Hi leute!
Also ich hatte eigentlich gar nicht vor, diese Geschichte zu veröffentlichen, deshalb hoffe ich, dass ihr ein wenig nachsichtig seid ;) Jedoch würde ich mich sehr freuen, wenn der eine oder andere einen kleinen Kommentar zu der Geschichte abgibt. Ansonsten, viel Spaß beim Lesen!
Prolog
19. Dezember 1785
Ein neuer Tag, neues Unglück,
murmelte Sophia am Morgen des 19. Novembers, während sie ihr langes, lockiges braunes Haar kämmte. Am Ansatz wuchsen schon wieder ein paar rote Strähnen nach, was sie irgendwie wild aussehen ließ. Wäre sie nicht so standhaft dabei geblieben, ihr Gesicht immer mit einem Schleier zu schützen, sodass niemand ihr Gesicht sehen konnte, so hätte sie eine Zofe.
Doch sie war nicht irgendjemand. Das wurde ihr mal wieder schmerzlich bewusst, als sie den Schleicher anhob und in den Spiegel sah: ein Schmetterlingsflügel verzierte ihr halbes Gesicht. Doch die Zeichnung war kein Zeichen von edler Abstammung. Mitnichten. Sie wäre wahrscheinlich immer noch in der Schmiede ihres Vaters, wenn nicht zufälligerweise Simeon sie gefunden und zu seiner Braut gemacht hätte.
Er wusste nicht, dass sie eine Fey war, eine Schmetterlingskreatur, denn ihre Eltern und auch die Eltern von ihren Eltern hatten keine besonderen Anzeichen dafür gezeigt, dieses Gen in ihrer Blutlinie zu tragen.
Nach der Vermählung kamen nach und nach erste Anzeichen ihrer Verwandlung: Ihr Rücken schmerzte immerzu und es bildeten sich kleine Knoten an ihren Schulterblättern. Mit der Geburt ihres ersten Kindes waren die Knoten aufgeplatzt und kleine wunderschön blaue Flügel an ihre Stelle getreten.
Die Tätowierung erinnerte sie daran wie es war, fliegen zu können und das Gefühl von Freiheit, welches ihr fast das Herz zerriss.
„Ein Schmetterling, der seine Ehre verloren hat, das bist du!“ flüsterte sie bitter ihrem Spiegelbild zu. Sie sah es lebhaft vor sich:
Ihr Gemahl Simeon, gekrängt von ihrem Entschluss, gehen zu müssen, in ein fernes Land, in dem sie glücklich sein könnte, ohne die ständige Angst.
Er wollte nicht glauben, als sie schluchzte, sie täte es nur für ihn und sein kostbares Leben. Doch er war zu ihr getreten und hatte sie tröstend in die Arme geschlossen. Eine Träne lief ihr über das Gesicht, als sie sich an seine Küsse erinnerte…
Doch das war einmal. Sie wusste, mit einer so unerträglich ermüdenden Gewissheit. „Ich muss! Du weißt gar nicht, was es heißt, von meinesgleichen geliebt zu werden!“ Er hatte sie ein weiteres Mal angefleht, zu bleiben, ihm zu sagen, wer sie sei. „Bitte, vertraust du mir denn nicht? Ich würde dich niemals verraten, das weißt du doch!“
Sie antwortete mit der Geschichte, die ihre Großmutter ihr oft am Bett erzählte, wenn sie schlafen sollte.
„Sie sind überall und nirgendwo. Da und doch auch nicht da. Aber eins ist sicher: sie hören alles. Alles, was auf der Welt gesagt und gemurmelt wird, die geflüsterten Rituale, Liebesschwüre. Insbesondere Verschwörungen gegen den König. Kein Attentat hat meine Welt mehr getroffen, seit Lord und Lady Whisper regieren. Sie werden weniger verehrt als gehasst, aber niemand wagt es, etwas zu sagen.“ Sie erinnerte sich nicht, wie oft ihre Großmutter ihr das gesagt hatte.
„Bitte, bevor du gehst, ich muss es wissen! Bitte, mein letzter Wunsch.“ Sie zögerte, und das nutzte er aus. „Bitte, für mich. Für dich,… für uns.“ Erneut nahm er sie in die Arme, sein warmer Atem kitzelte an ihrem Gesicht. Dann küsste er sie. Das letzte Mal, beschwor sie sich. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und erwiderte den Kuss.
Er zog sie noch näher an sich, legte einen Arm um ihre Hüfte. Der Kuss wurde leidenschaftlicher. Soweit hatte sie es seit der Geburt ihres Kindes nie kommen lassen, und das wusste er. Dies nutzte er jedoch nicht so aus, wie er es früher getan hätte, wofür sie ihm unendlich dankbar war.
