,,X hat keine Lösung. Also, X darf nichts sein'', murmelte ich und sah wieder auf mein Aufgabenzettel.
,,Aber dann muss die Lösung falsch sein..hää?"
Konzentriert sah ich mich nach Fehlern um und gab letztendlich auf, da mich der Hunger viel zu sehr plagte, als dass ich vernünftig denken konnte, weshalb ich in die Schulmensa ging und mir eine Portion Pommes bestellte. Am Tisch angekommen setzte ich mich hin und holte meinen abgenutzten Collegeblock heraus, worauf ich hinten auch mehrere heiligtümer des Todes gezeichnet hatte, um weitere to-dos zu notieren.
To-do:
-Projekt
-song aufnehmen
-Sarah anrufen
-Friseur besuchen (Perücken) vlt.
-Insta Ankündigung
-Max finden? :P
-Einkaufen gehen
Mehr fiel mir im Moment auch nicht ein. Ich nahm eine weitere Pommes in meinen Mund und dachte nach. Leider hatte ich keinen Ketchup bekommen.
Ich könnte Jaxon später anrufen und ihn fragen ob er bei dem Konzert ein Duett mit mir singen möchte. Da ich ihn ohnehin wieder sehen wollte, käme das nur gelegen.
,,Nerd!'', schrie jemand direkt neben meinem Ohr, weshalb ich erschrocken zusammenzuckte und ruckartig mein Block verschwinden lies.
Mein Herz fing an wie verrückt zu rasen.
,,Wir müssen uns noch wegen dem Projekt absprechen.", Mina sprach sehr abwertend mit mir. Vermutlich hielt sie sich für etwas besseres aber was interessierte es denn mich? Nach diesem Jahr würde ich hoffentlich niemanden von hier wiedersehen, also musste ich nur noch überstehen und dann meinem Glück ins Gesicht schauen.
,,Jaa, ähh..'', nervös sah ich mich um. Ich hatte heute, Morgen und übermorgen kaum Zeit. Montag wäre es aber zu spät...verdammt. Eventuell könnte ich es jedoch noch heute irgendwie einplanen aber dann müsste ich morgen eben mehr der To-do's abarbeiten.
,,Heute um 16 Uhr bei dir?", ein wenig wunderte es mich ja schon, dass sie mich fragte und nicht einfach bestimmte, jedoch war ich im Moment umso erleichterter.
,,Bei mir ähh gehts..nicht?''
,,Wieso? Erlauben es dir Mami und papi nicht?", mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie auf ihre lackierten Nägel.
,,ähh...ja. Ich habe keine Erlaubnis von ihnen..'' Im Endeffekt hatte ich wirklich keine Erlaubnis von Max, weil ich ihn nie gefragt hatte. Aber galt das schon als Lügen? Oder war es einfach nur verschweigen?
,,Bei mir ist es aber auch nicht gut!", zickte sie mich wieder an und zuckte mit ihren Schultern.
Anstatt zu fragen, weshalb es nicht ging, suchte ich gedanklich einfach einen Kompromiss.
,,Wie wäre es, wenn wir uns drei mal treffen? Heute in der Bibliothek, Sonntag bei dir und Montag bei mir. Wenn wir nicht fertig sind können wir ja bis Donnerstag trotzdem nochmal herkommen. Die Bibliothek ist schließlich montags und sonntags nicht geöffnet.", ich musste irgendwie eine Lösung dafür finden, falls sie jetzt ja sagen sollte. Ich konnte sie nämlich ja nicht einfach so zu mir nachhause mitnehmen. Das ging nicht.
,,M-meinet wegen! Dann warte nach der Schule einfach an..,ich meine am Ausgang? Dann haben wir mehr Zeit. Bis später nerd.''
Ich nickte und widmete mich wieder meinen Pommes zu, die, wie ich feststellte, nicht mehr da waren.
Hä? Meine Unterhaltung mit Mina hatte höchstens fünf Minuten oder so gedauert, wie konnten meine Pommes unbemerkt verschwinden?
,,Na Nerdie, suchst du etwa danach?", und mit einem Knall landeten meine Pommes auf meinem Gesicht. Die Übeltäter waren, wer denn quch sonst, Nole und Cameron.
,,Könnt ihr euch keine eigenen Pommes leisten, oder wieso verschwendet ihr meine?'', fragte ich gereizt und aß eine Pommes von meinem Kopf.
