Als Emily aufgewacht war, hatte ich sie über mein vorhaben informiert, dass ich über Nacht hier bleiben würde um auf sie aufzupassen. Wenn es ihr morgen besser ging, könnten wir dann besprechen was wir tun würden.
Sie bedankte sich bei mir und erlaubte mir ein paar Sachen aus ihrem Kleiderschrank zu nehmen, ich bedankte mich ebenfalls dafür, dadurch musste ich nicht Harrys Pullover weiter tragen.
Ich lief auf den Schrank zu und kramte mir einen grauen Oversized Pullover und eine schwarze Jogginghose heraus. Ich schwang mir die Kleider über die Schulter und suchte das Bad auf. Es befand sich am ende des Flures genau dort wo Emily es mir beschrieben hatte. Ich betrat den kleinen Raum und der Geruch von Aftershave gemischt mir dem Geruch von Lavendel stieg mir in die Nase. Über dem kleinen Waschbecken hing ein Spiegel, welcher mit Fingerabdrücken und an manchen Stellen mit Blutspritzern bedeckt war.
Igitt.
Darunter war ein kleines Waschbecken mit einem Zahnputzbecher und vier Zahnbürsten darin. Zu meiner Rechten befand sich eine Badewanne, jedoch hatte sie keinen Vorhang oder sonst irgendwas was man hätte zuziehen können.
Ich seufzte und schloss die Tür hinter mir. Ein weiterer Seufzer entkam mir als ich merkte, das die Türklinke nur noch halb im Schloss hing und das Schloss sich nicht schließen lies. Ich drückte gegen die Tür und versuchte das Schloss zu drehen, es war jedoch zwecklos, also konnte ich nur hoffen das keiner rein kam während ich mich Duschte und das schlimme war auch noch das die Dusche keinen Vorhang hatte.
Ich streifte mir schnell den Pullover vom Leib und war froh darüber ihn endlich los zu werden. Ich warf ihn sowie den Rest der Kleider ins Ecke. Schnell stieg ich in die Dusche, mein Blick immer auf die Tür gerichtet.
Der Wasserhahn ließ sich mit Leichtigkeit aufdrehen, als das kalte Wasser auf meine warme Haut prasselte, setzte mein Herzschlag für einen Moment aus und schlug dann in der doppelten Geschwindigkeit weiter. Ich fuhr mir mit den Händen durchs Haar damit das Wasser das nur durch einen schwachen Strahl aus dem Duschkopf floss sich leichter in meinen Haaren verteilte. Langsam nahm das Wasser eine wärmere Temperatur an, so konnte ich die Dusche ein wenig genießen. Ich nahm etwas Shampoo, das auf dem Wannenrand stand und verteilte es auf meinen Haaren. Da es nur dieses eine Shampoo gab verteilte ich es auch auf meinen Beinen und auf meinem Arm und die roten Flecken wegzuwaschen. Es roch erfrischend nach Mango und Zitrone. Etwas Schaum gelang in mein Auge, woraufhin ich meine Augen zusammenpresste und mich weiter unter den Strahl stellte und versuchte es mir aus dem Auge zu waschen.
Ein klicken lies mich herumfahren, ich öffnete meine Augen und konnte nur verschwommen die Umrisse einer großen Person mit lockigen braunen Haaren erkennen.
Oh mein Gott, Harry.
Ohne groß nachzudenken zog ich das Handtuch vom Ständer und wickelte es mir um den klitschnassen Körper, schnell machte ich einen Schritt vom Wasserstrahl weg, damit mein Handtuch nicht noch nässer wurde, als es ohnehin schon war.
„Was zum-?!" fluchte ich während ich mir mit meiner freien Hand über die brennenden Augen rieb.
„Hey, das ist auch mein Bad."
Und das gab ihm das Recht rein zu kommen, wenn ich gerade unter der Dusche stand? Fassungslos starrte ich ihn an. Hatte er mir gerade Nackt gesehen? Wenn ja, hatte er mehr von mir gesehen als es jemals ein Junge getan hatte. Oh Gott, bitte nicht.
