1.Der Geisterjunge

19 1 0
                                        

Prolog:

Dunkelheit eiskalte alles verschlingende Dunkelheit umhüllt mich. Dabei ist dieser Raum eigentlich nur stickig und unerträglich heiß. Ich kann kaum atmen. Ich sehne mich nach dem Sonnenlicht, dass ich schon ewig nicht mehr zu sehen bekam. Fast wünsche ich mir, dass die Tür sich öffnet, nur um einen kurzen Blick auf das künstliche Licht der Küche zu erhaschen. Auch wenn ich weiss, dass mein Schmerz, dann nur noch so unendlich viel stärker wird. Ich höre eine leise Stimme vor der Tür. ,, Bist du drin?" Es ist die Stimme eines kleinen Mädchens. Ich fühle mich wie betäubt und so verwirrt. Ich erinnere mich an nichts. Seit ich aufgewacht bin herrscht Dunkelheit um mich herum. Ich erinnere mich nicht einmal an meinen eigenen Namen. Plötzlich höre ich einen Mann schreien. ,, Verdammt! Geh da weg du hast dort nichts verloren! Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du dich von der Vorratskammer fernhalten sollst." Ich höre ihre kleinen Fuße davon rennen. Dann geht die Tür auf. Das Licht, dass ich so ersehnt habe brennt mir in den Augen. Er kommt zu mir in mein Verließ. Tränen laufen mir die Wangen runter, aber ich versuche leise zu sein. Er soll nicht wissen, dass ich noch fühle. Er schließt die Tür und die Dunkelheit umhüllt mich erneut.

Álvaro:

