Prolog

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Dunkelheit.
Dichte, erdrückende Dunkelheit, die sich wie ein schwerer Mantel um alles gelegt hatte. Kein Licht, keine Geräusche – nur Stille. Und Schmerz.
Ein pochender, brennender Schmerz, der durch ihren ganzen Körper wanderte, als würden unsichtbare Hände jeden Muskel zerreißen. Ihre Rippen fühlten sich an, als wären sie gebrochen, ihre Haut brannte, und ihr Kopf pochte bei jedem Herzschlag.
Dann – ohne Vorwarnung.
Licht.
Ein greller, weißer Lichtstrahl schnitt durch die Dunkelheit und traf sie direkt ins Gesicht. So plötzlich, so intensiv, dass sie unwillkürlich zusammenzuckte.
Ein leises, gequältes Stöhnen entwich ihren Lippen.
Das kleine Mädchen – vielleicht zehn Jahre alt – hatte eben noch in völliger Finsternis gesessen, in einem Raum, der kaum größer war als eine Abstellkammer. Und nun wurde sie von einer einzelnen, gnadenlos hellen Lampe angestrahlt, die von der Decke hing und jedes Detail ihres Zustands schonungslos sichtbar machte.
Langsam blinzelte sie.
Einmal. Zweimal.
Ihre Augen tränten, während sie versuchte, sich an das Licht zu gewöhnen. Nach und nach begannen Formen aus der grellen Helligkeit aufzutauchen. Graue Betonwände. Ein nackter Boden. Metall.
Ihr Atem ging flach.
Vorsichtig senkte sie den Blick auf sich selbst.
Blut.
Überall Blut.
Der Stoff ihres Shirts war dunkelrot durchtränkt, klebte schwer an ihrer Haut. Auch ihre Hose war voller Flecken, manche frisch und glänzend, andere bereits dunkel und trocken. Auf ihren Armen zogen sich kleine Schnitte und blaue Flecken entlang, als hätte jemand sie immer wieder gepackt, gestoßen oder fallen lassen.
Ein leiser, panischer Atemzug entwich ihr.
Sie wollte eine Strähne ihres erdbeerblonden Haares aus dem Gesicht wischen. Die Haare klebten an ihrer Stirn, feucht von Schweiß und Blut.
Doch sie konnte sich nicht bewegen.
Ihre Hände waren hinter ihrem Rücken fest zusammengebunden. Das raue Material schnitt tief in ihre Handgelenke, die bereits wund und aufgescheuert waren.
Erst jetzt bemerkte sie, dass auch ihre Beine gefesselt waren.
Dicke Riemen hielten ihre Knöchel an den Beinen des Stuhls fest.
Der Stuhl war aus Metall. Kalt, hart und unnachgiebig. Bei jeder kleinen Bewegung knarrte er leise.
Vor ihr stand ein Tisch.
Auch er aus Metall – glatt, steril, beinahe klinisch. Auf seiner Oberfläche lagen verschiedene Gegenstände. Kleine Metallinstrumente. Spritzen. Ein paar Glasbehälter mit klaren und dunklen Flüssigkeiten.
Das Mädchen schluckte.
Etwas in ihrem Inneren flüsterte ihr, dass dies kein gewöhnlicher Raum war.
Das hier war ein Labor.
Langsam hob sie den Kopf und ließ ihren Blick durch den Raum wandern.
Die Betonwände waren kahl. Keine Fenster. Nur Kabel, die aus der Decke liefen und an Geräte führten, die leise summten. Die Luft roch nach Desinfektionsmittel, Metall und etwas Bitterem.
Dann blieb ihr Blick an der Tür hängen.
Ein metallisches Klicken.
Der Griff bewegte sich.
Die Tür öffnete sich langsam.
Ihre Finger verkrampften sich reflexartig hinter ihrem Rücken.
Ein Mann trat ein.
Er war alt – deutlich älter als alle Männer, die sie bisher gesehen hatte. Sein graues Haar war dünn und streng nach hinten gekämmt, seine Haut von tiefen Falten durchzogen. Doch seine Augen waren hellwach.
Kalt.
Berechnend.
Er trug einen dunklen Mantel, darunter einen sauberen, weißen Laborkittel. An seiner Brust war ein kleines Emblem angebracht.
Ein Totenkopf.
Aus ihm ragten mehrere Tentakel.
Das Symbol von Hydra.
Seine Schritte hallten langsam über den Betonboden, während er näher kam.
Der Mann blieb schließlich vor dem Tisch stehen und betrachtete das Mädchen, als würde er ein interessantes Versuchstier untersuchen.
Sein Blick wanderte über ihr Gesicht, über ihre Wunden, über das Blut an ihren Kleidern.
Dann lächelte er.
Es war kein freundliches Lächeln.
Langsam verschränkte er die Hände hinter seinem Rücken.
„Irina Maximoff“, sagte er mit ruhiger, fast höflicher Stimme.
Das Mädchen erstarrte.
Er sprach ihren Namen aus, als würde er ihn genießen.
„Schön zu sehen, dass du noch unter den Lebenden wandelst.“
Er machte einen Schritt näher.
Das Licht der Lampe spiegelte sich in seinen Augen.
„Viele Kinder überleben den Transport nicht“, fuhr er fort, als würde er über das Wetter sprechen. „Zu schwach. Zu zerbrechlich.“
Sein Blick wurde schärfer.
„Aber du…“
Er beugte sich leicht nach vorne.
„Du bist besonders.“
Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille im Raum. Nur das leise Summen der Geräte war zu hören.
Dann richtete sich der Mann wieder auf.
Er klopfte leicht mit einem Finger auf den Metalltisch.
Das Geräusch hallte kalt durch den Raum.
Dann sagte er:
„Willkommen bei Hydra.“

Hydra's WeaponStories to obsess over. Discover now