Prolog

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Die Abenddämmerung neigte sich seinem Ende zu. Wenige bis keine Spuren hinterließ das Tageslicht von sich. Und schon entließ die Atmosphäre den Tag von der Schicht und lud die Nacht ein. Auf dem dunkelbraunen Terrassenboden schien das vom Mond reflektiertes Licht drauf. Ein einsames Licht. Die Nacht, dunkel, doch autoritär genug, uns mit seiner dennoch hellen Fassade zu überwältigen.

»Es hieß, wir seien füreinander bestimmt, wir beide gegen den Rest Welt. Das sagtest du Iljas.«, sprach ich mit brüchiger Stimme in einem leisen Ton. Meine Stimme erklang stimmlos, als wäre ich heiser. Die Luft wurde eng. Meine Mundhöhle war so trocken, wie die Sahara. Herzschmerz. Mein Körper wollte nichts, außer in den Boden zu versinken.

»Eins muss man dir lassen...« Er steckte seine Hände in seine Hosentasche und scannte mich von Kopf bis Fuß unverschämt ab. Als wäre ich nichts weiter, als ein für Objekt erklärtes Wesen.

»Du warst nicht, wie die anderen Frauen, die mir mit einem Schnipsen zu Füßen gefallen sind. Respekt. Aber dir sollte höchstens jetzt klar sein, dass nicht alles Gesagte der Wahrheit entspricht. Naja, siehe es positiv, du hattest die Chance, mit mir eine schöne Zeit zu verbringen.« Seine Sprechweise war gezielt provokant, während er mich auf einer erniedrigenden Art und Weise lobte.

Meine erstarrte Haltung komplementierte meine emotionslosen Augen, welche auf den kühlen Boden fixiert waren. Reglos versuchte ich die Realität mit meinem Inneren rational zu vereinbaren. Meine Brust zog sich wie ein Vakuum eng zusammen. Ich atmete – noch –, doch hatte starke Skepsis, dass meine Lunge dabei war ihre Funktionsfähigkeit aufzugeben. Abgrundtief hasste ich mich respektive meinen Körper, weil er nach all dem stets gleich auf seinen Körper reagierte. Verlangend und kontrolllos. Der Zustand meines Körpers und Inneres war sein verdammtes Werk, welches er aus unerklärlichen Gründen immer noch weiter strebte. Ich hasste ihn. Die Macht, welche er gegenüber mir besaß.

Ein Aber war natürlich zu erheben. Egal wie heißblütig und impulsiv mein Körper auf ihn reagierte, repräsentierte ich dies keineswegs. Allerdings schöpfte ich dauernd den Verdacht, dass er in mich sehen konnte. Beschämend hoffte ich, dass er dazu nicht fähig war. Das was ich gegenüber ihn noch immer verspürte, war nichts weiter als eine absurde Schwäche. Und ich beherrschte lange das Wissen, dass ich vor allem in solchen Situationen meine Schwächen nicht indizieren durfte. Denn Schwäche provozierte Mitleid. Denn wenn sie spitzbekommen würden, worin deine Schwäche lag, würden sie diese ausnutzen. Nicht zu deinem Nutzen, sondern für ihr Eigennutzen.

Diese Schwäche hatte ich dem Feind meines Verstandes zu verdanken. Meinem Herzen. Denn die Klausel wurde durchbrochen. Die Klausel meines Verstandes hatte er durchbrochen. Ich ließ es zu, denn mein Herz rebellierte auf einer unaufhaltbaren Art und Weise, wie ich sie je zu vor nie erlebt hatte. Mein Verstand, mein gnadenloser Schutzmechanismus tönte immer und immer wieder wie ein Bass auf, bis mein Herz sie zum Verstummen brachte. Pedantisch war mein Verstand. Sie wusste exakt, wie die Liebe für mich ausgehen würde. Ein Katzenjammer. Pure Desillusion.

Durch den rauschenden Klang seiner vorsichtig langsamen Schritte, erwachte ich aus meinen Gedanken. Mein Blick – welches immer noch auf den kahlen Boden starrte – registrierte seine beinahe lückenlose Nähe durch seine schwarzen Cap Toe's. Während mein Puls sich auf ein Abenteuer begab und mit einer triftigen Wahrscheinlichkeit bei mehr als 100 Schlägen pro Minute lag, sollte man die Tachykardie, lapidar Herzrasen, nicht unterschätzen. Mein innerer Mediziner sprach auf Takt, doch zu einem unpassenden Moment, albern rum.

Schlagartig griff er mit seinem Daumen und Zeigefinger nach meinem Kinn und richtete es gerade auf, sodass meine gerötet, zugleich glasigen Augen mit der düsteren Tiefe seiner Augen fusionierten. Mein Herz zog sich zusammen, als ich nichts in seinen Augen erkannte. Dabei hatte er es zugelassen darin zu sehen – seine Emotionen, seine Seele – durch seine Augen zu deuten. Das Braun seiner Augen breitete sich dominierend aus, sodass kein Hauch des warmen Grüns hinterlassen blieb. Wie eine Analphabetin fühlte ich mich in diesem Moment. Er hatte die Tore zu seiner Seele, welches ich durch seine Augen betrat, skrupellos zugeschlossen.

IZEL - verräterisches VerlangenHistórias para pegar e não largar. Descubra agora