Erschlägt benommen die Augen auf. Sein Sichtfeld ist leichtverschwommen. Er kneift die Augen zusammen, kann jedoch kein klaresBild seiner Umgebung bekommen. Sein Kopf schmerzt. Als hätte man ihmmit einem schweren Gegenstand auf den Hinterkopf geschlagen. SeinKopf senkt sich wieder und seine Augen fallen zu.
EinMann, wahrscheinlich Mitte dreißig, sitzt auf einem imposanten Stuhlaus dunklem Holz. Seine Fuß- und Handgelenke an die Stuhlbeine undden Armlehnen und sein Oberkörper an der Stuhllehne mit einem dickenSeil gebunden. Die Handflächen umklammern das Ende der Armlehne. Erhat zerzauste, braune, mittellange Haare, einen ungepflegtenVollbart, trägt ein weißes Hemd mit offenem Kragen, eine feineschwarze Anzughose und Lederschuhe. Seine Hände umklammern dieArmlehnen stärker, während er tief einatmet. Als er wiederausatmet, reißt er seine von dunklen Augenringen gezierten Augen aufund versucht zu schreien. Ein dumpfer Ton erklingt hinter dem Knebel.
Vordem Mann erstreckt sich ein großer, langer Tisch aus ebenfallsdunklem Holz, der von drei weniger imposanten Stühlen am anderenEnde des Tisches begleitet wurde. Einer vor Kopf und die anderenbeiden stehen jeweils links und rechts daneben. Direkt über derMitte des Tisches befindet sich ein goldener Kronleuchter, der mitein paar Kerzen diesen kargen Raum erleuchtet. Ihm direkt gegenüber,hinter dem Stuhl am Kopf des Tisches, hängt ein großes Gemälde mitgoldenem Rahmen an der kalten Bruchsteinwand. Es ist einFamilienportrait bestehend aus drei Personen, die vor einerprunkvollen, hölzernen Villa stehen. Eine Frau und ein Mann stehendort glücklich aussehend neben einander und vor ihnen ein kleinesMädchen.
Beimnäheren betrachtet des Raumes erblickt der Mann an den Wände linksund rechts einzelne rote mit goldenen Fäden verzierte Wandteppichehängen.
Dannerblickt der Mann eine schwere Holztür und schlagartig wird es ihmwieder bewusst: Er muss hier raus und die einzige Möglichkeit, dieer hat, ist durch die schwere Tür. Doch er hatte bereits versuchtmit aller Kraft seine Arme zu bewegen, seine Handgelenke hin und herzudrehen nur um diese Seile zu lockern, doch er hatte es nichtgeschafft. Die Seile sind zu fest an diesem Stuhl, der von der Größeher schon ein Thron sein könnte, angebunden.
Einknarzen ertönt und sein Blick schnellt zur Tür, welche langsamaufgeht. Ein etwas älterer Butler mit Falten im Gesicht und einerschlanken Statue öffnet diese und betritt den Raum während er dieTür weiter offen hielt. Mit ihm betreten drei weitere Personen denRaum. Ein Mann, eine Frau und ein Mädchen. Es ist die Familie vondem Portrait und sie scheinen alle genauso auszusehen, wie auf demGemälde. Der Vater mit ein paar kleinen Falten im glattrasiertenGesicht und zurückgekämmte, schwarze Haare, die Mutter mit langen,glatten, dunkelbraunen Haaren und einem bleichen Gesicht als sei ihreLebensfreude schon vor langer Zeit aus ihrem Körper gewichen und einkleines Mädchen mit schwarzen bis zur Kinnlinie geschnittenen Haarenund einem zarten Gesicht mit hohen Wangenknochen. Jedoch ist ihrKleidungsstiel dem auf dem Gemälde nicht ähnlich. Während aufdiesem sie die Kleidung einer normalen Familie aus der Mittelschichtgetragen hatten, trägt der Vater ein schwarzes Hemd mit offenemKragen und einer goldenen Kette um den Hals, dessen Symbol an einPentagramm erinnert, die Mutter ein schlichtes, ebenfalls schwarzesKleid mit langen Ärmeln und die Tochter im starken Kontrast dazu einschlichtes, ärmelloses, weißes Kleid.
Ohneein Wort zu verlieren betreten sie den Raum und setzen sich an denTisch. Der Vater vor Kopf, die Mutter zu seiner Linken und dasMädchen zu der Rechten des Vaters. Der Vater faltet seine Hände undguckt mit seinen giftgrünen Augen direkt in die des Mannes. „Istes nicht ein schöner Abend?", fragt er den Mann in einem warmenTon. „Wissen sie wie sehr ich mir diesen Tag herbei gesehnt habe?Nein, dass können sie auch gar nicht, wenn sie seine Schönheitnicht kennen.", fuhr er fort. „Aber sie müssen nicht traurigsein. Sie werden ihren Teil für den gefallenen Engel leisten."
