Seuftzend schob Riku den linken Ärmel seines Pullovers ein Stück nach oben, um erneut einen Blick auf seine Armbanduhr zu werfen. Seinem Mund entfuhr ein erneutes tiefes Seufzen. Er hasste es zu Shoppen, vorallem in der Vorweihnachtszeit. Mit seinen Töchtern war das schon jedesmal eine Qual, aber der chaotische Frontsänger topte alles. Geschlagene zehn Minuten saß der Lockenkopf jetzt schon hier, in mitten von unzähligen Tragetaschen, die bereits mit neuen Klamotten gefüllt waren. Samu hatte ihn dort hingesetzt, mit dem wichtigen Auftrag, auf sein Zeug aufzupassen. Bevor er dann in einer der Kabinen verschwunden war.
Eigentlich hätte er schon längst wieder hier sein müssen. Hatten sie nicht ausgemacht, nach dem letzten Outfit eine Pause einzulegen? Wenn er jetzt weiter Sachen anprobierte, würde Riku noch ausrasten. Ihm knurrte der Magen, außerdem nervten ihn die vielen Menschen um ihn herum. Er wollte doch einfach nur zurück. Am liebsten gleich wieder in sein Bett. Es war Samus blöde Idee gewesen, ihn mit dieser Shoppingtour abzulenken. Funktioniern tat das nur leider überhaupt nicht. Im Gegenteil. Durch das ständige, stundenlange Warten auf seinen besten Freund, hatte sein Kopf genug Zeit über seine gescheiterte Ehe nachzudenken. Vielleicht sollte er einfach wieder zurück zum Tourbus laufen und sich in seiner Koje verschanzen. Bevor Riku seinen Fluchtplan jedoch weiter ausbauen konnte, vibrierte sein Handy in der Hosentasche. Umständlich kramte er jenes raus, wobei sich die Tüte auf seinem Schoss verabschiedete. Genervt bis in die Knochen klickte er mit dem Zeigefinger auf das WhatsApp Nachrichten Symbol.
Samu > Brauche Hilfe. Stecke fest <
Verwirrt zog der Gitarrist eine Augenbraue in die Höhe. Was hatte der Kerl jetzt schon wieder angestellt? Und wo steckte er bitte fest? Diese Gedanken wollte er ganz schnell aus seinem Kopf verbannen.
Riku > Was hast du denn jetzt schon wieder getan? <
Ihm war die Freundschaft zu dem Blondschopf wirklich wichtig, aber bevor er sich von diesem Stuhl weg bewegen würde, wollte er wissen ob es wirklich ein ernst zunehmender Fall war. Bei Samu wusste man nie. Auf Tour musste Riku des Öfteren in der Nacht in sein Hotelzimmer anrücken, da der feine Herr Haber einen dringenden Notfall hatte. Das letzte Mal war ihm kalt gewesen. Kalt. Das Hotel hatte wegen des heißen Sommers die Heizungen abgestellt. Am Ende der Aktion lies er seinen Gitarristen nicht mehr aus dem Bett. Riku wurde als menschliche Heizung missbraucht. Er fragte sich bis heute warum ausgerechnet er immer den Kopf hinhalten musste. Innerlich verdrehte er die Augen. Es dauerte keine halbe Sekunde, da hatten sich die Häckchen blau gefärbt und der Sänger tippte eine Antwort.
Samu > Komm bitte einfach her und hol mich hier raus! <
Seufzend erhob sich Riku und machte sich mit den vollen Tüten auf den Weg zu den Kabinen. Als der Dunkelhaarige ankam, stand er zunächst etwas planlos da und sah sich um. Woher sollte er wissen in welcher davon sich sein bester Freund befand? Er konnte schlecht nachsehen, rumschreien wollte er jetzt aber auch nicht unbedingt. Nach einer gefühlten Ewigkeit fiel ihm ein, das er sein Handy benutzen könnte. Die Vorteile des 21. Jahrhunderts. Wow Rajamaa. Er wählte Samus Nummer und folgte einfach Jon Bon Jovis Stimme, bis zur letzten Kabine. Als er gerade davor zum stehen kam, öffnete sich die Tür und die Hand des Blonden griff mit einer geschickten Bewegung nach seinem Kragen, um ihn einfach in die Umkleide zu zerren. Riku stolperte in den kleinen Raum bis hin an Samus Brust, die ihn letztendlich stoppte. „Sag mal spinnst du?“, gereizt lösste sich der Kleinere aus dem Griff des Frontmanns und sah ihn wütend an. Dieser ging jedoch garnicht darauf ein, sondern zeigte nur auf seine Hose. „Du musst mir helfen. Ich komm nicht mehr raus“. Riku musterte ihn unbeeindruckt. „Wie wärs wenn du sie zuerst aufmachst? Ist dann sicher leichter.“ Samu verdrehte gespielt die Augen. „Man, das ist doch genau das Problem. Der Reisverschluss klemmt.“ zum Beweis zog er einmal kräftig daran. „Und was soll ich da jetzt machen?“, „Du hast doch so geschickte Finger..“ Der Gitarrist zog eine Augenbraue in die Höhe. „Aha, und du denkst das die mehr können als deine eigenen?“ „Bitte Riksa, ich spendier dir nachher auch das Mittagessen. Befrei mich einfach aus dieser beschissenen Hose. Bitte“ Er seufzte erneut. Womit um alles in der Welt hatte er das nur verdient? Schnell warf Riku die Tüten in die Ecke und machte sich direkt an dem verklemmten Reisverschluss zu schaffen. Das Ding hatte sich aber auch wirklich blöd verzwickt. Immer wieder zog er fest, das Samu sich an ihm fest halten musste um nicht umzufallen.
