Frühling

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Celestia starrte auf den Boden undbetrachte den rauen Beton der sich unter seinen Füßen ausgebreitethatte und was für ein Kontrast er war zu seinen weißen undschwarzen Schuhen. Seine Gedanken waren woanders und nicht mal erselbst wusste genau, wo die Gedanken waren. Sein Körper war physischauf der Erde, das Licht war an aber er war geistlich wo anders undniemand war Zuhause bei ihm im Kopf. „Hey, bist du noch da? Erde anCelestia, bist du noch da?", holte ihn die Stimme zurück. SeineAugen öffneten sich weiter auf und er blickte hoch, um seinen bestenFreund zu sehen: Ursus. Er konnte sich sein Grinsen nicht verkneifenund er musst sogar etwas glucksen. Ursus war sein bester Freund, seinKomplize und fast schon wie ein Bruder für ihn. Ursus, dachte sichCelestia, wäre seine Traumfrau, wenn er denn eine Frau wäre, dennkeiner kannte ihn so gut wie Ursus und keiner konnte seine Signale sogut erkennen wie er. Und so stand Celestia mit seinen langen Beinenauf, um Ursus die Faust zu geben. Ursus konnte nicht anders alszurück zu grinsen. „Ey, tut mir voll Leid, Mann. Ich war gerade ineiner anderen Welt. Du weißt schon...privates Zeugs und so...",murmelte Celestia während er mit seiner Hand herum gestikulierte.Ursus Blick wurde nun etwas betrübter und sein Lächeln verschwandleicht. Er wusste, dass Celestia mit irgendwas in sich kämpfte, dochCelestia wollte ihn nicht sagen worum es geht. Das tat er nie.Deshalb hat Ursus nun versucht Celestia auf andere Gedanken zubringen und grinste wieder schelmisch. „Wie dem auch sei. Wollenwir eine Runde laufen? Das Wetter ist toll und ich glaube nicht, dassdie uns im Kurs jetzt vermissen werden.", schlug er gelassen vor,als wäre es ganz verständlich, dass man den Unterricht einfach soschwänzen könnte. Doch Celestia fand die Idee gar nicht soschlecht, denn er konnte eh den Großteil der Studierenden nichtleiden und er fand es viel zu beengend im stickigen Raum. Sobeschloss er sich doch schlussendlich ein bisschen zu spazieren mitUrsus. Immerhin war es nun Frühling und er mochte, dass dieKirschblüten wie sanfte Federn vom Himmel fielen und den sonst sograuen Boden schmückten. Und vor allem mochte er es weg vom Lärmund der Menschenmenge zu sein. Die zwei jungen Männer liefen einemit Bäumen gesäumte Straße entlang und sie sahen, wie Enten undGänsen langsam, aber sicher, wieder zurück kamen und wie dieInsekten ihren Weg aus dem langen und harten Winter fanden. Und sogeschah es, dass die beiden nun zu zweit alleine den Weg spazierten,während sie über jegliche Themen die es nur gab sprachen. Ursusmusste die ganze lächeln, als wäre er ein Kleinkind oder derglücklichste Mann der Welt. Was auch immer es war, es war einauthentisches und warmes Lächeln, fand Celestia. Er selbst fand esnämlich schwer zu lächeln und/oder zu lachen. Doch wenn Ursuslächelte, so lächelte er auch mit, ob er es wollte oder nicht.Ursus warf ab und an Blicke zu Celestia rüber, denn er wollteunbedingt wissen, was in seinem Kopf geschah und worüber er bloßdenken könnte. Er wischte sich rasch die Gedanken aus seinem Kopfweg. „Bestimmt denkt er nur über seine Examen oder so nach...",dachte sich Ursus und versuchte sich auf den Spaziergang zufokussieren und so ging er weiter mit Celestia. Ursus holte einmaltief Luft ein, um die frische Frühlingsduft zu