Öfter mal was neues

By Meeuwtje

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Ich war immer schon ein langweiliger Mensch. Na ja, langweilig... aber wirklich der totale Durchschnitt. Ich... More

Öfter mal was neues
Epilog
Prolog
1. Hirngespinste
2. Heisshunger
3. Veränderungen
4. Jesse
5. Kaspar
6. Silas
7. Unterricht
8. Schmetterlinge
9. Zweifel
10. Fehltritt
11. Date
12. Kreuzverhöre
13. Freunde
14. Familie
16. Nachwehen
17. Dilemma
18. Ausgehen
19. Erklärungen
20. Freunde
21. Julius
22. Hinrichtung
23. Kurswechsel
24. Zusammenstoss
25. Familie II
26. Shopping
27. Astofanes' Geschichte
28. Mädelsabend
29. Überfahrt
30. Ein neuer Anfang
31. Schule
32. Helen
33. Blut
Dank an meine treuen Leser
34. Krankenhaus
35. Hausbesuch
36. Fragen
37. Test
38. Blutdurst
39. Kater
40. Unterricht Nr.1
Unterricht Nr.2
42. Reibungen
43. Andere Zeiten
44. Freunde
45. Egomanie
46. Unterricht Nr.3
47. Macht
48. Das fünfte Rad
49. Wiedersehen
50. Heimkehr
51. Reibereien
52. Bekenntnisse
53. Funken
54. Feuer
55. Wolke 7
56. Kriegsrat
57. Familienkonferenz
58. Kampfhähne
59. Freundinnen
60. Hoffnung
61. Der Saal
62. Ratssitzung

15. Scherben

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By Meeuwtje

Ich war unglaublich erleichtert wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein und ungeniert ein Glas Blut vor mir auf dem Tisch stehen zu haben. Zusammen gerollt und vertieft in ein Buch saß ich auf dem Sofa, als es schellte.

Mit Kaspar hatte ich jeden Tag Kontakt gehabt und ich hatte ihn gerade noch angerufen um zu sagen dass ich gut angekommen war also erwartete ich nicht dass er es war.

Ich hatte echt keine Ahnung. Ich stellte schnell das Glas voll Blut hinten in den Kühlschrank.

Ich schaute durch den Türspion und sah Jesse.

“Hé, wie schön! Woher wusstest du dass ich zurück bin?“

“Du hast mir deine Pläne für Weihnachten erzählt und mein Gedächtnis tut es noch.“

Er drehte mit einem Finger Kreise vor seiner Schläfe.

“Komm rein. Ich kann dir leider nicht viel anbieten, ich bin gerade erst nach Hause gekommen. Kaffee, Tee, Bessenjenever?“

“Ich brauche nichts.“

Ich war erleichtert, dann brauchte ich auch nichts trinken. Die Pflichthappen der letzten Tage lagen mir immer noch schwer auf dem Magen. Ich lief vor ihm aus zum Wohnzimmer und blieb unschlüssig im Türrahmen stehen. Er blieb neben mir stehen und sah mich an. Sofort war da wieder dieser unsichtbare Faden der uns verband. Wir standen sicher eine halbe Minute bevor er seine Hand hob und auf meine Wange legte. Als ich ihn weiterhin ansah glitt auch seine andere Hand über mein Gesicht und mein Kopf ruhte in seinen Händen. Ich hatte das Gefühl dass meine Wangen glühten, obwohl ich wusste, dass sie sich eiskalt zwischen seinen Fingern anfühlten. Nervös wartete ich auf eine Reaktion. Würde er meine eisige Haut bemerken? Ich konnte keine Reaktion in seinen Augen entdecken.

Ganz langsam beugte er sich vorüber und berührte sanft mit seinen Lippen meinen Mundwinkel. Ich schloss, mich ergebend und auf mehr wartend, meine Augen. Ich wollte seine Lippen auf den meinen fühlen. Wollte fühlen wie er langsam, mit seiner Zunge tastend, den Weg erkunden würde, aber es kam nichts. Als ich endlich meine Lider hoch zog sah Jesse mich lächelnd an und küsste mich wieder, dieses Mal kräftiger und mit einem Seufzer schob ich mich dichter an ihn ran. Ich ließ meine Hände seinen warmen Rücken hoch gleiten. Sogar durch den Stoff seiner dicken Winterjacke fühlte ich seine Körperwärme strahlen. Ich packte ihn bei seinen Schultern und zog ihn noch näher an mich ran. Die Energien schienen jetzt noch ungebremster zu fließen und ich fühlte wie mir Schwindelig wurde. Jesse ließ mein Gesicht los und legte seine Arme um mich. Seine Wärme strömte in meinen Körper. Ich fragte mich ob meine Körperwärme tatsächlich aning zu steigen, oder dass ich mir das nur einbildete. Unsere Münder ließen einander los um noch dichter zusammen kriechen zu können. Es war als ob wir beide in diesem Moment das selbe fühlten. Eine Welle von Erleichterung, dass dieser wichtige Schritt genommen war und die Sicherheit dass es gut war, schwappte über mich. Jesse festigte seinen Griff und ich tat das selbe.

