Pietro Maximoff

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"Ich schätze das hast du nicht kommen sehen"

Ich wusste von Anfang an, dass dieser Deal eine schlechte Idee war. Ich hätte nie ja dazu sagen dürfen. Aber leider habe ich eben dies getan und jetzt sitze ich hier weinend und weiß nicht weiter. Warum war ich denn auch so dämlich? Es war doch von Anfang an klar, dass ich mich dadurch nur selber verletze.

Ich hörte ein klopfen an der Tür und schaute hoch.

"(Y/N)? Kann ich reinkommen?"

Wanda.

Ich wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht während ich zurückrief: "Klar, komm rein."

Sie kam mit einen mitleidigen Blick rein. War ja klar, dass meine beste Freundin wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt.

Sie kam auf mich zu, setzte sich zu mir auf mein Bett und nahm mich in den Arm. Das war genau das, was ich gerade brauchte. Ich war ihr ja so dankbar und in diesem Moment wurde mir mal wieder klar, warum sie meine beste Freundin war.

"Oh (Y/N), was ist denn passiert?"

Eine Abmachung bei dem Deal war es, dass wir den Anderen nichts davon erzählten. Pietro und ich wollten es beide geheim halten, um Fragen aus dem Weg zu gehen.

Aber jetzt, genau in diesem Moment, konnte ich nicht mehr. Ich schluckte einmal und fing dann an, mir alles von der Seele zu reden.

"Pietro und ich haben vor ungefähr fünf Monaten einen Deal abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir beide viele Missionen und dementsprechend wenig Freizeit. Wir waren beide überfordert und niedergeschlagen, weil es uns fertig gemacht hat, keine richtig schönen Momente mehr zu haben. Zudem hatten wir beide lange keine Dates mehr und ich schätze wir waren beide ein bisschen sexuell frustriert."

Ich stoppte kurz meine Erzählung und schielte zu Wanda. Es ging immerhin um ihren Bruder und ich bin mir sicher, dass jede Schwester das was nun folgt nicht gerne über ihren Bruder erfährt. Aber auch als ich weiterredete, blieb ihre Miene interessiert und ruhig. Sie war schon immer eine gute Zuhörerin gewesen.

"Eines Abends kam es dann dazu, dass wir zusammen ein bisschen getrunken haben. Wir haben über unsere Gefühle geredet und ich habe ihn zugestimmt, als er sagte, dass er es vermisse mit jemanden zu schlafen. Pietro kam dann auf die Idee, dass wir einen Deal machen."

Ich räusperte mich.

"Solange wir uns wohl damit fühlen, schlafen wir zusammen, wann immer uns danach ist. Etwas einfaches und nicht gezwungen und wir hören auf, sobald wir wieder mehr Pausen zwischen den Missionen haben...Ich habe ja gesagt."

Wanda neben mir atmete laut aus und fasste sich an die Stirn. "Dieser Idiot!"

Etwas verwirrt von ihrem Kommentar, erzählte ich weiter.

"Das ging dann auch recht lange gut. Wir haben die Zeit genossen und der Sex war...naja es hat uns beiden sehr gefallen. Dann kam der Zeitpunkt, an dem Tony uns sagte, dass sich die Lage beruhigt hatte und die Missionen wieder in regelmäßigen Abständen kommen würden. Eigentlich der richtige Zeitpunkt um aufzuhören. Nur haben wir beide einfach weitergemacht. Wir haben noch nicht mal darüber gesprochen, sondern einfach die Zeit genossen."

Ich schaute zu ihr auf und atmete einmal tief durch. Wird wohl Zeit für den schwierigsten Part.

"Naja und jetzt sitze ich hier und weiß nicht, was ich tun soll. Denn-", ich brach ab und nahm mir eine kurze Pause, bevor ich es nochmal versuchte. Ganz ruhig sagte ich: "Ich habe mich in deinen Bruder verliebt, Wanda."

Sie schaute mich weiterhin an. Ich konnte keine Regung in ihrem Gesicht ausmachen. Es war fast so, als wenn sie das alles schon wüsste, was nicht sein kann. Ich hatte ihr schon vor längerem das Versprechen abgenommen, nicht ohne Erlaubnis in meinen Kopf rum zu suchen.

"Das klingt auf jeden Fall nach etwas, was mein dummer, dummer Bruder machen würde.", begann sie, "Ich glaube es wäre das Beste, wenn du IHM das alles sagen würdest. Ihr könnt auf jeden Fall nicht so weitermachen wie bisher. Ihr seid beide erwachsende Menschen, auch wenn Pietro meistens anders rüberkommt. Du musst dich jetzt nur trauen, ehrlich zu sein. zu dir und zu ihm."

