It All Comes Back Again

By Jelena1518

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Die plötzliche Ermordung von Sheriff McLucas versetzt ganz Brendshire in Aufruhr. Um in seinem Todesfall zu e... More

Prolog
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
45. Kapitel
46. Kapitel
47. Kapitel
48. Kapitel
49. Kapitel
50. Kapitel
51. Kapitel
52. Kapitel
53. Kapitel
54. Kapitel
55. Kapitel
56. Kapitel
57. Kapitel
58. Kapitel
59. Kapitel
60. Kapitel
61. Kapitel
62. Kapitel
63. Kapitel
64. Kapitel
65. Kapitel
66. Kapitel
67. Kapitel
68. Kapitel
69. Kapitel
70. Kapitel
71. Kapitel
72. Kapitel
73. Kapitel
74. Kapitel
75. Kapitel
76. Kapitel
77. Kapitel
78. Kapitel
Epilog
Personenverzeichnis

12. Kapitel

285 27 0
By Jelena1518

Noch einmal ging Neela die Liste mit den Dorfbewohnern nach Verdächtigen durch. Sie war froh, sich endlich ablenken zu können.

Die Beerdigung ihres Vaters am Sonntag hatte sie doch stärker berührt, als sie vorher gedacht hatte. Doch das war auch vielen anderen so gegangen.

Viele Frauen hatten schluchzend neben ihren Männern gestanden, die nicht selten ebenfalls Tränen in den Augen gehabt hatten.

Doch bei den Sheriff- und Bürgermeisterwahlen am Nachmittag war alle Trauer wie weggeblasen gewesen.

Bei den Debatten und der anschließenden Abstimmung war es hoch hergegangen und am Ende hatte es sogar eine waschechte Prügelei zwischen Landon Gray und Dan Bradley gegeben.

Schließlich war der ehemalige Hilfssheriff James Chidlow Sheriff geworden, da Simon Smith wegen seines bevorstehenden Umzugs nach Nebraska nicht zur Wahl angetreten war. Seine beiden neuen Hilfssheriffs waren nun David Sheppard, der beste Pferdezüchter der Umgebung und Nachbar der O'Ryans, und William McKinley geworden.

Für William hatte Neela sich besonders gefreut, da sie den gutherzigen, alten Mann mochte. Dessen zweite Tochter Charlotte war Neelas Freundin und Harveys Verlobte.

Brendshires neuer Bürgermeister war Shane Bradley geworden, der die Wahl mit Abstand gewonnen hatte. Er war ein begnadeter Redner und gehörte schon lange zu den führenden Männern dieses Ortes.

Die einzigen Gegenstimmen waren beinahe ausnahmslos von den O'Ryans gekommen. Nur Kate McKinley war ebenfalls gegen Shane als Bürgermeister gewesen, wahrscheinlich aus Loyalität zu ihrer zukünftigen Familie, vermutete Neela.

Sämtliche O'Ryans waren aufgrund ihrer Geschichte mit den Bradleys viel zu subjektiv. Die beiden Familien waren schon über Jahre hinweg zerstritten, wobei - das musste Neela zugeben - das immer eher von Shanes Söhnen und Töchtern als von den O'Ryans ausgegangen war.

Neela gehörte zu der Mehrzahl der Dorfbewohner, die Shane Bradley mochten. Einzig der jahrelange Streit zwischen den O'Ryans und den Bradleys brachte ihre gute Meinung über den Mann und seine Familie ins Schwanken.

Musste nicht irgendetwas an den gegenseitigen Vorwürfen wahr sein? Obwohl - Dan hatte auch einmal behauptet, Mark hätte ihm seine Freundin ausgespannt. Allerdings hatte der ihr später erzählt, dass besagtes Mädchen seine Cousine gewesen war, die er davon überzeugt habe, ein Bradley sei nicht der Richtige für sie.

Als dann Landon Gray aufgetaucht war, war der Streit erneut entfacht gewesen. Neela hatte nicht alles mitbekommen, doch sie wusste, dass Landon schlimme Vorwürfe gegen den Familienvater erhoben hatte - und die O'Ryans hatten, aus welchen Gründen auch immer, zu dem Neuankömmling gehalten.

Aber Neela wusste, dass Shane Bradley ein ehrlicher Mann war und freute sich, dass er zum neuen Bürgermeister ernannt worden war.

Wer wusste schon, womit Landon Gray den O'Ryans den Kopf verdreht hatte?

Es war ein Trost für Neela, dass Rylee Braddock, ihre beste Freundin, beinahe jeden Nachmittag vorbei kam und sich ihr ganzes Gerede über den Mord an Luka McLucas anhörte und versuchte, ihr bei der Aufklärung zu helfen.