„Ich glaube, der Stoff ist eingeklemmt.“
„Danke, soweit war ich auch schon.“ Der Blick des Gitarristen richtete sich wütend nach oben, woraufhin Samu lieber den Mund verschloss. Mit einem hungrigen und genervten Riku war wirklich nicht mehr zu spaßen. Kopfschüttelnd sah er wieder auf seine Hände, entwich ihm gleich ein genervtes Stöhnen. Lies er sich, wohl oder übel vor den Blonden auf die Knie fallen, um den Reisverschluss besser in Augenschein nehmen zu können.
Erschrocken schnappte Samu nach Luft. Mit weit aufgerissen Augen starrte er zu ihm hinab. Fluchend zog Riku noch immer an dem viel zu eng, anliegenden Stoff. Wieso musste sich der Blonde auch immer so enge Hosen kaufen? Ohne die Hilfe des offenen Reißverschlusses würde er diese sicher nicht ausziehen können. Der Ältere war mitterweile kurz davor den Stoff einfach zu zerreißen. Samu hatte unterdessen wirklich Probleme, seine Atmung im ausgeglichenen Bereich zu behalten. Rikus Gesicht so nah an seinem Schritt, nur die eng anliegende Hose zwischen ihnen. Wie oft hatte er sich genau diese Situation vorgestellt. Von seinen intensiven Träumen mal ganz zu schweigen. Unbewusst leckte er sich über die Lippen, seine Wangen nahmen einen verräterischen roten Ton an. Immer wildere Fantasien bildeten sich in seinem Kopf. Das seine Hose noch enger werden konnte, hätte er nicht gedacht. Jedoch konnte er nichts dagegen tun. Noch immer war Riku so konzentiert mit dem Reisverschluss beschäftigt, das ihm nicht auffiel, wie Samu sich unter seinen Fingern extrem anspannte. Diese vergruben sich immer tiefer in den Pullover an seinen Schultern. Erst als Samu ein leises Seuftzen entwich, warf er fragend einen Blick nach oben. "Alles Okay?". Dem Blonden konnte man deutlich ansehen, wie angespannt er war. Die Adern an seinem Unterarm stachen deutlich hervor. "Ja.. warum?", "Weiß nicht. Geht's dir nicht gut?". Dem Gitarristen entging aber auch nichts. Seine Beobachtungsgabe war, seitdem er zwei süße Töchter hatte enorm ausgeprägt. "Mir.. geht's gut. Kannst du mich einfach aus dieser Hose befreien??", versuchte Samu seine Stimme wiederzufinden. Was bei Riku jedoch nicht zog. Er spührte das irgendwas nicht in Ordnung war. Kurzerhand stand er auf, um seinen Freund auf Augenhöhe betrachten zu können. Okay, das war jetzt definitiv viel zu viel Nähe. Dem Blondschopf schlug das Herz bis zum Hals. Automatisch glitt sein Blick hinab auf Rikus glänzende Lippen. Diese schön, geschwungene Form. Der drei Tage Bart um seine Wangen machte es rund herum perfekt. Generell gab es an diesem Mann nichts auszusetzen. Wenn er ihn nur ein einziges mal.. - "Haber hier bin ich". Ertappt sah er direkt hoch, verlor sich jedoch nach wenigen Sekunden schon in seine wunderschönen Augen. Diese blau grau schimmernden Kristalle, die ihn einfach magisch anzogen. Er konnte nichts dagegen tun. "Hapa, was ist los?".
Abrupt klang Rikus Stimme besorgt. Vorsichtig legte er seine Hände an Samus Wangen, was ihn kurz zusammenzucken lies. "Was hast du? Rede mit mir.” Er war ihm so unglaublich nah, nur wenige Zentimeter trennten die beiden voneinander. Er konnte kaum klar denken. Auch seine flache Atmumg sprach nicht wirklich für ihn. Riku kam das alles sehr komisch vor. Was hatte sein bester Freund? Allmählich begann er sich Sorgen zu machen. Vielleicht saß die Hose so eng, dass seine Durchblutung Störungen aufwies? Erneut warf Samu einen Blick auf seine Lippen. Minimum 97% seiner Selbstbeherrschung waren schon erloschen. Mühselig kämpfte er mit den restlichen 3% gegen den Drang, ihn kuzerhand zu küssen. Das konnte er nicht tun. Riku war sein bester Freund. Er wusste nichts von seinen Gefühlen, damit würde er alles kaputt machen. Vorallem so kurz nach der Trennung von seiner Frau. Er durfte das einfach nicht tun. "Samu, hey. Was hast du? Bitte sag doch was." "Rick..", ihm blieb fast die Stimme weg. Sein Herz hatte die Entscheidung schon längst getroffen. Spätestens als Rikus Daumen liebevoll über seine Wange fuhr, war ihm klar das er seine Sehnsucht nachgehen musste. Schnell überbrückte er die letzten Zentimeter und nahm sich, ohne noch einmal darüber nachzudenken die Lippen seines Gitarristen. Dieser wusste nicht wie ihm geschah. So dauerte es einen Moment, bis er realisieren konnte was Samu hier gerade tat. Mit einer ruckartigen Bewegung lösste er sich und gab ihm eine schallende Ohrfeige, die sicherlich bis zum Eingang des Ladens zu hören war. Schockiert hielt sich Samu seine Wange. "ALTER, hast du sie noch alle ??!", erschüttert stolperte Riku rückwärts aus der Kabine und lies sich erst fallen, als er die Wand im Rücken spührte. Was zum Teufel war DAS gewesen? Angespannt bis auf die Knochen sah er zur Tür der Kabine, bekam seine Gedanken beim besten Willen nicht sortiert.
