Die Ungebrochenen - In einer...

Bởi Gwendoshan

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Das Leben im Gefängnis hat sich für Daryl und seine Gruppe gerade etwas entspannt. Der Govenor ist verschwund... Xem Thêm

Auf der Jagd
Das Gefängnis
Die erste Tour
Die Krankheit
Geheimnisse
Der Govenor
In den Wäldern
Alkohol
Das Bestattungsinstitut
Verschwunden
Joes Leute
Terminus
Die Kirche
Ein schwarzer Wagen
Auf der Suche
Das Krankenhaus
Aufarbeitung
Alexandria
Die Bitte
Auf Rekrutierungstour
Die Herde im Steinbruch
Der verkohlte Wald
Zurück nach Hause
Das Gesetz der Serie
Hilltop
Der Stützpunkt der Saviors
Gleise
Der Wunsch nach Rache
Allein
Eingesperrt
Die erste Spende
Erkenntnisse
Ungebrochen
Auflehnung
Zurück nach Alexandria
Neue Waffen
Der Kampf beginnt
Abweichung
Flucht nach Hilltop
Veränderungen
Endspiel
Die neue Welt
Das Smithsonian
Anschuldigungen
Die Vermissten
Verlust
Ein neues Leben
Die Regeln werden gebrochen
Zurück zur Zivilisation
Flüstern
Das Mädchen
Was wir tun müssen
Die Suche
Das Fest
Die Macht des Feindes
Wintereinbruch
Totgeglaubte
Familienleben
Schlafende Hunde
Aussetzige
Epidemie
Verräter
Die Horde
Verpasste Chancen
Alphas Angriff
Fesseln und aufgeschlitzte Kehlen
Die neue Führung
Maggies Rückkehr
Geister der Vergangenheit
Ein Akt der Verzweiflung
Unter der Erde
Die Reaper
Pope
Déjà Vu
Kampf um Meridian
Die Odyssee
Wieder vereint
Ein unerwartetes Angebot
Das Commonwealth
Ein Ort wie früher
Überraschungen
Zwischen zwei Welten
Der faule Apfel
Aus dem Ruder
Auge um Auge
Rettungsmission
Schwerwiegende Entscheidungen
Die üblichen Verdächtigen
Acht
Unliebsame Bündnisse
Zermürbung
Hinterhalt
Die letzte Chance
Ein Schatten
Rückkehr
Am Abgrund
Der richtige Weg
Zwischen Gestern und Morgen
Ein Neuanfang
Neue Wege
Was verloren schien
In einer anderen Welt
Ein zweites Paar Flügel

Negan

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Bởi Gwendoshan

„Na bitte, da haben wir die ganze Besatzung", rief der Savior dann mit zufriedener Stimme, „jetzt lernt den Boss kennen."

Daraufhin klopfte er gegen die Karosserie des Wohnwagens, der zweifellos aus Alexandria stammte. Rick und die anderen mussten damit gefahren sein, als die Saviors sie geschnappt hatten. Die Tür wurde geöffnet und ein Mann stieg aus. Er hatte kurzes, schwarzes, nach hinten gekämmtes Haar, einen grau melierten und sauber gestutzten Vollbart und trug eine schwarze Lederjacke, sowie einen schwarzen, ledernen Handschuh an seiner rechten Hand. In derselben Hand hielt er einen Baseballschläger, dessen Schlagfläche er mit Stacheldraht umwickelt hatte und die auf seiner Schulter ruhte. Als Samantha ihn sah, Negan, wusste sie, dass die Begegnung mit ihm das Ende ihres Lebens war, so wie sie es kannte. Er lächelte breit und war guter Laune. Die junge Frau spürte die Gefahr, die von ihm ausging. Ein weiterer Schauer lief ihr über den Rücken und sie erzitterte, schaute wieder zu Boden.

„Schon in die Hosen gepisst?", fragte er dann und kam auf sie zu, „oh Mann, hab ich ein Gefühl, dass wir nahe dran sind. Ja, schon bald fließt die Pipi nur so in eure Höschen."

Negan ging an ihnen allen vorbei, schaute sich jeden von ihnen an. Als er bei Samantha war, schaute sie auf ihren Schatten hinab, konzentrierte sich auf den flatternden Pulsschlag an ihrem Hals, den sie sogar bei ihrem Schatten sehen konnte.

„Welcher von euch Arschlöchern ist der Anführer?"

„Der da", sagte einer der Saviors und zeigte auf Rick, „dieser Typ."

Negan ging auf ihn zu und seufzte tief, musterte Rick für eine Weile, bevor er etwas sagte.

„Hi. Du bist Rick, oder? Ich bin Negan. Und ich bin nicht erfreut, dass ihr meine Männer umbringt. Außerdem, als ich meine Leute geschickt hab, damit sie eure töten, weil sie meine getötet haben, da habt ihr noch mehr von uns getötet. Nicht cool. Nicht cool. Du hast keinerlei Ahnung, wie uncool der Scheiß ist", erklärte Negan in einem makaber lässigen Slang, „aber ich glaube, du wirst bald merken, wo's lang geht. Ja, du wirst es in ein paar Minuten bedauern, mich herausgefordert zu haben. Ja, das wirst du. Weißt du, Rick, was immer man tut, ganz egal was, man legt sich nicht mit der neuen Weltordnung an. Die neue Weltordnung ist die, und das ist wirklich ziemlich einfach. Also selbst wenn du dumm bist, was du sehr gut sein könntest, kannst du das verstehen. Bist du bereit? Jetzt kommt's und pass gut auf."

Da nahm Negan seinen Baseballschläger von der Schulter und zeigte damit auf Ricks Schulter. Rick wich daraufhin leicht zurück, und ein breites Grinsen breitete sich auf Negans Gesicht aus.

„Gib mir deinen Scheiß, oder ich leg dich um", sagte Negan und sein Lächeln verbreiterte sich noch zusätzlich, „heute ist Kennenlerntag. Wir haben viel investiert, damit ihr erfahrt, wer ich bin, und was ich tun kann. Ihr arbeitet jetzt für mich. Habt ihr irgendwas, dann gebt ihr es mir. Das ist eure Aufgabe. Also ich weiß, das ist eine ziemlich dicke, hässliche Pille, die ihr schlucken sollt. Aber runterschlucken werdet ihr sie auf jeden Fall.

