Gedankenversunken starre ich auf mein Handy. Ich tippe ein paar Buchstaben ein, lösche sie wieder. Tippen,
Löschen, Tippen, Löschen. Genervt schnaufe ich, lege es auf den Schoß und schließe die Augen. Warum musste
es nur so kommen. Vor ein paar Tagen rief mich meine Mom zu sich und eröffnete mir, dass ich zu
meiner Tante nach Rietlingen ziehen sollte um dem Trubel der Großstadt zu entkommen. Wir diskutierten fast zwei
Stunden bevor ich widerwillig nachgab. Ich wollte nicht gehen. Ich hatte meine besten Freunde Rita und Max die bei meinem Abschied heulten wie Schlosshunde. Ich hatte große Mühen sie zu beruhigen und beteuerte immer wieder das das kein Lebewohl war. Schließlich einigten wir uns darauf 2 mal wöchentlich zu telefonieren und uns in den Ferien zu treffen.
Die Person, die mir am wichtigsten war wusste es allerdings noch nicht. Und jetzt überlege ich hin und her wie ich es ihm sagen soll. Die Rede ist von Shawn. Wir waren seit dem Kindergarten die Allerbesten Freunde und vor fast genau 2 Jahren sind wir zusammen gekommen. Er ist der perfekte Freund. Fürsorglich, Lustig, stark und immer wenn ich einen schlechten Tag habe heitert er mich auf. Wenn ich ihm jetzt sage das ich wegziehen dann sollte doch alles gut sein.
Wir können immernoch zusammenbleiben. Oder? Trotzdem habe ich Angst. Was wenn er keine Fernbeziehung will. Diese Frage schwirrt mir die ganze Zeit im Kopf herum. Und jetzt hasse ich mich dafür es ihm nicht eher gesagt zu haben.
Anstatt in den sauren Apfel zu beißen und mich mit ihm zu treffen habe ich gewartet bis ich im Zug sitze. Ich kann ihm nur noch schreiben. Es ist feige sowas per SMS zu machen. Aber ich schätze so bin ich einfach.
"Ihre Fahrkarte bitte."
Ich öffne die Augen und starre die Dame ein paar Momente verwirrt an. In meinem Kopf macht
es Klick. Peinlich berührt wende ich meinen Blick ab, schnappe meine Tasche vom Sitz rechts und krame darin herum. Ich ziehe die Karte hervor und halte sie ihr hin. Sie holt den Scanner aus ihrem Gürtel und prüft damit mein Ticket.
Das Gerät piept zweimal, sie wirft mir ein freundliches Lächeln zu und steckt es wieder weg.
"Angenehme Fahrt noch."
Sie wendet sich ab und verlässt das Abteil. Ich stecke das Ticket zurück und blicke mich im Zug um. Der Wagen ist bis auf 5 vereinzelte Fahrgäste leer. Ich schaue aus dem Fenster. Der Zug fährt über eine Wiese. Am Horizont ist ein Wald der sich wie ein Teppich über einen Berg gelegt hat. Der Himmel ist strahlend blau und nur ein paar kleine Wolken tanzen am Himmel.
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Wolken
Short StoryEin Mädchen sitzt im Zug weil sie widerwillig zu ihrer Tante aufs Land zieht. Sie überlegt wie sie es ihren Freunden beibringen soll und blickt in die Wolken. Ihre Fantasy zeigt ihr allerlei Szenen in den Wolken, Ist das alles nur Einbildung oder st...
