Vorwort

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Kälte.

Erschütternde Kälte durchfuhr meine Knochen als der Wind unnachgiebig um meinen Körper peitschte. Das Geländer, an das ich mich klammerte, fühlte sich an wie mit Nadeln besetzt so sehr stach der Frost in meinen Händen. Meine Glieder schauderten. Mein Atem Symphonierte im Einklang zu meinen klappernden Zähnen und bildete kleine Wölkchen, die der Wind sofort davontrug. Ich blickte hoch in den düsteren Himmel und ein Lächeln umspielte meine Lippen. Ich fühlte mich nie lebendiger als hier an diesem Geländer, mit zitternden Gliedern. Die Angst durchflutete meinen Geist, das Adrenalin kochte durch meine Adern.

Unter mir kämpfte der See mit dem wind um die Schlacht der Vorherrschaft und die endgültige Macht der Naturgewalten.

Ich hörte oft davon das man bereuen würde sobald man losgelassen hatte. Das dass Leben an einem vorbeiziehen würde. Das über die Hälfte der Menschen die hier stand, wie ich, einfach zurückging in ihr altes Leben. Zurück in die verstohlen heuchlerische Gesellschaft der Lügner und Leugner. Ich dachte nicht einmal an die Menschen die ich "zurückließ", ich dachte nur an meine eigenen Wünsche, Ziele und Träume, die mit dem Wind in die unendlich dunkle Nacht davongeflogen waren.

Ich dachte immer ich würde Angst haben zu springen oder das die Brücke meiner Stadt schrecklich wackeln würde. Als Kinder musste jeder der cool sein wollte, aufgenommen in die Sekte der völlig Konfusen Kindheits-Traumata Bande, auf das Geländer klettern und ein Foto machen. Von da an ging es solange weiter, bis man irgendwann hier stand. Wie ich, zitternd aber Stolz. Die Entscheidung traf ich lediglich für mich selbst, niemand der mich darum gebeten, dazu gezwungen oder gedrängt hatte.

Es ist meine Entscheidung. 

The Broken OneWhere stories live. Discover now