riechen. Doch was erroch waren nicht die Kirschblüten oder Maiglocken, sondern dasParfüm von Celestia. Er wollte es sich selbst nicht zugeben, aber eshatte seine Nase verführt mit seinen fruchtigen Note und warmenerdigen Fundamenten. Er hatte versucht mehr von dem Geruch einzuatmenund zu riechen, doch Celestia wurde stutzig und aufmerksam. Sein Kopfschwankte zur Ursus Richtung und er zog die Augenbrauen verwunderthoch. „Was...machst du da?", erkundigte sich Celestia, währender sich sein Grinsen verkneifen musste. Ursus wurde plötzlichverlegen, denn er wurde auf frischer Tat ertappt. Mit einem räuspernfasste er sich wieder auf dem Boden der Tatsache, weil nichtsverkehrt daran war ein Parfüm wertzuschätzen, dachte er sich.„Ich...ahem...ich versuche nur etwas die Luft zu genießen, dochdein Parfüm hat mich abgelenkt.", versuchte Ursus zu sagen, um jeglichen Vorwürfe, die in Celestias Kopf herumschwirrten, zuverleugnen. Doch tief in seiner geschlossenen Brust wusste er dieWahrheit genau so gut wie Celestia. Nur sagte es keiner. Und sieverbrachten ihre Zeit damit, dass Celestia die Blumen und Vögel mitvollem Elan und Begeisterung erklärte, doch Ursus wusste nie genau,was die Wörter bedeuten, die Celestia sagte. Er hörte nur gerne zu,wenn Celestia gesprochen hatte. Celestia redet nämlich im Gegensatzzu Ursus nur sehr selten, weshalb es für Ursus umso wichtiger war,dass er aktiv zuhörte um ihn zu motivieren. Er mochte es sehr wennCelestia gesprochen hat und er hat ihm gerne zugehört. Mitintensiven Augen und durchbohrenden Blicke versuchte er Celestia zuanalysieren und er musste wieder lächeln. „Du machst deinen Namenalle Ehre!", haute Ursus plötzlich raus und brachte Celestia zumstillstand. „Was ich meine ist, dass deine Augen so strahlen wieder Mond im Himmel, wenn du sprichst!", rechtfertigte sich Ursusverzweifelt. Und auf einmal war alles still. Nichts hat geredet undnichts hat geatmet. Die Stille war wie eine ewig ziehende Folter undjede Sekunde wurde immer schlimmer für die beiden jungen Männer.Doch dann brachte Celestia plötzlich in Gelächter aus und seinganzer Körper bebte und rüttelte vom Gelächter. Ursus wurde nurnoch rötlicher im ganzen Gesicht vor lauter Scham und innererUnruhe. Er sah Celestia nur als Freund, Kumpel und Bruder an. Weshalbalso hat er das gesagt? Er war sich immer hin sicher, dass er aufFrauen stand und wollte ja nicht, dass Celestia was anderes von ihmdenken würde. Doch irgendwas zerrte ihn in seiner Brust bei demGedanke, denn wann auch immer er Celestia sah, so sah er nicht einenperfekten Menschen, sondern jemanden, den er trotz Fehler und Mackentolerieren konnte. Eigentlich war das für sein kurzes Temperamentschwierig, doch bei Celestia war er immer ruhig und zahm wie einkleiner Schoßhund. Er war sich sicher, dass er Celestia auch blindund Kilometer weit entfernt finden konnte und er traute ihm auchalles an. Und Celestia wusste auch immer ohne Worte, was Ursus dachteund wie es ihm geht. Die beiden waren nämlich verbunden miteinandervon Anfang an wie Ebbe und Flut, Himmel und Hölle, Sonne und Mondoder Katze und Hund. Sie waren, immerhin, beste Freunde und dassollte sich nicht verändern. Da waren sich beide einig. Und nachdiesem Motto ging auch dieser Frühling weiter und die Freundschaftblühte wie die Blumen auf, reckend zum blauen Himmel.

MondphasenWhere stories live. Discover now