Ich springe über die, aus den Boden raus gewachsene, Wurzel und renne über den Waldboden. Das alte Miststück hängt immer noch an mir dran, ich kann sie aber erst erledigen, wenn ich dafür genug Freiraum habe und sie weit genug von mir entfernt ist, um nicht gleich in meinen Kampfraum einzudringen, ich hasse die Ragana. Sie gehören mit zu den gefährlichsten Wesen, aber von denen gibt es sowieso nicht wenige Arten, wobei die Zahl, von Angriffen solcher Wesen, in den letzten Jahren um einiges sank. Ich ducke mich schnell unter einen niedrig hängenden Ast durch und laufe weiter, die dumpfen Schritte hinter mir sind leiser geworden, sie ist weit genug hinter mir. Ich drehe mich schnell um und ziehe mein Schwert. Die Ragana rast blind vor Wut auf mich zu. Ich lasse die lange Klinge durch die Luft schneiden um Schwung zu holen um sie im nächsten Moment auf die kannibalische Hexe treffen zu lassen. Ein greller Schrei der Hexe zeigt mir, dass ich mein Ziel nicht verfehlt habe, schnell drehe ich mich wieder zu ihr. Der Ragana fehlt ein Arm, was sie nicht hässlicher macht, als vorher. Sie schreit mir ins Gesicht, wobei sie ihre spitzen Zähne und das schwarz-graue Zahnfleisch und die gleichfarbige, spitze Zunge entblößt. Mir entfährt ein „Iiihhhwww". Dann rennt sie auch wieder auf mich zu, ich hole wieder Schwung, um sie zu täuschen, ducke mich schnell unter sie durch und enthaupte die verwirrte Schlampe von Hinten. Erleichtert atme ich aus. Ich packe den Kopf in meine Tasche und mache mich auf den Weg ins anliegende Dorf, dessen Bewohner schon eine ganze Weile von der Ragana belästigt wurden. Es soll schon einige Tote dank ihr gegeben haben. Für den Kopf des Misststückes bekomme ich vom Bürgermeister eine gute Auszahlung, ich verdiene mein Geld allgemein mit so etwas, ich bin eine Drachenkriegerin, wir wurden dafür Ausgebildet; die Welt vor Monstern zu schützen. Eigentlich sind wir nichts anderes, wir sind Krieger, die ihre Seele mit der eines Drachen teilen, sie sind unsere Seelentiere, doch wird unsere Drachenseite erst durch die Ausbildung zu einem Krieger wach gerufen, wir unterscheiden uns ohne die Ausbildung so gut wie gar nicht von den Menschen. Wir verwandeln uns nicht in diese riesige, Feuer speiende Echse, wie Formwandler es können, unser Seelentier entsteht durch einen schmerzvollen Vorgang, den nur Wenige zum Abschluss der Ausbildung überleben. Ich komme am Dorf an. Ängstlich werde ich gemustert. Die sollen sich nicht so haben, ich habe gerade die Ragana getötet... Als ich am Haus des Bürgermeisters an komme, kommt er mir freudig mit ausgestreckten Armen entgegen.
„Iseldis! Ihr habt es geschafft! Also, dass nehme ich doch an, oder etwa nicht? Denn sonst werdet ihr nicht bezahlt." – Er blickt auf meine Verletzungen, die ich mir während des Kampfes zugezogen habe. Auch wenn ich nicht Iseldis heiße, sage ich nichts zu diesen vom Volk verliehenen Namen, ich habe die Leute schon oft verbessert, aber dieser Kose- beziehungsweise Spitzname setzt sich mehr durch, als mein richtiger Name; Ivory Kerdwa. Iseldis ist der Name einer einsamen Kriegerin, die für Liebe, Leben und Gerechtigkeit bis zu ihrem Tod kämpft. Und da es mit mir nur zwei weibliche Drachenkriegerinnen gibt, da die Ausbildung wie schon gesagt so schwer ist, gab mir das Volk den Namen einer Märchenfigur.
„Ich habe die Ragana besiegt." –Ich öffne meine Tasche und hole den Kopf raus, als der Bürgermeister sich die Hand vor den Mund schlägt und bei dem Anblick einen würge Reiz zurückzuhalten versucht. Weichei...