Du hast das Kommando, hast etwas aufgebaut, du hast gedacht, ihr wärt in Sicherheit. Ich verstehe das. Aber man erzählt sich, dass ihr nicht in Sicherheit seid, noch nicht mal annähernd. Ich hab dich im Visier und noch mehr, wenn du nicht tust, was ich will und was ich will, ist euer Zeug. Und wenn das zu viel ist, könnt ihr mehr herstellen, finden oder stehlen und irgendwann wird sich das einpendeln. Das ist ab jetzt euer Leben. Und je mehr ihr euch wehrt, desto härter wird es werden. Also wenn jemand von uns an eure Tür klopft, dann lasst ihr uns rein. Diese Tür gehört uns, wollt ihr uns daran hindern, dann treten wir sie einfach ein. Hast du verstanden?"

Negan sah Rick erwartungsvoll an. Als dieser ihm nicht sofort antwortete, legte er seine Hand ans Ohr, um ihn besser hören zu können und kam ihm noch einen Schritt näher, beugte sich leicht zu Rick hinunter.

„Was? Keine Antwort?", fragte Negan dann gespielt schockiert und kratzte sich am Kinn, bevor er wieder auf und ab ging, „ihr denkt doch wohl nicht wirklich, ihr kommt hier ohne Bestrafung wieder raus, oder? Ich will euch nicht umbringen, sondern nur von Anfang an eins klarstellen: ihr werdet für mich arbeiten und das könnt ihr nicht, wenn ihr tot seid, hab ich Recht? Ich bin eigentlich nicht nachtragend, aber ihr habt meine Leute umgebracht, eine ganze Menge von ihnen, mehr als mir Recht sein könnte. Und dafür... dafür müsst ihr bezahlen."

Negan sah sich um, sah jeden von ihnen genau an.

„Und deshalb, werd ich jetzt einen von euch total besinnungslos prügeln", sagte Negan mit bedrohlich ruhiger Stimme.

Er machte eine bedeutungsvolle Pause und schwang dann seinen Baseballschläger herum, sodass alle verängstigt darauf starrten. Samantha sah, wie der Puls an ihrem Hals hektischer flatterte.

„Das ist Lucille und sie ist der Wahnsinn", flüsterte Negan breit lächelnd, „all das hier ist nur, damit wir auswählen können, welchem von euch die Ehre gebührt."

Nun kam der Anführer der Saviors zu Samantha und Abraham. Abraham richtete sich auf, sah Negan mit festem Blick an. Dieser rieb sich daraufhin den Bart.

„Den Scheiß rasier ich dir ab", sagte er dann kühl, ging dann weiter zu Carl und ging vor ihm in die Hocke, „du hattest eine unserer Waffen. Wow, ja, ihr hattet viele unserer Waffen. Shit, Kleiner, lächle mal. Bitte heul ein bisschen."

Da stand Negan wieder auf, ging weiter und blieb vor Maggie stehen.

„Bitte! Ich bitte dich. Du siehst beschissen aus! Vielleicht sollt ich dich gleich von deinem Elend erlösen", sagte Negan feierlich und schwang daraufhin den Baseballschläger durch die Luft.

Währenddessen rief Glenn immer wieder „Nein", stand auf und stürzte schließlich auf Maggie zu. Er kam jedoch nicht bis zu ihr. Dwight packte ihn von hinten und prügelte auf ihn ein. Maggie schrie auf, begann bitterlich zu weinen. Dann zielte Dwight mit Daryls Armbrust auf Glenns Kopf.

„Nein. Nein! Bring ihn wieder in die Reihe", sagte Negan dann und Dwight zerrte Glenn zurück.

Glenn flehte Negan mit Tränen in den Augen an, es nicht zu tun. Dessen Mund verzog sich zu einem breiten Grinsen und er lachte schließlich auf.

„Okay, hört zu. Wenn das einer von euch noch mal macht, dann leg ich den Scheißtyp um, ohne Ausnahme. Der erste ist umsonst, ist 'n emotionaler Moment", sagte Negan freundlich lächelnd und zeigte dann auf Glenn, biss sich auf die Unterlippe, „ich versteh das."

Wieder machte Negan eine lange Pause, sah Samantha und die anderen genau an, wie sie mit der Angst umgingen, wie sie zitterten und sich mit vor Panik weit aufgerissenen Augen umsahen. Samantha versuchte, so gut es ging, ruhig zu bleiben. Daryl neben ihr regte sich kaum, und sie versuchte aus seiner Nähe Kraft und Mut zu schöpfen. So konzentrierte sie sich hauptsächlich auf ihre Atmung und starrte auf ihren eigenen Schatten, auf das ständige hektische Flattern ihres Pulses, das sie an ihrem Hals sehen konnte.

„Scheiß Gefühl, was? Der Moment, wo einem klar wird, dass man keine Ahnung hat", meinte Negan und sah Rick an, dann blickte er zu Carl und begann zu lachen, „er ist dein Sohn, oder? Das ist ganz eindeutig dein Sohn."

„Hör endlich auf", brüllte Rick dann plötzlich.

„Hey! Lass mich nicht den kleinen zukünftigen Serienmörder töten. Jetzt mach es mir doch nicht so leicht! Doch ich muss mir einen aussuchen. Alle sitzen am Tisch und warten auf meine Bestellung", sagte Negan und begann dann zu pfeifen, während er von Carl wieder hinauf bis zu Glenn ging und jeden einzelnen von ihnen genau musterte, „ich kann mich einfach nicht entscheiden. Aber ich hab eine Idee."

Erneut begann er zu lachen und ging dann zurück, richtete den Baseballschläger auf Rick, wie ein Schwert.

„Eine... kleine... Mickey... Maus...", begann Negan aufzuzählen und ging nach jedem Wort zur nächsten Person weiter, „zog... sich mal... die... Hosen aus... zog sie... wieder an... du bist dran."

In dem Moment stand Negan direkt vor Samantha. Sein Fuß war genau in dem Teil des Schattens, wo sie die ganze Zeit über ihren gehetzten Pulsschlag beobachtet hatte. Da ihr dieser Anblick zum Festhalten nun genommen worden war, hob sie ihren Blick immer weiter, bis sie Negan schließlich direkt in die braunen Augen sah. Er lächelte sie freundlich an, wie jemand in der U-Bahn es tat, wenn man ihm anbot, sich neben einen hinzusetzen. Da regte sich Daryl neben ihr und sie begann heftig zu zittern.

