prolog - war's aftermath

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2. Mai 1998

„Du hast es geschafft, Harry", sprach ich erleichtert und zugleich erschöpft aus. Nein, Faye, wir haben es geschafft", korrigierte mein Bruder mich. Ich legte meine Hand auf seine Schulter und gab ihm einen Kuss auf die Wange, stützte mich dann auf seiner Schulter ab und stand auf. Als ich mich von ihm löste, drehte ich mich um und suchte nach den grau-blauen Augen von Draco. Er stand an derselben Stelle, wo ich kurz zuvor meine Hand von ihm gelöst hatte. Ich ging auf ihn zu, doch meine Beine fühlten sich schwach an. Draco's Blick war hart, als ich zu schwanken begann. Draco kam besorgt auf mich zu.

Ich taumelte und mir wurde schwarz vor Augen, woraufhin ich in seinen Armen zusammenbrach. "Faye", schrie er, und meine Beine gaben unter mir nach. Er sank mit mir zu Boden. „Sieh mich an, Faye", flehte er mich an. Ich versuchte meine Augen offen zu halten. „Was ist los?" Ich erkannte Tränen in seinen Augen und auch meine Augen füllten sich mit Tränen, als ich realisierte, dass ich nicht mehr lange durchhalten würde. "Ich liebe dich, Draco", flüsterte ich schwach. Mit jedem Atemzug entwich mir mehr Energie, meine Augenlider flimmerten. "Nein, nein, nein, Faye", schluchzte Draco.

Eine dunkle Gestalt sank neben mich zu Boden und griff nach meiner Hand. „Faye", hörte ich dann die zitternde Stimme meines Vaters. „Bitte bleib bei mir." Zwei Hände umschlossen mein Gesicht, und ein letztes Mal sah ich in die dunklen Augen meines Vaters, bevor die Dunkelheit mich verschlang. "Nein", krächzte mein Vater und schloss mich in seine Arme.
Die Dunkelheit fühlte sich anders an als zuvor. Sie war nicht kalt und gnadenlos, nicht wie die Schatten, die mich einst verschlungen hatten. Dies war eine Stille, eine Leere, aber sie war nicht bedrohlich. Sie war einfach ... da.

Ich fand mich ausserhalb meines Körpers wieder, sah das Geschehen von einer anderen Perspektive. Es war ein Bild, das mir vertraut war. Ein Bild aus den Gedanken meines Vaters, in welche ich vor wenigen Stunden getaucht war. Er hielt mich leblos schluchzend in seinen Armen, so wie er einst meine Mutter hielt, als er sie tot auffand. Als würde sich die Situation wiederholen. Als würde er ihren Tod erneut erleben, während er seine Tochter verlor. Draco starrte wie in Trance auf mich hinunter, Tränen strömten über sein schmerzverzerrtes Gesicht. Harry stürzte besorgt neben ihn nieder. June, Elle, George und viele andere eilten herbei, der Schock stand ihnen allen ins Gesicht geschrieben. McGonagall legte bestürzt und voller Mitleid die Hand auf die Schulter meines Vaters.

Ich wusste nicht, ob es das Ende war oder nur eine Zwischenwelt – ein Raum zwischen Leben und Tod, in dem Zeit und Schmerz keine Bedeutung hatten. War das der Moment, in dem ich endlich loslassen konnte? War das der Punkt, an dem all die Kämpfe, all die Wunden auf meiner Seele verblassten und ich einfach aufhörte zu existieren?

Doch etwas in mir wehrte sich. Ich hatte so lange gegen die Dunkelheit gekämpft – durfte ich ihr jetzt einfach nachgeben?

Ich versuchte, mich zu bewegen, doch mein Körper war nicht mehr an diese Welt gebunden. Ich war nur ein Hauch von Bewusstsein, ein Schatten meiner selbst. Hatte ich zu viel gegeben? War ich nun einfach ... aufgebraucht?

Und doch ... selbst hier in dieser Dunkelheit spürte ich etwas Helles, etwas, das sich weigerte, zu verschwinden. Liebe.

Nicht nur meine eigene, sondern auch die, die mich umgab. Ich fühlte Draco, der mich rief, seinen Schmerz, sein verzweifeltes Flehen. Ich fühlte meinen Vater, dessen Angst mich wie eine schützende Hülle umgab, stark, vertraut. Und Harry – mein Bruder, der immer geglaubt hatte, dass ich unbesiegbar war. Wie konnte ich sie alleine lassen?

Die Dunkelheit wollte mich behalten, sanft und friedlich, doch ich spürte, dass sie nicht meine Bestimmung war. Nicht jetzt. Nicht so.

Ich musste zurück.

Doch dann spürte ich die Liebe meiner Mutter.