Rylee besaß einen erstaunlichen Scharfsinn, um den Neelas sie beneidete. Und dass, obwohl sie lediglich Kellnerin in Shane Bradleys Gasthof war.

Allerdings wich Alec Taylor Neela kaum noch von der Seite, sodass Neela lange nicht die Ermittlungsfreiheiten besaß, die sie gerne gehabt hätte - zumal sie nicht einmal mehr das Haus geschweige denn das Grundstück der McLucas' verlassen durfte.

Rylees Stimme schreckte Neela aus ihren Gedanken. „Wie ist er eigentlich gestorben?", fragte sie.

Ihr Finger lag auf der Liste mit den Namen der Dorfbewohner und wies auf einen Namen, hinter den Neela ein Kreuz gemacht hatte.

Neela warf einen Blick darauf. „Owen Cunningham", las sie und überlegte kurz. „Ich glaube er wurde in Whitingham ermordet, vor ziemlich exakt einer Woche", erklärte sie. „Wenn ich mich richtig erinnere, wurde er mit Arsen vergiftet."

Rylee nickte unbestimmt. „Er war Professor", las sie in der Berufsspalte auf der Liste. „Für was?"

Neela legte das Handtuch beiseite, mit dem sie sich die frisch gewaschenen Haare abgetrocknet hatte. „Keine Ahnung. Aber das ist eine interessante Frage. Ich glaube, er war Erfinder. Wir müssten seine Frau fragen."

Die beiden Mädchen blickten sich an. Neela spürte Hoffnung in sich aufkeimen. Hatten sie eine Spur?

Sie dachte noch einmal kurz nach, und dann fiel ihr ein weiteres kleines Puzzleteil ein. „Luka hatte mir einen Zettel geschrieben, falls ich eher als er nach Hause zurückkehren sollte. Er wäre nur mal schnell in Whitingham..."

Rylee lächelte sie verschmitzt an. „Du solltest da hin! Das einzige Problem ist dein Bodyguard, aber den werde ich schon überzeugen." Sie warf ihrer Freundin einen übertriebenen Augenaufschlag zu.

Neela musste lachen. Das war eine Seltenheit in den letzten Tagen gewesen.

* * * * *

Leise schlich Landon Gray die Treppe nach unten in den Flur des Farmgebäudes.

Im Wohnzimmer hörte er Rebecca und Kendra lachen. Die beiden konnten ihm egal sein, solange sie ihn nur nicht aufhielten.

Samuel und Henry waren auf der Nachbarfarm und halfen den Tuckers und Mark war sowieso nie zu Hause. Blieb noch Lucy.

Sie sah sich als seine Mutter und wollte ihn beschützen, wie ihre anderen Kinder. Doch Landon wollte nicht ihr Sohn sein, er wollte niemandes Sohn sein!

Warum konnte diese Familie ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Merkten sie nicht, dass sie ihn mit ihrer Liebe erdrückten, dass er sich immer weiter abschottete, je mehr sie versuchten, ihm ihre Freundschaft aufzudrängen?

Sprüche wie „Du gehörst zur Familie" und „Wir lieben dich, wie unsere anderen Kinder" hingen ihm mittlerweile zum Hals hinaus.

Am Anfang hatte er diese Familie und ihren Zusammenhalt so sehr bewundert und sich Mühe gegeben, sich anzupassen. Doch je mehr Jahre vergingen, desto mehr wurde Landon bewusst, dass er nicht zu ihnen gehörte.

Wie sehr er sich auch anstrengte, er würde nie einer von ihnen, ein O'Ryan sein. Vielleicht war er als Jugendlicher zu naiv gewesen oder hatte einfach nur endlich eine richtige Familie haben wollen. Aber jetzt sah er alles anders.

Die einzige Person, der er alles erzählte, war seine Freundin, Lisa Sheppard. Seine Verlobte.

Leise zog Landon seine Schuhe an und öffnete dann vorsichtig die große, schwere Eingangstür.

Er lugte durch einen Spalt auf der Veranda und hätte beinahe die Tür vor Schreck zufallen lassen, als er Lucy O'Ryan dort stehen sah. Seine Mutter redete gerade mit ihrer Nachbarin, Maryanne Sheppard.

„Du solltest wirklich auf ihn aufpassen!", forderte Maryanne gerade mit gerunzelter Stirn.

Ob er damit gemeint war? Es wäre nichts neues, dass Brendshires Bewohner sich über ihn beschwerten. Doch bis jetzt hatten Lucy und Samuel ihn immer verteidigt.