Ich drückte mein Gesicht in seinen Nacken und schnof seinen betäubenden Geruch auf. Er strich mit seinen Händen in langsamen Bewegungen über meinen Rücken und ich genoss intensiv die Hitze die er ausstrahlte. Ich ließ meine Zunge federleicht von der Kuhle zwischen seinen Schlüsselbeinen über seinen Nacken in Richtung Ohr gleiten. Ein sanftes Stöhnen entsprang Jesse. Sanft knabberte ich an seinem Ohrläppchen.

Wie ein Blitz traf mich der unbezwingbare Drang um zu zu beißen. Ich schmeckte frisches Blut auf meiner Zungenspitze. Mit unglaublicher Willenskraft und tatsächlich unmenschlichem Tempo sprang ich aus seinen Armen und klatschte mit meinem Rücken gegen die gegenüberliegende Mauer. Schwer atmend blieb ich zusammengesunken stehen, noch immer den süssen Geschmack von seinem Blut auf den Lippen, während die schwere Pafumluft, die ich noch von meiner ersten Begegnung mit seinem Blut so gut kannte, das Zimmer füllte. Es war leckerer als das Leckerste was ich jemals in meinem Menschenleben gegessen hatte.

Langsam wagte ich es meinen Kopf zu heben und in seine Richtung zu sehen. Jesse stand regungslos da und sah mich, mit Ungläubigkeit und Verwirrung in seinen Augen an. Langsam hob er seine Hand und fühlte mit einem Finger an seinem Nacken, wo das Blut, das aus seinem Ohrläppchen tröpfelte eine rote Spur hinterließ. Mit erstauntem Blick besah er sein eigenes Blut das an seinem Finger haftete. Langsam steckte er seinen Finger in den Mund um ihn ab zu lecken. Ich sah schnell weg. Die Gebärde an sich füllte meine gesamte Mundhöhle mit der Erinnerung an seinen Geschmack.

“Tschuldigung,“ presste ich durch meine, aufeinander geklemmten Kiefer.

“Du hast verdammt scharfe Zähne,“ sagte er und ich konnte an seiner Stimme hören, dass er nicht böse war, eher erschrocken.

Meine Zähne waren mittlerweile so scharf wie Rasierklingen und in dieser menschlichen Situation hatte ich kurz alle Vorsicht außer Acht gelassen und hatte für einen Moment vergessen, dass ich kein Mensch mehr war.

‘Wie hast du das gemacht?“ Ich brauchte nicht fragen was er damit meinte. Meine Bewegungen die ich in der ersten Schreckenssekunde in einem Reflex ausgeführt hatte waren alles andere als menschlich. „Und warum?“

Die kleine, normale Welt, die ich für mich selbst probierte auf zu bauen lag in Scherben vor meinen Füssen. Ich hatte mich verraten. Es würde nicht lange mehr dauern bis der Rat da Wind von bekam.

Ich suchte panisch nach einer akzeptablen Erklärung, so dass es keinen Grund gab um Schritte ein zu leiten, die für uns alle beide unangenehme Folgen haben würden. Wie konnte ich nur so dumm sein zu denken, dass ich das Recht hatte ein Menschenleben in Gefahr zu bringen. Es war egoistisch von mir zu denken dass alles gut werden würde. Ich konnte kein Wort über meine Lippen kriegen.

Ich starrte noch immer auf meine Füße und dachte tief nach. Aber alles woran ich denken konnte war der Geschmack seines Blutes. Ich ekelte mich vor mir selbst.

Ohne meinen Kopf zu heben guckte ich durch meine Wimpern durch zu Jesse, dabei vorsichtig meine eigene Reaktion peilend. Das Bluten hatte aufgehört und der betäubende Geruch fing an weg zu ziehen.

Jesse hob einen Fuß um einen Schritt in meine Richtung zu machen. In einer panischen Reaktion hob ich meine Hand um ihm zu verstehen zu geben, dass er Abstand halten musste. Ich war so durch den Wind dass ich wieder vergaß, mein Tempo an menschliche Proportionen an zu passen. In seinen Augen konnte ich immer mehr Verwirrung lesen.

“Lass mich.“ Ich ließ mich entlang der Wand hinab gleiten bis ich in der Hocke saß, meinen Kopf zwischen meinen Knien und meine Hände beschützend darüber gelegt.

“Was hab ich getan?“ Jetzt klang er besorgt.