Jetzt löste er sich aus dem Kuss und starrte sie aus weit aufgerissenen Augen an. Sie wusste, was er sah. Er sah sie in ihrer wirklichen Gestalt. Ihre Lippen waren voll und leuchtend rot, ebenso wie ihr Haar, das nur einen Tick dunkler war. Fuchsrot, wie sie stets hinzufügte.
Im Kontrast zu ihrem langen, lockigen Haar, das sich um ihre leuchtend orangefarbenen Flügel schmiegte, standen ihre Augen. Ihre dreifarbigen Augen. Dunkelgrün, grün, golden. Der Familientradition nach standen sie für Gerechtigkeit, Standhaftigkeit und Weisheit.
Doch ihre Flügel waren wahrscheinlich das außergewöhnlichste. Sie waren nicht Libellenhaft, wie sie es sich als Kind immer vorgestellt hatte, und war dann schon fast enttäuscht, als sie sich als kümmerliche orangefarbene Dinger erwiesen.
Doch mit der Zeit waren sie Gewachsen, und nun, mit ihren fünfundzwanzig Jahren, sah sie aus wie eine Kriegerin.
Denn sie hatten gekräuselte Spitzen am Ende, und vier schwarze Augen, wie ein Nachtfalter.
Sie sah weg. Sie hasste sich dafür, dass sie ihm sich gezeigt hatte, zu schwach gewesen war, um die Schutzhülle, die sie in einen vergleichsweise hässlichen Menschen verwandelte, aufrechtzuerhalten.
Immernoch sah er sie an, das spürte sie. In ihrer Kriegertracht, die aus einem Drachenleder Kombination bestand, fühlte sie sich seltsam unwohl. Doch darin konnte man sich besser bewegen, und nur darauf kam es in ihrem Land an. Kämpfen oder fliehen - oder sterben.
Langsam näherte er seine zitternde Hand ihrem Bauch. Er fuhr mit ihr hinter zu ihren Flügeln, berührte sie… Sie erschauerte. „Ist dir kalt?“ fragte er sie besorgt. „Ich kann nicht frieren“, hatte sie geantwortet. Seine Augen wurden größer, als sie ohnehin schon waren, Trauer machte sich in seinem Blick bemerkbar.
„Ich wusste ja, dass du etwas vor sich verbirgst, aber so viel… Das hätte ich nicht gedacht.“ Langsam tasteten sich seine Finger noch weiter vor.
Als er direkt dort angekommen war, wo eigentlich ihre Wirbelsäule gewesen wäre, fuhr er an der Vertiefung entlang. Sie seufzte. Sie liebte ihn so sehr, dass es weh tat, doch konnte sie nicht bleiben. Früher oder später würde man sie aufgespüren und erbarmungslos hängen.
Das heißt, sie würde Verwelken. Ein nasses Tuch würde über ihre Flügel fahren und ihr den blütenstaub nehmen und sie würde zugrunde gehen. Er würde wahrscheinlich erst gefoltert und dann gehängt werden. Unschöne Vorstellungen.
„Woran denkst du?“ fragte er verwundert, als er mein schmerzverzerrtes Gesicht sah. „Ich denke daran, dass das gar nicht hätte passieren dürfen. Ich muss gehen.“
Sie wandte sich abrupt ab.
Doch als sie losfliegen wollte, grub jemand seine Hand so fest in ihre Flügel, dass sie aufschrie und zu Boden sank. „Oh mein Gott! Sorry, das wollte ich nicht.“ rief Simeon und beugte sich über sie. „Alles in Ordnung?“ Sie fluchte:
„Nein! Verdammt, das dauert bestimmt Ewigkeiten bis die wieder so aussehen wie früher!“ Er setzte sich zerknirscht hinter sie und schickte sich an, zu retten, was zu retten war. Am Schluss küsste sie mitten in das Herz der Flügel.
„Wer bist du wirklich, Sophia?“
Jetzt musste ich es ihm wohl oder übel sagen, denn er wusste es bereits, es gab es kein Zurück.
"Ich bin eine Fey. Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, denn meine Familie hatte schon lange keine mehr wie mich. Ich bin die Tochter eines Schmieds, nichts besonderes, aber von nun an werden sie mich jagen, wenn sie mich sehen. Sie werden versuchen, mich zu töten und du... “
Er fragte nicht weiter, sondern wandte sich ab, bevor er sagte: „Es ist besser wenn du gehst, ich möchte dich hier nicht wiedersehen. Du bringst mich in Schwierigkeiten, wenn du hier bleibst. Ich finde bestimmt eine neue Frau, die mir besser zu Gesicht steht als du. Fahr... anders... D...g...“
Und plötzlich war sie wieder in der Realität angekommen.