„Schon in Ordnung, bitte, packt es wieder weg."-„Soll ich den Kopf jetzt mit mir rumschleppen? Glaubt mir, ich brauche den Platz noch für andere Dinge, als für Köpfe. Wo soll das Ding hin? Ihr wolltet es doch als Beweis, wenn ich mich nicht irre?"-„Nun, ja. Gibt es einfach den Sherif, er wird sich um die Entsorgung kümmern."- Ein Mann mit blondem Haar und braunen Ledersachen tritt vor. „Darf ich Ihnen die Tasche ab nehmen?" Ich gebe sie ihm, mit der Bitte die Tasche wieder zurück zu bekommen, auch wenn sie von Ragana Blut nur trieft, aber es ist mir egal, schon oft musste ich irgendwelche Körperteile als Beweis, dass ich sie getötet habe, zum Auftraggeber bringen. Meine Tasche hat schon einige ekelhafte Dinge transportiert. „Nun denn, kommen Sie doch rein Werteste, ich gebe Ihnen gerne Ihre Bezahlung. Haben Sie denn schon einen Rastplatz, wo Sie die Nacht verbringen können?" Er legt mir eine Hand auf die Schulter, widerlich. „Ja, ich werde in der Taverne nächtigen, aber danke der Nachfrage." Wenn er mir schon meine Bezahlung gegeben hätte, wäre ich in diesen Moment vor einem weiteren Monster geflüchtet. „Nun, Sie können auch bei mir bleiben, ich habe es deutlich gemütliche, als in der Taverne, hmm?" – Ich würde ihm am liebsten eine ins Gesicht schlagen, vor allen, da seine Hand immer noch meinen Körper berührt und langsam Richtung Süden wandert. „Oh nein, ich will keine Umstände bereiten und außerdem finde ich es wenn ich alleine bin angenehmer, ich werde in die Taverne gehen, aber ich danke Ihnen für Ihr Angebot, dürfte ich jetzt mein Geld bekommen?" Er spannt seine Kiefermuskeln an, gibt mir dann aber den Lederbeutel mit den Goldmünzen. „Ich danke Ihnen, einen schönen Tag." Und damit verlasse ich schnell das Gebäude. Ich hasse solche Kerle, die einen so bedrängen, es sind auch meistens die gleichen, die in ihrer Freizeit in Bordellen sind. Mit schnellen Schritten gehe ich in Richtung der Taverne, die nur ein paar Meter entfernt steht. Ich ziehe mir meine dunkelgrüne Kapuze über meine wolfsgrauen, -fast weißen Haare. Ein Merkmal von mir, was sich das Volk schnell merkt. Vor allem meine strahlend lilanen Augen, die nicht natürlich sind. Vor meiner Verwandlung durch die Ausbildung hatte ich normale braune Haare und grüne Augen, doch nach der Seelenspaltung... Ich atme tief durch, denn wenn ich jetzt an meine Ausbildung denke, muss ich auch an meinen Bruder denken und das kann ich momentan nicht, nicht in der Öffentlichkeit. Eigentlich bin ich auf der Durchreise nach Langassor, der Hauptstadt und Sitz des Königs von Isdurfin. Dies ist nur eines der vier Königreiche auf dieser Insel. Vor 200 Jahren lebte ich noch auf dem Festland, Darabdyn, bis ich dann zur Ausbildung mit meinem Bruder auf die Insel geschickt wurde und die vier Königreiche kennen lernte, auf Omagturus. Morgen reise ich dann weiter Richtung Norden der König rief nach mir, nachdem er erfuhr, dass ich vor ein paar Tagen seinen Bruder rettete, der von einem wütenden Divs angefallen wurde. Das war eigentlich echt lustig, denn ich weiß als Einzige, dass dieser nur wütend war, da der Prinz ausversehen den Divs trat, als die Hoheit über den schlafenden Dämon stolperte, nun wollte der König mir persönlich danken, dass ich seinen Bruder vor dieser gemeingefährlichen Bestie rettete. Divs können zwar wirklich gefährlich werden, aber wenn man mit ihnen respektvoll und vernünftig umgeht beruhigen sie sich auch wieder schnell und dieser Divs wollte eine Entschuldigung, die der Prinz dem laut ihm „stinkenden, ekelhaften Geschöpf" nicht geben wollte. Eingebildeter Schmarotzer. Ich konnte mit den Div glücklicher Weise verhandeln, so dass dieser sich beruhigte und der Prinz ohne einen Fluch davon kam. Und auf dem Weg nach Langassor traf ich dann auf die verängstigten Bewohner dieses netten kleinen Dorfes und ihren ekelhaften Bürgermeister und lernte die Ragana kennen, die gerne andere Leute auf fraß, nett, nicht wahr? Ich betrete die Taverne und werde gleich von allen beäugt.
„Kann ich Ihnen helfen?" Spricht mich der Wirt sofort an. „Ich brauche ein Zimmer für eine Nacht und ein Krug Met wäre nicht schlecht. Er lacht auf. „Normaler Weise bediene ich keine Weiber, sondern die Weiber bedienen die Gäste." Die anderen Gäste steigen ins Gelächter des Wirten mit ein. Ich wurde schon oft so ausgelacht, es ist nichts Neues.
