1 - „Es war als hänge alles nur von dieser einen Hose ab."

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(Keaton Stromberg - Seaside Cover)

„Nein, ehrlich. Die ganze Menge feierte lautstark. Ungefähr so", mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtete ich Jules dabei, wie er die Arme in die Höhe schmiss und sie im lautlosen Takt hin und her bewegte. Einzelne dunkle Strähnen seiner Haare flogen ihm dabei ins Gesicht, doch er liess sich dadurch nicht beirren. Lachend setzte ich mich weiter in Bewegung Richtung Schulgebäude. Er lief rückwärts neben mir her, wobei er halbstark von der Seite angerempelt wurde. Mein Lächeln verschwand, als Kat ihn anfuhr.
„Geh zur Seite, du verrückter Loser", wich ihr spöttisch über die Lippen, während sie Jules einen abschätzigen Blick zuwarf. Dieser verdrehte allerding nur die Augen und nahm es auf die leichte Schulter. Innerlich seufzte ich auf. Kat war eine der Personen, welche ich am wenigsten leiden konnte. Und trotzdem war es nicht nur ihre Art, die mir einen kleinen Dämpfer verpasste. Sie sah einfach immer perfekt aus. Ihre Haare fielen in grossen Locken, wobei ihr Augenmakeup wie immer ihre grossen, blauen Augen betonte. Dazu passte ihre rosé-farbene Bluse einfach perfekt zu der gefleckten Skinny Jeans, welche im Moment einfach alle an unserer Schule zu tragen schienen. Wie konnte eine einzelne Hose eine simple Schulgemeinschaft so beeinflussen? Es war, als hänge alles nur von dieser einen Hose ab. Die Coolen trugen sie und setzten den Style, während alle durchschnittlich beliebten Mädchen sie nachkauften in der Hoffnung, damit eine Stufe in der Beliebtheitsskala hinaufzuklettern.
Jules stupste mich von der Seite an und nickte in Richtung Haupteingang. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem kaum erkennbaren Lächeln auf den Lippen trottete ich ihm hinterher, wissend, dass ich nun einen weiteren Tag unnötig in diesem Gebäude verbringen durfte.
„Ich weiss, du hast nicht wirklich Lust darauf, den Abend in meiner Gesellschaft zu verbringen, aber kommst du morgen bei mir zu Hause vorbei? Was sagst du?", mit einem Dackelblick blickte er auf mich herunter. „Ach Jules", säuselte ich, „du weisst, dass das nicht stimmt. Ich verbringe gerne Zeit mit dir, es ist nur.."-„Nur, du verbringst deine freie Zeit lieber alleine in deiner eigenen Welt, schon klar.", unterbrach er mich seufzend, doch trotzdem sagte mir etwas tief in mir drin, dass er es mir nicht böse nahm. Es stimmte. Ich war lieber bei mir zu Hause und schaute mir gelegentlich einen Film an. Oder ich schrieb in meinem Notizbuch weiter. Nicht, weil er mir nicht wichtig war, ich verbrachte unheimlich gerne Zeit mit ihm. Aber, ach Gott, mein Leben war eben kompliziert. Und dann war da noch Nathan, Jules älterer Bruder. Als ich jünger war, war ich unheimlich in ihn verliebt. Und zwar auf eine Art, dass er es offensichtlich irgendwie mitbekam. Das Verrückte war, dass er ein richtiger Arsch war und ich trotzdem tagtäglich von ihm schwärmte. Was soll man sagen, das Herz will was das Herz will. Trotzdem zerfrass es mich immer noch innerlich, dass er es zu wissen schien, geschweige denn von all seinen Kumpels. Auch wenn er es nie erwähnt hatte, merkte ich es an seiner Haltung, und an der Art wie er mit mir umging. Und ich kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er sich darüber lustig machte.
Seitdem versuchte ich einfach, ihm so gut es eben ging aus dem Weg zu gehen. Es war das beste so.
Seufzend liess ich meine Tasche neben den Platz in der zweitvordersten Reihe fallen. Addison war noch nicht da, und je länger ich auf sie wartete desto unruhiger wurde ich. Ich hasste es, alleine in einer Klasse zu sein. Zwar war Addison nur eine Schulfreundin, und wir unternahmen praktisch nichts ausserhalb der Schule, doch trotzdem war sie eine meiner besten Freunde. Vielleicht auch eine meiner einzigen.

Unruhig griff ich in meine Tasche und holte einen weissen Notizblock hervor, suchte nach einem Stift und fing an, das Datum oben rechts auf das erste Blatt hinzukritzeln. Es war leicht kühl im Klassenzimmer und ich war froh darüber, heute Morgen einen Pullover angezogen zu haben.
Die Schulglocke läutete zum ersten Mal und Addison war noch immer nicht aufgetaucht. Seufzend sah ich mich im Klassenzimmer um. Viele hatten sich zu kleinen Gruppen zusammengetan und redeten über das kommende Wochenende. Kat sass mit ihren Mädels etwas weiter hinten in der vierten Reihe, und Matthew klopfte gedankenverloren mit einem Kugelschreiber einen Beat auf den Tisch, während Ethan ihm etwas über die gestrigen Footballspiele erzählte. Alle schienen in ihren Gruppen zu sein, bis auf Justin. Doch es schien mir schon immer, als wollte er es so. Er war ein Junge der bestimmt keine Probleme damit hatte, Freunde zu finden, und trotzdem lief er meist nur alleine in den Gängen herum.

„...doch sie lief weiter. Immer tiefer in den Park hinein. Ihr war bewusst, was sie in ihrem schwarzen Outfit mit den tiefschwarz geschminkten Augen in anderen auslöste. Die Menschen blickten ihr nach, manche mit Erstaunen, anderen stand die pure Angst in den Augen geschrieben. In einem Vorort wie diesem war man sich solche Menschen nicht gewohnt. Der starre Blick von Phoebe liess ihren Teint nur noch blasser erscheinen, immer mehr nahm die Ähnlichkeit mit einer Untoten an Gestalt an. Doch es machte ihr Spass. Sie sog die betäubten Blicke der Menschen um ihr herum mit grosser Freude in sich hinein. Es machte ihr Spass sich vorzustellen, wie die Nonnen auf der Parkbank innerlich tausend Ave Mara beteten. Es machte ihr Spass sich vorzustellen, wie die Mutter des kleinen Jungens sie innerlich verfluchte für die Angst, die sie ihrem kleinen Engel einbläute. Und es machte ihr Spass, einfach für einen Tag in eine andere Rolle zu schlüpfen, und sich einmal keine Gedanken darüber zu machen, was all die anderen Menschen über sie dachten."

Mit einem Lächeln schloss ich den Deckel des Notizbuches zu und versuchte, mich wieder auf den Unterricht zu konzentrieren.

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Hier ist es, das erste Kapitel. Es ist nicht wirklich spannend, aber keine Sorge, das zweite wird besser. Dies hier musste einfach sein, damit man etwas in die Geschichte reinkommt.

Ich hoffe, es hat euch gefallen, und freue mich immer über Bewertungen und Kritik.

Ausserdem wünsche ich euch noch einen schönen Ostermontag :)

Well. Ok. Then.Where stories live. Discover now