Alsder Vater zu Ende spricht, fängt der Mann an zu zappeln. Er zerrtpanisch an den Seilen, die sich jedoch kein Stück bewegen. Der Vaterbeobachtet ihn mit einem zufriedenen lächeln weiter, während dasMädchen und die Mutter den Tisch mit einem leeren Blick anstarren.„Sparen sie sich ihre Energie für später.", merkt der Butlermit ruhiger Stimme an während er dem Vater und der Mutter einWeinglas auftischt. „Sie werden diese noch brauchen." Er öffneteine Flasche und schüttet den beiden Erwachsenen eine blutroteFlüssigkeit in die Gläser. In diesem Moment fängt der Mann wiederan zu zappeln und man hörte einen dumpfen Schrei von ihm, welchenman als „Ich will nicht sterben" hätte deuten können.
Davonunbeeindruckt wendet sich der Vater zum Butler: „Ist das Essenschon bereit ?" Der Butler zückt eine silberne Taschenuhr ausseiner Hosentasche, wirft einen kurzen Blick auf diese und lässt siewieder in seine Hosentasche gleiten. „Es ist so weit, Sir.",antwortet dieser. Als der Mann das Wort 'Essen' hört, vernimmt erauf wundersame Weise zum ersten Mal den Geruch von geschmortemRindfleisch. Auf betäubende Art und Weise lässt dieser Geruch denMann seine Situation für einen kurzen Moment vergessen, bis erwieder die Stimme des Vaters vernimmt. Du musst dir keine Sorgenmachen", fängt dieser zu reden an, während er sich dem Mannwieder zu wendet, „Ich trinke nicht ihr Blut" „Ich werde diesebenfalls nicht tun", ergänzt die Mutter mit rauer, kratzigerStimme, während sie den Tisch weiter anguckt. In der Zwischenzeitist der Butler um den Tisch herumgegangen und steht nun auf der Seitedes Mädchens. Er holt ein kleines, scharf aussehendes Messer hervorund legt es sanft auf den Tisch während er den Mann anguckt. „Abersie wird es tun", sagt er und deutet damit auf das Mädchen.
Alsder Mann das hört, lief es ihm kalt den Rücken runter und nun weißer, dass er keinen Ausweg mehr hat. Er wird sterben. Das Mädchenerhebt sich, während der Vater genüsslich aus seinem Weinglastrinkt. Als sie sich aufgerichtet hatte, fängt sie an sich das Kleidvom Leib zu streifen. Es kommt sanft auf dem Boden auf und dieseskleine Mädchen stand nun nackt am Tisch in Richtung des Mannesgedreht. Sie nimmt das Messer an sich und geht langsam mit zartenSchritten auf den Mann zu. „Nein! Stopp!", hört man den Manndumpf schreien, jedoch stoppt sie nicht und geht weiterhin ohne eineMiene zu verziehen auf ihn zu. Als sie vor ihm steht, blickt sie ihmmit ihren ebenfalls giftgrünen Augen tief in seine, als sie ihm mitdem Messer in die Schulter sticht. Er schreit auf. Er weiß nicht waser tun soll und wenn er ehrlich zu sich selbst ist, wusste er es seitseines Erwachens nicht. Das Mädchen fängt nun an das Messer langsamüber den Oberarm bis zum Anfang des Handgelenkes über den Arm desMannes zu ziehen. Das Blut fängt an aus der Wunde zu fließen und jegrößer diese geworden ist, desto lauter sind es auch die Schreiedes Mannes und desto größer auch der Blutfluss. Als sie amHandgelenk ankommt, nimmt sie das Messer aus der Wunde und sticht esihm mitten in die Brust. Der Mann fängt an zu würgen, doch aufgrunddes Knebels kann er sich nicht übergeben und fängt an es wieder zuschlucken. Doch bevor er anfängt zu ersticken, entfernt das Mädchenden Knebel und er erbricht über sich selbst nicht nur Blut sondernauch seinen Mageninhalt. Bevor er in irgendeiner Art jedoch zur Ruhekommen kann, bohrt das Mädchen ihre kleinen Finger tief in seineWunde am Arm, sodass noch mehr Blut herausspritzt. Sie fängt dasBlut auf und beschmiert damit ihren zarten, nackten Oberkörper. DieAugen des Mannes sind durch den Schmerz und der Qual weit aufgerissenund sehen aus als würden sie bald aus der Augenhöhle ploppen.Tränen laufen ihm in Massen über sein Gesicht, während er sicherneut übergibt. Das Mädchen beugt sich nun vor und führt ihrekleine Zunge waagerecht über seine Kehle. Sie nimmt das Messer ausseiner Brust und setzt es an seiner Kehle an.
Erguckt in die Runde. Der Vater sieht sehr zufrieden aus, während dieMutter die ganze Zeit nur auf den Tisch starrt. Ein Blick fällt nochauf das Familienportrait einer nett aussehenden Familie, die ihndirekt in die Augen blickt und auszulachen scheint.
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Dinner
Short StoryDies ist eine Kurzgeschichte über ein gemütliches Abendessen, bei einer besonderen Familie.
