Prolog
Hi! Ich bin Eva und ich glaube, ich bin tot.
Ich hatte ein ganz normales Leben. Ich hatte Freunde, ging zur Schule, war verliebt – alles, was eben dazugehörte. Nur eins war anders: Ich gehörte nicht dorthin und das wusste ich; da war diese unergründbare dunkle Leere in mir, die mich zu zerstören drohte. Jeden einzelnen Tag lebte ich in dem Glauben, irgendein unergründbares psychischen Problem zu haben. Ich ging zur Psychotherapie bei mehreren Ärzten. Alle dachten etwas anderes, was mich noch mehr zum Verzweifeln brachte, als ich es wegen meines verkorksten Lebens sowieso schon tat. Häufig bekam ich die Diagnose verschiedener Depressionen und ähnlichem an den Kopf geworfen und es wurden dementsprechend diverse Therapien und auch Medikamente getestet, doch es half nichts. Damals wusste ich nur noch nicht, dass das, was da in meinem Kopf herumspukte, die reine Wahrheit war: Ich war kein gewöhnlicher Mensch, ich war anders und ich gehörte wirklich nicht dazu.
Ps.: na gut, das mit den Freunden war nicht so ganz wahr...
Tag 1
Montagmorgen. Ich schreckte wegen meines unerhört frühen Weckers auf. Beeilung war angesagt, denn vor der Schule stand noch eine halbe Stunde Meditation an. Das gehörte zu meinem momentanen Therapieplan. Die Klamotten für heute hatte ich mir glücklicherweise gestern Abend schon rausgelegt und die Tasche war auch schon gepackt, also zog ich mich schnell an und ging ins Bad, um meine morgendliche Routine zu erledigen. Dann klingelte es auch schon, meine meditationsleitende Therapeutin war da. Ich ließ sie herein und zusammen liefen wir ins Wohnzimmer. Ich holte zwei große Sitzkissen, die ich von meinen Ärzten empfohlen bekommen hatte, denn sie waren extra für Meditation angefertigt worden, hervor und setzte mich. Es war nicht perfekt, doch ich fühlte mich wohl hier und so hatte ich die Möglichkeit, alleine zu wohnen. Bei meinen Eltern wäre nicht genug Platz gewesen und es wäre laut meiner Therapeuten auch zu „unruhig" dort. In einer Klinik wollte ich nicht leben, dann hätte ich nämlich auch meine Schule verlassen müssen, da das Klinikum weit weg war. Meine Miete wurde größtenteils von meinen Eltern bezahlt, weswegen nur sehr wenige Kosten an mir hängen blieben. Diese Art zu wohnen erlaubten mir meine Eltern auch nur, weil meine Wohnung gerade mal zwei Häuserblocks von der ihren entfernt war. Ich wartete, bis sich meine Psychologin vor mich gesetzt hatte. Als sie das tat, schloss ich die Augen.
Beim Bäcker kaufte ich mir noch ein Croissant, das ich dann auf dem Weg aß. Ich lag noch halbwegs gut in der Zeit und konnte mir diesen Snack also erlauben. Der Bus kam ausnahmsweise mal pünktlich und so kam ich viertel vor acht in der Schule an. Ich ging zu meinem Schließfach und kramte meine Lernutensilien hervor. Als mir jemand seine Hand auf die Schulter legte, zuckte ich leicht zusammen. Lächelnd drehte ich mich um und gab Josh einen Gutenmorgenkuss. Seine hellblonden Haare waren unter meinen grabenden Fingern noch feucht vom Duschen, was mich kichern ließ. So früh noch und ich zerfloss schon in seinen Armen, meine Güte... Es klingelte, der Unterricht würde in fünf Minuten beginnen. Ich löste mich behutsam von ihm und ging zügig durch die Schulflure davon.
Der Schultag verlief reibungslos, was bei meinem Notenschnitt auch kein großes Wunder war. In den Pausen las oder lernte ich, statt mich mit den anderen Schülern zu unterhalten. Ich brauchte das nicht, sie würden mich sowieso nicht verstehen. Und was sollte ich auch groß von meinem Leben erzählen? Etwa, dass ich psychisch gestört war und daher den lieben langen Tag nur meinen Therapieplan abarbeitete? Naja, so ganz stimmte das ja nicht. Ich hatte schließlich noch Josh, mit dem ich Zeit verbrachte. Er war ein Jahr älter als ich und somit schon volljährig. Er erfüllte so ziemlich alle Klischees des klassischen „Bad-boys": Er war ziemlich muskulös und schon tätowiert, rauchte ab und zu, war eher grob zu den meisten Leuten, besaß tausende von Mädchenherzen, meins darunter, und sein halber Kleiderschrank schien aus schwarzen Lederjacken zu bestehen. Sowohl sämtliche Therapeuten als auch meine Familie hatten mir von ihm abgeraten, doch ich war in ihn verliebt. Mit Herz und Seele... Und mit dem ganzen Rest von mir. Er wirkte vielleicht grob und gemein, doch er konnte durchaus sanft und gefühlvoll sein. Ich wusste, dass das wie in jedem x-beliebigen schnulzigen Liebesroman klang, doch... Nun ja, vielleicht lebte ich eben in einem solchen Buch. Schließlich hatte ich nie das Vergnügen gehabt, mein ganz eigenes Leben zu leben, da ich ja keine Zeit dafür hatte. Also las ich in jeder freien Minute und das, was ich wirklich erlebte, war in meinen Gedanken wohl genauso, wie eine Buchromanze. Vielleicht irrte ich mich ja, und Josh war nicht das, was ich in ihm sah. Mein Schmetterlingsbauch sagte mir aber, dass ich sehr wohl richtig lag.
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Die letzte Woche und danach
ParanormalHi! Ich bin Eva und ich glaube, ich bin tot. Ich hatte ein ganz normales Leben. Ich hatte Freunde, ging zur Schule, war verliebt - alles, was eben dazugehörte. Nur eins war anders: Ich gehörte nicht dorthin und das wusste ich; da war diese unergründ...