„Er hat meiner Tochter den Kopf verdreht. Seit sie mit ihm zusammen ist, hat sie sich negativ verändert. Sie widerspricht ständig, ist aufmüpfig, überreizt und stellt alles in Frage. Dabei war sie doch so ein gutes Mädchen."

Als Maryanne zu schluchzen begann, führte Lucy sie auf die Bank vor dem Haus. Landon konnte die beiden nicht mehr sehen, also konzentrierte er sich auf das Hören.

Was Lucy mit ihrer leisen, sanften Stimme, die auch er früher gemocht hatte, sagte, konnte er nicht verstehen.

„Ich denke, es ist besser, wenn sie einander erst einmal nicht mehr sehen, Lucy. Ich möchte nicht, dass er sie weiterhin so stark beeinflusst", jammerte Maryanne.

Landon spannte sich an. Lucy würde nicht zustimmen. Sie durfte nicht zustimmen. Das konnte sie ihm nicht antun!

Wieder erwiderte Lucy etwas, dann ergriff Maryanne das Wort.

„Bitte, Lucy. Ich weiß, es wird schwer für die beiden, aber ich bin mir sicher, dass es auf längere Sicht das Beste für Lisa ist. Sie ist doch gerade erst 18 geworden. Und er ist schon 20! Und ich glaube nicht, dass er der richtige Umgang für sie ist!"

Landon zuckte zurück, als hätte er sich verbrannt. Mit diesen und weiteren Argumenten würde Maryanne Sheppard Lucy überzeugen, da war sich Landon auf einmal sicher.

Was sollte sie auch machen, wenn Maryanne die Treffen mit ihrer Tochter verbot?

Doch er würde sich Lizzie nicht wegnehmen lassen! Nicht nachdem die beiden so lange gebraucht hatten, um zu erkennen, wie sehr sie sich liebten. Für Lisa hatte es sogar erst den Umweg über Dan Bradley, den „Playboy" Brendshires, gebraucht, bis sie erkannt hatte, dass sie ihn liebte.

Schritte auf der Veranda ließen Landon aufhorchen. Wenn Lucy jetzt hereinkommen würde und ihn entdeckte, wäre sein Schicksal besiegelt, die Beziehung mit Lizzie von ihrer beider Eltern im Keim erstickt.

Auf Zehenspitzen rannte Landon an der geöffneten Wohnzimmertür vorbei, bog in den linken Flur ab und fand sich schließlich in Marks Zimmer wieder.

Da hier nie jemand war, hatte Landon sozusagen zwei Zimmer. Sein eigenes im ersten Stock und, wenn er nicht gefunden werden wollte, Marks Zimmer.

Es war immer aufgeräumt hier, das wusste Landon von seinen früheren Aufenthalten. Meistens, wenn Mark wieder einmal nicht da war, da sein Bruder sonst genau darauf achtete, dass niemand sein Zimmer betrat.

Landon blickte lächelnd auf die Kreditkarte in seiner Hand. Er hatte gelernt, sich zu verschlossenen Räumen Zutritt zu verschaffen.

Im Flur hörte er Lucy nach ihm rufen. Hier würde sie nicht herein kommen, da war Landon sich sicher.

Kurz darauf verkündete das Knarren der Treppenstufen, dass sie in den ersten Stock ging.

Landon lächelte überlegen. Langsam öffnete er das Fenster. Es war immer noch so gut geölt wie das letzte Mal und quietschte kein bisschen - im Vergleich zum Rest des Hauses.

Er wollte gerade auf das Fensterbrett klettern, da fiel ihm etwas ein. Er nahm immer etwas mit, wenn er heimlich in die Zimmer seiner Geschwister schlich.

Es gab ihm das Gefühl, sie auch einmal besiegt zu haben, so wie sie ihn im Rennen um die Plätze der Familienzugehörigen besiegt hatten.

Er blickte sich um. Er erblickte ein Familienfoto auf Marks ansonsten leerem Schreibtisch. Landon grinste, nahm das Foto auf dem Rahmen und steckte es ein.

Dann zögerte er.
Was brachte ihm das Foto einer Familie, zu der er nicht gehörte? Er zog es wieder aus seiner Hosentasche und begann, es in kleine Stücke zu zerreißen. Anschließend warf er es in den Papierkorb.

Dass dabei ein Stück herunterfiel, störte ihn nicht. Sollte Mark doch ruhig wissen, dass jemand in seinem Zimmer gewesen war.

Jetzt kletterte Landon endlich auf das Fensterbrett und sprang hinunter in den Garten. Er hatte eine Verabredung mit Lisa Sheppard.

