Prolog

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Die feuchte Luft von Forks lag schwer auf den Blättern der umliegenden Bäume, als ich durch den Wald schritt. Meine Fingerspitzen strichen über die Rinde eines alten Ahorns. Ich fühlte mich schon immer vom Wald angezogen. Dieser hatte eine beruhigende Wirkung auf mich. Die weichen Moospolster, die über Wurzeln krochen, und der erdige Duft, der die Luft erfüllte, waren wie ein Schutzschild gegen die Unruhe, die mich manchmal von innen heraus zu zerreissen schien. Es war mein Zufluchtsort, mein Versteck vor einer Welt, die manchmal zu viel war.

Doch selbst der Wald konnte die Unruhe nicht vollständig vertreiben. Niemals hätte ich erwartet, dass ich durch Embry Call so aufgewühlt hätte sein können. Er war immer so zuvorkommend und hat mich vor allem, wie mein Bruder, in Schutz genommen. Zudem sah er unglaublich gut aus. Lange war ich wie eine kleine Schwester für ihn, und jetzt scheint es, als würde ich nicht mehr in seinem Leben existieren. Als hätte er keinen Platz mehr für seine besten Freunde  meinen Bruder Jacob Black, und Quil Ateara. Stattdessen hängt er jetzt lieber mit Sam und den anderen Jungs ab, welche von ihm manipuliert wurden.

Ich schüttelte unwillkürlich den Kopf, als ob ich dadurch die Gedanken an ihn vertreiben könnte. Anscheinend trainieren sie sehr viel gemeinsam, aber man sieht ihnen genau an, dass sie Anabolika oder so zu sich nehmen müssen. So extrem und vor allem so schnell bilden sich keine Muskeln. Es war beängstigend und verletzend zugleich. Embry, der einst immer ein Lächeln für mich hatte, schien nun unnahbar, ein Schatten dessen, was er einmal gewesen war. Es war, als hätte er sich in eine Welt zurückgezogen, in die ich keinen Zugang hatte. Und vielleicht wollte er mich auch gar nicht dort haben.

Eine warme Träne kullerte über meine Wange. Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich liess mich gegen einen Baum gelehnt nieder.  Ich fasste an den Anhänger meiner silbrigen Kette. Der Anhänger war ein etwas grösserer runder rosaner Stein. Das war die Kette meiner Mutter, welche leider bei einem Autounfall verstorben ist. Mein Vater hat es zum Glück überlebt, jedoch sitzt er seither im Rollstuhl.

Ich wusste nicht, warum ich sie jetzt hielt, warum der kühle Stein zwischen meinen Fingern plötzlich so tröstlich wirkte. Vielleicht war es die Erinnerung an sie, an eine Zeit, in der alles einfacher war. Damals war ich noch ein Kind gewesen, unberührt von den komplizierten Gefühlen, die mich jetzt zu erdrücken drohten. Aber genauso wie der Wald war auch die Kette ein Teil von mir, ein stiller Begleiter, der immer da war.

Es war eine jener Momente, in denen sich alles schwerer anfühlte. Die Welt um mich herum schien stillzustehen, nur das leise Rascheln der Blätter und das entfernte Rufen eines Vogels durchbrachen die Stille. Mein Herz war schwer, voller Fragen, auf die ich keine Antworten hatte. Warum hatte Embry sich so sehr verändert? Was verbarg sich hinter der kühlen Fassade, die er jetzt zeigte? Und warum hatte ich das Gefühl, dass das er dennoch wieder ein Teil meines Lebens werden würde? War es eine stille Hoffnung, welche noch in mir schlummerte? Ein Teil, in mir, der es noch nicht wahrhaben wollte?

Ein leichter Wind kam auf, streifte mein Gesicht und wehte mir eine Haarsträhne ins Auge. Ich strich sie beiseite und blickte in die Ferne, wo die Bäume dichter wurden. Es war fast wie ein unsichtbarer Vorhang, der eine Grenze markierte, zwischen dem, was ich kannte, und dem, was noch vor mir lag. Irgendwo tief in mir wusste ich, dass dies erst der Anfang war. Dass die Antworten, die ich suchte, nicht einfach zu finden sein würden. Und dass ich bereit sein musste, sie zu akzeptieren, egal wie sehr sie mein Leben verändern würden.

Blooming Night - Bis(s) zum SommerlichtDes histoires addictives. Découvre maintenant