„Dran bist du...", fuhr Negan dann fort und ging weiter. Samantha atmete zitternd aus, und schluchzte auf. Sie hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, „nicht gleich... erst... wenn ich... auf dich... zeig... und ich... nehme... dich."

Wieder sah Samantha Negans Füße vor sich stehen und ihr Körper begann unkontrolliert zu zittern.

„Bewegt sich einer, oder sagt nur ein Wort, hackt dem Jungen das andere Auge raus und füttert damit seinen Vater. Und dann geht's richtig los", erklärte Negan mit strenger Stimme und fuhr dann wieder freundlicher fort, „ihr könnt atmen. Ihr könnt zwinkern. Ihr könnt heulen. Ja. Das werden gleich alle tun."

Dann holte Negan mit dem Baseballschläger aus und ließ ihn niedersausen. Das Geräusch, das erklang, als der Schläger auf Abrahams Schädel einschlug, war grauenvoll. Samantha wurde schlagartig übel und sie nahm alles um sich herum nur noch wie durch einen dichten Schleier wahr. Ihr Gehör war beeinträchtigt und alles hörte sich an, als trüge sie einen Gehörschutz, gedämpft, allerdings auch mit einem hohen Pfeifton versetzt. Obwohl der Schlag ihn hätte ausknocken müssen und er auch zu Boden ging, richtete sich Abraham neben Samantha noch einmal auf und sah zu Negan hoch.

„Oho, seht doch mal. Nimmt es hin wie ein Champ!", rief Negan breit grinsend und lachend.

„Lutsch... mir... die Eier", sagte Abraham dann stockend, während das Blut an seinem Kopf und seinem Gesicht hinablief.

Dann holte Negan erneut aus und schlug wieder zu, und wieder, und wieder und dann noch weitere vier Mal. Bei jedem Schlag zuckte Samantha zusammen. Sie war auf die Seite gesunken, weg von Abraham. Doch jedes Mal, wenn Negan seinen Schläger auf Abrahams Kopf niedersausen ließ, spritzten Blut, Hirn und andere Gewebeteile auf Samantha. Mit jedem Schlag wurde Abraham unkenntlicher, und am Ende war sein Kopf nur noch eine einzige Fleischmasse am Boden, von der aus kleine Blutrinnsale davonrannen.

Samantha stieg der metallische Blutgeruch in die Nase und ihr wurde auf der Stelle noch übler. Sie war unfähig auf die undefinierbare Masse von Abrahams Kopf zu schauen. Tränen waren ihr in die Augen gestiegen und liefen nun unablässig an ihren Wangen hinab, während sie unablässig schluchzte. Dann sah sie zu Daryl, der sie ebenfalls ansah. Als Samantha ihn erst einmal angesehen hatte, konnte sie nicht mehr wegsehen, sie wollte es nicht. Ihre Lippen bebten, die Tränen liefen in Strömen an ihrem Gesicht herab und sie sah Daryl die ganze Zeit über in die Augen, während ihr ganzer Körper vom Schluchzen bebte.

„Habt ihr das gehört?", fragte Negan und lachte, beim Sprechen lallte er, als wäre er betrunken vor Ekstase, „er sagte ‚lutsch mir die Eier'."

Dann hieb Negan erneut einige Male auf Abrahams völlig zermalmten Schädel ein. Samantha zuckte bei jedem Schlag zusammen, doch sie sah Daryl stets an, traute sich nicht einmal, zu blinzeln, da sie ihn sonst für einen Augenblick nicht sehen würde und ihn damit aus den Augen verlieren könnte. Allein die Vorstellung davon, wie sie Daryl einen Moment nicht sehen konnte, und in diesem Moment von Dunkelheit umgeben war, und nichts anderes wahrnahm, als Negans Stimme, seine Schläge auf Abrahams Kopf, sowie das Gefühl von Abrahams Blut, das auf ihre Haut spritzte, erfüllte sie mit derartig viel Grauen, dass sich ihr Herzschlag weiter beschleunigte.

„Oh du meine Güte", rief Negan lachend und schwang den Baseballschläger, sodass er alle umstehenden mit Abrahams Blut und Hirnmasse bespritzte, „Leute, kuckt wie schmutzig meine Kleine ist."

Er ging zu Rosita, die ebenfalls weinte.

„Schätzchen, guck dir das hier an. Oh verdammt... wart ihr... wart ihr zusammen? Schöne Scheiße. Denn wenn es so war, solltest du wissen, es gibt einen Grund für das alles: Rotschopf – und das war er wirklich, roter geht's gar nicht mehr – und er hat ein oder sechs oder sieben fürs Team einkassiert."

Da ging er weiter zu Samantha, die immer noch Daryl ansah und die überall mit Abrahams Blut bedeckt war. Er blieb vor ihr stehen und hielt auch ihr den Baseballschläger vors Gesicht.

„Nein, nicht wegschauen, Süße. Der Rotschopf hat gerade für euch alle dran glauben müssen", sagte er dann grinsend, „also sieh ihn dir an."

Samantha begann noch unkontrollierter zu zittern und sah Daryl verzweifelt an, während sie kaum noch Luft bekam. Daryls Blick wurde nun finsterer.

„Ich sagte, sie ihn dir an, verdammt", brüllte Negan und kam Samantha näher.

Sie zuckte daraufhin zusammen, doch sie schaffte es einfach nicht, sich zu Abraham zu drehen. Da sprang Daryl plötzlich auf und verpasste Negan trotz seiner verletzten Schulter einen Faustschlag ins Gesicht. Sofort packten ihn zwei der Saviors und prügelten auf ihn ein.

„Daryl, nicht", rief Samantha dann verzweifelt und ihre Stimme überschlug sich, als sie schrie.

Sie sank zur Seite, hielt sich nur mit den Ellenbogen, die sie in den scharfen Schotter presste, in einer halbwegs aufrechten Position. Negan hielt sich das Kinn und lächelte plötzlich.

„Nein", schrie Negan dann und zeigte mit dem Schläger auf Daryls Kopf, „oh nein."