* * * * *

Mit einem Grinsen stellte Mark fest, dass Josh sich an seinem Sitz festhielt, als er viel zu schnell mit dem Pick-up der McLucas' über die unbefestigte Landstraße mit den vielen Schlaglöchern fuhr.

Die Analyse des Tuches, das Mark hinter dem Stall gefunden hatte, hatte bis auf das in Brendshire allseits beliebte Waschpulver wenig ergeben.

Der Mörder hatte keine Fingerabdrücke hinterlassen, was darauf schließen ließ, dass er es absichtlich dort liegen gelassen hatte - was wiederum bedeutete, dass die Initialen nicht seine eigenen sein konnten.

Nachdem Neela bei dem gemeinsamen Mittagessen mit Rylee und Alec scheinbar zufällig Owen Cunninghams Mord erwähnt hatte, hatte es nicht mehr viel gebraucht, um Mark und Josh zu überzeugen, dass es einen Zusammenhang zwischen Lukas und Owens Tod gegeben haben könnte.

Immerhin hatte Luka als Brendshires Sheriff mit Sicherheit über Owens Mord Bescheid gewusst.

War Luka McLucas Owen Cunninghams Mörder auf die Schliche gekommen?

Wenn ja, mussten sie herausfinden, wieso der Professor ermordet worden war.

Neela hatte angedeutet, dass es etwas mit dessen neuster Erfindung zu tun haben könnte. Also hatten Mark und Josh beschlossen, zu den Cunninghams zu reiten und dort nachzufragen.

Dass Neela nicht mitkommen durfte, hatte die junge Frau zwar enttäuscht, aber für Josh, Alec und Mark hatte das nicht zur Debatte gestanden.

„Sag mal, Mark, wie viel hast du eigentlich in den letzten Tagen geschlafen? Du siehst aus wie eine wandelnde Leiche", scherzte Josh.

Mark verzog das Gesicht. „Haha, Josh, sehr witzig."

Josh lachte. „Aber mal im Ernst. Vielleicht hast du dich auch bei Logan angesteckt. Du weißt doch, während des Falls mit Sarah und Alec musste er aussteigen, weil er plötzlich umgekippt ist. Außerdem - du schläfst echt zu wenig, Mark. Heute Nacht gehst du nach Hause, okay?", sagte er nachdrücklich.

Mark zuckte nur die Achseln. Josh hatte recht, in letzter Zeit schlief er noch weniger, als bei anderen Fällen.

Vielleicht lag es daran, dass er sich selbst nachts den Kopf über Lukas Mörder zerbrach. Auf Dauer würde es schwer werden, so weiterzumachen.

Mark wies mit dem Kopf nach vorne, um vom Thema abzulenken.
„Dahinten ist die Cunningham-Farm."

Josh akzeptierte den Themenwechsel stirnrunzelnd und betrachtete nachdenklich die Farm, die vor ihnen auftauchte. Innerlich atmete Mark erleichtert auf, wusste allerdings auch nicht, wie lange es noch so weitergehen sollte.

Auf dem Weg begegneten sie der 16-jährigen Tochter der Cunninghams, die sie nur kurz abwesend musterte.

Mark fiel auf, wie sehr der Schmerz und die Trauer um ihren Vater ihr Gesicht verändert hatten. Sie wirkte älter.

Genau wie Neela, fiel Mark auf. Auch sie war in den letzten Tagen erwachsener geworden, auch wenn sie immer noch so viel darauf anlegte, sich mit ihm zu streiten, wie vorher.

Er sollte wirklich nicht so hart zu ihr sein - immerhin hatte sie ihren Vater verloren. Sie konnte schließlich nichts für das, war er erlebt hatte.

Betsy Cunningham war eine Frau Mitte vierzig, doch ihr vorzeitig ergrautes Haar ließ sie deutlich älter wirken. Nach dem Tod ihres Mannes schien sie zusätzlich gealtert zu sein.

Sie trocknete sich die nassen Hände an einem Handtuch, legte ihre Schürze ab und begrüßte die beiden jungen Männer zurückhaltend.

Wie es in Brendshire wegen der großen Entfernungen zwischen den Farmen Sitte war, bot sie ihnen Kaffee und Kuchen an, was die beiden gerne annahmen. Sie setzten sich an den großen runden Tisch in der Mitte des Raumes.

„Also" Die etwas dickliche Betsy ließ sich ihnen gegenüber auf einen Stuhl fallen. „Was führt euch her?"