„Nun, ich halte es für selbstverständlich, wenn Ihr Euch nun umgehend bei mir entschuldigt Wirt, ich meine man hat ja nicht oft eine Kriegerin vor sich, die noch dazu Euer Dorf vor der Ragana rettete." Das Gelächter verstummt sofort. „Sprechen Sie auch wirklich die Wahrheit?" Fragt einer der weiter hinten sitzenden Männer. Ich ziehe mein Schwert, welches unter meinem langen grünen Mantel versteckt ist raus und packe es auf den Wirtstresen. Es ist noch ganz verschmutzt und blutig. Der Wirt reißt seine Augen auf schluckt ängstlich. Er nickt nur und füllt den Krug. „Es geht aufs Haus. Setzten Sie sich doch. Wollen Sie noch etwas, außer dem Met und ein Zimmer?"-„Nein danke." Das man den „starken" Männern immer Angst machen muss, damit sie spurten... Nach eins/zwei Minuten der Stille fangen dann auch die anderen wieder an sich zu unterhalten. Ich habe in der Zeit mein Schwert wieder weg gepackt. Vielleicht sollt ich es nachher reinigen, genau wie mich selber auch. Ich teile also dem Wirten mit, dass er eine Wanne und Wasser vorbereiten soll, was er dann auch gleich erledigt. Als ich dann mein Getränk ausgetrunken habe, mache ich mich auf den Weg nach oben. Der Wirt hat mir noch angeboten zwei Bedienstete zu mir zu schicken, um mich zu waschen, doch will ich meine Ruhe haben, also habe ich dankend abgelehnt. Ich schaffe es auch mich alleine zu entkleiden und zu waschen. Als ich in das Bad komme, steht die Wanne mit dem heißen Wasser, wie der Wirt es mir versprach, vor mir. Ich schließe die Tür hinter mir ab und lege als erstes meinen langen grünen Umhang ab, dessen Kapuze ich bis dahin immer noch tief im Gesicht trug. Dann löste ich meinen Lederwams und die Gurte, die mein Schwert, Bogen und Dolche tragen, danach den Köcher. Danach kamen noch fünf weitere kleine Waffen von meinen Oberschenkeln bis zu meinen Stiefeln, in denen ich mal geheime Taschen eingenäht hatte. Ich löste meinen Zopf, sodass meine weiß-grauen Haare über meine Schultern vielen und meine Brüste bedecken.
Nachdem ich dann meine restlichen Sachen, meine Hose und mein moosgrünes Oberteil, auch ausgezogen hatte, bin ich in die Wanne gestiegen. Ich frage mich wo momentan mein Seelendrache ist. Ich habe ihn das letzte Mal in Orgory gesehen, ich hatte ihn ja auch gerufen, als dessen Hauptstadt Vian von einem Schwarzdrachen angegriffen wurde. Nicht jeder Drache ist ein Seelenverwandter, wie meiner. Mein Drache schlüpfte aus keinem Ei wie andere, meiner entstand aus einem Teil meiner Seele. Meine Seele...am Ende der Ausbildung wurde bei einem Ritual bei jedem Kriegeranwärter die Seele zerrissen, was die meisten von den Anwärtern tötete. Ich habe nicht gesehen, dass mein Bruder aus der Rituals- Halle raus kam. Ich hatte ihn nie wieder gesehen. Nach diesem Ritual hatten sich dann auch meine Haare und Augen verändert, sie nahmen die gleichen Farben an, wie auch die Farben meines Drachen sind, hellgraue Schuppen mit lilanen Augen.
Die Ausbildung zum Krieger dauert zwanzig Jahre, wenig im Vergleich dazu, dass ein ausgebildeter Krieger an die 1200 Jahre alt werden kann, wenn er nicht vorher von etwas getötet wird. Man wird zu einem perfekten Kämpfer, Heiler und Alchemisten ausgebildet. Wir können zwar selber nicht zaubern oder hexen, aber wir müssen auf alles vorbereitet sein und es mit allem aufnehmen können, was es in unserer Welt gibt.
Mittlerweile ist das Wasser kalt geworden und auch mir wird langsam kalt. Ich steige aus dem Wasser und gehe zum Schrank, wo die Handtücher drinnen liegen. Das Wasser, was sich noch in meinen Haaren sammelte oder an meinen Körper haften blieb, sucht sich nun seinen Weg an meiner Haut entlang, in Form von kleinen, sich schlängelnden Fäden, um sich dann auf den Boden in Pfützen zu sammeln und von meinen Füßen mit jedem Schritt zu trennen.
Das Bad tat mir wirklich echt gut. Ich liege nun entspannt auf der Heu- Matte und überlege wohin ich gehe, wenn ich fertig bin mit der jetzigen Reise. Was wird wohl mein nächstes Ziel sein? Vielleicht kommt mir auch noch was dazwischen. Man weiß nie, was die Zukunft einem bringt, sie ist das größte Abenteuer, was vor einem liegt.
Hier endet das erste Kapitel, ich hoffe, euch hat es bis jetzt gefallen. Wir (ich und meine Freundin, mit der ich es schreibe) würden gerne ein Feedback bekommen. 😁
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Drachenkrieger- Das Flüstern der Schlange
Fantasy„- Der Schatten schützt euch vor dem Licht, achtet darauf was mit euch spricht, tötet Monster in der Nacht, dies ist die Lehre, die euch im Blute vermacht." -erste Lehre der Drachenkrieger aus dem Buch Dradoves des Ersten, Kapitel 1, Absatz 6 Wenn...
