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~Eine Frau gehört in die Küche! Weder in akademische Felder, noch woanders hin. Sie muss sich um das wirklich Wichtige kümmern. Ein Weib was den Haushalt nicht beherrscht und irgendwelche irrationalen Träume hegt, ist eine schlechte Mutter~

Immer wieder hallten diese Jahre alten Worte durch die Tiefen meiner Gedanken und zogen ein Echo mit sich das zwar leiser wurde, aber nie vollständig verstummte. Es waren die großen Sprüche von Michael, als er bei unserer letzten Familienfeier von meinen beruflichen Vorhaben erfuhr. Seither wurde er offiziell aus unserer Familie verbannt. Meine Mutter schämt sich bis heute für ihre Schwester -die Frau des Ungetüms- die nicht den Mut hatte zu widersprechen. Nach diesem Tag brachen wir den Kontakt zu ihnen ab, keiner von uns brauchte dieses toxische Verhalten unter dem eigenen Dach. Mum hatte so lange versucht Margrit zu helfen, aber sie ließ sich lieber von ihrem Gatten durch das Haus scheuchen, während er neue Liegedellen an diversen Körperstellen entwickelte. Sie tat mir durchaus leid, uns allen, aber manche Menschen lassen sich nicht helfen, egal was man tat.

Versunken in Erinnerungen saß ich auf dem Sofa von Stille umgeben. Meine Glieder schmerzten und die kurzen Minuten der Entspannung fühlten sich ähnlich an wie der Übergang ins Nirvana. Mit jeder Sekunde die verging, sank ich tiefer in die Lederkissen. Schließlich riss mich der Wecker meines Handys mit einem unerträglichen Ton aus der Trance. Da wurde mir wieder die Tragweite der schweren Hausarbeit bewusst. Ächzend lehnte ich mich vor und ließ das Geräusch verstummen ehe ich mir die Oberarme etwas massierte, was jedoch eher unangenehm als befreiend war. „Wenigstens habe ich es rechtzeitig geschafft.." stöhnte ich angestrengt und beobachtete mit leicht zusammengekniffenen Augen die förmlich glänzende Umgebung. In den beigefarbenen Fliesen spiegelten sich der blaue Himmel und die Sonne wider, ähnlich wie Reflektionen der Natur in einem ruhenden See. Ein stolzes Grinsen schlich sich über meine Lippen, ich konnte es einfach nicht verkneifen. Mit jeder weiteren Woche, konnte man Fortschritte in meiner Reinigungs-Fähigkeit sehen, was das Feuer meines Ehrgeizes weiter entfachte. „Gute Leistung Alex" zufrieden tätschelte ich meine Schulter wobei ein stechender Schmerz bis in meinen Ellenbogen zog. Karma, da Eigenlob bekanntlich stinkt. Vielleicht war dies das Zeichen, um mit den Lobpreisungen meiner Selbst aufzuhören.

Nach einem tiefen Atemzug, in dem der chemische Geruch von diversen Reinigungsmitteln die Schleimhäute meiner Nase brennen ließ, fiel mir der lärmende Wecker von eben wieder ein. Ich schenkte der angezeigten Uhrzeit keine Beachtung und schaltete ihn einfach stumm. Ein dummer Fehler, wie sich bald herausstellen sollte. Der Blick auf meinen Sperrbildschirm ließ mich beinahe von den Kissen rutschen. Ein erschrockener Ton entwich meiner Kehle. Mit hektischen Armbewegungen versuchte ich, mein Gleichgewicht wiederzufinden. „Verdammte Scheiße!" fluchend sprang ich auf und lief in die Küche zu meinem Laptop, der auf der Arbeitsfläche zum Laden stand. Schnell klappte ich ihn auf, ließ ihn hochfahren – was gefühlte Ewigkeiten dauerte – und gab das Passwort ein. Währenddessen schenkte ich der aktuellen Uhrzeit in der rechten Bildschirmecke einen flüchtigen Blick „Meine Mutter kommt gleich und ich habe noch nicht angefangen etwas zu kochen. Warum lasse ich mich auch andauernd von meinen Tagträumen ablenken" kritisierte ich mich frustriert. Es musste alles perfekt sein bevor meine Eltern nach Hause kamen, das habe ich mir selbst geschworen. Enttäuscht von meiner mangelnden Sorgfalt, suchte ich im Browser nach dem Rezept eines Bauernfrühstücks, dafür hatten wir die Zutaten wenigstens im Haus. Ein Einkauf passte nicht mehr in das schmale, verbleibende Zeitfenster.

Mit Schweißperlen auf der Stirn begann ich, die Anweisungen zu überfliegen und parallel auszuführen.

Seitdem ich arbeitslos geworden war, übernahm ich all die Aufgaben, welche meine Mutter jahrzehntelang machen musste. Meine beiden Eltern arbeiteten Vollzeit und ich fühlte mich verpflichtet ihnen das Leben bestmöglich zu erleichtern.

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