Flirren

By ThorstenNesch

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Die Studenten Tina und Carlo sehen keine berufliche Zukunft und rauben die Einnahmen eines Baumarktes. Sie fl... More

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- Kalashnikov Close-Up
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- Missverständnis auf dem Botschaftsgelände

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By ThorstenNesch

Missverständnis auf dem Botschaftsgelände

Hinter uns schwang die Drehtür des Hotels aus. Die Sonne schien und hatte die meisten Pfützen der Regennacht verdampft. Es würde ein warmer, schwüler Tag werden.

Carlo knickte den kleinen und undeutlichen Stadtplan unseres verjährten Reiseführers so zusammen, dass er in seiner Hand Platz fand. So würden wir nicht sofort als Touristen erkannt werden.

Carlo deutete nach rechts und sagte, „Da lang.“

Wir wollten zur Deutschen Botschaft, um uns vor Ort über aktuelle Geschehnisse vor allem im nördlichen Albanien zu informieren. Das hatten wir uns gut überlegt, schließlich riskierten wir hier, entdeckt zu werden, aber zum einen glaubten wir nicht, dass nach einem Baumarktraub die Deutschen Botschaften informiert würden und schon gar nicht die Albanische, und zum anderen tobte im Norden in Jugoslawien der Krieg. Hinzu kamen möglicherweise schwer zu bereisende Pässe, denn wir wollten zunächst Richtung Norden in die Berge reisen. Shkodra hieß die Stadt, die wir als erstes Reiseziel aufgrund des Basarviertels und der dortigen Burg auserkoren hatten.

Wir hatten schon lange vor unserem Coup das Für und Wider diskutiert. Aufgrund des anhaltenden Krieges war es einfach vernünftiger, als in eine unbekannte Gegend zu reisen, ohne die möglichen Gefahren zu kennen. Was nützte uns das Geld, wenn unser Leben auf dem Spiel stand? Und weil so weit alles geklappt hatte, zogen wir auch diesen Punkt durch.

Mit der veralteten Stadtkarte Tiranas lotsten wir uns durch die Hauptstadt, vorbei an kleinen Geschäften und Straßenverkäufern, und umrundeten die quadratmetergroßen Löcher im Bürgersteig und im Asphalt, wo die Gullideckel fehlten.

Nach einer halben Stunde hörten wir eine laute Menschenmenge. Und als wir um die nächste Ecke bogen, blieben wir beide überrascht stehen.

„Was ist das denn jetzt?“, fragte ich.

Carlo warf seine Kippe auf den Boden und trat sie aus, ohne hinzuschauen, „Das wird interessant.“

Wir staunten über die haushohen Stahlgitter am Ende der Straße, hinter denen zwei Spähpanzer standen, und ein Pulk von einhundert Menschen rüttelte brüllend auf unserer Seite an dem Gittertor. Bewaffnete Soldaten schwangen ihre Gewehre und riefen den Menschen Befehle zu, auf die niemand reagierte.

„Ist das der einzige Eingang zum Botschaftsviertel?“, fragte ich.

„Ja.“

„Was machen die da alle?“

„Weiß nicht, aber wir müssen da mitmachen.“

„Mit unseren Rucksäcken?“

Jetzt überlegte auch Carlo. Wie hoch war das Risiko, dass in dem Getümmel jemand unsere Rucksäcke stehlen würde? Aber wie hoch war das Risiko in eine Gegend zu reisen, die an ein Kriegsgebiet angrenzte? Jugoslawien zerfiel vor den Augen Europas.

„Ich würde gerne wissen, wie es im Norden aussieht, bevor wir dorthin reisen.“

„Aber den Menschenauflauf hatten wir nicht erwartet.“

„Bis jetzt ist alles glattgegangen. Lass uns nicht abweichen vom Plan.“

Unsere Blicke trafen sich, und wir marschierten geradewegs in die Menge und setzten wie alle anderen unsere Ellenbogen ein. Nach einiger Zeit standen wir in zweiter Reihe am Gatter. Das Stahltor klirrte im Rhythmus der wogenden Menge. Es bog sich nach innen und wieder zurück, als würde es atmen.