Samantha war klar, das Daryl nun sterben würde. Eine eiskalte Hand legte sich um ihr Herz und presste es mit aller Gewalt zusammen, trieb ihm ihre spitzen, kalten Nägel in sein Inneres, ließ es unkontrollierter schlagen. Daryl drehte seinen Kopf zu ihr und sie sah ihn voller Verzweiflung an. Sie schüttelte den Kopf, immer wieder. Ihr Unterkiefer zitterte, sodass ihre Zähne laut klapperten. Immer wieder verschwamm ihre Sicht von all den Tränen, doch sie traute sich nicht, sie wegzublinzeln, denn es waren die letzten Momente, in denen sie Daryls Gesicht so unversehrt sehen würde.

Die Saviors pressten ihn auf den Boden, die dunkelbraunen, schulterlangen Haare fielen über sein Gesicht, doch sie konnte es trotzdem genau erkennen, jede noch so kleine Einzelheit davon. Seine blauen Augen, die tief liegenden Augenbrauen, seine kurze, gerade Nase, die Rillen in seinen schönen Lippen, jedes einzelne Haar, seines Bartes, das Muttermal auf seiner linken Wange. Negan lachte erneut auf.

„Das gerade, oh Mann, das geht gar nicht. Was er gerade gemacht hat – so eine Scheiße, zieht hier keiner von euch ab", rief Negan mit harter Stimme.

Negan war vor Daryl in die Hocke gegangen und schaute ihn an, während die Männer ihn fest umfasst hielten und auf den Boden pressten. Da kam Dwight plötzlich und richtete die Armbrust auf Daryls Kopf. Samantha streckte ihre Hand in Daryls Richtung, doch sie wagte nicht, irgendetwas zu sagen, oder zu tun, was die Saviors provozieren würde. Stattdessen weinte sie nur und schluchzte immer verzweifelter.

„Soll ich es machen? Jetzt gleich?", fragte Dwight beinahe schon aufgeregt.

Negan packte Daryl am Schopf und riss seinen Kopf zurück. Daryl atmete heftig und stoßweise, sah unentwegt zu Samantha. Mit den Lippen formte sie ein letztes „Ich liebe dich", dann schluchzte sie laut auf, als sie sah, wie Daryls Lippen sich ebenfalls bewegten. Es war das erste Mal, dass er es aussprach, wenn auch lautlos. Und es würde gleichzeitig auch das letzte Mal sein.

„Nein, nein du tötest sie nicht. Du musst erst noch etwas üben", erwiderte Negan lächelnd.

Da ließ Dwight die Armbrust sinken und er und die beiden anderen zerrten ihn zurück in die Reihe. Samantha richtete sich wieder etwas auf, sodass sie Daryl ansehen konnte. Sie wollte seine Hand nehmen, ihn ein letztes Mal berühren, doch sie tat es nicht, denn sie war nahezu erstarrt vor Angst. Also sah sie ihn nur weiterhin an und weinte bitterlich.

„So oder so... So läuft es hier nicht. Ich hab's euch ja schon gesagt, Leute. Der erste ist umsonst", sagte Negan und ging wieder vor ihnen auf und ab, „was sagte ich noch? Ich sagte, ich leg scheiß Typen um! Ohne Ausnahme. Ich weiß ja nicht, mit was für verlogenen Arschlöchern ihr schon zu tun hattet, aber ich steh zu meinem Wort. Der erste Eindruck ist wichtig. Ihr müsst mich schließlich kennenlernen. Also: weiter geht's."

Dann schwang Negan den Baseballschläger erneut und ließ ihn niedersausen. Der Schrei einer Frau ertönte, als er auf den Kopf des Mannes vor Negan niedersauste. Blut rann an seinem dunklen Haar hinab. Auch er richtete sich wieder auf, nachdem er zu Boden gegangen war. Samanthas Mund stand weit offen, während sie die riesige, klaffende Wunde an seinem Schädel sah. Dann wanderte ihr Blick zu seinem Auge, das aus seiner Höhle gesprungen war. Er stammelte einen Namen. Samantha hielt den Atem an. Negan beugte sich zu ihm hinunter.

„Kumpel, bist du noch da?", fragte Negan, als spräche er mit jemandem, der schwer von Begriff war, „ich weiß ja nicht, scheint mir, als wolltest du irgendwas sagen. Aber du hast gerade einen Mordsschlag abgekriegt. Ich habe dir gerade so schwer auf den Schädel gehauen, dass dein Auge rausquoll und das ist dermaßen eklig!"

Samantha konnte ihren Blick nicht mehr abwenden. Der Mann zuckte und würgte, versuchte, etwas zu sagen, doch er schaffte es nicht. Da stand Negan auf und ging wieder in ihre Richtung die Reihe hinab.

„Ohje... ich seh schon, das ist hart für euch. Das tut mir leid und das ist ehrlich gemeint", sagte Negan mitleidig, doch dann wurde seine Stimme wieder fest und fröhlich, „aber ich hab es gesagt: keine Ausnahmen."

Dann schwang er den Schläger erneut und ließ ihn wieder auf den Kopf des Mannes niedersausen. Wieder ertönte ein Frauenschrei. Der Mann fiel stark blutend zu Boden. Wieder und wieder schlug Negan auf ihn ein, wieder und wieder zuckte Samantha zusammen, während ihr die Tränen unablässig die Wangen hinab liefen. Glenns Kopf verwandelte sich mehr und mehr in eine einzige, breiige Masse. Sie musste sich anstrengen, um ihren Blick abzuwenden und sah stattdessen wieder zu Daryl. Auch er konnte seine Augen nicht von Glenn losreißen, der von Negan immer mehr entstellt wurde, obwohl er längst tot war. Seine Augen waren rot gerändert und seine Lippen bebten, während ihm die Tränen an den Wangen hinab liefen. Es wäre vermutlich nicht passiert, wenn Daryl sich vorhin nicht auf Negan gestürzt hätte.

„Ihr Haufen Pussys", rief Negan dann, während er weiter auf Glenn einschlug, „ich fang gerade erst an. Lucille ist durstig. Sie ist ein Vampirschläger."

Da ließ Negan von Glenn ab und ging stattdessen zu Rick zurück und sah ihn lächelnd an.

„Was? War der Witz so schlecht?", fragte Negan dann.

„Ich bring dich um", flüsterte Rick.