Sie hatte Recht, das wusste ich. Nur alleine der Gedanke, Pietro meine Gefühle zu gestehen löste immensen Stress bei mir aus.

Aber sie hatte auch recht damit, dass wir nicht damit weitermachen können.

Ich muss mich nur trauen.

Ich kann das schon.

Ich bin eine erwachsene Frau.

"Okay." Das war das einzige was ich sagte. Es reichte aber auch. Mehr musste Wanda im Moment nicht hören. Und mehr musste ich nicht sagen.

Als wenn das Schicksal nur darauf gewartet hätte, klopfte es genau in diesem Moment einmal, bevor die Tür auch schon aufging. Typisch Pietro.

"Hey (Y/N) hast du- Oh! Störe ich gerade?"

Er schaute etwas verunsichert auf mein noch etwas gerötetes Gesicht und runzelte die Stirn.

Wanda antwortete. "Eigentlich kommst du sogar gerade gelegen. Ich wollte sowieso gerade gehen"

Mit einem letztem Blick zu mir verschwand sie aus der noch offenen Tür und schloss sie hinter sich.

"Ist alles in Ordnung mit dir (Y/N)?", fragte er mit sanfter Stimme, während er sich an Wandas vorherige Stelle auf mein Bett setzte.

"Nicht wirklich. Ich muss mit dir reden.", ich schaute ihn nicht an, als ich dies sagte. Ich konnte einfach nicht.

"Okay...Ehm. Worum geht es denn?" Ich sah ihn zwar noch immer nicht an, wusste aber trotzdem, dass er gerade ein sehr verwirrten Blick hatte.

Nervös strich ich mir eine Strähne hinters Ohr. Ich schaffte das schon.

Hastig fing ich an zu reden. "Also es geht um unseren Deal. Ich möchte ihn beenden. Das hätten wir schon längst tun sollen. Schon als Tony uns verkündet hat, dass wir mehr Zeit für uns haben würden, aber jetzt ist es zu spät, da ich Gefühle für dich entwickelt habe und-"

Ich stockte, als ich bemerkte, dass ich brabbelte.

"Naja. Ich schätze das hast du nicht kommen sehen.", versuchte ich die Stimmung ein bisschen zu lockern.

Nach kurzem Schweigen, räusperte sich Pietro kurz, bevor er zu sprechen begann.

"Das habe ich tatsächlich nicht kommen sehen. Ehm...Aber ich habe es gehofft."

Erstaunt schaute ich hoch. Ich habe ihn noch nie so nervös gesehen. Er hielt aber trotz dessen Augenkontakt mit mir.

"Ich muss gestehen, dass ich unsere Vereinbarung, es keinem zu erzählen, nicht lange einhalten konnte. Schon nach einer Woche habe ich es meiner Schwester erzählt. Ich konnte einfach nicht mehr. Sie weiß schon länger, was bei mir los ist und als ich dir dann endlich ein bisschen näher war als zuvor, konnte ich nicht mehr. Ich war so glücklich, an liebsten hätte ich es allen Lebenden erzählt. Stattdessen habe ich Wanda damit vollgeschwärmt."

Mit großen Augen schaute ich ihn an. dann runzelte ich fragend meine Stirn. "Was meinst du mit 'Wanda weiß schon länger, was bei dir los ist'?"

Er fing an zu grinsen und legte sanft eine Hand an meine Wange. Mit glänzenden Augen meinte er dann: "Damit meine ich, dass meine reizende Schwester schon sehr lange weiß, dass ich hoffnungslos in dich verliebt bin."

Mit nun noch größeren Augen versuchte ich zu verstehen, was er mir eben gesagt hat.

Sein Grinsen wurde bei meinem Gesichtsausdruck nur noch breiter und er fing an sich mir langsam zu nähern. Er stoppte damit auch nicht, als ich wieder anfing zu brabbeln.

"Wie? Aber warum hast du mir nie etwas gesagt? Es wäre so viel lei-"

Seine Lippen unterbrachen mich sanft, als er mich küsste.

Wir haben uns zuvor schon geküsst, wir haben ja schließlich sogar schon miteinander geschlafen, aber ich könnte in diesem Moment schwören, dass es das erst Mal war, dass ich überhaupt geküsst wurde. Er war so sanft und zart und bewegte seine Lippen ganz vorsichtig gegen meine. Ich bekam nicht viel mit, ich war viel zu abgelenkt dafür, aber ich hörte trotzdem, wie er glücklich ausatmete. Er genoss es wohl genauso sehr wie ich.

Marvel OneshotsWhere stories live. Discover now