Vor uns sah ein Soldat gelangweilt auf einige zerknitterte Papiere, die ein Mann armlang in das Botschaftsviertel hineinreichte und dabei wie ein Wasserfall auf den Uniformierten einredete. Der Soldat blickte auf die Papiere ohne sie anzufassen, als trügen sie einen hochansteckenden Virus.

Um uns herum stemmten sich die Menschen gegen das Gatter. Immer wieder wurden sie von anderen Soldaten zurückgewiesen. Schreie, Beschimpfungen.

Dann zückten wir unsere deutschen Pässe und hielten sie dem Soldaten hin. Bevor wir ein Wort sagen konnten, riss der Soldat sie uns aus den Händen, drehte sich um und verschwand mit drei langen Schritten hinter einem Spähpanzer.

Ich schaute Carlo an, er dachte das Gleiche. Sein Blick fiel auf die Menschen um uns, und er meinte, „Wenn der mit unseren Pässen nicht wieder kommt, wissen wir, warum die Menschen hier so aufgebracht sind.“

Aber der Soldat kam wieder, in Begleitung eines fülligen Offiziers mit wuchtigem Schnauzer.

„Klischees sind keine Erfindungen“, flüsterte Carlo.

Ich weiß nicht, wie er so etwas in einem solchen Moment raushauen konnte, mir war mulmig zumute. Mein Magen verkrampfte sich, und ich kam mir vor, als würden die gestohlenen Geldscheine mit Spucke an meiner Stirn kleben.

Der Offizier nickte kurz und einige Soldaten flankierten ihn, zielten mit ihren Gewehren in Kopfhöhe an uns vorbei, und das Tor wurde ohne weiteren Kommentar einen Spalt geöffnet. Die Menge verstummte. Wir spürten die Blicke der Menschen, murmelnde Unruhe hinter uns, ein Brodeln. Zwei Uniformierte schleusten uns auf das Botschaftsgelände, und das Tor schloss sich wieder, die Soldaten senkten ihre Gewehrläufe, und das Chaos begann erneut.

Ein Soldat zerrte uns an den Armen vom Tor weg aus der Reichweite der hereinlangenden Menschen.

Der Offizier erklärte Carlo auf Italienisch, wir würden die Pässe wiederbekommen, sobald wir das Botschaftsgelände wieder verlassen würden. Dann geleiteten uns zwei Uniformierte an dem Spähpanzer vorbei auf die dahinterliegende Straße und ließen uns zwanzig Meter weiter wortlos stehen.

Niemand hatte über meinen Namen und mein Bild im Reisepass, mein Geschlecht, gestutzt, keine Bemerkung, nichts. Nach einem Moment der Sprachlosigkeit, in dem wir den beiden abmarschierenden Soldaten hinterher schauten, fand Carlo als Erster die Sprache wieder, „Los. Die Botschaft muss gleich dahinten sein.“

Wir gingen die verlassene Straße runter wie zwei Westernhelden. Nirgendwo eine Menschenseele. Kein Auto. Leere Häuser hinter grünen, gepflegten Vorgärten mit bunten Fahnen, die schlapp an ihren Masten klebten.

Mit zunehmender Entfernung wurde die Menge am Tor leiser und leiser. Und obwohl die Gärten der Botschaften dem schönsten Park Tiranas entsprachen, war kein einziger Vogel zu hören.

Schließlich standen wir vor der deutschen Fahne. Der Zaun war frisch gestrichen. Weiß. Die kleine Tür war verschlossen. Keine Klingel. Hatte ich wirklich eine erwartet?

„Hier muss doch jemand sein“, sagte ich.

„Hallo!“, rief Carlo.

Ich erschrak über seine laute Stimme.

