Voller Vorfreude grinste ich meine Frau an.
Auf meinem Arm brabbelt meine kleine Tochter fröhlich vor sich hin und spielte mit ihrem Teddy während wir nacheinander ins Flugzeug einstiegen.
Endlich konnten wir unsere Flitterwochen nach holen.
Viele lassen ihre Kinder, sofern sie schon welche haben Zuhause, aber wir konnten uns nichts schöneres vorstellen, als mit unserem grössten Glück die Welt zu erkunden.
Unser Engel war nicht geplant und doch war es das Grösste was uns passieren konnte, denn meine Frau bekam kurz darauf die Diagnose von Krebs.
Durch die ganzen Chemotherapien kurz nach der Geburt und auch nach der Hochzeit führten dazu, das sie keine Kinder mehr bekommen konnte.
So waren wir nur umso glücklicher, dass wir unser grösstes Glück mit in die Flitterwochen nehmen konnten.
Nach den Tiefschlägen der letzten Jahren, hatten unsere Familien entschieden, das wir während den Ferien nur das beste vom besten bekommen sollten, weswegen wir nun in der 1.Klasse platz nahmen und eine Stewardess und mit einem Champagner in Empfang nahm.
Behutsam legte ich Elaina in das bereitgestellte Bettchen, um das Handgepäck verstauen zu können.
Kurz darauf war sie auch schon eingeschlafen.
Einen kurzen Blick zu meiner grossen Liebe bestätigte mir, dass nicht nur unsere kleine Tochter müde war.
Etwa eine halbe Stunde später um 20:00 rollte unser Flugzeug in Richtung Startbahn.
Sobald sie die Starterlaubnis bekamen, beschleunigte es, bis es schliesslich abhob.
Doch von alle dem bekamen die wichtigsten zwei Frauen in meinem Leben nichts mit, denn sie schliefen schon beide tief und fest.
Fasziniert beobachtete ich, wie die Welt unter mir immer kleiner wurde.
Schliesslich wurden auch meine Augenlieder schwer, so dass ich meinen Sitz in eine bequeme Position stellte und mich dann zum schlafen hin legte.
Ich warf noch einen letzten Blick auf meine friedlich schlafenden Frauen, bevor auch ich die Augen schloss und einschlief.
Auf einmal wurde ich von einem rumpeln geweckt.
Angst kroch meinen Nacken hoch und ich stand auf, um zu schauen, was der Grund dafür war. Gerade als ich auf den Gang hinaus treten wollte, wurde ich von einer Stewardess aufgehalten: "Es ist alles gut Sir, gehen sie wieder schlafen. Es war nur eine leichte Turbulenz"
Etwas beruhigt legte ich mich wieder schlafen.
Nicht wissend, dass sich das als grosser Irrtum entpuppen würde.
Ich hatte mich gerade bequem gebettet und meine Augen geschlossen, als ein lauter Knall ertönte.
Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass die eine Turbine lichterloh brannte und in begriff war, die zweite auch zu entzünden.
Ich stand so unter schock, dass ich überhaupt nicht bemerkte, wie unsere Tochter angefangen hat zu weinen.
Erst als meine Frau wie wild an meinem Arm rüttelte wachte ich langsam aus meiner schockstarre auf.
Kurz darauf kündigte auch schon ein knacken eine Mitteilung des Flugpersonals an.
"Meine Damen und Herren, wir bitten sie Ruhe zu bewahre. Wir haben ein technisches Problem und müssen auf einem nahen Flughafen zwischen landen. Bitte bewahren sie Ruhe, schnallen sich an und ziehen die Maske an, welche von der Decke hängt. Das Personal zeigt im Vorderen Bereich des Flugzeuges, wie man es richtig macht. Wir tun alles was nötig ist, so dass sie sicher an ihrem Ziel ankommen werden."
Kaum kamen die Masken von der Decke hinunter hörte man die ersten Schreie von hysterischen Frauen, die erst jetzt aus ihrem Schlaf erwacht waren.
Kurz darauf herrschte ein riesen Chaos und die Flugangestellten hatten alle Hände voll zu tun, um die Leute zu beruhigen.
Ich umklammerte jedoch nur Elaina und meine Frau, betend, dass dies gut ausgehen wird.
Das Flugzeug sank in rasantem Tempo.
Mittlerweile flog es schon fast im 45° Winkel auf den Boden zu.
Ich wagte erneut einen Blick aus dem Fenster und erblickte voller Panik, dass nun auch die zweite Turbine Feuer gefangen hatte.
Doch dies war nicht alles, was mich vor Angst zittern lies.
Wir steuerten direkt auf eine Bergkette zu.
Dahinter konnte ich den Flughafen erkennen, doch mit dem Tempo in welchem wir den Boden entgegen rasten, konnten wir unmöglich über die Bergspitzen drüber fliegen.
Elaina schrie wie am Spiess, was nicht zuletzt daran lag, dass ich sie wie besessen an mich drückte.
Mir liefen die Tränen pausenlos über die Wangen und auch meiner Frau ging es nicht anders.
Das Schicksal hatte es wohl nicht gut mit uns gemeint, dass es uns nach den Tiefschlägen vom Krebs nun auch noch das schickte.
Und dann passierte es auch schon.
Es geschah so schnell, dass ich nichts mehr mit bekam.
Das Flugzeug schlug mit der Spitze voran in die Felswand des Berges.
Es ertöne ein höllischer Krach und irgendwo explodierte etwas.
Verzweifelt klammerte ich mich an den Sitz während rund um mich herum Teile flogen.
Ich sah, wie meine Frau von einem spitzen Teil durchbohrt wurde und hatte nicht mal die Zeit meinen Mund zu öffnen, um den Schmerzensschrei hinaus zu lassen, als es auch schon schwarz wurde.
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Ein Neuanfang
Short StoryEin Neuanfang, ist etwas was sich viele Wünschen. Ein Neuanfang ist dass, was viele im Nachhinein verfluchen. Ein Neuanfang ist gewollt und wird bewusst wahrgenommen. Doch für mich bedeutet ein Neuanfang genau das, was das Wort aussagt. Nochmal gan...