,,Wir müssen uns doch nicht vor dir rechtfertigen Nerd. Mach das weiter, was du kannst. Sitzen und klappe halten.''
,,Ein Nerd ist übrigens jemand der sich vom sozialen Leben isoliert und ein großer computerfan ist. Ich persönlich bin, wenn überhaupt, ein Streber, eine Person, die sich sehr ehrgeizig und in egoistischer Weise bemüht, in der Schule vorwärtszukommen.''
,,Halt die Klappe!"
,,Ich wollts nur sagen.''
Nur weil ich die Wahrheit sagte, sollte ich die klappe halten? Da ist jemand aber nicht kritikfähig.
Jedoch gongte es, bevor ich noch etwas anderes erwidern konnte, weshalb ich mich zum nächsten Unterricht begab. Wieder einmal bei meinem Klassenlehrer Mr. Fields.
Die letzten Stunden vergingen glücklicherweise sehr schnell, weshalb ich seit ungefähr fünfzehn Minuten schon am Ausgang auf Mina wartete. Genervt seufzte ich und wollte fast rein um sie zu suchen, jedoch kam sie bereits mit einem unglücklichen Gesichtsausdruck auf mich zu.
Ohne auf mich zu achten ging sie voraus und ich folgte ihr, wie ein Hund seinem Besitzer folgte.
Als wir endlich die Bibliothek betraten seufzte ich erleichtert auf. Ich hasste es so viel zu tragen, ich bekam schrecklich schnell Nackenschmerzen.
Mina ging zielstrebig irgendwo hin, während ich mich ein wenig umsah. In dieser Bibliothek war ich tatsächlich noch nie gewesen. Wie auch? Ich hatte nicht einmal genug Zeit um mich mit meinen nicht existierenden Freunden zu treffen. Vielleicht hatte ich deshalb keine Freunde?
Ach Quatsch, ich war der Streber der Schule, das war der Grund. Wie es dazu kam wusste ich um ehrlich zu sein auch selbst nicht. Ich glaube es war mein zweiter Schultag. Irgendjemand war in mich gerannt, sodass ich das Getränk auf mein Hoodie abbekam. Als würde es nicht reichen, dass mein Pullover voller irgendeinem Getränk war, bekam ich auch noch die Schuld, dafür, dass ich nicht aus dem Weg gegangen war, weil Mademoiselle in mich gerannt war.
Zu meinem Glück war es auch noch die Schwester des Badboys Cameron, Lisa.
Jedoch wunderte es mich tatsächlich, dass sie sonst nie die Sticheleien ihrer Freunde mitgemacht hatte. Doch war Lisa eigentlich recht nett. Zwar nicht zu mir, aber so wurde es herum erzählt. Mit mir redete sie nicht aber sie sah mich öfter mal bemitleidend an. Nützlich ist dieser Blick zwar auch nicht aber was sollte ich denn schon machen?
Zu meinem aber absoluten Pech war Lisa einer der beliebten, Schwarm von Nole, dem besten Freund von Lisas Bruder und einer der besten Freundinnen von Mina. So wurde ich schnell das Opfer, oder wie ich es gerne nannte, der Sündenbock.
Aber ja, kann man wohl nichts ändern. Nur noch dieses Jahr, dachte ich mir und versuchte mich damit aufzuheitern.
,,-s ist denn los mit dir? Ich habe dich schon drei mal gerufen! Hallo!?", irgendeine Hand fuchtelte vor meinem Gesicht Rum, weshalb ich verwirrt zu der Person sah, die mich von meinen Träumen gerissen hatte. Mina.
,,Bitte was? Sorry, ich war in Gedanken.''
,,Ach ne, habe ich auch schon bemerkt. Los setz dich hin, damit wir es endlich hinter uns bringen können. Ich habe noch was wichtigeres vor, als mit dir hier zu sitzen, also vergeude meine wertvolle Zeit nicht!"
Das würde ein langer Tag werden, dachte ich mir, woraufhin ich seufzte und mich geschlagen gab. Ich setzte mich an den Tisch und danach fingen wir an.
***
Direkt als ich aufwachte, dachte ich an die heutige Fernsehshow. Verdammt war ich nervös! Es war zwar nicht meine erste Fernsehshow, jedoch war es meine erste, die so weit ausgestrahlt wurde.
Irgendetwas naives in mir hatte die Hoffnung, dass jemand aus meiner Familie diese Show sehen würde und erkennen würde, dass ich es war. Ich wünschte mir eine Familie. Es war mein größter Wunsch eine Familie zu haben die mich liebte, wie meine Mutter es damals tat.