“Nichts, es liegt nicht an dir.“ Au, was für ein abgedroschener Satz.

Es klingelte aber ich wagte es noch immer nicht mich zu rühren. Ich hörte Jesse zur Tür gehen und kurz darauf erkannte ich mit einem Schock Kaspars Stimme.

“Ehm.... Ich suche eigentlich Sara.“

O je. Jetzt gab es noch eine zweite Person, die eine Erklärung wollte. Kaspar hatte nicht explizit gefragt ob ich eine Beziehung hatte und ich hatte nicht darüber angefangen, aus Angst, dass ich gezwungen wurde Jesse auf zu geben, bevor es richtig angefangen hatte. Natürlich war es mir bewusst, dass diese Liebe von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, aber nach so langer Zeit mal wieder verliebt zu sein fühlte sich so unglaublich gut an, dass ich meinen Kopf in den Sand gesteckt hatte. Aber wie sagt man so schön: wer heute seinen Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen.

Ich musste Kaspar nichts erklären. Als er an Jesse, der da mit einer getrocknete Blutspur an seinem Hals stand, vorbei lief und das Wohnzimmer betrat, sah er in einem Augenaufschlag was passiert sein musste.

Er sah mich kurz böse an. Ich hatte meinen Kopf auf meine Knie gelegt und sah ihn flehend an. Kaspar legte sein strahlendstes Lächeln auf seine Lippen und ließ seinen Blick zu Jesse wandern.

Ich wollte laut 'nein' schreien, aber es blieb mir in der Kehle stecken. Ich wusste, dass das die einzige Lösung war.

“Geh nach Hause und vergesse was hier passiert ist.“ Mehr brauchte Kaspar nicht zu sagen um Jesse in einen Trancezustand zu versetzen. Er packte seine Jacke und marschierte zur Tür raus.

Ein großes, leeres, betäubtes Gefühl legte sich wie eine kratzende, erstickende Decke über mich. Ich stand mechanisch auf, setzte mich auf's Sofa und rührte mich nicht mehr.

“Lass mich allein!“ Ich hatte vor, diesen Abend damit zu verbringen alle schönen Momente, die ich bis jetzt mit Jesse verbracht hatte, wieder und wieder in meinem Kopf ab zu spielen. Jedes Wort, jede Gebärde, jede Berührung. Ein Vorteil hatte das Vampirsein, ein phänomenales Gedächtnis. Ich konnte alles was ich seit der Transformation gesehen, gehört, gefühlt hab abspielen wie ein Video.

Ich wollte noch nicht Abschied nehmen. Und Kaspars Anwesenheit war im Moment zu viel Realität für mich. Ich wollte, dass er ging, aber er stand noch immer in der Tür und zog diese nun dicht.

Leider blieb er an der falschen Seite stehen.

Er zog seine Jacke aus und legte diese über einen Stuhl. Seine Schuhe folgten. Er setzte sich neben mich auf das Sofa und zog seine Füße unter sich. Kaspar hatte nicht vor heute noch zu gehen.

“Das kann ich nicht machen. Wenn du was dummes anstellst, bin ich dafür verantwortlich und dann macht es keinen Unterschied ,dass mein sogenannter Vater Ratsmitglied ist.“

“Ich will einfach noch eine Weile nicht der Realität ins Auge sehen müssen,“ schluchzte ich. „Noch eben in Erinnerungen schwelgen.“ Ich sackte zusammen und heulte trockene Tränen. Kaspar schob einen Arm um mich in einem ungeübten Versuch mich zu trösten.

Sein Arm war Kalt, nicht so als die menschliche Wärme von Jesse noch keine halbe Stunde her. Trotzdem stützte ich meinen Kopf auf seine Schulter. Kaspar würde letztendlich der Einzige sein, der mir noch blieb. Und auf seine Art probierte er mir nur zu helfen.

“Warum hast du nichts erzählt? Das hättest du echt tun müssen,“ sagte Kaspar mit einer leicht beschuldigenden Stimme.

“Ich weiß, aber ich wusste, dass du von mir verlangen würdest ein Ende daran zu machen. Und es hatte noch nicht mal richtig angefangen. Vor dem heutigen Tage haben wir uns noch nicht mal geküsst.“ Mit einem tiefen Seufzend erinnerte ich mich an das Gefühl, dass mir dieser erste und wahrscheinlich auch letzter Kuss gegeben hatte.

„Es ist nichts passiert, nur das Gefühl war da, und das ist von mir.“ Ich schlug meine Arme um meine hoch gezogenen Knie und begrub mein Gesicht. Kaspar strich tröstend mit einer Hand über mein Haar. Ich weiß nicht wie viele Stunden wir so da saßen aber der Schmerz nahm nicht ab.

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