Die Last der Erinnerungen

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Hallo erstmal, bevor Sie mit dem Lesen beginnen sollten Sie eine wesentliche Sache im Voraus wissen. Dies hier ist ein Schreib- Experiment mit einer Freundin (Jakpai) und mir. Es könnte etwas verwirrend sein, daher möchte ich, dass Sie wissen was der Aufbau dieses Experimentes ist. Wir beide, Jakapi und ich, werden abwechselnd Kapitel schreiben, wobei jedes Kapitel auf das vorherige Bezug nimmt. Der  Clou dabei ist, dass ich beim Schreiben meines Kapitels nur auf das Kapitel meiner Freundin reagiere und keinerlei Kenntnis über den Inhalt des ersten Kapitels habe, auf das sie Bezug genommen hat.

Ich hoffe es ist verständlich und ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Die Last der Erinnerungen - MonsterAndEnergy

Die Wolkendecke hing schwer über den Dächern seines alten Familien Hauses und ihre grauen Schleier schienen das Leben zu erdrücken. In den dunkleren Gassen der nächst gelegensten Ecken flüsterte der Wind düster und die Schritte der Menschen hallten wie ein Echo von Hoffnungslosigkeit wider. Unter ihnen, in einem verbarrikadiertem Haus, lauerte ein Mann, dessen Blick von einer unsichtbaren Last gezeichnet war.

Charles ein Mann der nicht allzusehr auf Hygiene achtete und dessen Haut selten das Tageslicht berührte, saß in seinem staubigen, abgenutzten Ohrensessel, der seinen Platz am Fenster gefunden hatte. Es schien kein Licht durch. Warum zum Teufel konnte er nicht Schreiben? Warum zum Teufel konnte er nicht Schreiben? Und seine Gedanken zogen seine Hände immer weiter zum Glas. Die raue Oberfläche des Papiers vor ihm schien eine unüberwindbare Barriere zu sein, die ihn von seinen Geschichten trennte. Seine Bewegung zum Glas war unkoordiniert und sein Körper wurde erst still, wenn er das Glas in seiner Hand hielt. Eine Zuflucht und ein Anker, dass ihm die Jämmerlichkeit dieser Barriere vergessen lassen sollte.

Diese Worte, einst fließend und lebendig, waren nun wie Felsen, die in seinem Geist feststeckten. Er unterdrückte sich eines Würgen, der Geschmack lag reudig auf seiner Zunge und seine Augen wurden immer müder. Diese Gedanken...sie sollten ein Ende nehmen. Um seine Schreibblockade zu überwinden, griff Charles immer und immer wieder zu seinem Glas Whisky, dies nahm kein Ende und die Gedanken leider auch nicht. Die Wirkung des Alkohols bot ihm eine vorrübergehende Flucht aus der Realität und versprach, dass er mehr war, als ein Mann der niemanden mehr hatte, als ein Mann der mehr hatte, als ein von Gestank triefendes Zuhause.

Der Alkohol versprach ihm, seine Kreativität zu entfesseln, doch auch diente er als Katalysator für die Erinnerungen, die tief in seinem Inneren verborgen waren.

In einer dieser Nächte, als die Grenzen zwischen Erinnerungen und Wirklichkeit verschwammen, tauchte eine besonders intensive Erinnerung auf. (Warum sollte es auch anders sein) Charles fand sich plötzlich als ein kleiner Junge mit Akne und Topfschnitt wider. Zerzaustes Haar und unschuldige Augen und glücklicherweise keine Gedanken an Mädchen, nein diese waren woanders. Er saß in seiner alten Grundschulklasse, umgeben von kahlen Wänden und dem dumpfen Geruch von Kreide.

Während die Uhr unablässig und für seine Bedürfnisse zu laut tickte, steckte hinter neugierigen Augen eine Frage die größer war als er selbst:

Wer bin ich? Und wozu bin ich auf dieser Welt? ( Zugegeben nicht sein gedanklicher Monolog, aber mit: Hä? Wie zur Hölle?  kann man wohl kaum was anfangen)

Die Tiefe seiner Gedanken zogen ihn in ein Meer voller Unwissenheit, sie ertänkten ihn doch die Größe der Frage begeisterte den kleinen Charles. Die Frage motivierte ihn nach Antworten zu suchen, die er nicht finden konnte. Das Gefühl der Verlorenheit und der Unsicherheit breitete sich in ihm aus und erstickte fast seinen jugendlichen Optimismus.

Es geschah an einem sonnigen Frühlingstag, als Charles sich nicht länger zurückhalten konnte. Die Euphorie konnte ihn nicht länger ertränken, er musste auftauchen. Mit leuchtenden Augen begann er es seinen Mitschülern zu erzählen, die Begeisterung hielt ihn davon ab sich wirklich besonnen ausdrücken. (Was aber wohl auch kaum jemand in diesem Alter kann) Er erzählte von seinen Gedanken und Träumen, von der Sehnsucht nach einem Sinn in einer Welt voller Geheimnisse. Doch anstatt Verständnis oder Mitgefühl zu ernten, stieß er auf Unverständnis und Hohn.  

Die anderen Kinder in seiner Klasse, die noch nicht bereit waren, sich mit solchen großen Fragen auseinanderzusetzen, konnten nur darüber lachen. Sie nannten ihn einen ,,Träumer" einen ,,Narr" und ihr Gelächter durchdrang seine kindliche Naivität wie scharfe Pfeile. Charles' Unschuld wurde durch die Grausamkeit anderer beeinträchtigt und er fühlte sich schon bald isoliert und ausgeschlossen.

Das Gefühl der Ablehnung und der Einsamkeit nagte an ihm und formte seine Sicht auf die Welt. Er begann, sich zurückzuziehen, seine Gedanken zu verschließen und seine Sehnsucht nach Antworten zu verbergen. Die Geschichten, die er einst so leidenschaftlich erzählte, wurden zu einem Schutzschild, hinter dem er seinen Schmerz vergrub.

Die Narben der Vergangenheiten zerrten immer wieder an ihm und blieben standhaft im Herzen des Schriftstellers. Die Jahre vergingen und der Schmerz wurde größer, die Lasten schwerer sie führten ihn in eine Depression hinein aus der es kein Entkommen gab. In seinen dunkelsten Momenten griff Charles zu dem verführerischem Whisky, der in seinem Haus wie ein stummer Begleiter auf ihn wartete. Der Alkohol wurde zu einer Flucht aus der Realität, zu einem vorübergehendem Schleier, der die Erinnerungen und und die unerträgliche Einsamkeit verschleierte. Ein Mann, gefangen in einr alten Hülle mit dem Kern eines verstoßenen Jungens. 

Und so fand sich Charles nun wieder in seinem abgewetzten Sessel, umhüllt von Dunkelheit und einzelnen  Lichtstrahlen die sich noch mit Mühe einen Platz im Haus erkämpft hatten. Der Whisky brannte in seiner Kehle und trübte seine Sinne.  (Man merke, Finger weg von der Flasche) 

Die Erinnerungen pulsierten in ihm, schmerzhaft und doch irgendwie tröstend. Und während die Worte auf der leeren Seite vor ihm ausblieben, begann er langsam zu begreifen, dass die Antworten, nach denen er suchte,  vielleicht nicht in den Erlebnissen anderer, sondern in seinem eigenen Herzen verborgen waren.




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⏰ Last updated: Jul 12, 2023 ⏰

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