Es war mitten in der Nacht, als ich plötzlich aus meinem Schlaf gerissen wurde. Nur das Mondlicht durchdrang die Finsternis. In meinem Schlafzimmer war es eiskalt, nicht nur kühl so wie es normalerweise der Fall war. Ich setzte mich auf. Es war sogar so kalt, dass ich meinen Atem in der Luft sehen konnte. Wie an einem frostigen Wintertag. Seit Wochen hörte ich seltsame Geräusche in meiner Wohnung. Es hörte sich an wie ein Leises Wimmern, fast als ob jemand weinen würde. Langsam ertrug ich es nicht mehr. Verzweifelt fragte ich mich ob mein Verstand mir einen bösen Streich spielte oder ob ich ihn am Ende verlieren würde. Ich stand auf und ging in die Küche um eine Flasche Tequila zu holen. Damit verzog ich mich ins Wohnzimmer. Ich konnte und wollte nicht mehr einschlafen. Wo ich auch hinging spürte ich die unheimliche Anwesenheit einer Art Präsenz oder Energie. Ich fühlte auch jetzt, dass ich begleitet worden war. Seit ich das Geräusch zum ersten Mal vernommen hatte wehrte ich mich dagegen das Geräusch aIs "es" zu bezeichnen. Ich wollte nicht, dass es eine Gestalt annahm. Hin und wieder kam ich mir vor wie ein Idiot. Schliesslich war ich kein Kleinkind, dass Angst vor Geistergeschichten hatte. Doch es liess mich einfach nicht los. AIs ich das wimmern plötzlich neben mir auf der Couch hörte ertrug ich es nicht mehr. Ich war starr vor Schreck. ,, Was willst du von mir?", fragte ich mit zitternder Stimme. Ein lautes Klirren liess mich panisch aufschreien. Die Zuckerdose auf meinem Couchtisch war umgefallen. Wie gelähmt vor Angst starrte ich in den verstreuten Zucker. Darin stand:,, Hilf mir!" FassungsIos sah ich zu wie die Buchstaben im Zucker wie von Geisterhand verwischt wurden und sich neue bildeten. ,, Ich habe Angst."
,, Wo bist du? Ich will dich
sehen." Ich bereute es gleich wieder.
,, Tu mir nichts ", flüsterte eine ängstliche Stimme. Mir stockte der Atem. Ein Teenagerjunge tauchte vor mir auf. Sein Gesicht war nass von seinen Tränen. Ich stand auf und ging auf ihn zu. Meine Neugier liess mich für einige Sekunden meine Angst vergessen. Ich hob meine Hand und versuchte sein Gesicht zu berühren, doch meine Hand ging einfach durch ihn hindurch. Das einzige was ich fühlte war ein eisiger Hauch der über meine Haut huschte. ,, Du kannst mich nicht berühren, aber ich kann dich berühren ", sagte er kaum hörbar und griff nach meiner Hand. Es fühlte sich nicht an als ob mich ein Mensch berührte, eher wie ein eiskalter Windstoß. Ich fragte mich wie es wohl wäre von ihm geküsst zu werden. Meine Angst war verflogen. Erst jetzt fiel mir auf wie hübsch er war. Sein Gesicht
hatte einige Blessuren, ein blaues Auge, ein geschwollenes Jochbein, trockenes Blut unter der Nase und am Mindwinkel, aber man erkannte dennoch wie unglaublich gut er aussah. Er hielt meine Hand noch immer. ,, Das könnte ich den ganzen Tag machen. Deine Menschenwärme fühlen meine ich. Das fehlt mir sehr ", flüsterte er niedergeschlagen. ,, Was hat man dir angetan?", fragte ich völlig fasziniert. Er liess meine Hand los und schwebte seufzend im Schneidersitz wie ein Flaschengeist vor mir umher.
,, Ich erinnere mich nicht. Nicht mal an meinen Namen." Er flog in fast schon tänzerischer Weise kunstvolle Bögen um mich herum. ,, Wie ist dein Name?" Er landete neben mir.
,, Álvaro." ,, Du bist genauso nett wie ich es mir gedacht habe, als ich gesehen wie du das kleine Mädchen gerettet hast." ,, Darum bist du bei mir, weil ich die Polizei angerufen und die kleine in meine Wohnung gelassen habe, als ihr Dad sie fast umgebracht hat ", fragte ich erstaunt. Er nickte.,, Ich dachte vielleicht hilfst du auch mir." ,, Wobei? Wobei soll ich dir helfen?", fragte ich verständnislos. ,, Meinen Mörder finden ", antwortete er als sei das selbstverständlich. ,, Oh gut, du weisst also, dass du tot bist." Er nickte stumm. ,, Wieso hast du denn nicht schon eher mit mir gesprochen? Ich hatte eine scheiss Angst ", sagte ich ruhig. ,, Ich auch ", erwiderte er kaum hörbar. ,, Wieso? Hast du geglaubt ich bin ein Geisterjäger?", fragte ich mit von Sarkasmus unterlegter Stimme und grinste ihn frech an.
,, Ich bin noch nicht lange tot, ok. Ich hab noch keine Ahnung wie dieser Geisterscheiss läuft ", sagte er trotzig. Er musste sich ein Schmunzeln verkneifen, dass konnte ich deutlich sehen. ,, Wieso weinst du eigentlich die ganze Zeit?", verlangte ich nun ganz sanft zu wissen. Er sah zu Boden. ,, Es ist verdammt gruselig tot zu sein nicht wie in so dummen Geisterfilmen. Ich meine ich weiss nicht wohin ich geh oder woher ich komm ", sagte er mit zitternder Stimme. Seine Unterlippe bebte. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Ich ging einen Schritt auf ihn zu um ihn zu umarmen und fiel durch ihn hindurch. ,, Entschuldige ", rief er verzweifelt aus. Ich rieb mir den schmerzenden Kopf. ,, Nein. schon gut. Mein Fehler." Als ich wieder aufgestanden war stand er plötzlich vor mir. Er nahm mich in den Arm. Es fühlte sich an als ob ich in einem eisigen Schneesturm stehen würde, doch plötzlich wurde es ganz warm.