Leider wusste ich nie den Nachnamen meines Vaters, weshalb ich nicht einmal suchen konnte. Vieles wurde mir von dem Heim verschwiegen, wahrscheinlich hatte man ihnen genug Geld geboten, damit sie dicht hielten. Warum ich das ahnte? Ich hörte ein einziges Mal davon, als jemand neues abgegeben wurde, dass die Eltern Geld boten, um sich versteckt zu halten, so dachte ich, dass es bei mir auch passiert war.
Außerdem würde ich gerne meinen Bruder wieder sehen. Wie waren damals, zur Zeit vor dem Heim, ein Herz und eine seele, natürlich mit den Streitereien, jedoch liebten wir uns gegenseitig endlos.
Leider konnte er sich auch damals nicht gut Namen merken, weshalb ich bezweifelte, dass er mich je finden würde. Ich meinte natürlich den Nachnamen, da er vermutlich adoptiert wurde, würde einen anderen Nachnamen angenommen haben. Außer er wollte seinen behalten, jedoch bezweifelte ich dies.
Wie dem auch sei, ich war gerade dabei meinen Lippenstift aufzufrischen, als Max mich rief. Schnell erledigte ich meine Arbeit und nahm mir meine kleine Clutch, in der sich nun wirklich nicht viel befand, zur Hand. Kurz bevor ich das Zimmer verließ, sah ich mich im Spiegel an und nickte mir selbst zufrieden zu.
So konnte ich auf jeden Fall gehen.
Meine braunen Haare waren in schönen ungleichmäßigen locken zu sehen, dabei hatte ich mal größere und kleinere zwischendurch. Ich hatte meine Haare außerdem offen gelassen, sodass sie mir locker aber die Schulter fallen konnten.
Beim Make-up hatte ich etwas unauffällig auffälliges gezaubert. Das bedeutete, alles gleichmäßig und nichts zu viel, jedoch starken eye-shadow. Die Augenbrauen und die Mascara stachen ebenfalls heraus und wenn ich es mir recht überlegte war es doch nicht so unauffällig, wie ich es haben wollte. Ein Nude-farbener Lippenstift zierte meine Lippen, während ein leichter Rouge-stich meine Wangen umschmeichelte.
Meine schwarze Clutch hatte an der Öffnung und an den Rändern goldene Akzente, jedoch war das Highlight ganz vorne. Denn im Vordergrund war eine Blume aus einzelnen Diamanten zu sehen, die alle auf ihre eigene Art zu strahlen schien. Selbst an der Öffnung waren ganz kleine Diamanten zu sehen. Die Öffnung der kleinen Tasche sah übrigens aus wie ein goldener, mit Diamanten verzierter, Ring.
,,-mm endlich!'', ertönte erneut die genervte und ungeduldige Stimme von Max.
,,Ja-haa!'', schrie ich ihm ebenfalls ungeduldig entgegen und trat etwas unsicher aus meinem Zimmer um zum Wohnzimmer zu gelangen, wo mich Max und drei weitere Bodyguards erwarten würden.
Als wir endlich in dem Auto, entschuldigt, ich meinte natürlich die Limousine, fuhr einer der Bodyguards los. Die anderen drei saßen hinten, bei mir. Einen extra Chauffeur fand ich unnötig. Wir alle konnten Auto fahren, also warum jemanden anheuern?
Nach einer Fahrt, die etwas mehr als dreißig Minuten gedauert hatte, kamen wir letztendlich an. Wir waren sieben Minuten früher da, als wir hätten kommen müssen aber vermutlich bräuchten wir die Zeit, um den Fans zu entkommen. Natürlich war es nicht böse gemeint, jedoch musste ich bald bereit für den Auftritt sein, bedeutete also, rein kommen, reden und alles muss bereit sein, während gleichzeitig nichts schief gehen durfte. Zudem musste mein Make-up aufgefrischt werden.
Kurz darauf öffnete sich die Autotür, wobei ich Max, der mir die Tür öffnete, mit einem dankbaren Blick ansah und seine Hand annahm.
Schnell führten mich Max, Diego, Filipe und Lexian, meine Bodyguards, an den Menschen vorbei, rein in das große Gebäude. Drinnen wurden wir direkt begrüßt und ich wurde direkt mitgenommen, weil man das Make-up auf meinem Gesicht auffrischen wollte.
