Teil 1
Es war dunkel um mich herum.
Ich wünschte ich könnte sowas sagen wie "Ich hab Angst' aber dem war nicht so eher, eher fühlte ich mich seltsam ruhig, leer und überfüllt zugleich, als würde mir jemand alle Emotionen nehmen, nur um sie Sekunden später zurück in meinen Körper zu pressen.
"Seltsamer Ort, nicht wahr?", hörte ich eine Stimme. Die Stimme war warm, fast schon zu warm und es war, als würde sie nicht mich sondern meine Seele fragen.
Ich stimmte der Frage zu und blickte mich nach der Person um, welche gesprochen hatte.
"Hier bin ich", hörte ich noch, als eine Person vor mir Gestalt annahm, oder sollte man eher sagen, dass eine
Gestalt vor mir Gestalt annahm? Zu der Gestalt kann man nicht viel sagen, außer das der ganze Körper von
Nebel umhüllt ist, jedoch kann man trotzdem genau zwei Arme und Beine, sowie einen Kopf erkennen.
"Wo sind wir?", fragte ich, obwohl mir klar war das die Gestalt die Frage nicht beantworten würde, ich hatte aber
Gefühl diese Frage trotzdem stellen zu müssen.
"Unwichtig!", sagte die Gestalt "Wichtig ist nur das du hier bist."
Die Gestalt holte nun einen matt glänzenden Stab mit goldener Spitze raus und stampfte damit auf den
Boden. Sogleich begann sich die Dunkelheit zurückzuziehen, und als sie sich vollständig verzogen hatte,
standen wir vor einem Kindergarten. Das lachen der Kinder drang an mein Ohr wie eine von dutzend kleinen
Glocken gespielte Symphony. Ein paar Meter weiter brachte eine Mutter ihren Sohn zum Kindergarten. Eine
Erzieherin nahm das nun weinende Kind an die Hand und führte es ins Gebäude. Kurz bevor diese es
betraten, drehte es sich um, um sich nochmal nach seiner Mutter umzusehen, die jedoch schon gefahren ist, bei dieser
Gelegenheit blickte ich in das Gesicht des Kindes und bemerkte, dass es aussah wie ich, als ich noch in den unserem Umzug. Meine frühste Erinnerung.
"Ich verstehe" sagte ich und wir folgten den beiden bis an eine Tür mit der Aufschrift "Igelgruppe" und betraten den Raum. Der kleine Junge klammerte sich an die Hand der Erzieherin, welche ihn gerade den anderen Vorstellte. Zwei Jungen kamen sofort auf ihn zu und fragten ob sie befreundet sein wollen.
"Damals habe ich mir nicht viel dabei gedacht und fand es "Normal" doch wenn
meine Theorie stimmt wirst du später sehen, warum das die abnorm ist. Schon traurig nicht? Jeder lebt in
seiner Welt mit seinen Freunden und der der wirklich einsam ist wird übersehen, wenn nicht sogar für tot
erklärt, da er nicht in dieser Welt ist. Und jeder Versuch von ihm in diese Welt zu kommen wird scheitern, da
es schon jemand besseren wie ihn gibt. Vor anderen beteuern sie aber immer ihre Offenheit und
Hilfsbereitschaft, doch der der diese Hilfe wirklich braucht erhält sie nie, weil genau diese Menschen nicht
bereit sind ihm diese Hilfe zu geben.", sagte ich trocken, doch die Gestalt nickte nur und schlug erneut mit dem
Stab auf, sodass die Szene sich erneut auflöste und wir gingen zur nächsten. Auf dem Weg zu dieser gingen
wir an Erinnerungsstücke vorbei, die jedes Mal uns drei zusammen lachend und spielend zeigen.
Wir waren alle auf dieselbe Schule und sogar auf in dieselbe Klasse gegangen, mit welcher wir uns schnell anfreundeten.
Die zweite Szene, bei der wir nun angekommen sind, zeigte einen kleinen spärlich beleuchteten Raum.
Ein kleines Bett war links an der Wand, dem gegenüber war ein Regal was mit Büchern und allerlei Krimskrams ist und auf dem von Lego übersäten Boden saßen zwei Kinder, etwa 8 Jahre, die damit spielten.
Es waren natürlich ich und einer der beiden Jungen, die ich seit dem Kindergarten kenne.
Da ich wusste was passieren würde, schloss ich die Augen, doch die Szene sah ich trotzdem, also drehte ich mich zur Wand welche plötzlich, zu einem großen Spiegel wurde.
Ich gab also auf und drehte mich zur Szene und sah widerwillig zu.
Die beiden Jungen schienen etwas mit Raumschiffen zu spielen, denn der eine Junge lief lachend so gut es ihm möglich
war im Raum rum und machte entsprechende Geräusche.
Ich selbst saß in der Ecke und schaute mein jüngeres selbst an, wie es sein Raumschiff anhob, doch welches ihm viel zu schwer war und dann runter fiel und kaputt ging.
„Oh hoppla" sagte er.
Der andere Junge hielt inne und sah abwechselnd vom zerbrochenen Legobauteil zu dem anderen Jungen, dann
legte er seins nieder und schrie „Raus! Ich will dich nie wiedersehen!". Hastig stand der Junge auf und wollte
zur Tür doch kurz bevor er sie erreichen konnte drückte mein ehemaliger Kindergartenfreund mein
damaliges ich an die Wand.
Beide starrten sich tief in die Augen und mehr und mehr Erinnerungsfetzen von der Zeit in
der, der Junge und ich zusammen lachten und allerlei Dinge anstellten, plagten mich.
Langsam hob der junge seine Hand. Er zögerte kurz, dann schnellte die Hand nach vorn, welche ihr Ziel, das Gesicht des Jungen mit dem er so lange befreundet war, das Gesicht meines damaligen Ichs, traf, doch das was er damals wirklich zerstörte, schrie er noch, bevor er ein zweites Mal zuschlug, dann ließ er ihn los und drehte sich um, während mein
junges ich weinend nach Hause rannte.
Eine einzelne Träne lief mir übers Gesicht, als ich nochmal zu jenem Jungen sah, der der erste war, der ein Stück von mir zerbrach.
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Verschleiert
Short StoryIch habe schon lang diese Erinnerungen verdrängt. Die Erinnerungen die mir so viele Schmerzen bereiteten und immer bereiten werden. Ich weiß nicht wo ich bin, warum ich hier bin oder wer diese Gestalt ist. Aber ich weiß, dass diese Gestalt mir, mein...
