Traced
Kapitel 1:
Ich saß auf dem Beifahrersitz von unserem neuen Auto und starrte aus dem Fenster. Es regnete in Strömen und man konnte die Umgebung fast nicht erkennen. Mein Vater und ich waren auf dem Weg nach Fort Madison. Die kleine Stadt mit rund 11.000 Einwohnern, liegt in Iowa. Dad und ich zogen dahin, weil meine Mutter vor einem halben Jahr gestorben ist. Wir hielten es einfach nicht mehr in dem alten Haus aus, alles erinnert einen an die Person die man über alles liebte. Dad musste seinen alten Job kündigen aber er hat schon einen neuen, der wie er sagt, genauso gut sei. Dad parkte das Auto vor einem kleinem Haus. Es sah ein bisschen alt aus, die Farbe könnte nochmal erneuert werden und am Garten müsste noch einiges getan werden. Da Ferien waren und ich somit morgen genug Zeit hatte, beschloss ich zu streichen und den Garten auf Vordermann zu bringen. Dad konnte solange die Möbel in Empfang nehmen und aufbauen. Jedenfalls stieg ich aus nahm meinen Koffer und schleppte ihn zur Haustür. Dad gab mir den Schlüssel und ich schloss auf. Vor mir war ein kleiner Flur und man konnte von hier aus bis zum Wohnzimmer schauen dass rechts vom Flur war. Links vom Flur war die Küche, sie war offen und hatte eine kleine Kücheninsel. Ich zog meinen Koffer ins Wohnzimmer und schaute mich genauer um. Die Einrichtung war nicht mehr die neueste aber erinnerte mich ein bisschen an den Vintage look. Vorallem die Vorhänge an den Fenster, weiße Spitze und mit Herzchen verziert. Ich glitt mit meinem Finger über die Anrichte, um zu schauen ob es dreckig war. An meinem Finger klebte viel Staub, da hatte Dad hier viel zu tun. Aber ich würde ihm helfen sobald ich im Garten fertig war.
„Und Mia? Wie gefällt es dir?“ fragte mich mein Vater leise. Er hatte mich die untere Etage in Ruhe anschauen lassen und dann erst gefragt. Dad war oft skeptisch mit allem, aber wollte schon immer nur das beste für mich und meine Mutter.
„Hm... Ein bisschen heruntergekommen. Aber wenn wir morgen alles putzen und anstreichen dann sieht es glaube ich echt schön aus. Mach dir keine Gedanken Dad es gefällt mir!“ antwortete ich aufrichtig. Er schien wirklich erleichtert und umarmte mich.
„Na los, willst du gar nicht dein Zimmer sehen? Du hast das größte Zimmer von oben, liebes!“
Ich war erstaunt aber bedankte mich bei meinem Dad. Langsam ging ich nach oben und ging in das Zimmer rechts von mir.
„Das ist dein Zimmer Mia“ sagte mein Vater.
Er hatte recht. Das Zimmer war einfach riesig und wunderschön. Auch hier spiegelte sich der alte Stil von unten wieder, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Es gab ein großes Fenster mit einem Erker. Da drin war eine Art Sofa und ich stellte mir jetzt schon die schönen Wintertage mit einem Buch dort vor. Ich ging zu dem Sofa und setzte mich. Ich betrachtete den Wald, den man von dem Erker aus sehen konnte. Aber was war das? Wenn ich mich nicht täuschte sah ich einen Jungen mit saphirblauen glänzenden Augen am Anfang des Waldes. Diese Farbe der Augen verfolgte mich schon seit ein paar Monaten. Als ich aber über meine Augen rieb und sie dann wieder öffnete war er verschwunden. Mensch, Mia bilde dir doch nicht immer Sachen ein die es überhaupt nicht gibt redete ich mir ein. Aber ich hatte mir echt gewünscht dass ich es mir diesmal nicht eingebildet hatte. Ich stand auf und erkundete den Rest des Zimmers. Leider hatte es kein eigenes Badezimmer, aber das fand ich nicht schlimm, denn das Zimmer war wunderschön da konnte ich mir auch ein Bad mit meinem Vater teilen. Dad und ich gingen die restliche Etage anschauen, die aus einem Bad, einem Schlafzimmer, einem Arbeitszimmer und natürlich meinem Zimmer bestand. Zum Glück war das Bad wie die Küche nicht ganz so alt wie der Rest, eigentlich war das Badezimmer relativ neu, es sah aufjedenfall nicht schmudellig aus oder so. Er schlug mir vor, dass wir ja einkaufen gehen könnten und dann etwas leckeres kochen könnten und in den Baumarkt zu fahren. Ich bejahte und somit stiegen wir in das Auto ein. Da wir uns ja hier überhaupt nicht auskannten schaltete Dad das Navi ein und gab eine Straße ein in der viele Supermärkte sein sollten, laut Google. Mein Vater ging schonmal vor und ich holte einen Einkaufswagen. Aber gerade als mein Geldstück runterfiel und ich es aufheben wollte stieß ich mit jemandem am Kopf zusammen.
„Entschuldigung!“ sagte ich aber als ich aufschaute stockte mir der Atmen, denn ich sah strahlend helle blaue Augen direkt vor mir. Ich stand auf und wollte den Jungen etwas fragen aber er nahm seinen Zeigefinger vor den Mund und bedeutete mir damit dass ich leise sein sollte. Aber warum? Wollte er nicht dass ihn jemand sieht wie er mit einer Neuen spricht? Ich riss meinen Blick von ihm los und ging mit dem Einkaufswagen rein. Ich versuchte so gut es ging diese Begegnung zu vergessen aber so ganz gelang es mir nicht. Diese blauen Augen schlichen sich immer in meine Gedanken...