Nach wenigen Minuten war alles fertig, sodass ich meinen Platz auf der Tribüne einnahm. Der Moderator der heutigen Show kam kurz darauf auch und begrüßte mich ebenfalls.
,,Ich freue mich, dich heute hier begrüßen zu dürfen Hailey. Nun, wie wäre es, wenn du dich doch erst einmal vorstellst? Für alle, die dein hübsches Gesicht noch nicht kennen.'', bat er mich lächelnd und sah mich auffordernd an.
Ich nickte und sprach daraufhin auch schon: ,,Hey, ich bin Hailey. Vielleicht kennen mich die ein oder anderen aus bestimmten Filmen oder Liedern, auf jeden Fall singe ich für mein Leben gerne. Ich bin 18 Jahre alt und ja. Das war es eigentlich so weit von mir.''
,,Hallo Hailey. Ich dachte, dass wir mit dem interessantestesten anfangen können, ich habe vor ein paar Tagen die am häufigsten gestellten Fragen über dich hier aufgeschrieben und werde sie dir gleich stellen. Für jede Frage, die du nicht beantworten möchtest, musst du etwas essen, was ich dir zuordnen. Zum Beispiel haben wir Hühnerfüße oder Fischaugen. Das alles natürlich auch umgekehrt, du kannst mir auch fragen stellen. Okay?'', ich nickte.
,,Gut. Dann kommen wir zu der ersten Frage, was sagt deine Familie dazu, dass du bist, wo du bist? Denn man findet wirklich außerordentlich wenig über das Leben deiner Familie im Internet. Auch wenn man explizit danach sucht.''
Innerlich seufzte ich auf und sah beschämt auf meine Finger, aber äußerlich ließ ich mir nichts anmerken. Ich war wirklich eine schlechte Berühmtheit, ich verschwieg so vieles, an diejenigen, die mich unterstützten. Deshalb beschloss ich auch die Frage ehrlich zu beantworten.
,,Naja, das liegt daran, dass ich keinen meiner leibliche Familie kenne. Das wird viele jetzt vielleicht schockieren, jedoch bin ich adoptiert worden.'', schlagartig wurde es still, abgesehen davon, dass einige schockiert tief Luft holten.
,,Ich kenne meine Familie nicht, sondern weiß nur, dass meine leibliche Mutter nicht mehr lebt. Und die Person, die mich adoptiert hat, ist, denke ich, stolz. Das kann ich aber nicht eins zu eins beurteilen.''
,,Oh..wow. das tut mir wirklich leid."
Ich wank ab und stellte anschließend meine Frage ,,Von all deinen Gästen, die du hattest. Wer war der, bei dem du dachtest, das er am unsympathischsten war?"
Da er nicht antwortete, musste er an einer Zunge einer Kuh lecken. ,,vielleicht sollten wir auch nun zur nächsten Frage kommen. Was sind deine Pläne, für die nähere Zukunft?''
Erfreut beantwortete ich die Frage, da ich wirklich stolz auf die nächsten Projekte war.
,,zunächst will ich ja nicht zu viel verraten, deshalb sage ich zu einer Sache noch nichts, aber in den nächsten Tagen wird es sowieso gelüftet. Auf jeden Fall ist ein Album in Planung und eine Rolle in einem Film auch. Jedoch bloß die Synchronisation. Und vielleicht noch etwas ganz neues, jedoch ist es nicht sicher, ob wir dem Projekt nachgehen werden. Wir schauen zuerst, wie es sich ergibt. Tut mir leid, dass ich nicht mehr sagen kann. Achso, und natürlich ein Konzert, welches in LA stattfinden wird.", anschließend wurde ich gebeten, nähere Informationen zum Konzert zu geben, ich sagte jedoch nur das, was ich sowieso bald auf meiner Instagram Story gesagt hätte, und zwar, dass es bald stattfinden würde und dass es hier in der Nähe sein würde. Außerdem erzählte ich noch, wann es die Tickets zu kaufen gäbe.
Als Abschied der Show sangen der Moderator und ich ein Duett mit vorgegeben Wörter, die wir in unserem Text einbauen mussten und alles in einem war dieser Abend ein großer Erfolg, weshalb ich nach der Show glücklich raus zu meinen Fans ging und auch eine Weile dort blieb, um Fotos zu machen und Poster zu unterschreiben.
Denn wenn eine Person, mit seiner oder ihrer bloßen Anwesenheit andere glücklich machen konnte, sollte es die Person auch nutzen und tun.