Harry stand mit verschränkten Armen im Raum und schloss mit einem Hüft stoß die Badezimmertür hinter sich. Ein freches Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus.
„Lass dich nicht von mir stören. Dusch weiter."
„Ganz sicher nicht" Wütend funkelte ich ihn an, stellte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. Was bildet der sich überhaupt ein? Das war Verletzung der Privatsphäre. Plötzlich rutschte der Teppich unter meinen Füßen weg, ein Arm fuchtelte wild durch die Gegend während ich mit dem Anderen das Handtuch festhielt.
Harry griff nach meinem Arm und hinderte mich so daran zu fallen. Als ich mein Gleichgewicht wieder erlangte und mein Herzschlag sich wieder reguliert hatte, entzog ich mich seinem Griff und lief in Richtung Tür, doch er stellte sich davor und versperrte mir den Weg.
„Geh weg" fuhr ich ihn an und versuchte mich an ihm vorbei zu drücken.
„Wieso sollte ich mir diese Chance entgehen lassen." Ein Erwartungsvolles Grinsen breitete sich auf seinem Makellosen Gesicht aus, seine leuchtenden grünen Augen wanderten über meinen vom Handtuch ummantelten Körper.
Angewidert schaute ich ihn an, nur weil andere Mädchen vielleicht auf seine Masche hineinfielen, war es bei mir nicht der Fall. Niemals würde ich mit so was etwas anfangen und außerdem mochte ich ihn nicht und seine Art ging mir auf die Nerven.
„Ich werde nichts mir dir machen."
„Noch nicht" gab er selbstsicher zurück und trat auf die Seite um mir den Weg frei zu geben.
Ich starrte ihn noch eine weile an bis ich dann grimmig die Augen rollte und mich an ihm vorbei drückte, nicht ohne zuvor noch meine Kleider vom Boden aufzuheben. Noch nicht. Diese Worte spielten sich immer wieder in meinem Kopf ab. Er war wohl schwer davon überzeugt, dass ich mich ihm irgendwann hingeben würde. Niemals. Er war ein Arschloch und ich wollte einen anständigen Jungen. Einer der auf mich aufpasste und mich mit anstand behandelte und so einer war er offensichtlich nicht.
Ich warf das Kissen und die kratzige Wolldecke, die ich mir aus Emilys Schrank genommen hatte, auf das Sofa, das sich im Wohnzimmer direkt neben Emilys Zimmer befand. Ich schüttelte das Kissen aus und breitete die Decke aus. Die Staubpartikel die sich aus der Decke lösten, schwebten in der Luft und brachten mich zum husten als ich einige von ihnen ausversehen einatmete. Ich schlüpfte unter die Decke und versuchte mich so gut es ging in sie einzukuscheln. Das Wohnzimmer war nicht beheizt, wodurch es relativ kalt war. Draußen hörte man den Wind, wie er in ungleichmäßigen stoßen die Äste des Baumes gegen das Fenster schlagen lies. Die Äste wirkten wie Arme und machten durch den Schnee, der ebenfalls in strömen vom Himmel fiel und gegen die Fensterscheiben donnerten einen noch unheimlicheren Eindruck. Nur diese eine Nacht redete ich mir ein.
"Kalt?"
Eine vertraute männliche Stimme lies mich zusammenzucken. Harry stand mit verschränkten Armen in Türrahmen. Gott, konnte dieser Junge sich nicht wie jeder andere normale Mensch bemerkbar machen und mir nicht jedes mal fast einen Herzinfarkt einjagen.
Ach ja, fast hätte ich es vergessen, er war ja kein Mensch.
Ich nickte leicht, lies mich wieder in die Decke sinken und kuschelte mich etwas weiter in sie rein.
Vorsichtig machte Harry ein paar Schritte auf das Sofa zu.
"Zu zweit, wäre es viel wärmer, weißt du?"
War das etwa eine Einladung zum kuscheln? Nein danke. Da fror ich mir lieber für eine Nacht den Hintern ab, als das ich mit diesem Freak über die Nacht ein Sofa teilte.
"So kalt ist mir auch wieder nicht." log ich.
In Wirklichkeit war mir sehr sehr kalt, aber das würde ich auf keinen Fall zugeben.
