Der alte Mann

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Der alte Mann beugte sich nach vorne über des weiße Papier. Mit seiner linken Hand hielt er es fest, mit der rechten schrieb er mit einem Füller schwarze Worte auf das Pergament.
Seine Augen hinter den Linsen seiner Lesebrille, wirkten hoch konzentriert und doch gleichzeitig bedrückt als sei das, was er schrieb, wichtig, aber traurig zugleich.
Der Raum war erfüllt von dem leisen Ticken der Standuhr, die hinter dem alten Mann empor ragte. Klick, Klack, Tick, Tack.
Zudem gesellte sich das leise Kratzen des Füllers und das Vogelzwitschern, das vom angeklapptem Fenster melodisch nach drinnen schallte, dazu.
Irgendwann, die Uhr hatte noch einige weitere Klick-Klack-Tick-Tack Geräusche von sich gegeben, legte der alte Mann schließlich seinen Füller nieder. Nahm das Wasserglas, das neben dem Papier stand, und trank einen Schluck. Dann nahm er seine Lesebrille ab und stand auf.
Einen Moment verweilte sein Blick auf dem Papier, dass nun voller beschriebener Worte war. Dann drehte er sich um und verließ den Raum. Vorbei an dem alten Bücherregal hinaus auf den langen Gang. So durchquerte er noch zwei weitere Zimmer, ehe er in der Eingangshalle ankam und durch die große Holztür nach draußen, auf die Veranda trat.
Hier verharrte er einen kurzen Moment und nahm die Blumenpracht, die sich vor ihm offenbarte wahr.
"Missa hätte es gemocht", schoss es ihm durch den Kopf, dann ging er zum alten Schuppen, der seine besten Tage schon gesehen hatte, und holte eine alte Gießkanne heraus.
Am Brunnen befüllte er sie mühsam mit Wasser, ehe er durch seinen Garten schritt und begann, die Blumen zu bewässern.
Langsam aber sicher sorgte er so dafür, dass jede etwas abbekam und noch genug für den alten Apfelbaum übrig blieb, den er sich wie immer bis zum Schluss aufhob.
Als diese Aufgabe erledigt war, nickte der alte Mann einmal kurz, als wollte er sagen: "Meine Arbeit für heute ist getan", und begab sich erneut zur Veranda, wo er sich nun auf der alten Holzbank niederließ.
Sie knarzte leise, hielt aber sein Gewicht.
Nun nahm sich der alte Mann kurz Zeit, das Blumenmeer zu betrachten. In rot, orange, gelb, weiß und lila leuchteten ihn die Farben entgegen.
Daneben bot der kleine Teich, in dem früher immer die Kinder gespielt hatten, einen kühlen, abmildernden Anblick.
Wunderschön, Heimat, und doch wünschte er sich, dass eine ganz bestimmte Person nun bei ihm wäre und ihm einen Vortrag darüber hielt, dass noch das Unkraut gejätet werden musste und der Rasen bald wieder zu hoch sei und sie am besten nächstes Jahr noch die und die Blume anpflanzen sollten.
Wenn er nun die Augen schloss, konnte er sich schon fast vorstellen, wie sie neben ihm saß. Die Wärme und das Leben, was sie versprühte. Fast glaubte er, ihre Stimme zu vernehmen, leise, kaum hörbar, aber doch da. Nur so weit weg, dass er die Wörter nicht vestand. Ihr Rosenparfüm wurde von einer leichten Briese an seine Nase getragen. Dann öffnete er die Augen und alles, was er sah, war das Blumenmeer, alles, was er hörte das Vogelzwitschern und das Brummen von Insekten. Niemand saß neben ihm. Er war allein.
Leise seufzte er und stand schwerfällig von der alten Holzbank auf. Es wurde ihm sowieso langsam zu kalt. Ohne sich noch einmal umzudrehen, ging er ins Haus zurück. Doch hätte er es getan, sich umgedreht, hätte er vielleicht einen blassen Schimmer auf der Bank sitzen sehen. Ein Hauch von einer Person, die mit wehmütigem Blick auf die Blumen blickte und dennoch lächelte, denn das Blumenmeer war unendlich in seiner Schöhnheit und endlich in seiner Existenz, ein bisschen so wie das Leben es sein konnte.

Worte, die ich mir am Anfang überlegt hatte: Standuhr, Geist, Kinder, Garten, das ist irgendwie daraus geworden. Ich hoffe, es hat euch gefallen, auch wenn es etwas traurig war :)

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⏰ Last updated: Feb 04 ⏰

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