Von der Rückseite des Hauses kam ein Bundesgrenzschutzbeamter in weißer Uniform auf uns zu. Ein Musterkämpfer, der gut zwei Meter maß, mit einem Hals von Ohrspitze zu Ohrspitze breit, und dabei hatte er abstehende Ohren. Rechts hielt er sein Sturmgewehr, in der Linken einen quietschgelben Schirm, zusammengefaltet.

Als er uns begrüßte, erkannte ich zu meiner Freude einen friesischen Akzent. In meiner Kindheit war ich mit meinen Eltern oft an der Nordsee gewesen, jeden Sommerurlaub. Ich kam mit dem Menschenschlag bestens aus.

„Moin! Bei welcher Organisation seid ihr denn?“, fragte er gerade raus.

„Moin ... wie, welche Organisation?“, fragte ich zurück.

„Na, Hilfsorganisation.“

„Nein, wir sind so hier“, sagte Carlo.

„So? Wie so?“

„Urlaub.“

„Urlaub?!“

„Ja.“

„In Albanien?“

„Ja“, sagten wir jetzt beide.

„Ihr seid verrückt.“

„Na ja...“, wollte ich einwenden, aber er unterbrach mich.

„Studenten, richtig?!“

Wir nickten.

„Ach, so, na dann ...“

„Wir würden gerne mit einem Angestellten der Botschaft reden“, kam Carlo zur Sache.

„Die Öffnungszeiten sind heute von 14 bis 15 Uhr.“

Es war gerade mal 10 Uhr. Ein Besuch zur Sprechstunde würde für uns eine weitere teure Nacht im Hotel bedeuten, da wir nicht mehr aus Tirana rauskämen.

„Können wir nicht doch jetzt schon ..., geht auch schnell“, Carlo hielt die geöffnete Schachtel Zigaretten hin.

„Danke, rauche nicht mehr, und da drinnen ist keiner, ich bin alleine.“

Er war der erste Deutsche, dem wir hier begegneten, und die einladende Geste funktionierte nicht, weil er auch der erste Nichtraucher war.

„Was machen die denn den ganzen lieben langen Tag, eine Sprechstunde am Tag ...“, fragte ich, froh, wieder eine normale Unterhaltung in meiner Sprache mit jemandem anders als Carlo zu führen.

„Donnerstags auch morgens von 10 bis 11.“

„Mannomann, so ein feines Leben ...“, lenkte ich auf die menschliche Seite.

„Da sagst du was.“

Na bitte, er, als Beamter, duzt mich, dachte ich mir, und er schöpfte ganz offensichtlich keinen Verdacht, wieder jemand, der mich nur als Mann sah, unglaublich, „Was hat dich denn hierher verschlagen. Gab es keine Stelle auf den Malediven?“, fragte ich.

Wir lachten gelöst.

„Nein, Albanien ist zwar weit weg von zu Hause ...“

„Und der Nordsee!“, warf ich ein.

„Ja! Aber es ist nicht schlecht bezahlt, und das Leben ist sehr billig hier.“

„Stimmt, wie sieht’s eigentlich ernährungstechnisch aus. Kann man hier alles überall kaufen?“, fragte Carlo.

Der Beamte hatte seine zunächst steife Haltung gelockert und stützte sich auf dem Schirm ab, „Klar, nicht alles überall, aber eigentlich habt ihr mit nix ein Problem, sind sehr freundlich die Leute hier, und auf dem Schwarzmarkt ist es besonders günstig“, er knipste uns zu, als hätte er gerade von Halunke zu Halunke gesprochen.

„Was kannst du denn besonders empfehlen?“, hakte ich nach.

„Zu rauchen.“

Diese Friesen, dachte ich, der Typ versteckt sein Wesen hinter einem Kurzhaarschnitt und lebt hier wie Gott in Jamaika. Von wegen Nichtraucher, Nichtnikotinraucher ist er. Der kifft sich hier breit und bekommt noch den doppelten Sold oben drauf. Also hakte ich nach, „Zu Rauchen gibt’s hier also auch? Wusste ich es doch!“

Carlo räusperte sich.

„Ich hatte fast gedacht, daran kommt man hier nicht so leicht“, ich lehnte mich locker auf das Geländer und kreuzte die Beine.

