Voran!
Die Stimme meines Partners war klar, fest – wie immer.
Ich rannte los, meine Pfoten schlugen hart auf den staubigen Boden, Sand wirbelte um mich. Meine Nase war der Kompass, mein Herz der Motor. Ich kannte diesen Geruch: Sprengstoff, schwach – aber da.
Noch zwanzig Meter.
Ich war ausgebildet für das hier.
Ich war Koda, Militärhund, Belgischer Schäferhund – Malinois.
Ich kannte nichts anderes als Gehorsam, Präzision, Vertrauen.
Ich war schnell, immer schneller als die anderen Hunde. Die Menschen sagten, ich sei eine „Naturgewalt“. Ich hatte keine Ahnung was das bedeuten sollte. Ich bellte nur, wenn ich musste. Und ich biss nur, wenn man mich ließ. Die Menschen nennen das Disziplin.
Such, Koda. Such!
Ich tauchte tiefer in den Geruch ein. Mein Partner – Elias – war dicht hinter mir. Ich hörte sein gleichmäßiges Atmen. Seine Schritte. Er war immer da.
Er roch nach Kaffee und Staub. Nach Metall.
Er roch nach Zuhause.
Ich blieb stehen. Gefunden. Ich bellte zwei Mal.
Die Mine war da. Ich hatte sie.
Elias rief durch: Koda hat was! Zurückziehen!
Doch dann –
Knacken.
Ein Klick.
Und alles passierte gleichzeitig.
Ich hörte Elias fluchen. Spürte die Anspannung in seiner Stimme.
Dann Hitze.
Licht.
Schmerz.
Ein Knall.
Dann war alles still.
Ich weiß nicht, wie lange ich da lag.
Mein Gehör war nur ein Summen.
Mein Bein blutete. Meine Pfote war aufgerissen.
Aber ich stand auf. Ich musste. Für ihn.
Ich fand ihn.
Elias lag da.
Seine Augen waren offen, aber er sah nichts mehr.
Sein Geruch – er veränderte sich.
Kalt. Metallisch.
Fremd.
Ich winselte. Leckte sein Gesicht.
Keine Reaktion.
Ich bellte. Schrie. Zog an seiner Uniform.
Aber nichts half. Er stand nicht auf.
Später zogen sie mich weg. Ich kämpfte, trat um mich, schnappte sogar nach einem der Männer. Sie hielten mich zurück.
Und Elias…
wurde mit einer Flagge bedeckt.
Mein Mensch war fort.
Danach folgten Tage, die sich zogen wie Ketten.
Sie nannten es Trauma.
Ich nannte es Schmerz.
Ich fraß nicht.
Ich spielte nicht.
Ich reagierte auf niemanden.
Der Maulkorb wurde zu meinem ständigen Begleiter, weil ich niemanden mehr an mich ließ. Nein, ich biss zu, bei jedem der zu mir wollte. Und ich spürte ihre Angst - die ich eigentlich nicht wollte - wenn sie mir Futter brachten was ich meistens eh nicht aß. Warum ich das tat? Ich weiß es nicht. Es war wie ein Mechanismus, Reflex, nennt es wie ihr wollt. Ich verstand die Menschen nicht mehr. Wozu die Kriege? Konnte man denn nicht einfach friedlich leben und sich alles miteinander teilen? Ich meine, es wäre doch viel leichter? Aber nein, natürlich müssen die Menschen es immer kompliziert haben... Seufz.
Ich merkte, wie gefährlich es eigentlich war, was ich davor getan hatte... Aber warum die Gefahr? Konnte man sich nicht einfach mit Worten beschmeißen so wir man es bei einem Streit tut? Das unlogischste ist aber irgendwie, dass sie auch uns, Tiere, in diese Angelegenheiten mit reinmischten! Das alles fiel mir in diesen Tagen auf, und mir war klar: Ich wollte nie wieder mit, beziehungsweise FÜR Menschen arbeiten. Es war unfair wie sie uns einfach ausnutzten! Sollten sie Ohren blöden Sprengstoff doch selber suchen!
Viele Gedanken wie diese kamen mir damals in den Kopf. Und ich gebe zu - manche waren schlau, andere (die meisten) eher dumm...
In der Trainingshalle, wo ich einst durch Tunnel raste, Wände hochsprang, und auf Kommando zwischen Leben und Tod entschied – war ich nur noch ein Schatten.
Ich sah andere Hunde. Junge, hungrige Blicke. Ich war nicht mehr wie sie.
Einer der Ausbilder stand irgendwann vor meinem Zwinger.
Er ist durch, sagte er.
Nicht mehr einsatzfähig.
Ich war kein Held mehr.
Kein Werkzeug.
Nur… ein Hund.
YOU ARE READING
KODA
Teen FictionHi,ich bin Koda. Ein Malinois (und stolz drauf) Ich will euch meine Geschichte erzählen,und die ist voller Schmerz aber natürlich gab es auch schöne Momente in meinem ziemlich langem Leben...
