Jassy’s POV
„Was zur Hölle hat er getan?“, schrie ich Rydel an. Sie konnte zwar eigentlich nichts dafür, aber irgendjemandem musste ich die Frage ja an den Kopf werfen. Wenn jemand wusste, was Ry getan hatte, dann ja wohl sie. Warum heulte meine kleine Schwester, kaum tauchte Ry auf? Das konnte doch fast kein Zufall sein! Oder hatte sie schon früher geweint und ich hatte es nur nie mitbekommen?
„Ich weiß nicht, warum sie geweint hat, das hat Ry mir nicht gesagt“, versuchte Delly mich zu beruhigen, aber es wollte nicht recht funktionieren. Vielleicht hätte ich ihr helfen können! Ich wollte nicht, dass meine Schwester weinte. Sie war immerhin meine Schwester!
Bestimmt konnte Ry gar nichts dafür und ich beschuldigte ihn zu Unrecht. Aber vielleicht ja auch nicht! Was sollte er allerdings groß getan haben, um Christin zum Weinen zu bringen?
„Was ist, wenn es meine Schuld ist?“, schluchzte ich schon fast. Für so unwahrscheinlich hielt ich das nicht. Wir hatten oft gestritten und trotzdem war sie irgendwie neidisch auf mich. Völlig unverständlich, wo sie doch laut meinen Eltern die Perfekte von uns beiden war!
Meine Oma hatte mir einmal gesagt, dass meine Schwester vor dem Spiegel geweint hatte, weil sie lieber aussehen würde, wie ich. Konnte ich zwar nicht verstehen, aber es beschäftigte mich trotzdem. Klar, wir hatten oft (wirklich oft! ) unsere Differenzen, aber sie war mir trotzdem ans Herz gewachsen.
Außerdem machte es irgendwie Spaß, mit ihr zu streiten, weil sie sich wehren konnte, obwohl sie so viel jünger war. Ja, Streiten konnte unglaublichen Spaß machen, wenn man selbst die Stärkere war. Mit meinem Vater legte ich mich aus selbigem Grund nicht an, denn er gewann einen Streit grundsätzlich immer, auch wenn er Unrecht hatte. Schrecklich, aber wahr.
„Warum sollte das denn deine schuld sein?“ Ross starrte mich verständnislos an. Konnte ich ihm nicht verübeln, denn ich hatte ja schon lange nicht mehr richtig mit meiner Schwester gesprochen und konnte deshalb eigentlich nicht der Grund sein.
„Weil sie mich, trotz meinen ganzen Fehlern, irgendwie beneidet, obwohl ich das überhaupt nicht verstehen kann! Okay, dass sie auch gerne so einen Freund hätte, wäre ja noch möglich, aber deshalb würde sie nicht weinen.“ Unauffälliges Kompliment, ich stand wohl echt unter Stress.
Vielleicht hatte sie Liebeskummer. Wenn es ein Junge war, würde ich ihn sowas von zur Rede stellen!
„Vielleicht vermisst sie dich nur, Jass.“ Das glaubte ich nicht. Außerdem würde ich ja schon bald wieder für zwei Wochen daheim leben. Deshalb würde sie sicher nicht weinen und selbst wenn, würde sie sich von Mum trösten lassen und nicht von Ry. Erleichtert stellte ich fest, dass er somit als Grund sowieso wegfiel. Sie würde ihn sich nicht trösten lassen, wenn er der Auslöser wäre.
„Ich würde dich auch vermissen!“, meinte Ross, was mich zum Lächeln brachte. Rocky verdrehte auf Grund seines Süßholzgeraspels nur die Augen.
„Leute, mal im Ernst! Warum sollte sie weinen?“ „Vielleicht hat sie ja eine schlechte Note bekommen.“
Obwohl meine Schwester vielleicht nicht dumm war, schrieb sie keine guten Noten. Bei mir hatte das erstaunlicherweise ganz gut funktioniert, was mich bis heute irritierte.
„Nein, deshalb hat sie noch nie geweint. Ich denke sie hat sich daran gewöhnt.“
Ich hatte in der vierten Klasse wegen einer 3-4 geweint. Ob ihr es glaubt oder nicht, sogar mal wegen einer 3! Meine Schwester hatte ihre 4-5 sogar eine Weile lang vor meinen Eltern geheim halten können und ihnen auch noch knallhart ins Gesicht gelogen, dass sie die Arbeit noch nicht zurückbekommen hatten. Allerdings war die Lüge nach kurzer Zeit aufgeflogen, weil sie sich verplappert hatte.
„Na dann hatte sie vielleicht Streit mit ihrer besten Freundin.“ Ich warf einen kritischen Blick in die Runde, der aussagen sollte, dass ich mir das kaum vorstellen konnte.
„Man Jassy! Ruf sie doch einfach an!“, platzte es aus Rocky hervor. Das wäre natürlich eine Lösung, aber sie würde mir doch sicher nicht ehrlich antworten.
„Aber selbst wenn ich wüsste, was los ist, könnte ich sie ja nicht trösten!“, erwiderte ich bedrückt. Das tat wirklich weh. Ich hatte meine Schwester zwar schon oft weinen gesehen, aber es hatte nie einen ernsten Grund dafür gegeben.