Ein zittern durchfuhr mich als mich ein weiterer Kältestoß, der durch das undichte Fenster wehte, mich erreichte. Ich zog meine Arme und Beine dicht an den Körper, um nicht noch mehr Körperwärme zu verlieren.
Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, es zu zu lassen aber dann erinnerte ich mich wieder dran das es Harry war und er die Gelegenheit nur ausnützen würde und ich es früher oder später bereuen würde, das ich ihm erlaubt hatte mich zu wärmen.
"Ach komm, ich seh doch das dir kalt ist. Ich werd auch nichts machen." Abwehrend hob er die Hände in die Luft, ein freches Grinsen konnte er sich jedoch nicht verkneifen.
Als nun auch meine Zähne anfingen zu klappern, nickte ich und setzte mich auf. Mir egal wie sehr ich es morgen bereuen würde. Mir war kalt und jeder hätte in solch einer Situation gleich gehandelt. Vielleicht lag es auch an meinem Gehirn, das dank der kälte nicht mehr richtig funktionierte.
Er legte sich hinter mich, sodass er mit seinem Rücken gegen die Rückenlehne lag und meiner gegen seine Brust. Seine Arme breitete er so aus, dass jeweils ein Arm unter und der Andere über mir lag. Sobald ich mich hinlegte, begrüßte mich seine einladende Körperwärme. Als mein Hintern plötzlich gegen seine Hüfte stieß rutschte ich schnell ein Stück von ihm weg auch wenn der Sinn der Sache war das wir uns gegenseitig wärmten war es mir dennoch unangenehm seinem Körper so nahe zu sein. Schließlich war er nicht mein Freund und ich mochte ihn nicht mal. Ich rutsche noch ein Stück von ihm weg damit sich unsere Körper nicht berührten aber ich dennoch seine wärme im Rücken spürte doch Harry hatte andere Pläne. Seinen freien Arm schwang er um meine Hüfte und zog sie nach hinten. Mit meinem ganzen Körper stieß ich gegen seinen. Er hatte nur ein T-Shirt an und durch meinen dünnen Pullover konnte ich die Muskeln die sich darunter befanden deutlich spüren. Ein zittern überkam mich, bei dem Gedanken an seinen muskulösen Oberkörper. Harry schien mein zittern bemerkt zu haben den er verstärkte seinen Griff und drückte mich noch weiter an seinen warmen Körper. Ein merkwürdiges aber schönes Gefühl breitete sich in meinem Magen aus, ein Gefühl das ich noch nie zuvor gespürt hatte, deshalb war es so schwer für mich zu beschreiben. Jede einzellne Berührung von ihm lies dieses Gefühl in mir frei. Hatte ich etwa besondere Gefühle gegenüber dem Jungen der gerade seinen Kopf in meinen Haaren vergrub? Nein, das konnte nicht sein, ich konnte ihn nämlich nicht ausstehen. Warscheinlich war es nur der plötzliche Temperaturen wandel von kalt zu warm. Sein Atmen kitzelte mir im Nacken. Gänsehaut breitete sich an der Stelle aus wo mich etwas kühles im Nacken berührte, wahrscheinlich sein Lippenpiercing.
Mit der Zeit spürte ich wie sich mein Körpertemperatur wieder normalisierte und meine Gedanken und Sorgen sich in Luft aufzulösen schienen. Ich vergaß allmählich mit wem ich gerade das Sofa teilte und wie gefährlich der Junge, der dicht an mich angekuschelt, doch war. Ich vergaß das komische Gefühl, das er in mir entfachte. Meine Augenlieder wurden immer schwerer und schwerer bis sie dann schlussendlich ganz zu vielen und ich in das Reich der Träume einwanderte.
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Morgen wieder Schule :( Nein :(
Wie fandet ihr das Kapitel? :) Ich fand es etwas kurz aber das nächste wird eindeutig länger und spannender, hab schon eine genaue Vorstellung was passieren wird, Bitch-fight undso :3
Ihr würdet mir eine mega mega freude machen wenn ihr voten und kommentieren könntet :)
Jasmin ♡