06.12. - Wo Schneeflocken landen

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Der Himmel war wolkenbedeckt, weiße Flocken tanzten vom Himmel herab. Sie schaute aus dem Fenster und kindliche Freude regte sich in ihrer Brust. Mit einem Blick auf den Kalender stellte sie fest, dass heute der 6. Dezember war und so die alljährliche Weihnachtsfeier des Hauses Gryffindors anstand. Sie setzte sich mit geschlossenen Augen auf, um sich noch kurz Zeit zu geben, aufzuwachen.
Doch plötzlich traf sie ein Kissen am Kopf. Stöhnend schlug sie die Augen auf und sah eine fröhlich grinsende Marlene. „Was soll die Scheiße?" „Es schneit. Lass uns raus gehen und einen Schneemann bauen." Lily lachte. „Seit wann bist du denn bereit, irgendwas vor dem Frühstück zu machen?" „Seit es schneit." Marlenes Augen funkelten gerade so vor Vorfreude. „Gut. Aber ich will vorher noch etwas essen." Marlene brummte. „Du schlägst mich mit meinen eigenen Waffen." „Hast du Waffeln gesagt?" Grinsend guckte Lily Marlene an. Und dann nahm sie das Kissen, das Marlene ihr an den Kopf geworfen hatte und warf es rüber zu Marlene. Und schon erfüllte eine heitere Kissenschlacht den Raum.
Eine Dusche, Bettmachen und Zähneputzen später saßen die Beiden in der Großen Halle. Marlene war so aufgeregt, dass sie nicht stillsitzen konnte und erst ihren Orangensaft und dann auch noch ihre Cornflakes umstieß. Ein Wink mit dem Zauberstab und die Sauerei war weg.
Lily aß ihre Waffeln betont langsam. Marlene sah sie leicht säuerlich an. „Du machst es mir extra schwer, oder?" Als Antwort grinste Lily nur.
Als sie endlich fertig war, sprang Marlene auf und rannte nach draußen. Lily folgte ihr lachend.
Eine Stunde später hatten die Beiden einen wunderschönen Schneemann gebaut. Mit einer vom Frühstück mitgenommenen Möhre, einem Eimer von Hagrid und Marlenes Schal sah er richtig gut aus. Sie bewunderten gerade ihr Werk, als Lily im Nacken ein Schneeball traf. Ihr klappte der Mund auf und sie drehte sich langsam zu dem Werfer um. Es gab nur einen Menschen, der so etwas tun würde. „Das wirst du büßen James Potter." Und dann griff sie in den Schnee, formte eine Kugel und traf James' Gesicht. „Autsch, Evans! Gesicht ist unfair." „Und jemanden von hinten anzugreifen ist feige." „Ich glaube dann müsst ihr wohl den Kampf unter einem objektiven Schiedsrichter austragen, um zu gucken, wer besser ist." Sirius grinste verschmitzt. Lily warf ihm einen genervten Blick zu. „Als ob du objektiv sein könntest!" Sirius hob entschuldigend die Hände. Lily legte ihren Kopf schief und überlegte, während James, Marlene und Sirius sie gespannt ansahen. „Na gut. Ich mach mit. Wie sind die Regeln, Black?"
„Keine Zauberstäbe. Wer zuerst den Anderen trifft, hat gewonnen. Also gut. Auf mein Zeichen. 3... 2... 1!" Gleichzeitig bückten sich James und Lily um Schnee aufzuheben. Sie warfen die ersten Bälle, Lily verfehlte James komplett, seinem Ball konnte sie nur um Haaresbreite ausweichen.
In der Schlacht machten sich seine Fähigkeiten als Jäger bemerkbar. Immer warf James nur ganz knapp an Lily vorbei oder sie konnte noch gerade so zur Seite springen. Lily war gerade dabei, ihren nächsten Ball zu formen, als sie ein Schneeball von James am Arm traf. Erstarrt schaute sie zu Marlene und Sirius, die das Spiel amüsiert beobachteten. „Tja Evans. Du hast wohl verloren. Gehst du jetzt mit ihm aus?" „Niemals." „Bitte! Du musst." „Ich muss gar nichts, Black."
Insgeheim hätte Lily gar nichts dagegen, mit James auszugehen, immerwieder verspürte sie in seiner Gegenwart ein Zucken in ihrem Herz, doch sie musste einfach aus Prinzip nein sagen. Wie James Severus schikanierte... Auch wenn sie nicht mehr mit ihm befreundet war, fand sie es immer noch schrecklich, wie James ihn behandelte.