Von daher war es nie nötig gewesen, sie zu trösten, aber eine 13-jährige heulte nicht einfach ohne Grund!
„Einen Versuch ist es allerdings Wert“, meinte nun auch Rydel. Na dann sollte ich sie wohl anrufen, aber nicht jetzt, denn es war schon recht spät und sie hatte morgen ja Schule.
Zum Glück hatte ich das hinter mir. Die Nerven, jeden Tag so früh aufzustehen, hatte ich beim besten Willen nicht.
„Ich brauche jetzt erst mal einen Brownie!“, murmelte ich und lief in die Küche, wo noch relativ viele von den Köstlichkeiten übrig waren. Ich stopfte drei auf einmal in den Mund und war somit unfähig zu sprechen.
Süßigkeiten waren sozusagen mein Lebensretter, denn sie waren nie unfreundlich, oder verletzend und waren einfach das Leckerste auf der Welt.
„Schmeckt‘s?“ Von hinten schlang jemand seine Arme um mich. An dem wohligen Gefühl und an der Vertrautheit der Worte erkannte ich Ross sofort. Wer würde mich auch sonst so umarmen?
„Mhm“, nuschelte ich. Diese Browinies waren der Himmel auf Erden. Niemand konnte so gute Brownies backen! „Ich würde dich ja küssen, aber ich glaube das wäre weniger appetitlich.“
„Ach was, find ich gar nicht!“ Ich grinste in mit vollen Backen an. Noch immer waren meine Worte kaum zu verstehen, was sicherlich an meinem vollen Mund lag.
„Sag mal, hab ich eigentlich zugenommen?“, fragte ich ein wenig besorgt. Inzwischen hatte ich die Masse in meinem Mund hinuntergeschluckt und beäugte jetzt besorgt meinen Bauch. Stormie kochte wirklich zu gut, außerdem trieb ich keinen Sport mehr, seit ich in LA war.
„Ich finde das Bäuchlein süß!“ Er strich mit einer Hand über eben dieses hob mich leicht hoch. Natürlich stand ich noch auf den Zehenspitzen, sodass er nicht mein komplettes Gewicht halten musste.
„Was ist denn daran bitte süß?“, fragte ich ratlos. Bei Babies war das vielleicht niedlich, bei mir sah das irgendwann nur noch nilpferdähnlich aus.
Es war nicht so, dass ich Komplexe hatte und mich übermäßig hässlich fand. Nein, es gab sogar Tage, wo ich ausgesprochen hübsch aussah. Leider kamen diese Tage nur dann, wenn mich ohnehin niemand sah.
„Ich find es steht dir.“ Welchem normalen Mensch stand Speck? Mal abgesehen davon, dass außer Lady Gaga kein Mensch Fleisch trug.
„Inwiefern steht mir das bitte?“ „Ich finde es sieht süß aus.“ „Man sieht es?“, fragte ich entsetzt.
Eigentlich logisch, dass wenn ich Speck ansetzte, das auch sichtbar wäre, aber das war ja schrecklich!
„Beruhig dich! Ich find es super so!“ Aber ich nicht! Wenn man es jetzt schon sah, wie würde ich dann wohl in ein paar Monaten aussehen?
„Ich bin davon nun wirklich weniger begeistert!“ Erneut strich er über meinen Bauch und pustete mir ins Ohr: „Dann hab ich aber ein bisschen mehr von dir!“ Sobald ich ihn versehentlich zerquetscht hätte, würde er das sicher anders sehen. Ich lehnte mich gegen ihn und nach diesem Gespräch hätte es mich nicht gewundert, wenn ich ihn umgerissen hätte, aber er hielt stand. In meinen Augen ein Wunder.
Ich drehte meinen Kopf und küsste ihn schnell auf den Mund. Er verzog genießerisch das Gesicht und murmelte etwas davon, dass ich nach Schokolade schmecke. „Siehst du Süße? Wenn du auf Diät oder so wärst, würdest du sicherlich nicht so gut schmecken. Nur nach Gemüse und gesundem Zeug.“
Ich grinste breit über seine Worte. Meine Schwester hatte ich fast vergessen, allerdings nur fast. „Ich freue mich auf zuhause“, flüsterte ich und legte meinen Kopf in seine Halsbeuge. Sein Griff um mich wurde noch ein wenig enger und ich machte für einen Moment die Augen zu.
„Danke Ross.“ „Wofür?“ Wir redeten beide so leise, dass ich mich anstrengen musste, um ihn zu verstehen. „Dass ich dich kennengelernt habe und dafür, dass du du bist. Aber am meisten dafür, dass du Gefühle für mich hast.“ Er antwortete nicht. Vielleicht hatte er es ja auch gar nicht gehört, weil ich zu leise gesprochen hatte, aber wiederholen würde ich es nicht.
„Danke, dass du deinen Koffer nicht finden konntest und ich dir mein Bett leihen durfte. Aber am meisten dafür, dass ich dir sagen kann, wie sehr ich dich liebe.“ Ich wurde rot, weil seine Worte so süß waren. Ich kuschelte mich noch ein wenig enger an ihn: „Ich dich auch.“
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