"...Meister." Ein unangenehm klingendes Raunen, das sich so anhörte, als würde man mit den Zähnen knirschen, ließ den Baron aufschrecken.
Mit Verblüffen musste er feststellen, dass er wohl auf seinem Schreibtisch eingenickt sein musste. Seine Unterlagen lagen unordentlich um ihn herum verteilt, was darauf schließen ließ, dass er sie im Schlaf zur Seite geschoben haben musste. Etwas irritiert rieb er sich über das Gesicht; er war eindeutig überarbeitet.
Die Stimme ertönte erneut. ,,Meister? Seid Ihr anwesend? Es ist jemand hier, der Euch sprechen möchte."
Die Stimme gehörte Cile, seiner Botschafterin. Sie war eine Wiedergängerin, und eine Eigenschaft von ihrer Rasse war ihre geistähnliche Erscheinungsform. Wiedergänger lebten sozusagen zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten, verdammt dazu, umherzuwandern, bis sie ihren Konflikt, der sie noch im Tod beschäftigte, gelöst hatten. Jedoch genau weil sie in dieser Zwischenwelt verweilten waren sie nicht physisch greifbar und konnten physische Gegenstände nicht berühren. Das hieß, dass Cile eigentlich das Portal zu seinen Gemächern durchschreiten könnte, ohne es zu öffnen, und er würde es auch erlauben würde; doch aus Respekt wartete sie noch immer auf seine Einverständnis. Und sie begleitete jemanden, der ihn sprechen wollte.
Schnell fuhr sich der Baron durch die Haare, um sie zumindest annähernd zu glätten und strich seine Kleider glatt. Dann räusperte er sich und sprach, in der Hoffnung seine Stimme würde nicht verraten, dass er bis gerade eben geschlafen hatte: ,,Natürlich, Cile. Bitte, bring meinen Besucher herein."
Wie jedes Mal knarrte die riesige Tür leise, als sie geöffnet wurde und ein hagerer Mann mit scharfen Gesichtszügen trat ein. Seine Haut hatte einen leicht gräulichen Farbton, seine Augen sahen aus, als wären sie aus schwarzer Tinte gemacht. Ein Schauer überlief den Baron. Die Augen des Nachtalben erweckten in ihm ein starkes Gefühl von Beklemmung. Der Nachtalb musterte ihn aufmerksam, das Gesicht starr wie Stein. Der Baron räusperte sich.
"Mit Verlaub, aber mit wem habe ich das Vergnügen?" Er selbst bemerkte das Zittern in seiner Stimme, er war im Umgang mit ihm unbekannten Schattenwesen immer äußerst nervös. Angestrengt versuchte er, sich selbst zu beruhigen und verschränkte seine Hände vor sich auf dem Ebenholztisch. Er war der Baron, und er kannte keine Furcht. Der Alb neigte kurz den Kopf. "Entschuldigt meine Unhöflichkeit, doch mein Name sollte nicht erwähnt werden." Er hielt kurz inne. "Vivika. Sie hat Euch zu ihr berufen, nicht wahr?"
Erstaunt richtete sich der Baron in seinem Sessel auf. Er hatte niemandem von seiner Begegnung mit der Seherin erzählt. Woher wusste ein Nachtalb, dem er noch nie zuvor begegnet war also davon? Obwohl, wenn er genauer darüber nachdachte hatte jemand davon gewusst. Cile hatte es gewusst. Und ein anderer Wiedergänger, den Vivika ihm geschickt hatte. Wahrscheinlich hatte der Junge geplaudert. Er seufzte. "Ja, das ist wohl wahr. Dennoch, worin genau liegt Euer Interesse? Was habt Ihr mit Vivika zu tun?" Sein Besucher reagierte nicht auf seine letzte Frage.
"Worin mein Interesse liegt? Nun, ich wüsste gerne, ob Ihr an einem Pakt interessiert wärt." Misstrauen überfiel den Baron wie eine kalte Welle. Seine Augen verengten sich. "Ein Pakt? Was genau habt Ihr im Sinn?" Der Nachtalb grinste kalt, wobei eine Reihe schaurig scharfer Zähne zum Vorschein kam.
"Also habe ich Eure Neugier geweckt? Nun, dies ist mein Plan..."
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Onyxherz (Überarbeitung!)
FantasyÜber ein Mädchen, das alles verlor Und einen Jungen der alles aufgab. Was passiert, wenn sich zwei entscheiden, dem alten Groll zu widersprechen? Der 17-Jährige Jay lebt mit seiner Mutter im New Yorker Stadtteil Manhattan. Er geht auf die Highschool...
