Kapitel 1

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Schnaufend rannte ich die Gänge meiner Schule entlang. Mein Rucksack schaukelte wild in meiner Hand hin und her. Ich schlitterte keuchend um die Ecke und zählte schnell den einundzwanzigsten Spind von links. Atemlos blieb ich bei der Nummer 21 stehen und tippte hastig meinen Code in die runden Tasten meines Spindes. Meine Finger flogen nur so über die Ziffern. Mit einem leisen Summen öffnete sich das Mechanismus und ich zog das blaue Türchen an dem Griff auf. Mit meinem Finger fuhr ich den Stundenplan nach, der Innen unter einem Spiegel an der Tür klebte und blieb beim Montag bei der ersten Stunde stehen.

Stöhnend knallte ich meinen Kopf gegen den meines Spindnachbars. Ich hatte jetzt Mathe bei Mr. Hemington. Er hasste mich und nutzte jede Gelegenheit, um mich herunterzumachen. Er war richtig streng und duldete kein Zuspätkommen. Jeden, der sogar ein paar Sekunden nach dem Klingeln der Schulglocke kam, verdonnerte er zu Nachsitzen. Zu meinem Pech war ich jedoch mehr als zwanzig Minuten zu spät, weil ich den Wecker nicht klingeln gehört habe und friedlich wie ein Baby weiter geschlummert habe und dann auch noch den Bus verpasst habe. Darauf folgte, dass ich zu Fuß zur Schule gehen musste. Dabei war die Schule ganze 3 Kilometer von der Bushaltestelle entfernt, sodass ich es sogar mit ordentlichem Tempo nicht geschafft hätte, pünktlich zur Schule zu kommen. Frustriert nahm ich einen tiefen Schluck Kaffee aus meinem Pappbecher.

Ich kramte mein Mathematik- und Biologiebuch aus der hintersten Ecke meines Spindes, weil wir Bio nach Mathe hatte und ich es danach nicht rechtzeitig schaffen konnte es zu holen und stopfte die Bücher zu meinen zerknitterten Heften. Ohne meinen Rucksack zu schließen, nahm ich meine Beine in die Hand und bog um die Ecke. Wenn ich noch später komme, dann werde ich sicherlich einen Kopf kürzer.

Krachend rannte ich in eine muskulöse Brust hinein. Meine Hefte und Blätter flogen kreuz und quer aus meinem Rucksack und verteilen sich großzügig über den gesamten, weißen Boden. Ich flog mit meiner Tasche direkt hinterher und ging mit einem kurzen Aufschrei dramatisch zu Boden. Meinen Kaffee lies ich einfach fallen und er ergoss sich über meinem Pullover. Bis vor kurzem hatte ich über den eiskalten Kaffee gemeckert, gerade jedoch war ich froh, dass draußen Winter war und mein Kaffee bei der Hinfahrt in die Schule schon abgekühlt war. Mit einer Hand packte ich vergeblich nach einem Zipfel des T-Shirts der fremden Person, in die ich mit voller Wucht reingerauscht war. Beeindruckend war jedoch, dass er bei so einem Schwung nicht einmal schwankte. Mit einer Handbewegung wischte der Fremde meine Hand von seinem Shirt und ich knallte mit dem Hintern unsanft auf den Boden. Wütend sah ich hoch und blinzelte den Fremden von unten an.

Ah du heilige Makrele, sah der Typ heiß aus!!

 Seine eisblauen Augen blitzten wütend und seine dunklen Haare fielen ihm zerrsaust in die Stirn und wurden zum Nacken hin immer kürzer. Seine Haut war makellos und seine hohen Wangenknochen ließen sein Gesicht reifer erscheinen. Der Körper war durchtrainiert und seine Armmuskeln wurden von seinem engen T-Shirt stark betont. Der Bizeps spannte sich an, als er die Arme vor der Brust verschränkte.

Bevor der Typ irgendwas von wegen "Mach ein Foto, hält länger" sagen konnte rappelt ich mich auf und stemmte meinen Arm in die Hüfte.

"Was sollte das gerade eben", 

fauchte ich den Fremden an.

"Pass das nächste mal lieber besser auf",

knurrte er bedrohlich und baute sich vor mir auf. Irritiert runzelte ich meine Stirn.

"Ich meinte nicht das umrennen, sondern das mit dem T-Shirt. Ich wollte mich an dir festhalten und du hast meine Hand einfach weg getan. Ich bin wegen dir voll hingekracht."

"Wenn du dich daran festgehalten hättest, dann wäre das T-Shirt jetzt genauso lang wie die Reise nach Jerusalem. Währe es gerissen, hättest du es bezahlen müssen. Ich habe dir eigentlich nur die vielen Schulden an mich sparen wollen, denn dieses T-Shirt kostet mehr als dein Haus ."

Er drückte mich grob gegen die Spindreihe. 

"Und das nächste mal pass besser auf, wenn sowas nochmal passiert, dann hättest du dir gewünscht niemals geboren worden zu sein. Und jetzt verpiss dich."

Irgendwie schüchterte er mich ein. Er war einen Kopf größer als ich und hatte wesentlich breitere Schultern als ich. Ich sah ihn verängstigt an und versuchte seinen festen Handgriff um mein rechtes Handgelenk zu lösen, welches schon schmerzte. Er stieß mich noch einmal fest gegen die Spinde sodass es laut schepperte, dann löste er sich von mir und trat er ein Schritt zur Seite. Ich zog meinen linken Ärmel meines Pullovers nach oben und schaute auf meine unsichtbare Uhr.

"Ich muss sowieso los",

nervös lachte ich und tippte auf mein linkes Handgelenk. 

"Also dann, bye."

Ich sammelte schnell meine Sachen ein und stopfte sie irgendwie in meine Tasche und eilte mit wehenden Haaren an ihm vorbei und öffnete kurzdarauf die Tür zum Klassenzimmer. Ich trat ein und wollte mich sofort bei dem Lehrer für die Verspätung entschuldigen. Er unterbrach mich jedoch bevor ich etwas sagen konnte und brummte mir 1 Woche Nachsitzen auf. Schuldbewusst setzte ich mich auf meinen Platz in der rechten, letzten Reihe neben das Fenster. Zu meiner Linken saß meine beste Freundin Annabeth schon auf ihrem Platz am Gang. Für den Rest der Stunde guckte ich gelangweilt aus dem Fenster und wurde daraufhin vom meinem ah so lieben Lehrer angemeckert und bekam noch zwei Tage Nachsitzen dazu.



KonstantinWhere stories live. Discover now