tag vermutlich mehr gelernt hatten, als in unserem kompletten bisherigen Leben.
„Wir haben noch ein Problem. Es wird vermutlich einen Wassergraben geben, den haben wir noch nicht geübt."
„Wie lang muss der Graben denn sein?" Fragte Louis.
„Zwischen 2,5m und 3,5m." Taylor kannte erstaunlich viele Fakten über Springturniere.
„Am Fluss, der zum See führt gibt es so eine Stell. Dort wo Ballett mich mal abgesetzt hat als ich sie das erste Mal geritten bin." Erinnerte sich Jayden. Wir beschlossen dort hin zu reiten und zumindest zu probieren, ob man dort springen konnte. Tay lehnte es ab. Man hätte zu schräg springen müssen und dann wäre der Fluss zu breit. Allerdings fand Louis etwas weiter in Richtung See eine schmalere Stelle, an der wir es probieren konnten.
„Ok, Blue. Du nimmst von hier Anlauf und musst dann dort so gerade wie möglich springen. In die Richtung kannst du sie anhalten, der Weg müsste reichen." Taylor erklärte mir alles genau und zeigte genau wo ich lang sollte.
„Bereit?" Ich nickte. Aus dem Stand trabte ich an und ging nach wenigen Schritten in den Galopp. Rebell spitzte die Ohren. Automatisch passte sie ihre Sprünge an und ich beugte mich ein wenig nach vorn. Noch ein Galoppsprung. Doch anstatt über das Wasser zu springen, galoppierte Rebell mitten durch. Im ersten Moment war ich total verwirrt, doch als ich sie dann angehalten hatte, konnte ich nur noch lachen. Die Jungs stimmten mit ein.
„Wir sollten eine Springstange davor legen, damit sie es als Hinderniss sieht." Lachte Taylor und wir stimmten zu. Louis und Jay holten ein etwas dickeren Ast aus dem Wald und platzierten sie so, dass Rebell es hoffentlich als Hinderniss erkennen würde. Wir startete einen weiteren Versuch und diesmal klappte es. Rebell sprang, noch nicht weit genug, aber immerhin sprang sie überhaupt. Wir übten es noch einige Male, bevor wir uns schließlich auf den Weg nach Hause machten. Ich sattelte Rebell ab ging zurück auf den Hof. In der Zwischenzeit war es schon halb fünf und ich war fix und fertig vom Tag. Ich lehnte mich an Jays Schulter und er schlang seine Arme um meine Taille.
„Ok Leute, dann sehen wir uns morgen beim Turnier." Meinte Louis und umarmte mich. Taylor tat es ihm nach und von Jay verabschiedeten sich die Beiden mit einem so einem Jungs-Einschlag-Dings. Danach fuhren sie mit Tays Wagen davon und Jay und ich gingen rein. Oben viel ich müde auf die Couch.
„Blue! Wir haben was vergessen." Rief Jay auf einmal aufgebracht. Ich sah zu ihm hoch.
„Wir haben gar keinen Hänger."
„Ach du scheiße." Ich schlug mir mit der Hand vor die Stirn.
„Wir könnten Balletts Besitzerin anrufen, Frau Mühlheim. Sie hatte doch einen Hänger als sie Ballett gebracht hat."
„Ok. Kannst du sie anrufen?" Jay nickte und verschwand in der Küche. Ich war so müde, dass ich fast eingeschlafen war, als ich zurück kam.
„Sie hat morgen früh einen Arzttermin, wenn dann können wir den Hänger jetzt gleich abholen." Erklärte Jay kurz und ich stand schwerfällig auf.
„Ok. Dann los."
„Du kannst auch hier bleiben." Schlug Jay vor, doch ich lehnte ab und wir gingen zusammen nach unten. Wir nahmen Dads Auto. Ich lehnte mich im Sitz zurück und da keiner von uns was sagte, wurden meine Augen immer schwerer. Bevor wir bei Frau Mühlheim ankamen, war ich eingeschlafen.
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Blue's Sommer
Teen FictionEin Kindheitstraum, eine Entscheidung und ein glücklicher Zufall. Diese drei Dinge ändern Blues Leben auf einem Schlag. Was daraufhin folgt ist eine riesiges Gefühlschaos, ein ewiges hin und her und ein Abenteuer, dass sich Blue so niemals erträu...