„Doch-doch-doch, überall!“

„Hah! Ich meine, die bauen hier bestimmt auch überall an, das Klima ist ja nicht schlecht ...“

„Um mal aufs Thema zu kommen“, wandte sich Carlo an den Beamten, seine Stimme klang höher als sonst, „Du kannst uns ja bestimmt weiterhelfen, wir wollen Richtung Norden und wollten fragen, ob es da Probleme gibt, gesperrte Pässe und so weiter.“

Der Beamte sah mich an, als überlegte er etwas, dann antwortete er, „Was? Nein, ich meine: nein. Nicht in den Norden, bloß nicht in den Norden. Das ist nicht gut, dorthin zu reisen. Wir haben den Befehl, jenes Gebiet nicht zu besuchen. Zu gefährlich.“

„Wieso?“, Carlo unterhielt sich nun weiter.

Mir schwirrte noch der Wortwechsel von eben im Kopf herum.

„Der Krieg in Ex-Jugoslawien hat die gesamte albanische Halbwelt angelockt. Wie bei einem Goldrausch müsst ihr euch das vorstellen. Jeder versucht da oben, das schnelle große Geld zu machen. Schmuggel von Benzin und Waffen und was weiß ich sonst noch. Zwischen den Typen kommt es immer wieder zu Schießereien, weil Neid aufkommt, Gier. Wir sollen das Gebiet meiden. Tut euch das nicht an, da gibt’s wöchentlich Tote. Ehrlich.“

„Mist“, fluchte Carlo.

„Dafür ist der Rest des Landes um so friedlicher“, sagte er.

„Ist das so?“

„Ja.“

„Mmh, ja, danke, das war es eigentlich, was wir wissen wollten. Dann einen schönen Tag noch“, und Carlo nahm mich am Arm, und ich verabschiedete mich ebenfalls etwas überstürzt. Der Friese schaute uns nach und kehrte dann zurück zu seinem Platz. Wo immer der auch war.

Carlo ließ meinen Arm nicht los, er zerrte mich förmlich durch das Botschaftsviertel, schweigend. Irgendetwas stimmte mit ihm nicht.

Auf halbem Weg zum Tor blieb er stehen, „Also weißt du ...“, er nahm einen letzten tiefen Zug seiner Zigarette, „Fragt einen Bundesgrenzschussel, wo es was zu kiffen gibt“, und er schnickte den Stummel in die Gosse, dann ging er weiter den Kopf schüttelnd, „Die fragt einen Bundesgrenzschussel in Albanien, wo es was zu kiffen gibt, ich werd bekloppt.“

„Zuhause kiffen wir ...“

Carlo marschierte weiter und rief zum Himmel, „Wir sind hier aber nicht zuhause! Sieht das hier aus wie zuhause? Steht zuhause ein vereidigter Polizist neben der Lavalampe? Ehrlich. Ehrlich!“

Meine Leichtgläubigkeit musste ich mir selber eingestehen, ich bereute meinen Leichtsinn, aber das musste er ja nicht wissen.

„Fragt einen ... und ein Bundesgrenzschussel ist keine Connection!“

„Ich habe verstanden ...“

„Ich stehe mit 60.000 gestohlenen Mark in zwei Säcken mit einer Transe vorm Bundesgrenzschutz, und die fragt, wo es was zu kiffen gibt! Hätte ich diesen Moment vorhergesehen, hätte ich mich in Frankfurt besser als Pizzataxifahrer beworben, oder mich gleich nach unserem Coup gestellt, weniger Stress wäre das allemal gewesen ...“

„Entschuldigung.“

„Was habe ich noch zu erwarten?“

„Nix.“

Er brubbelte weiter, aber ich verstand nicht, was er sagte, es hätte auch Italienisch dabei sein können. So klang es, wenn jemand Druck abbaut mit Worten.

Als uns der erste Soldat sah, holte er direkt seinen Vorgesetzten. Neben dem Spähpanzer mussten wir stehen bleiben.