Josh schluckte schnell ein Stück Apfelstrudel hinunter und antwortete: „Wie Sie wissen, ermittle ich in Luka McLucas' Mordfall. Ich glaube, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tod des Sheriffs und dem Mord an ihrem Mann geben könnte. Mein herzliches Beileid dazu, Mrs Cunningham."

Betsy nickte nur und knetete nervös ihre Hände.

„Ich würde Ihnen dazu gerne einige Fragen stellen, wenn es Ihnen nichts ausmacht, Madam?", fragte Josh vorsichtig.

Wieder nickte Betsy Cunningham. Sie kämpfte sichtlich mit den Tränen, die das unerwartete Erwähnen des Namens ihres Mannes hervorrief.

Mark hoffte, sie würde nicht wirklich anfangen zu weinen, denn mit solchen Frauen konnte er wenig anfangen. Aber er konnte sich sowieso zurückhalten, da er meistens Josh das Gespräch überließ.

Mark hatte zudem gestern erst Sheriff Chidlow mitgeteilt, dass er mit Josh zusammenarbeitete und ebenfalls von der Polizei sei - was im weitesten Sinne ja auch zutraf.

Der Sheriff zumindest war nicht sehr begeistert gewesen, dass Mark gemeinsam mit Josh ermitteln würde, hatte sich das jedoch kaum anmerken lassen.

Josh zog einen kleinen Block aus seiner Hemdtasche, bereit, mitzuschreiben. „Warum erzählen Sie mir nicht einfach alles, was Sie über den Tod ihres Mannes wissen, Mrs Cunningham?", forderte er die Frau sanft auf.

Betsy schluchzte auf. „Ich weiß nur das, was mir erzählt wurde, schließlich ist es ja in Whitingham passiert. Er wollte seinem Kollegen dort seine neueste Erfindung vorstellen. Am Abend nachdem er abgereist war, bekam ich einen Anruf von seinem Freund, der ebenfalls in Whitingham lebt. Owen wurde wohl in seinem Hotelzimmer gefunden. Man hatte ihn vergiftet, mit Arsen, sagten sie. Sein Kollege hatte die Erfindung nie gesehen, niemand wusste, worum es sich handelte. Sie wurde auch in seinen Sachen nicht gefunden, also vermutet man, dass er deswegen getötet wurde." Betsy schloss mit einem lauten Aufschluchzen.

Josh blickte sie weiterhin an, riskierte keinen Blick in Marks Richtung, wobei Betsy das in ihrem Zustand vermutlich gar nicht mitbekommen hätte.

Jetzt endlich waren sie an der Stelle des Gesprächs, an die Josh die ganze Zeit gewollt hatte. Joshs nächste Frage könnte entscheiden, ob Neelas Idee realistisch war oder nicht.

Er beugte sich vor und blickte Betsy tief in die Augen.
„Mrs Cunningham, wissen Sie oder irgendjemand sonst, was das für eine Erfindung war?"

Zögerlich schüttelte Betsy Cunningham den Kopf. „Es könnte nur sein, dass er etwas in sein Tagebuch geschrieben hat. Warten Sie einen Moment, dann hole ich es Ihnen."
Damit eilte die Frau aus dem Esszimmer.

Als sie wiederkam, hielt sie ein dunkelbraunes, in Leder gebundenes Taschenbuch in der Hand, das sie Josh über den Tisch hin zuschob. Der blätterte in dem Heftchen, bis er einen Eintrag fand, den Owen Cunningham dem Datum nach einige Tage vor seinem Tod geschrieben hatte.

Mark sah das erstaunte Aufblitzen in den Augen seines Partners. Josh zog eine Brille aus seiner Hemdtasche und setzte sie auf, als bräuchte er sie zum Lesen.

Es war eine Spezialanfertigung von ISASP. Betätigte man beim scheinbaren Zurechtrücken der Brille einen winzigen Knopf an den Brillenbügeln, speicherte ein winziger Chip das Bild, das man durch die Gläser sah. Da Josh ein Foto machte, musste er etwas Wichtiges entdeckt haben.

Scheinbar enttäuscht gab er es Betsy Cunningham zurück.

„HabenSie etwas gefunden, Mr Tucker?", fragte sie eifrig.

Josh schüttelte bedauerndden Kopf. „Leider nicht. Aber vielen Dank für Ihre Mühe, Madam."

Er tippte sichan seinen nicht vorhandenen Hut und ging hinter Mark hinaus ins Freie. Kaum hatten sie sich einige Schritte auf dem Weg zu ihren Pferden entfernt, begannJosh zu grinsen.

„Du wirst nicht erraten, was Cunningham erfunden hat!"

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