Das Leben ist wie ein Zug. Du triffst im Laufe der Zeit Menschen, mit denen du lachen kannst, mit denen du Spaß hast und tolle Erinnerungen sammelst, von denen du hoffst, sie für immer bei dir zu behalten. Du bindest dich an sie und fühlst dich in ihrer Anwesenheit komplett, als eine gemeinsame Einheit, wie Yin und Yan könnte man sagen. Du schmiedest Pläne mit ihnen, eine Zukunft, in der sie einen besonderen Platz haben, weil du ihnen diesen ehrenhaften Titel namens „Beste Freunde" gibst. Weil du ihnen vertraust und dir eine Welt ohne sie nicht vorstellen willst. Doch manchmal ist dieser Gedanke nichts weiter als der Wunsch an etwas festzuhalten, was dich und deine Welt verändern würde, wenn dieses etwas nicht mehr da wäre. Wir haben Angst vor Veränderungen. Das ist der Grund, warum wir manche Dinge nicht loslassen wollen, weil sie uns Sicherheit geben.
Und manchmal kommt eben doch der Zeitpunkt an dem sich diese Menschen, die man Freunde nennt, entscheiden aus dem Zug zu steigen und mit einem anderen weiter zu fahren, mit anderen Menschen, zu einem anderen Ziel. All die Pläne die du mit ihnen vor hattest, vergehen plötzlich wie eine Pusteblume im Wind, sie lösen sich auf. Und wenn du die alten Bekannten zufällig einmal wieder siehst, ist es, als hättest du sie nie gekannt. Ein kurzes, beschämendes Lächeln oder Zunicken während man an ihnen vorbei geht und die Welle an Erinnerungen über einen herstürzt, die Vertrautheit, die einst zwischen euch war, ihren Weg zurück in eure Körper findet und mit einem Schlag wieder verschwindet, sobald man einander passiert hat und in entgegengesetzte Richtungen weitergeht.
„Was ist mit ihnen in diesem Zug passiert?" Irgendwann realisierst du es. Die Zeit, die du mit ihnen verbracht hast, ist Vergangenheit, nichts mehr weiter, als eine Erinnerung. Eine schmerzhafte schöne Erinnerung...
Ihr Zug fuhr weiter, dein Zug fuhr weiter, neue Menschen stiegen ein, Menschen, die den Platz einnahmen, der einst ihnen gehörte. Und gerade dann, wenn du denkst du bist über sie hinweg, kommt irgendwann dieser Moment, in dem du deine Playlist hörst und zu diesem einen, bestimmten Lied kommst, das plötzlich wieder alle Erinnerungen in deinen Kopf bringt. Ihr wisst schon, dieses eine Lied, das mehr Bedeutung hat, als man es je in Worten sagen könnte. Und plötzlich spürst du den Schmerz wieder. Denn egal, wie viel Zeit vergangen ist, es kommt dir immer noch vor, als wäre es erst gestern gewesen, dass du lachend Zeit mit deinen alten Freunden verbracht hast.
Du merkst, wie dir langsam eine Träne die Wange herunter läuft und die alte Wunde in deinem Herzen wieder ein bißchen aufreißt. Der alte Schmerz kommt wieder und wirkt mittlerweile wie ein alter Vertrauter. Du weißt, dass er dir nicht mehr weh tun will, sondern dir nur helfen dich an das zu erinnern, was einmal ein wichtiger Teil deines Lebens war. Du hast gelernt mit ihm umzugehen, denn du weißt, dass die Zugtür noch viele Male aufgehen wird, um neue tolle Menschen in den Zug zu lassen, die bereit sind dich zu begleiten und dir neue Erinnerungen schenken.
Und dann realisierst du, dass diese schmerzhaften Erinnerungen an alte Zeiten wichtig sind. Denn nur durch sie lernst du loszulassen und Neues kennen zu lernen. Du trauerst ihnen plötzlich nicht mehr hinterher, sondern betrachtest sie so, als wären sie ein Video. Du weinst vielleicht beim ansehen, aber gleichzeitig lächelst du, weil dir klar wird, wie viel sie dir beigebracht haben. Sie haben dir gezeigt, wie wichtig es ist den Schritt zu wagen sich immer wieder neben neue Menschen im Zug zu setzten. Und das ist viel mehr wert, als wir es je in Worte fassen könnten.
YOU ARE READING
Thoughts
PoetryDies ist eine einfache Sammlung von den Gedanken, die sich spät abends in meinen Kopf schleichen und aufgeschrieben werden wollen. Sie sind kunterbunt gemischt und umfassen allerlei Themen, die mich in meinem Leben so beschäftigen. Ich nenne sie lie...