,, Erfiere ich jetzt?", fragte ich erschrocken. ,, Nein. Das ist nur ....... wenn ich mich wohlfühle .... Ich meine so richtig. Wird alles ganz warm für einen Moment. So als ob wieder Leben in mir wäre. Meinst du mein Körper liegt irgendwo da draußen und vegetiert vor sich hin. Ist aber noch am Leben?", fragte er hoffnungsvoll. Ich wollte ihm keine zu grossen Hoffnungen machen und zuckte verunsichert mit den Schultern. Er seufzte resigniert. ,, Ich muss hier in der Nähe gewohnt haben, denn ich bin auf dem Boden vor deiner Tür aufgewacht. Als ich mich in deiner Wohnung versteckt hatte fühlte mich für einen Moment sicher und es wurde warm so wie gerade.",, Ich hab dich aber noch nie hier gesehen." Ich sah wie die Hoffnung aus seinen Augen wich.
,, Wenn ich doch wenigstens wüsste warum ich noch hier bin. Ich weiss das es auch wie aus einem Film klingt aber ich habe so ein drängendes fast schon quälendes Bedürfnis ihn zu finden." ,, Ihn?", fragte ich irritiert.
,, Ich weiss auch nicht wer er ist, aber es gibt irgendeinen fiesen Mistkerl den ich finden muss." ,, Vielleicht hat er das getan?" Er nickte nur. Ich setzte mich auf die Couch und seufzte. Plötzlich schoss mir eine Frage durch den Kopf. ,, Sag mal beobachtetest du mich eigentlich die ganze Zeit über?" Er wich meinem Blick aus. Ich bildete mir ein, dass seine Wangen vor Scham rot anliefen. Er schüttelte nur schweigend seinen Kopf.
,, Geisterjunge?" Er sah mich unzufrieden an. ,, Nenn mich nicht Geisterjunge!" ,, Wie soll ich dich sonst nennen? Guy, ich nenn dich Guy. So lange wir deinen Namen nicht kennen bist du schließlich irgendein Typ." ,, Also hilfst du mir?", fragte Guy begeistert. ,, Ja na klar warum nicht. Wenn ich dann endlich wieder schlafen kann."
Guy setzte sich neben mich und sah mich beschämt an. ,, Tut mir so leid." Ich wollte meinen Arm um ihn legen. ,, Ach, es ist schon gut..... ahhh ", fluchte ich genervt. Ich hatte schon wieder vergessen, dass er ein Geist war. Ein unsanfter zusammen Stoss mit der Armlehne der Couch hatte mich daran erinnert. Er kicherte und küsste vorsichtig die schmerztende Stelle an meinem Kopf. Es war sehr angenehm als ob mir jemand ein Eisbeutel an die Stirn hielt. Guy beobachtete mich lächelnd. ,, Was ist denn?" fragte ich verwundert.
,, Du bist so hübsch. Ich mag es sehr dich zu beobachteten. Sei nicht böse. Ich sehe dich halt gern an. Nur auf der Toilette nicht. Keine Sorge." Ich sah ihn durchdringend an. ,, Was ist mit der Dusche?!" Er flog so schnell er konnte nach oben und kauerte unter der Zimmerdecke. ,, Es war alles so beängstigend als ich gemerkt hab, dass ich tot bin. Ich konnte mich wie gesagt an nichts erinnern. Nur eine Sache habe ich schnell gemerkt. Das ich mich zu dir hingezogen fühle. Wenigstens eine Sache über mich zu wissen hat geholfen. Ich hab dir manchmal zu gesehen." Ich lächelte ihn versöhnlich an und hielt ihm meine Hand entgegen. Er schwebte langsam auf mich zu und griff danach. ,, Du gefällst mir auch." Guy legte sich in meine Arme. ,, Was denkst du wie alt ich bin?", fragte er lächelnd. ,, 16 oder 17?" Er setzte sich neben mich. ,, Dann bin ich alt genug, um das zu tun." Er nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich. Plötzlich verschwand er. Es dauerte eine ganze Weile bis er wieder kam. Dann klopfte es an der Tür. Mitten in der Nacht. Ich spähte durch den Spion. Es war mein homophober, militant hetrosexueller Nachbar. War ich so laut? Wir hatten schon den ein oder anderen Krieg miteinander. Ich öffnete die Tür und sah ihn fragend an. Er stürzte sich auf mich und begann mich zu küssen. Mit Zunge und seinen Händen auf meinem Hintern. Verwundert stiess ich ihn weg. Er grinste mich an und sagte amüsiert. ,, Ich bin es doch, Guy." ,, Wirklich?", fragte ich verunsichert. ,, Ich bin der Geist der in deiner Wohnung lebt. Ich will mit dir schlafen." Ich zog ihn in die Wohnung. ,, Wir sollten wirklich nicht gerade seinen Körper benutzen. Er hasst schwule." Guy grinste mich lüsternd an. ,, Ich weiss. Wenn ich jemanden berühre erfahre ich viele Dinge über ihn und kann seine Gefühle nachempfinden. Ich fand es lustig."

GhostWhere stories live. Discover now