Claire POV
"Also, Miss Philiphe. Wenn Sie hier bitte unterschreiben würden." Mein zukünftiger Vermieter, Mr. David, ein stämmiger Mann mittleren Alters dem bereits die ersten Haare auszufallen schienen, hielt mir einen blauen Kugelschreiber vor die Nase, während er mit der anderen Hand auf des leere Feld unter dem Mietvertrag deutete. Ich nahm den Stift und kitzelte meine unleserliche Unterschrift auf das Blatt.
Mr. David kramte derweil einen Zettel aus einer der vielen Schubladen des massiven Mahagonischreibtisches der in der Mitte eines großen, hellen, weiß gestrichenen Büros stand. An den Wänden standen raumhohe, schwarze Kästen die mit Ordnern gefüllt waren. Hier drinnen sah ich keinen einzigen persönlichen Gegenstand. Keine Fotos von Familie oder Freunden. Nicht einmal eine einsame Zimmerpflanze ließ sich hier blicken, alles war penibel sauber und ordentlich. Das einzige "unordentliche" war die Tasse Espresso die vor mir stand. Ich griff danach und nahm noch einen Schluck bevor er kalt wurde.
Inzwischen hatte mein Gegenüber alles gefunden was er gesucht hatte und reichte mir nun den Zettel. "Hier sind nochmals die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Wie bereits vorher erwähnt dürfen Sie keine Haustiere ohne das Einverständnis Ihrer Nachbarn halten. Des Weiteren dürfen sie ihr Auto nur auf den vorgesehenen Parkplätzen abstellen und die Nachtruhe ist von zweiundzwanzig bis sechs Uhr. Bitte denken Sie auch daran, dass die Eingangstür wärend der Nachtruhe abzuschließen ist." Er überlegte kurz bevor er weitersprach: "Ja, ich denke das war jetzt mal das wichtigste. Hier ist Ihr Schlüssel. Falls noch Fragen auftreten sollten, können Sie mich jederzeit kontaktieren! Die Telefonnummer steht auf meiner Visitenkarte, die ihnen meine Sekretärin noch aushändigen wird." Mit diesen Worten stand er auf, strich seinen Anzug glatt, reichte mir die Hand und schob mich mit einem "Auf Wiedersehen!" samt Gepäck aus der Tür.
Ich ging noch zum Schreibtisch der Sekretärin, der im Gegensatz zu dem ihres Chefs voll mit Bildern und Fotos ihrer Kinder war, und ließ mir Mr. Davids Visitenkarte geben.
***
Der Schnee fiel in dicken Flocken vom Himmel als ich meinen Koffer über Treppen der Metro ins schneebedeckte London hochschleppte. Nach etlichen Problemen beim U-Bahn -Plan lesen hatte ich es endlich geschafft die richtige Station zu finden und nun zum ersten Mal meine Wohnung zu sehen. Meine Eltern haben sie für mich ausgesucht, als sie das letzte Mal hier in London auf einem Medizinseminar waren.
In meiner Schulzeit konnte ich nie eine Krankheit vortäuschen um die Schule zu schwänzen, sie wussten immer dass ich kerngesund war. Das ist der große Nachteil wenn man zwei Ärzte als Eltern hatte.
Meinem Handy nach musste ich jetzt an der nächsten Kreuzung links abbiegen und dann im dritten Haus meine Sachen in den vierten Stock zerren. Ich stapfte den vorgegebenen Weg durch den knöcheltiefen Schnee bis zu meinem neuen Zuhause. Den Trolley musste ich dabei hochheben, da sich die kleinen Räder im Schnee nicht drehten.
Als ich vor dem Haus ankam stampfte ich den Schnee von meinen kniehohen Stiefeln und trat ein. Ich sah am gegenüberliegenden Ende des Ganges einen Aufzug und beschloss ihn zu nehmen, auch wenn er schon etwas altersschwach aussah. Alles war besser als den Koffer nochmals eine Treppe hoch zu wuchten. Ich stieg ein und drückte auf den vierten Stock. Langsam setzte sich der Aufzug in Bewegung.Es dauerte vergleichsweiße lange und als sich die Türe endlich mit einem knarzen wieder öffnete atmete ich erleichtert auf, ging zu meiner Wohnungstür und schloss diese auf bevor ich eintrat.
Die Wände waren weiß gestrichen, der Boden setzte sich aus edlem hellbraunen Parkett zusammen. Ich schloss die Tür hinter mir, ließ das Gepäck und meine Schuhe im Flur stehen und sah mir die drei-Zimmer-Wohnung genauer an. Es gab ein helles Arbeitszimmer mit einem großen Fenster durch das man einen Blick in den kleinen Vorgarten werfen konnte, ein kleines Schlafzimmer, ein geräumiges Wohnzimmer mit Balkon der einen herrlichen Ausblick auf London bot und dann eben noch ein mittel großes Bad, eine Toilette und eine Küche. An sich gefiel mir die Wohnung wirklich gut, doch meine Eltern und Mr. David hatten mir verschwiegen dass der Vormieter die Einrichtung wieder mitgenommen hatte. Einzig das Badezimmer war soweit eingerichtet dass ich es benützen konnte und in der Küche war noch die Kochnische. Außerdem fand ich im Schlafzimmer hinter der Tür noch eine Matratze. Ich schleppte die Matratze ins Wohnzimmer, legte sie dort auf den Boden und beschloss mir jetzt gleich eine Bettdecke und einen Kopfpolster zu kaufen, sodass ich zumindest heute Nacht schlafen konnte. Die Möbel mussten eben noch warten. In winterliche Kleidung eingemummt verließ ich mit meiner Handtasche mein neues Heim.
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