Negan ging auf ihn zu und hockte sich vor ihm hin, hielt ihm den Baseballschläger vors Gesicht. In den scharfen Zinken des Stacheldrahtes hatte sich ein Teil von Glenns Kopfhaut verfangen und baumelte jetzt daran, während das Blut an den Haaren hinablief und zu Boden tropfte.

„Was? Ich hab dich nicht verstanden. Du musst lauter reden", meinte Negan daraufhin und Rick schniefte.

„Nicht heute. Auch nicht morgen. Aber ich bring dich um", sagte Rick dann.

Negan lächelte.

„Na sowas", meinte Negan, „Simon, was hatte er dabei? Ein Messer?"

„Er hatte ein Handbeil."

„Ein Handbeil?"

„Eine Axt."

Das Lächeln, das Negans Lippen umspielte, wurde immer breiter.

„Simon ist meine rechte Hand", erklärte er dann, „so jemand zu haben, ist wichtig. Wie würde man denn ohne dastehen? Mit der ganzen Arbeit. Hast du wen? Vielleicht einen von den netten Leuten, die hier jetzt noch atmen? Oh, oder hab ich..."

Rick atmete schwer und sah Negan zitternd an.

„Oh, klar, ja... gib mir seine Axt", fuhr Negan dann fort.

Während er immer noch vor Rick hockte und ihn ansah, nahm er die Axt von Simon entgegen. Er hielt sie vor sich, doch dann stand er auf und steckte das Beil hinter seinen Gürtel. Da packte er Rick an der Schulter, zerrte ihn nach vorne, sodass alle ihn sehen konnten.

„Bin gleich wieder da", rief er dann, „vielleicht ist Rick nachher noch bei mir. Und wenn nicht, tja, dann können wir uns immer noch seine Leute vorknöpfen, oder? Ich meine, die, die noch übrig sind."

Dann verschwand er mit Rick im Wohnwagen direkt vor ihnen. Die anderen blieben mit den Saviors zurück. Der Motor des Wohnwagens startete nach einer Weile stotternd und fuhr davon. Niemand sagte ein Wort, auch die Saviors nicht. Samantha traute sich kaum, zu blinzeln. Jedes Mal wenn sie die Augen schloss, hatte sie das Gefühl den Halt zu verlieren und zu fallen. Also tat sie das, was sie vorhin auch getan hatte. Sie starrte auf ihren Schatten, konzentrierte sich auf den flatternden Puls an ihrem Hals und atmete immer wieder aufs Neue zitternd ein und wieder aus.

Um sie herum wurde es irgendwann immer heller und ihr Schatten verschwand zusehends. Samantha bekam Panik, als sie sich nicht mehr an dem Anblick ihres hektischen Pulses festhalten konnte. Sie blickte verzweifelt um sich, suchte nach irgendetwas, das sie anstarren, an dem sie sich festhalten konnte. Ihre Atmung wurde schneller und flacher, ihr rasendes Herz schlug lauter und lauter. Sie hörte Negans Pfeifen in ihren Ohren, den Aufprall seines Baseballschlägers auf einen Kopf. Doch dann hörte sie auch das Knirschen von Kies, als neben ihr jemand seinen Fuß bewegte. Schnell drehte sie ihren Kopf in die Richtung.

Daryl sah sie an, die Augen rot gerändert, die Unterlippe immer noch zitternd, doch sein Blick war fest und er nickte schwach. Samantha starrte ihn an und ihre Atmung begann, sich zunehmend zu beruhigen. Ihr Herzschlag wurde leiser und verlangsamte sich etwas.

Der Wohnwagen kam erst zurück, als die Sonne bereits aufgegangen war. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis sich etwas tat, bis die Tür geöffnet wurde und Negan Rick hinausstieß und dann selbst heraussprang. Dann zerrte er Rick vor sie alle, die sie immer noch am Boden knieten.

„Hier sind wir. Ich frag dich mal was, Rick", begann Negan dann, „weißt du überhaupt, was dieser kleine Ausflug sollte?"

Rick kniete auf allen Vieren am Schotter, sah von einem zum anderen, doch er erwiderte nichts.

„Rede, wenn jemand mit dir spricht", forderte Negan ihn auf.

„Okay, okay", antwortete Rick leise.

„Bei dem Ausflug ging es darum, wie du mich siehst. Das wollte ich ändern. Ich wollte, dass du es verstehst. Aber du guckst mich immer noch auf dieselbe verdammte Weise an. Als hätte ich in dein Rührei geschissen und so funktioniert das nicht. Also gebe ich dir noch eine Chance."

„Ja... ja, ja."

„Na gut, hier kommt es, das große Gewinnspiel. Was du als nächstes tust, entscheidet darüber, ob dein Scheißtag der letzte Scheißtag für alle wird, oder nur irgendein Scheißtag", sagte Negan und machte dann ein Handzeichen in Richtung seiner Leute, „richtet ein paar Waffen auf ihre Hinterköpfe."

Inzwischen hatte Samantha ihr beeinträchtigtes Hörvermögen zur Gänze wiedererlangt. Ihre Tränen waren versiegt, ihr Gesicht war nahezu versteinert. Ein metallisches Klicken ertönte hinter ihr und auch hinter allen anderen ihrer Gruppe. Sie zuckte daraufhin zusammen.

„Gut, jetzt haltet sie auf Nasenhöhe, damit, wenn ihr schießen müsst, es so richtig rumsaut", wies Negan seine Männer an und sah dann zu Carl, „Kleiner! Hierher. Sofort."

Carl zögerte einen Moment, dann stand er jedoch auf und ging zu Negan und Rick. Ricks Gesicht wurde von Sekunde zu Sekunde panischer. Negan zog unterdessen seinen Gürtel aus.

„Bist du ein Links-Patsch?", fragte Negan.

„Ob ich was bin?", fragte Carl.

„Bist du Linkshänder?"

„Nein."

„Gut."

Dann schnallte Negan seinen Gürtel um Carls linken Oberarm. Samantha sog scharf Luft ein und biss sich auf die Lippen, um sie am Zittern zu hindern.

„Tut das weh?"

„Nein."

„Müsste es. Soll es", erwiderte Negan breit grinsend, „okay, runter auf den Boden, Kleiner, neben Daddy. Breite die Flügel aus.

Negan zog Carl den Hut vom Kopf und warf ihn fort. Carl ging zu Boden, legte sich bäuchlings hin und breitete die Arme aus, wie Negan es befohlen hatte.