"Faye", erklang eine sanfte Stimme hinter mir. Ich strich Tränen von meiner Wange, welche ich bis eben nicht bemerkt hatte und drehte mich um. Ich blickte in das liebevolle Gesicht meiner Mutter, welche von einem strahlenden Licht umgeben war. "Mum", hauchte ich aufgelöst. Sie kam auf mich zu, schloss mich liebevoll in die Arme, und ich atmete ihren Duft ein. Ein Gefühl der Liebe breitete sich in mir aus. "Ich habe dich vermisst", sagte ich.

"Was...", begann ich, doch meine Mutter begann bereits darauf zu reagieren. "Du hast zu viel von deiner Liebe gegeben. Sie ist das Fundament deiner Energie und Macht. Du hast mit deiner Liebe alles zum Guten gewendet, das hat enorme Kraft beansprucht." Sie legte eine Hand an meine Wange. „Aber du bist stark. Kehr zu dir zurück, du hast noch dein ganzes Leben vor dir." Sie strich mir eine Träne von den Wangen. Ich wollte mich noch nicht von diesem wohligen Gefühl entfernen, doch ich schaute schweren Herzens zu den Menschen, die sich um mich versammelt hatten, meinen Liebsten, dann zu meiner Mutter, deren Liebe ich seit meiner Geburt in mir trug. "Ich will dich nicht erneut verlieren", flüsterte ich.

"Du bist stark und mächtig, Faye, du kannst das", sagte meine Mutter und schloss mich erneut in die Arme.

Ich schloss meine Augen für einen Moment und liess die Worte meiner Mutter in mir nachhallen. Stark und mächtig. Zwei Begriffe, die mir so oft zugesprochen wurden, dass ich irgendwann vergessen hatte, was sie wirklich bedeuteten. Meine Stärke lag nicht in roher Macht oder der Kontrolle über meine Magie – sie lag in meinem Herzen, in meiner Fähigkeit zu fühlen, zu lieben, und genau das hatte mich an diesen Punkt gebracht. Aber war es genug?

Ich spürte die Wärme ihrer Hände an meinen Wangen, ein vertrautes Gefühl, das ich nur aus meinen frühesten Kindheitserinnerungen kannte. „Ich weiss nicht, ob ich kann..." flüsterte ich, die Angst in mir kehrte zurück. Was, wenn ich nicht genug war? Was, wenn ich all das nicht mehr tragen konnte?

Meine Mutter lächelte sanft, fast wissend. „Du hast mehr durchgestanden, als sich viele jemals vorstellen könnten. Und trotzdem stehst du noch. Du bist nicht gebrochen, Faye. Du bist Licht – auch wenn du dich manchmal in der Dunkelheit verlierst."

Ich schluckte schwer, meine Finger zitterten leicht, als ich meine Hand nach ihrer ausstreckte. Ich wollte dieses Licht in mir spüren. Wollte glauben, dass ich nicht verloren war. „Ich will zurück," hauchte ich schliesslich.

Sie nickte, und in ihren Augen lag unendliche Liebe. „Dann geh."

Schweren Herzens schloss ich meine Augen. Und ich liess los. „Ich liebe dich", hörte ich meine Mutter noch flüstern, bevor ich spürte, wie eine Welle aus Licht und Wärme mich umhüllte. Liebe und Macht strömten in mich zurück. Ich kehrte zurück. Die Energie kehrte zu mir zurück. Ich kehrte zurück. Dunkelheit breitete sich erneut in mir aus, doch nun war es eine andersartige Dunkelheit als zuvor. Sie war ein Teil von mir, und ich wusste, dass ich sie kontrollieren konnte.

Die Stimmen waren zuerst nur ein Echo, ein ferner Klang, der durch die Dunkelheit drang. Doch dann spürte ich es – eine Berührung, warm, verzweifelt, real. Draco.

Seine Stimme war nicht mehr nur ein fernes Rufen, sondern ein dringen

des Flehen, rau und voller Emotionen, die mich wie ein Anker in die Wirklichkeit zurückzogen. „Faye, bitte... ich kann nicht ohne dich leben", hörte ich seine vertraute Stimme.

Ich kämpfte gegen die Schwere in meinen Gliedern, gegen das Gewicht, das mich noch immer nach unten zog. Ich blinzelte und sah Draco's Gesicht dicht über mir, Tränen strömten aus seinen Augen, seine Hände umfassten mein Gesicht verzweifelt, und seine Augen weiteten sich, als unsere Blicke kollidierten.

Er presste seine Lippen sehnsuchtsvoll auf meine und vergrub dann sein Gesicht seufzend in meinem Hals. Ich hob meinen Blick und sah das von Kummer verzerrte Gesicht meines Vaters, das sich vor Erleichterung leicht aufhellte. Ich drückte seine Hand, die noch immer um meine lag, woraufhin er seine Lippen zu einer dünnen Linie zusammenpresste und weitere Tränen in seine Augen stiegen.

"Alles gut, es geht mir gut", hauchte ich, überwältigt von Emotionen. Ein Satz, der mir schon viel zu vertraut war und den ich noch so oft aussprechen würde, dass er immer mehr an Bedeutung verlieren würde.

The ones who lived, loved and grievedStories to obsess over. Discover now