Was war ich nur für ein schrecklicher Idiot?
Diese Frage schoss mir durch den Kopf, kaum hatte Ari mein Auto verlassen hatte und auf einen mir völlig fremden Mann zu geeilt war, um ihn zu küsst. Sie hatte ihn im Internet kennengelernt und schwärmte seitdem nur noch für ihn. Meiner Meinung nach konnte er gar nicht gut genug für sie sein.
Sie war mein Herz und jetzt war sie weg. Ich hatte wenig Chancen darauf, sie wieder zurückzubekommen. Es zeriss mir fast das Herz, als ich das Auto wendete und mich auf den Rückweg machte. Es waren vier Stunden Fahrt bis hierher gewesen, aber Ari hatte mich so lange angefleht, bis ich ihr geholfen hatte.
Ich sah auf mein Handy. Jede Menge verpasste Anrufe von ihrem Vater und von Keira, meiner anderen besten Freundin. Bei ihr allerdings wirklich nur eine Freundin. Sie war so ziemlich das Gegenteil von Ari - Ari war das Licht, Keira der Schatten.
Es war jetzt schon das zehnte Mal, dass ich mein Handy vom Tisch nahm und die Wahlwiederholung drückte. Wieder wartete ich ewig, mit jedem Signalton wurde ich wütender. Was machte er? Wo war er mit Ari hingefahren? Merkte er denn nicht, wie unglücklich er sich damit machte?
Man konnte ja froh sein, dass sie endlich weg war. Dass er ohne sie war. Dann konnte er endlich mal abschalten und für sich selbst sorgen.
Vielleicht sollte ich sie doch anrufen. Ein Auto hupte hinter mir und ich legte mein Handy weg und machte mich auf den Weg nach Hause.
Genervt stöhnend legte ich auf. "Dann eben nicht..."
Als ich vier Stunden später daheim ankam, hielt ich bei Keira. Ich wollte nicht nach Hause. Dort war so viel von Ari.
"Ach sieh an, der feine Herr lässt sich bei mir blicken", fuhr ich ihn an.
"Entschuldige, dass ich auch mal was zu tun habe", gab ich in demselben Ton zurück.
Ich schnaubte und verschwand nach drinnen.
"Darf ich jetzt reinkommen, oder soll ich lieber gehen?", fragte ich unsicher. Ich war müde, erschöpft, traurig aber auch wütend, hauptsächlich auf mich selbst.
"Jetzt mach schon die Tür hinter dir zu und komm ins Wohnzimmer, Idiot..."
Ich seufzte und schloss die Tür hinter mir. "Tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe."
"Warum nicht?"
"Weil ich Auto gefahren bin."
"Aha, stundenlang?"
"Ja."
"Wo warst du? Wo hast du Ari hingefahren? Ich habe dir doch gesagt, dass du das lassen sollst."
"Du weißt doch, dass ich nicht nein sagen kann, wenn sie mich um etwas bittet..." Ich verzog das Gesicht.
"Solltest du aber mal lernen, sonst nutzen dich andere auch noch aus."
"Das ist nur bei Ari so... Ich...ich habe versucht, nein zu sagen, aber sie hat mich so lange bearbeitet, bis ich nicht nein sagen konnte."
Ich rollte mit den Augen.
"Und jetzt ist sie weg, weil ich sie habe gehen lassen. Ich Idiot habe ihr noch geholfen von daheim wegzulaufen. Ihr Vater wird mich grillen."
"Es ist doch gut, dass sie weg ist. Sie ist glücklich und dir geht es dadurch auch besser, wirst schon sehen. Und wenn ihr Vater dir dumm kommt, helfe ich dir."
"Mir geht es dadurch definitiv nicht besser..."
"Das dauert, Mann."
"Du verstehst das nicht." Ich fuhr durch meine schwarzen schulterlangen Haare, in denen sich schon die ersten reinen, weißen Strähnen bildeten, mit zwanzig. Meine Mutter war mit dreißig schon komplett weiß gewesen.
YOU ARE READING
Märchen Undercover
Non-FictionBei dieser Kurzgeschichtensammlung (relativ kurz zumindest) handelt es sich um eine Reihe von Märchen unter völlig neuem Deckmantel. Wer möchte, kann gerne mit raten, aber bitte andere Leser nicht spoilern. Auflösung welches Märchen es war, folgt im...