„Simon, hast du 'n Stift?"

„Ja", erwiderte der Mann, kramte in seiner Tasche und warf Negan dann seinen Stift zu.

Negan steckte die Verschlusskappe zwischen die Zähne, zog sie vom Stift und ging dann in die Hocke.

„Entschuldige, Kleiner. Das wird jetzt so kalt, wie der Sack eines bösen Hexers, als würde er seinen Sack über dir baumeln lassen und ihn dann über deinen Unterarm ziehen", sagte Negan und zog dann eine Linie auf Carls Arm, „so, genau hier hast du noch einen kleinen Hebler."

„Bitte... bitte... bitte nicht", stammelte Rick, „bitte tu's nicht."

„Ich?", fragte Negan und lachte daraufhin, „einen Scheiß mach ich, Rick. Und jetzt nimm deine Axt. Hack deinem Sohn den Arm ab, direkt auf der Linie."

Samantha löste ihre Zähne von den Lippen, sah ungläubig in Negans Richtung und blickte von Negan zu Carl. Der Junge zitterte am ganzen Leib, kniff die Augen zu, als wäre er sicherer, wenn er nicht sah, was passierte.

„Ja ich weiß, ich weiß, das musst du erst eine Sekunde verarbeiten. Ist logisch. Trotzdem, du wirst es tun müssen, oder all diese Leute werden sonst sterben. Dann stirbt Carl, dann sterben die Leute zuhause und dann du, irgendwann. Ich lass dich noch ein paar Jahre atmen, damit du ordentlich daran knabbern kannst."

„Du brauchst das nicht zu tun", mischte sich nun auch Michonne weinend ein, „wir verstehen es. Wir verstehen das. Wirklich!"

„Ihr versteht es, ja", gab Negan ihr Recht, „ich bin nicht sicher, ob Rick es tut. Ich will es sauber gehackt, genau auf der Linie. Ich weiß, ja, ist ziemlich schräg, darum zu bitten. Aber ich will es wie bei einem Salamistück. Nicht abgerutscht, sauber, im fünfundvierzig Grad Winkel. Dann haben wir was zum Drüberschlagen. Wir haben einen super Arzt hier. Der Junge schafft das... vermutlich. Rick, es muss jetzt passieren. Hack, Hack. Oder ich zerschmettere dem Kleinen persönlich den Schädel."

„Du könntest mich nehmen, ich kann es sein. Wieso... mach es bei dir dort, ich geh auch mit dir mit. Ich gehe mit dir", stammelte Rick.

„Nein. Das ist die einzige Möglichkeit. Rick, heb die Axt auf. Keine Entscheidung zu treffen, ist eine große Entscheidung. Willst du wirklich sehen, wie all deine Leute sterben? Das wirst du. Du wirst jedes hässliche Detail sehen", erklärte Negan und als Rick immer noch zögerte, wurde seine Stimme lauter, „oh mein Gott, soll ich jetzt etwa zählen? Okay, Rick, du hast gewonnen. Ich zähle jetzt: Drei!"

„Bitte, bitte, nimm doch mich, bitte!", flehte Rick unter Tränen.

„Zwei!"

„Bitte tu das nicht!"

Negan ging in die Hocke und verpasste Rick eine Ohrfeige und packte ihn dann grob am Kiefer.

„Jetzt wird's Zeit – eins."

Negan stand auf, ging einen Schritt zurück. Rick schrie verzweifelt, legte seine Hand auf die Axt neben sich. Dann hob er sie über den Kopf, war kurz davor, zuzuschlagen und schrie erneut gequält auf. Da ging Negan neben ihm wieder in die Hocke und sah ihn lächelnd an.

„Du gehorchst mir. Du versorgst mich. Du gehörst jetzt mir. Richtig?", flüsterte Negan und als Rick nicht antwortete, packte er ihn erneut am Kiefer und schrie, „rede gefälligst, wenn ich mit dir spreche! Du gehorchst mir. Du versorgst mich. Du gehörst jetzt mir. Richtig?"

„Richtig..."

„Richtig! Das ist genau der Blick, den ich sehen wollte."

Da stand Negan auf, nahm die Axt und sah sich lächelnd um.

„Wir haben es geschafft. Und zwar wir alle. Gemeinsam. Selbst die toten Jungs auf dem Boden, die kriegen einen Preis fürs Anspornen als Belohnung. Heute war ein verdammt produktiver Tag. Nun hoffe ich um euretwillen, dass ihr's jetzt kapiert. Dass ihr nun versteht, wie die Dinge laufen. Etwas hat sich verändert. Was immer ihr bisher zu bieten hattet, damit ist es vorbei."

Dann sah Negan erneut in Samanthas Richtung, schaute jedoch den Mann hinter ihr an.

„Dwight! Lade ihn auf."

Da packte Dwight Daryl von hinten und zog ihn grob auf die Füße. Daryl wehrte sich, aber nicht so sehr, als dass es etwas ausgegeben hätte. Mit Sicherheit wollte der Armbrustschütze nicht riskieren, dass noch jemandem etwas passierte. Samantha stiegen erneut die Tränen in die Augen und sie stammelte immer wieder Daryls Namen. Nein, nicht jetzt, sie konnte ihn jetzt nicht doch noch verlieren, nicht nachdem sie gerade die Hoffnung in sich hatte aufkeimen lassen, dass sie beide doch noch lebend hier raus und zurück nach Alexandria gehen würden.

„Der hat Mumm. Nicht so ein kleiner Schisser, wie jemand, den ich kenne", sagte Negan und sah Rick dabei an, „ich mag ihn. Er gehört jetzt mir. Wenn du trotzdem irgendwas versuchen willst, nicht heute, nicht morgen, dann hacke ich Stücke ab von... wie ist sein Name?"

„Daryl", antwortete Simon, nachdem er kurz überlegt hatte.

„Wow. Das klingt richtig gut. Ich hacke Stückchen von Daryl ab und leg sie vor deine Türschwelle, oder noch besser: ich bringe ihn zu dir und lasse dich das für mich tun."