Der Offizier zögerte, uns die Reisepässe zurückzugeben, er spielte mit ihnen, als hätte er ein Kartenspiel in der Hand, er mischte, während er lächelnd mit Carlo auf Italienisch sprach, ohne ihn anzusehen. Er guckte über ihn hinweg in die vogelfreien Baumkronen und sprach mit Carlo so, dass dieser ebenfalls anständig lächelnd nur hin und wieder ein „Si“ einstreuen konnte. Sein Schnauzer untermalte dabei seine freundliche Grundhaltung.

Dann haute er Carlo unsere Pässe mit solch einer Wucht gegen die Brust, dass Carlo schwankte, weil er damit nicht gerechnet hatte. Als Nächstes nickte der Offizier zwei Soldaten zu und in Richtung Stahlgatter.

Wieder zielte man über unsere Schultern, und gut einhundert Augenpaare verfolgten jeden unserer Schritte.

Hinter uns fiel das Tor ins Schloss, fingerdicke Ketten wurden um Stahl gelegt. Die Männer auf dieser Seite des Zaunes sahen uns an, es waren ausschließlich Männer, keine Alten, keine Jugendlichen, Männer zwischen zwanzig und vierzig, die vor dem Tor auf ihre Ausreise, ihre Papiere oder irgendwas warteten. Schwer atmeten sie mit offenen Mündern in unsere Gesichter, warm und verschwitzt vor Erschöpfung, gewichener Hoffnung, angereichert mit Verzweiflung. Spröde Lippen zwischen unrasierten Wangen unter dunklen Augen, die uns ohne ein Blinzeln anstarrten. Vor uns traten die Männer zur Seite, und sie bildeten eine Schneise wie einstudiert, kein Drängeln, kein Schubsen, keine Ellenbogen. Sie wussten, dass uns die Blicke der Soldaten und ihres Offiziers ebenfalls verfolgten. Niemand wollte seine Träume tiefer als nötig begraben.

Niemand sprach uns an, niemand berührte uns, wir waren irgendwo zwischen heilig und verdammt. Und irgendwie stimmte das auch.

Mein Puls beruhigte sich erst, als wir um die nächste Straßenecke bogen und hinter uns das vertraute Gebrüll der Menge wieder begann.

„Was hat der Offizier gemeint? Hat er dir von seinem letzten Urlaub erzählt?“, fragte ich Carlo.

„Nein. Der hat mich gewarnt! Ich solle nicht noch länger mit so einer doofen THC-Triene durch die Gegend gurken.“

„Was hat er gesagt?“

„War länger.“

„Dann fasse es zusammen!“

„Nichts Wichtiges.“

„Schieß los.“

Ich spürte, wie ungern er darüber reden wollte, also musste etwas dran sein.

„Die haben natürlich in unsere Reisepässe geguckt. Und da hat er gesehen, dass du eigentlich eine Frau bist.“

„Das ist alles?“

„Ja.“

„Da muss er doch was zu gesagt haben. Hat er darüber erzählt?“

Er antwortete mir nicht, ich hakte nach, „Also er hat über mich geredet. Was hat er gesagt?“

„Zusammengefasst, und am nettesten ausgedrückt, er hat mir geraten, ich sollte dich mal richtig ... durchficken, dann würdest du wieder normal denken.“

„Das Schwein. Das hat er gesagt?“

„Blumiger.“

„Was ein Schweinetyp.“

„Tja.“

„Schwein.“

„Fragt einen Staatsdiener nach was zu kiffen ...“, und weil ich nicht darauf einging, wiederholte er es noch einmal für sich, „Die fragt echt einen Bundesgrenzschussel, wo es was zu kiffen gibt ...“

„Ist ja gut jetzt.“

Ohne es absprechen zu müssen, schlugen wir die Richtung zum Bahnhof ein.

„Und wo sollen wir hin: in den Osten oder in den Süden?“, fragte ich.

„Wie sieht’s aus mit Osten?“

„Osten ist es.“

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