Seine letzten Worte hatten sich tief in ihr Gehirn eingebrannt. Sie war schon fast zu Hause, als ihre Flügel vor Gram welk wurden. Sie wusste, wenn sie es nicht wieder gut machte, würde sie für immer und ewig diesen schönen Schandfleck tragen.
In ihren Erinnerungen versunken hatte sie nicht bemerkt, dass jemand hereingekommen war. Erst als sich eine vertraute Hand auf ihre Schulter spürte, zuckte sie zusammen und strich ihren Morgenrock glatt.
Es war ihre private Dienerin, die einzige Person, der sie voll und ganz vertraute. „My Lady, ich habe euren Gemahl und zwei Diener gesehen. Ich glaube, sie wollen zu euch. Ihr müsst vorsichtig sein, sie haben es sehr eilig. Ich fürchte, sie wissen Bescheid.“
Sofort verstand ich, was sie meinte und war schon dabei, das Mal weg zu schminken. „Versteck dich in meinem Schrank, der ist sicher. Sie dürfen nicht wissen, dass du mich gewarnt hast. Und rede mich gefälligst mit „du“ an und nicht mit "My Lady" als wärst du nur irgendjemand. Und du weißt, dass du das nicht bist.“ Ihre Dienerin schüttelte lächelnd den Kopf.
„Aber irgendwann müsst Ihr euch daran gewöhnen. Also fangt am besten gleich an.“ Sie konnte gerade noch die Schranktür schließen, als Simeon eintrat. Von den zwei Dienern war allerdings nichts zu sehen. Doch diese würden bald in der Tür stehen. Sie wusste es.
Hatte immer gewartet. Doch jetzt, da es so weit gekommen war, schockte es sie doch. Wie erwartet traten die Diner ein und banden ihre Handgelenke hinter dem zierlichem Stuhl zusammen, so sehr sie sich auch Werte.
„So, wollen wir doch mal sehen, was du verbirgst, oder, Schätzchen?“ seine Stimme triefte vor Spott. Ich konnte mich nicht wehren, als er den Lapislazulifarbenen Vorhang vor meinem Gesicht anhob. „Idiot. Wiederling.“ Ich warf im jede Beleidigung an den Kopf, die sich gerade einfiel. Dann ließ er den Schleier auf den Boden fallen. Zum Glück hatte ich noch Zeit gehabt, das mal zu überdecken, doch nur eine dünne Schicht.
„Wieso ist da nichts? Wieso der Schleier und das ganze? Ich verstehe das nicht,… es sei denn…“ Er umfasste grob beide Wangen von sich und presste seine Lippen auf meine. Wild schlug ich den Kopf hin und her, dass meine Locken nur so flogen.
Doch er ließ nicht von sich ab. Plötzlich blickten seine schwarz – grauen… Moment – Simeon hatte doch tiefe, dunkelbraune Augen, eine Qualität, die sie immer schätzte an ihm. Das war nicht Simeon. Doch kaum hatte sie es bemerkt, war er vorsichtig einen Schritt zurückgetreten, um sie besser betrachten zu können.
„Mh. Nicht ganz das, was ich erwartet hatte, aber die Geschichte wird auch so lustig. Oder… meine liebste Cousine?“ als er sie so nannte, fiel ihr ihre verborgene Kraft als Fey wieder ein, die sie, zusammen mit all den anderen Des Sachen, aus ihrem Kopf verbannt hatte.
Sie konzentrierte sich, bis ihre Augen gleißend weiß wurden, wie sie ihm Spiegel sah. „Na, Cousin Maximilian, wie gefällt es dir, so unscheinbar und schwach?“
Sie zog ihn in ihren Bann und nahm seine Illusion sowie seine magischen Kräfte in sich auf, sog alles aus ihm heraus, was mächtig war. Sich zu befreien war nun nichts mehr als ein Kinderspiel.
Schließlich rächte sie sich an allen, die ihr Rechenschaft schuldeten. Ihre Flügel wurden mit der Zeit und ihrer gestohlenen Magie immer größer und düsterer.
Doch sie unternahm nichts dagegen. Sie wusste, wenn sie leben wollte, und das tat sie nur zu gerne, musste sie böse sein. So wurde sie Gründerin des Fey Hofes und wurde von je her nur noch Lady Death genannt.
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Aus den Annalen der SiU
Thomas Gode, Mitarbeiter des Ministeriums für Recht und Ordnung
Anmerkung: Bei einem Einbruch in die Datenbank wurden ein paar Buchtstaben unleserlich gemacht. Es heißt, der Lehrling habe seinen Tee verschüttet.