Dwight stieß Daryl grob in den Transporter. Daryl rappelte sich auf, suchte nach einem Ausweg. Hatte die Arme schützend vor sich erhoben, als ob ihn das gerettet hätte, wenn die Saviors auf ihn schießen würden. Er verhielt sich wie ein wildes Tier im Käfig. Da waren die Saviors schon im Begriff die Wagentüren zu schließen. Samantha schüttelte heftig den Kopf, flüsterte immer wieder Daryls Namen, und dann, ohne dass sie noch auch nur einen Funken Kontrolle über sich hatte, rief sie plötzlich Negans Namen.

„Warte... bitte... nicht...", stammelte sie, als ihr Körper erneut vor Schluchzen erbebte.

Negan sah sie überrascht an und kam dann auf sie zu, während er den Baseballschläger schwang. Er blieb über ihr stehen, zeigte mit dem blutverschmierten Schläger auf sie und legte den Kopf schief.

„Du hast es scheinbar noch nicht verstanden. Habe ich mich etwa immer noch nicht klar ausgedrückt?", fragte Negan und wurde mit jedem Wort, das er aussprach, lauter.

„Nimm mich mit", stammelte Samantha dann und wieder liefen zwei warme Tränen an ihren Wangen hinab.

Damit schien Negan nun nicht gerechnet zu haben. Er trat sogar einen Schritt zurück und musterte Samantha neugierig. Dann ließ er den Schläger sinken.

„Steh auf", forderte er Samantha auf.

Samantha bemühte sich, doch sie brauchte einen Moment, bis sie es geschafft hatte, sich aufzurichten. Als sie sich endlich aufgerappelt hatte, stand sie auf wackeligen Beinen da. Sie sah sich um, blickte zum Transporter. Die Türen waren noch nicht geschlossen und die Saviors richteten ihre Waffen auf Daryl. Der Blick, den er ihr zuwarf, war so voller Verzweiflung, dass es ihr das Herz brach. Ihre Unterlippe bebte und sie musste den Blick abwenden. Ihn dort drin zu sehen, ihn mit dieser Verzweiflung in den Augen zu sehen, war zu viel. Es war zu viel.

„Wie heißt du?", fragte Negan sie.

„Samantha", erwiderte sie weinend.

„Du möchtest also auch mit uns kommen, Samantha. Doch irgendwie bezweifle ich, dass dir das Leben dort gefallen würde. Zweifellos willst du wegen ihm mitkommen. Hab ich Recht?", fragte Negan und deutete mit dem blutigen Schläger auf Daryl, der im Transporter hockte und Samantha immer noch mit diesem verzweifelten Blick ansah.

Wieder sah Samantha zurück zu Daryl und nickte dann als Antwort. Daryl schüttelte den Kopf, seine Unterlippe begann zu zittern. Wieder liefen Tränen an Samanthas Gesicht herab, als sie sah, wie Daryls Lippen ihren Namen formten.

„Oh... ich bin wirklich gerührt. Wenn du bereit bist, das zu tun, dann musst du ihn wirklich lieben. Das ist wahre Liebe", meinte Negan theatralisch und fasste sich an die Brust, „aber bei uns gibt es für dich, als Mitglied dieser Gruppe hier, leider nur zwei Möglichkeiten. Entweder, du arbeitest im Bordell, oder – und das Angebot mache ich wirklich nur sehr selten und auch nur bei heißen Fegern wie dir – du wirst eine meiner Ehefrauen."

Samantha sah Negan mit weit aufgerissenen Augen an.

„Du hast echt Eier, sowie dein Freund Daryl. Ich mag dich. Der einzige Grund, wieso ich dich nicht sowie deine Freunde hier getötet habe, ist, weil du und dein Mumm mir gefallen. Zwar habe ich schon eine blonde Frau, aber ich muss zugeben, sie ist nicht so scharf wie du. Denn du bist wirklich superscharf. Deshalb schlag ich dir nicht den Schädel dafür ein, dass du deinen Mumm bewiesen hast. Nein... du darfst sogar selbst entscheiden, wo du bei uns landen möchtest. Das ist eine Wahnsinns Ehre für dich. So ein Angebot bekommt man wirklich nicht alle Tage", rief Negan feierlich und breitete die Arme aus, bevor er mit ernster Stimme fortfuhr, „doch wenn du mitkommst, wirst du nicht mit deinem Romeo zusammen sein, das kann ich leider nicht zulassen. Ich liebe Happy Ends, das tue ich wirklich, das musst du mir glauben. Aber für euch beide, kann es leider keins geben. Und das tut mir ehrlich leid."

Samantha sah noch einmal zu Daryl. Er schüttelte wieder den Kopf. Die junge Frau konnte deutlich sehen, wie die Tränen an seinen Wangen hinabliefen. Seine Unterlippe zitterte heftig und Samantha musste den Blick abwenden. Sie ertrug es nicht, ihn derartig verzweifelt zu sehen. Es war einfach zu viel. Stattdessen sah sie alle anderen an. Alle von ihrer Gruppe weinten, und sahen sie fast ebenso verzweifelt an, wie Daryl. Samantha schluchzte auf und wieder liefen Tränen an ihrem Gesicht hinab.

„So ist das leider mit der wahren Liebe. Früher oder später wird sie einem entrissen", säuselte Negan.

„Bitte nicht... ich kann... ich kann nicht... bitte", stammelte Samantha dann und ihre Stimme war so hoch, dass sie sie kaum wiedererkannte.

„Oh doch, Samantha", erwiderte Negan und kostete ihren Namen auf seiner Zunge, „du kannst jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Wenn sich nämlich rausstellt, dass du doch nicht so viel Eier hast, wie ich's gerade noch gedacht hab, dann muss sich Lucille, um dich kümmern. Und das fände ich nicht cool. Das fände ich wirklich verdammt nochmal richtig uncool. Du hast mich gebeten, dich mitzunehmen und dieser Bitte komme ich gerne nach. Du musst dich nur für eine der beiden Optionen entscheiden. Also tu es am besten gleich, damit es alle auch hören können. Du musst dich jetzt entscheiden, Samantha."

Samantha schloss die Augen, während ein Schluchzen ihren Körper erbeben ließ und sie beinahe in die Knie ging. Im letzten Moment konnte sie sich fangen. Sie schüttelte den Kopf, immer wieder.

„Nicht... nicht das Bordell, bitte... bitte, ich... ich bin... ich bin schwanger", stammelte sie dann mit tränenerstickter Stimme und mit immer noch geschlossenen Augen und gesenktem Kopf.