Während James ein stummes Gespräch mit Sirius führte, nahm Lily den Ball, der nach wie vor in ihrer Hand lag und warf ihn gegen James. Der guckte sie verblüfft an. „Was soll das denn jetzt?" „Rache." Ein freches Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Und nicht nur James und Lily bewarfen sich mit Schnee, sondern auch Sirius und Marlene stiegen mit in den Kampf ein. Nach einer Weile ließen sich die Vier erschöpft in den Schnee sinken.
Der Atem dampfte in der kalten Luft, und überall glitzerte der frische Schnee. James grinste breit, während Lily, immernoch ein wenig beleidigt, neben ihm lag. Ihre Mütze war halb verrutscht, und sie hatte Schnee im Haar. Siegreich sagte James: „Na, was hab ich gesagt? Noch nie hat jemand meine Wurftechnik überlebt."
„Das war reiner Zufall! Ich war abgelenkt, weil Sirius dauernd gelacht hat.", funkelte Lily ihn an. „Hey, gib mir nicht die Schuld, dass deine Reaktionszeit so mies ist.", lachte Sirius.
Marlene grinste: „Ich hab's gesehen, Lils – der Schneeball kam direkt frontal. Du hattest keine Chance."
Lily grummelte und zog die Mütze tiefer.
„Pff. Wenigstens hab ich Stil beim Verlieren."
James lächelte sie neckisch an: „Ich fand, du sahst ziemlich süß aus, als du getroffen wurdest."
Sofort sagte Lily abwehrend, aber mit einem kleinen Lächeln: „Oh, bitte. Fang nicht wieder mit deinem Charmegedöns an."
James legte sich auf den Rücken und schaute in den Himmel. „Ich mein's ernst. Weißt du, manchmal... fühl ich mich wie 'ne Schneeflocke. Habt ihr euch schonmal vorgestellt, ihr wärt eine?" „Hast du dich am Kopf gestoßen oder warum auf einmal so philosophisch, Potter?" „Lass ihn doch. Ich find's schön", kicherte Marlene. „Jede Schneeflocke ist anders, und sie weiß nie, wo sie landet. Aber manchmal... landet sie genau richtig", fantasierte James ruhig, mehr zu Lily als zu den anderen. „Du redest so, als wär das hier ein Film." „Vielleicht fühlt's sich ja auch ein bisschen so an.", lächelte James sanft.
Lily schaute weg, aber ein leichtes Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie versuchte, es zu verstecken.
Gespielt spöttisch sagte sie: „Also wenn du eine Schneeflocke wärst, hätt ich dich schon längst geschmolzen." „Mag sein. Aber das kommt ja dem, was ich sonst so in deiner Nähe mache, sehr nahe", grinste James. Daraufhin schwieg sie, ihre Wangen waren plötzlich ein wenig gerötet. Sie versuchte, das Gespräch zu wechseln: „Na schön, Sieger. Dann spendierst du jetzt die heiße Schokolade." Sirius sprang mit Begeisterung auf. „Und ich nehm auch eine! Mit extra Sahne!"
Marlene lachte. „Träumer. Treff erst einmal bei der nächsten Schlacht."
Alle standen auf und schüttelten den Schnee ab. Lily lief ein paar Schritte vor, James folgte ihr, beide still. Für einen kurzen Moment sah sie ihn an – und obwohl sie nichts sagte, war da ein leises, echtes Lächeln.

Es wurde Abend im Schloss. Als Lily aus dem Fenster ihres Schlafsaals blickte, konnte sie kaum noch die weißen Flocken in der Dunkelheit erkennen. Doch schon hörte sie von unten Stimmen, Lachen und das leise Knistern des Feuers – es roch nach Plätzchen und Butterbier. Sie seufzte glücklich, zog ihren Schal enger und machte sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum.
Der Gryffindor-Gemeinschaftsraum war erfüllt von Lachen, Musik und dem Duft nach Zimt. Goldene und rote Girlanden zogen sich über die Wände, im Kamin knackte das Feuer und tauchte alles in warmes Licht. Irgendjemand hatte ein paar Mistelzweige an die Decke gezaubert, die sich immer wieder verschoben und über zufälligen Köpfen materialisierten – was natürlich für großes Gelächter sorgte.
Lily stand mit Marlene und Mary an einem der langen Tische. Marlene hatte eine Mütze mit winzigen klingelnden Glöckchen auf, die bei jeder Bewegung bimmelten.
„Wenn der Mistelzweig über dir auftaucht, Lils, bist du geliefert", sagte sie grinsend.
Lily schnaubte. „Dann bleib ich einfach in Bewegung."
