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Der Mond schien durch die Palmen hindurch und ich konnte sehen wie sich die Blätter im Wind hin und her wiegten. Etwas unsicher schaute ich mich um und der kalte Windhauch lies mich frösteln. Ich zog das dünne Seidentuch, dass auf meinen Schultern lag enger um meinen Körper in der Hoffnung es würde mich zumindest ein bisschen vor der Kälte schützen.

Sein Blick, der schon die ganze Zeit auf mir lag intensivierte sich und er bemerkte meine hilflose Geste. Schnell zog er seinen Mantel aus und legte ihn um mich. Ich reagierte sofort auf die plötzliche Nähe die zwischen uns entstand als er einen Schritt auf mich zukam. Er blieb direkt vor mir stehen und nahm meine Hand, legte sie sanft auf seine Brust und hob mit der anderen mein Kinn an, sodass ich ihm in seine hellblauen Augen schauen musste. " Wir können die Tatsache nicht mehr ändern, dass weiß ich. Aber dennoch werde ich, solange das der einzige Grund ist, nicht damit aufhören", sagte er mit bestimmter Stimme und wartete auf meine Reaktion. Ich sah verlegen zu Boden und spürte wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Meine Hand lag immer noch auf seiner Brust und ich spürte seinen Herzschlag. So oft hatte ich schon an seiner Seite gelegen und bin mit dem regelmäßigen Schlagen seines Herzens eingeschlafen. "Lass uns nach Hause gehen, es ist schon sehr spät und wir sollten morgen nicht zu spät kommen", sagte er mit beruhigender Stimme und zog mich ohne zu zögern in seine Arme. Er küsste mein Haar und strich mir liebevoll über den Rücken. Eine Träne ran nun doch über meine Wange und ich setzte dazu an ihm zu Widersprechen," Wir können nicht einfach so tun als ob morgen ein ganz normaler Tag wäre. Sie werden morgen heiraten und wir müssen den ganzen Tag daneben stehen und so tun als würde es zwischen uns nichts geben. Ich kann das nicht, aber wir müssen... Und deswegen werde ich heute Nacht nicht mit dir gehen. Es wäre respektlos und ich könnte Ihr nicht mehr in die Augen schauen." Er lockerte die Umarmung um zu mir hinunter zu schauen. Eine Haarsträhne viel ihm ins Gesicht als er seine Stirn gegen meine legte und die Augen schloss. Er atmete tief durch und niemand von uns sagte mehr etwas, es schien als hätte er wirklich keine Worte mehr dafür meine Meinung ändern zu wollen obwohl es genau das war was ich brauchte.

Vor etwas mehr als einem Jahr war ich mit meiner Mutter nach Los Angeles gekommen. Von unserer kleinen Familie war nicht mehr viel übrig weshalb ich mich damals dazu entschlossen hatte sie zu begleiten. Meine Mutter war nicht ohne Grund hierher gezogen. Sie hatte seit einige Jahren einen Bekannten der immer wieder die Vernissagen ihrer Kunstgalerie besuchte. Eric, ein zuvorkommender gutaussehender Mann der sich in meine Mutter verliebte und sie sich in ihn. Ich freute mich sehr für sie denn, die Beiden waren wirklich glücklich miteinander. Deswegen entschlossen sie sich dazu gemeinsam in Erics Villa zu ziehen und meine Mutter ließ mir die Entscheidung in New York zu bleiben oder mit ihr nach Los Angele zu kommen. Auch wenn ich Eric bis dahin mehrfach getroffen hatte und ihn kennen gelernt hatte, wusste ich das auch er zwei Söhne hat, die ich vor unserem Umzug jedoch nie kennen gelernt hatte.

Und jetzt, ein Jahr später stehe ich hier eine Nacht vor der Hochzeit meiner Mom mit Henry. Mein Herz zieht sich bei dem intensiven Gedanken an ihn wieder zusammen. Ja, ich hatte mich in den jüngsten Sohn meines zukünftigen Stiefvaters verliebt. Und diese zarten Gefühle stießen schon bald auf Erwiderung auch wenn ich so lange versucht hatte sie zu unterdrücken. Doch nun musste auch ich die Erfahrung machen, dass man sich nicht aussuchen konnte, in wen man sich verliebte.

"Ich will das du mit mir kommst, und wenn es das letzte Mal ist. Du kannst jetzt nicht einfach gehen als hätte es zwischen uns nie was gegeben. Oder ist dir das alles egal ?", holte seine Stimme mich aus meinen Gedanken zurück und er sah mich mit einem wehmütigen Blick an. Ohne darüber nachdenken zu müssen schüttelte ich den Kopf und ohne das ich ein weiteres Wort sagen konnte legte er seine weichen Lippen auf meine. Es war ein kurzer Kuss, der dennoch so vielsagend war, dass mein ganzer Körper zu kribbeln begann.

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⏰ Última actualización: Apr 16, 2021 ⏰

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