Da packte Negan ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. Sein Blick war eindringlich, er versuchte herauszufinden, ob sie log oder die Wahrheit sagte. Samantha sah ihn kaum, der Tränenschleier war zu dicht, doch sie spürte Negans eiskalten Blick auf sich brennen, wie er ihr bis in die letzte, am besten versteckte Ecke ihrer Seele schaute. Dann ließ er ihr Kinn endlich los und sie taumelte.

„Dann tut es mir leid, Samantha. In dem Fall können wir dich nicht bei uns gebrauchen", sagte er dann und wandte sich ab, gab seinen Männern ein Handzeichen.

Samantha sah erneut zu Daryl, wohl wissend, dass sie ihn jetzt zum letzten Mal sehen würde. Sie schluchzte bei seinem Anblick und sank dann auf die Knie. Die scharfen, spitzen Steine bohrten sich beim Aufprall in ihre Knie, doch sie spürte den Schmerz kaum. Viel mehr fühlte sie, wie ihr Herz erneut zersprang, wie eine Eisskulptur, die zu Boden fiel. Dann schlossen die Saviors die Türen des Transporters und Daryl verschwand vor ihren Augen. Samantha legte die Stirn in die Hände und schluchzte laut.

„Willkommen zu einem ganz neuen Anfang, ihr Jammerlappen", rief Negan, „ich lass euch einen Truck hier. Behaltet ihn. Nehmt ihn, um alles zu mir zu bringen, was ihr für mich findet. Wir kommen in einer Woche unsere erste Spende holen. Bis dahin... Tata!"

Dann endlich begaben sich die Saviors in ihre Wagen und fuhren davon. Es gab einen Nachzügler, der zuvor noch Polaroid Fotos von Glenns und Abrahams Leichen machte. Samantha und die anderen hockten immer noch am Boden, trauten sich nicht, aufzustehen. Die junge Frau hörte, wie der Motor des Transporters startete. Sie konnte nicht anders, sie sah ihm hinterher, als er wegfuhr, selbst als er schon längst im Wald verschwunden war, sah sie noch in diese Richtung.

Maggie war die erste, die sich rührte. Sie stand auf und taumelte in Glenns Richtung. Erst jetzt fiel Samantha auf, wie schlecht sie aussah und verstand, was Negan gemeint hatte. Sie ging gebeugt, war furchtbar blass, hatte dunkle Ringe unter den Augen und war schweißüberströmt. Irgendetwas stimmte mit dem Baby nicht. Rick versuchte, sie aufzuhalten, doch sie ging weiter. Er redete auf sie ein, sagte, dass sie sie nach Hilltop bringen müssten. Doch Maggie sagte daraufhin nur, dass sie sich für den Kampf gegen die Saviors bereitmachen mussten.

„Sie haben Daryl, sie haben eine Armee. Wir werden sterben, wir alle", erwiderte Rick dann.

„Ihr müsst zurück nach Alexandria, ich komme schon alleine hin", sagte Maggie dann mit tränenerstickter Stimme, „ihr wart meinetwegen hier."

Immer wieder sagte Maggie, dass sie zurückgehen mussten, doch niemand hörte auf sie, keiner wollte sie allein lassen, nicht in ihrem Zustand und auch sonst nicht. Schließlich sagte Sasha, dass sie Maggie nach Hilltop zu Dr. Carson bringen würde. Maggie erklärte sich einverstanden, dann sank sie vor Glenns Leiche auf die Knie und weinte verzweifelt.

Samantha kniete immer noch am Boden, während Eugene, Rosita und Sasha Abrahams Leiche zum Truck trugen. Rick, Carl und Aaron taten dasselbe mit Glenn. Michonne hielt Maggie im Arm, die so verzweifelt weinte, dass Samantha erneut die Tränen kamen. Sie kniete nur da, die spitzen Steine bohrten sich in ihre Knie. Ihr Schluchzen war verebbt, doch die Tränen flossen unablässig an ihren Wangen hinunter.

Die letzten paar Stunden hatten sich angefühlt, wie das Ende aller Tage. Und nun fühlte es sich an, als wäre die Welt erneut untergegangen. Sie dachte an Sasha, die dabei hatte zusehen müssen, wie Abraham getötet wurde, an Rosita, die Abraham immer noch geliebt hatte, obwohl er sie für Sasha verlassen hatte. Sie dachte an Maggie, die Glenn, ihren Mann, verloren hatte, die trotz ihrer Schwangerschaft und ihres schlechten Zustands miterleben hatte müssen, wie Negan ihm den Schädel eingeschlagen hatte. Sie dachte an Daryl, wie er von Dwight in den Transporter geschleppt worden war, wie er sie mit so viel Verzweiflung in seinen Augen, in denen die Tränen gestanden hatten, angesehen hatte, wie die Tür hinter ihm zugefallen und der Transporter weggefahren war.

Immer und immer wieder erschienen diese Bilder vor ihren Augen. Wie ein Film liefen sie vor ihr ab, trieben ihr die Tränen unablässig aus den rot geränderten, geschwollenen Augen. Sie registrierte kaum, was um sie herum geschah. Nach einer Weile fühlte sie einen starken Griff um ihre Arme, den sie jedoch kaum spürte. Samantha wurde auf die Beine gezogen. Jemand hatte seine Hand um sie gelegt und führte sie nun zum Wagen. Sie trottete hölzern vorwärts, schlurfte durch den Schotter.

Obwohl ihr dabei geholfen wurde, fiel sie mehr in den Wagen, als das sie einstieg. Jemand nahm neben ihr Platz, hielt sie fest im Arm. Wie durch dicke Watte hörte sie eine Stimme, doch sie konnte nicht verstehen, was man zu ihr sagte. Dann umfassten zwei zarte Hände Samanthas Gesicht, zwangen sie, in eine andere Richtung zu schauen. Durch einen Tränenschleier hindurch erahnte sie Michonnes Gesicht, jedoch erkannte sie ihre Freundin nur aufgrund der dunklen Hautfarbe.

Noch immer blitzten die Bilder vor ihr auf, quälten sie, versetzten ihr wieder und wieder einen Stich ins gepeinigte Herz. Samantha war wie in Trance, sie bekam kaum mit, was um sie herum geschah.

Michonne half ihr schließlich auf, half ihr beim Aussteigen. Nur am Rande bekam sie mit, dass sie wieder zurück in Alexandria waren.

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