„Oh ja, weil du ja bekannt dafür bist, auf Weihnachtsfeiern zu rennen."
Marlene stieß sie mit dem Ellenbogen an, als James auf der anderen Seite des Raums lachte. Er stand mit Sirius und Remus am Kamin, Butterbier in der Hand, die Haare noch wilder als sonst. Lily versuchte, nicht hinzusehen, aber natürlich tat sie es trotzdem.
„Wenn man dein Starren in Schneebälle verwandeln könnte, wäre er längst eingeschneit.", flüsterte Marlene kichernd.
„Ich starre ihn nicht an."
„Sicher. Du analysierst ihn nur sehr gründlich."
Lily verdrehte die Augen, doch ihre Mundwinkel zuckten.
Als der Abend voranschritt und die jüngeren Schüler nach oben verschwanden, wurde die Stimmung gelöster. Nur noch ein paar blieben unten zurück. James und Sirius hatten es sich lässig auf dem Sofa breitgemacht und unterhielten sich gedämpft. Remus blätterte über die Lehne gebeugt in einem Buch, während Peter neben ihm hockte und Marlene, Mary und Lily saßen vor dem Kamin, wo das warme Licht über ihre Gesichter flackerte. Die Schallplatte drehte sich langsam weiter, eine weiche Melodie erfüllte den Raum. Sirius reckte sich, seine Augen glitzerten gefährlich und dann klatschte er in die Hände. „So, Leute! Es ist Weihnachten, und was ist besser als Geschenke?"
„Ruhe?" murmelte Remus.
„Falsch, mein lieber Moonymoons! Wahrheit oder Pflicht."
Lily seufzte. „Oh nein, Sirius. Das endet jedes Mal in Chaos."
„Eben!", grinste er zufrieden.
Die ersten Runden verliefen harmlos. Peter musste ein Weihnachtslied rückwärts singen, Marlene eine Schneeflocke auf der Zunge fangen, ohne sie mit Magie zu verlangsamen und Remus erzählte widerwillig, dass er mal eingeschlafen war, während Slughorn redete. Viel Gelächter und ein wenig Chaos.
Dann blieb die Flasche vor James stehen.
„Pflicht", sagte er ohne zu zögern.
Sirius' Grinsen wurde breiter. „Zeig Lily Evans, was du für sie empfindest – aber ohne Worte."
Ein Raunen ging durch die Runde. Lily fühlte, wie ihre Wangen heiß wurden. James stand langsam auf, ging zu ihr hinüber und blieb vor ihr stehen. Einen Moment lang sagte niemand etwas. Er hob die Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, ganz vorsichtig, fast zärtlich.
Lily spürte, wie ihr Herz klopfte. Seine Fingerspitzen waren warm, und sein Blick so ernst, dass ihr plötzlich die Worte fehlten.
„Das reicht!", rief Marlene lachend, um die Spannung zu brechen. Sirius pfiff leise, und James grinste wieder, setzte sich zurück. Doch sein Blick blieb kurz an Lily hängen, und sie wusste, dass das kein Spiel gewesen war.
Die Flasche drehte sich weiter. Stimmen, Lachen, Gläserklirren. Und sie blieb vor Lily stehen.
„Evans", sagte Sirius mit gespielter Unschuld. „Wahrheit oder Pflicht?"
„Pflicht."
„Dann..." – Sirius' Augen funkelten gefährlich – „küss James Potter."
Totenstille. Nur das Knistern des Feuers war zu hören.
„Sirius!" rief Marlene empört. „Das ist doch–"
„Was denn? Rein festlich-romantisch!"
„Du bist unmöglich", murmelte Remus.
James hob beschwichtigend die Hände. „Du musst das wirklich nicht tun."
Lily sah ihn an. Das Flackern des Kaminfeuers spiegelte sich in seinen Augen, und draußen rieselten noch immer Schneeflocken vom Himmel. Sie dachte an die Schneeballschlacht, an sein Lächeln, an diesen Satz, der ihr nicht mehr aus dem Kopf ging: Manchmal landet eine Schneeflocke genau richtig und ihr Herz schlug schneller.
„Vielleicht hast du recht, Potter", flüsterte sie.
Und dann legte Lily ohne Vorwarnung ihre Lippen auf James'.


Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe es hat euch gefallen und auch vielen Dank an Pheephy für die Organisation. Es hat mich motiviert, mal wieder etwas zu schreiben. Das nächste Türchen findet ihr bei HinnyFan118317
Ich wünsche euch noch eine schöne restliche Adventszeit <3

Der gemeinschaftliche Wattventskalender 2025 - 6. TürchenStories to obsess over. Discover now