Das neue Schuljahr

11 0 0
                                        

Die neunte Klasse - Das klingt ernst, oder? Teeniezeit, der erste Freund und die ersten Partys. Naja, wie dem auch sei, hatte ich nie richtig den Draht zu Mitschülern in meinem Alter. Zwei Jahre lang hatte ich es immerhin versucht und heute würde ich sie wiedersehen. Es war der erste Schultag und was soll ich sagen: Nichts hiervon hatte ich vermisst, außer den Kunstunterricht. Ich war ohne Ausnahme immer die beste darin und wurde sogar von Menschen, die mich nicht leiden konnten, für mein künstlerisches Talent bewundert. Dennoch war Schule für mich die Hölle, obwohl ich gut und fleißig war. In manchen Fächern mehr, in anderen weniger. Aber heute war es soweit - Der erste Schultag nach den langen Sommerferien. Ich betrachte mich im Spiegel. Eine ganz normale 15jährige - Ich hatte normale braune Augen und hatte die Spitzen meiner naturdunkelbraunen Haare lila gefärbt. Meine Haare waren leicht lockig und ich hatte blasse Sommersprossen. Vor kurzem hatte ich eine Zahnspange bekommen, in der Hoffnung, dass diese Zahnlücke, die mich immer noch aussehen ließ, wie eine 11jährige, bald verschwinden würde.
Ich zog mich rasch an, putzte meine Zähne und machte mich auf den Weg zur Schule.
Die ersten zwei Stunden hatten wir bei unserem neuen Klassenlehrer. Er schien nett zu sein, ziemlich gewöhnlich. Wir wurden über organisatorisches aufgeklärt, wie jedes Jahr und an sich war es nichts besonderes. Die nächste Stunde hatten wir Mathematik. Ich hasste Mathematik. Für mich war es frustrierend und zugleich langweilig - nur Zahlen und komische Dreiecke. Wie konnte dieses Fach für Menschen nur zu ihrer Leidenschaft werden? Im Gegensatz dazu waren der Kreativität in der Kunst keine Grenzen gesetzt. Du konntest einfach malen, ohne auf Logik oder Sinn zu achten. Es gab kein richtig oder falsch und das liebte ich so daran. Vielleicht war das der Grund - meine Liebe zur Kreativität und dem Gefühl - dass ich logische Dinge nicht wirklich mochte.
In Mathematik hatten wir ebenfalls einen neuen Lehrer, wie in jedem Fach.
Mr. Gerald hatte dunkle Haare, war etwas stämmiger und hatte ein seriöses Auftreten. Irgendetwas an ihm faszinierte mich... Er ließ seinen Blick über die Klasse gleiten, dann stellte er sich vor und begann kurz darauf mit dem Unterricht. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass ein MATHELEHRER so gut aussehen könnte. Ich meine, es ist Mathe? Bis jetzt sahen alle meine Lehrer in diesem Fach aus wie alte vergammelte Vogelscheuchen. Und die meisten rochen auch so, vor allem Mr. Holthford hatte üblen Mundgeruch. Aber Mr. Gerald schien anders zu sein. Er war jung, höchstens Anfang 30 und schien auf ein gepflegtes Aussehen Wert zu legen. Ich versuchte mich auf die Aufgaben zu konzentrieren. Ein paar Wiederholungsaufgaben und trotzdem waren sie schwer für mich. Ich hatte bereits den kompletten Stoff wieder verdrängt.
Mr. Gerald ging durch die Reihen und leider entging ihm nicht, dass auf meinem Papier nichts stand.
„Hey", hörte ich seine Stimme und zuckte kurz zusammen. Ich hatte ihn zuerst nicht einmal bemerkt. „Du bist Alison, oder?", fragte er etwas neugierig.
„Ja", entgegnete ich schüchtern. Er beugte sich zu mir vor. „Auf deinem Blatt steht nichts. Brauchst du Hilfe?" Seine Stimme war ruhig, gar nicht passend zu seinem strengen Aussehen. Ich war gelähmt etwas zu sagen und sah ihn nur an. Nach einer Weile lächelte er nur und setzte sich auf den freien Platz neben mir. „Keine Angst. Jeder Schüler hat seine Schwächen. Ich bin Lehrer. Es ist mein Job dir zu helfen wenn du Probleme hast."
„Danke. Ich habe einfach Probleme im Mathe. Alle Themen frustrieren mich um ehrlich zu sein."
Er nickte nachdenklich.
„Okay, wir kriegen das hin. Versprochen."
Ich merkte wie mein Herz höher schlug. Die Art wie er das sagte. Oh Gott, dieser Mann ist meine Mathelehrer. Was denke ich hier nur...
Er begann mir die Themen zu erklären und ich hörte das erste Mal aufmerksam zu. So verstrich der Rest der Stunde. Am Ende gab er uns die Hausaufgaben bis Donnerstag auf. Es waren einige Aufgaben und wusste, dass es einiges an Zeit kosten würde, diese zu bearbeiten.
Ich packte meine Sachen ein. Ich war vermutlich die größte Chaotin dieses Planeten und war deshalb meistens die Letzte. Und so auch heute. Alle waren schon aus dem Klassenraum gerannt, nur Mr. Gerald wartete geduldig. Ich warf mir meinen Rucksack über den Rücken und wollte ebenfalls den Raum verlassen, doch Mr. Gerald hielt mich auf.
„Alison" Ich drehte mich um und blieb stehen. „Ich möchte dir helfen. Du scheinst einige Lücken zu haben." Er schloss die Tür und ging einen Schritt näher an mich ran. „Ich würde dir Nachhilfe geben", flüsterte er. „Ich darf das eigentlich nicht. Es muss unser Geheimnis bleiben." Ich blickte ihm tief in die Augen. „Ich behalte es für mich", sagte ich und hielt den Blickkontakt. Mr. Gerald lächelte, holte ein Stück gefaltetes Papier aus seiner Hosentasche und gab es mir. „Danke", sagte ich und steckte das Papier in meine Jackentasche.
„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag", verabschiedete ich mich.
„Ich dir auch. Pass auf dich auf." Er sagte das irgendwie auf eine romantische Art oder bildete ich mir jetzt schon Sachen ein? Ich verließ den Raum und holte den Zettel aus meiner Jackentasche.

Morgen, 16 Uhr, Horrowstreet 136 ?
Ich werde dort sein, verlassen Sie sich darauf...

You've reached the end of published parts.

⏰ Last updated: Jan 02, 2025 ⏰

Add this story to your Library to get notified about new parts!

Alisons VersprechenWhere stories live. Discover now